Ausgabe 
30.6.1885
 
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reich die rumänischen Producte mit Prohibitiv⸗ zöllen belegen.

Afrika. Algier, 26. Juni. In Folge des Verbots zur Aufführung einer Operette in der Sabirsprache gibt sich hier seit zwei Tagen eine leichte Erregung kund. Gestern Abend durch zogen 50 junge Leute lärmend die Straßen mit dem Rufe: Nieder mit den Juden! 7 Verhaft⸗ ungen wurden vorgenommen. Der Zwischenfall hat keinerlei Bedeutung. In Folge des jüngsten Dekrets, welches den Commandirenden der mili⸗ tärischen Streitkräfte in Tunis dem Generalre sidenten dorten unterordnet, verlangte General Boulanger vom Kriegsminister, zur Disposition gestellt zu werden.

Amerika. New⸗Nork. Nach einer Depesche aus Lima sind die Truppen des Generals Ca ceres entlassen.

Aus Stadt und Land.

H. Friedberg. Unsere Stadt wird demnächst um eine westere Zierde bereichert werden. Der Stadtkirch thurm erhält nämlich eine neue Uhr mit 3 Zifferblättern, letztere werden einen Durchmesser von 3 Meter haben, mit weißem Anstrich, erhabenem Rand und deutlichen Zahlen versehen, demnach für ein gutes Auge weithin sichtbar. Hoffentlich wird uns dann der Erbauer der neuen Uhr nicht zu lange über die festgesetzte Zeit warten lassen.

Gießen. Schwurgerichtsverhandlung am 25. Juni gegen Karl Hepper von Ober⸗Mörlen, wegen betrüglichen Bankerutts. Die Geschworenen verneinten die ihnen vorgelegte Schuldfrage und wurde der Angeklagte dem gemäß von Strafe und Kosten freigesprochen. Am 26. Juni gegen den Lehrer i. P. Michael Beyke von Ober-Mörlen, wegen Meineids. Die Geschworenen ver neinten die ihnen vorgelegten Schuldfragen und wurde demgemäß Beyke von Strafe und Kosten freigesprochen.

Allerlei.

st. Frankfurt. Mittwoch den 1. Juli beginnt im Frankfurter Opernhause das Gastspiel des rühmlichst be kannten Ensemble's des Münchener Gärtner-Theaters. Die Gäste werden neben denjenigen Stücken, mit denen sie bereits im vorigen Jahre große Erfolge erzielten (wieHerrgottschnitzer,Prozeßhansl,Im Austrags Stüberl), auch Novitäten zur Darstellung bringen. So z. B.:Der Schlagring,Der Geigenmacher von Mittenwald,Zwiderwurzen undDer Protzenbauer. Dieses Gastspiel dürfte auch für alle auswärtigen Theaterfreunde von Interesse sein. Daß diese Vorstell⸗ ungen in das neue Opernhaus verlegt worden sind, welches jetzt bei einer Hitze von 24 Grad ein kühler und angenehmer Aufenthaltsort bleibt, wird für dieses Gastspiel jedenfalls sehr günstig sein.

Mannheim. Der muthmaßliche Mörder der Mar garethe Ries soll, wie man aus zuverlässiger Quelle erfährt, verhaftet worden sein.

Saarbrücken, 27. Juni. Gestern Nachmittag fand in der Grube Dudweiler eine Explosion schlagender Wetter statt. Von 37 Arbeitern wurden 17 getödtet und wird einer vermißt. Die übrigen Arbeiter wurden ge rettet. Der Betrieb der Grube ist nicht unterbrochen.

Hattingen a. d. Ruhr, 26. Junt. Während eines heute hierselbst niedergegangenen schweren Gewitters schlug der Blitz in eine unweit von der Bahn auf der Weide befindliche Heerde und tödtete, wie derElberf. Ztg. berichtet wird, mit einem Schlage nicht weniger denn 15 Kühe. Auch sonst soll das Gewitter noch wei teren Schaden angerichtet haben.

Bremen. Die Rettungsstation Hooksiel der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphirt: Am 27. Juni von der holländischen TjalkMargarethe, Capitän Spelmann, gestrandet beim Hooksieler Tief, sieben Personen gerettet durch das Rettungsboot der Station Hooksiel. Unter den Geretteten eine Frau und 3 Kinder. Starker Nordwind.

Die Erfindung der künstlichen Soda.

Da Nicolas Leblanc die künstliche Bereitung der Soda, dieser in der Industrie und für jede Haushaltung so unentbehrlichen Substanz, er funden und sich damit zu einem Wohlthäter der Menschheit aufgeschwungen, hat man demselben eine Statue in seiner Geburtsstadt gesetzt. Wer in der industriellen Chemie nicht sehr be wandert, fragt vielleicht ganz harmlos, was denn da Bewundernswerthes dabei sei. Indeß mögen einige Antecedentien den Werth dieser Erfindung klar legen. Vor ca. 100 Jahren setzte die Akademie in Paris einen Preis von 12,000 Francs für Denjenigen aus, der ein billiges Mittel fände, aus dem Seesalz die Soda zu extrahiren. Diese, nächst dem Kali wichligste Substanz unter den Alkalien kam von den Küsten Spaniens, aus Alicant und Malaga; man zog sie damals aus der Asche von Strandflanzen, deren besondere Gattungen man

virte. Man erhielt aus der zurückbleibenden Asche(Pottasche genannt) die sogenannte rohe Soda. Sie war damals sehr theuer, und dieser hohe Preis drückte schwer auf die Industrie der Glas- und Seifenfabrikation.

1789 gelang es Nicolas Leblanc die von der Akademie gestellte Aufgabe zur Zufrieden: beit zu lösen; er zersetzte das Seesalz durch Schwefelsäure, erhitzte den mit Kreide oder Kalk vermischten Schwefel und erhielt auf diesem Wege die künstliche Soda zu bedeutend billigerem Preise.

Diese Erfindung war der Ausgangspunkt einer vollständigen Revolution in der Fabrikation chemischer Producte, und der Einfluß, der da durch auf die Judustrie ausgeübt wurde, war so groß, daß man sein Verdienst neben das von Walt, dem Verbesserer der Dampfmaschinen und Erfinder des Kondensators, stellte. Heute be⸗ läuft sich der jährliche Verbrauch der Soda in Eurepa und den Vereinigten Staaten auf 700-800 Million Francs. Dieselbe wird vor⸗ herrschend zur Fabrikation des Glases, der Seife, des Papiers und zum Bleichen der Ge⸗ webe aller Art verbraucht. Somit leistet uns die Soda ganz außerordentliche Dienste, und könnte man sie heutigen Tages nicht mehr ent behren. Das Verfahren Leblanc's hatte noch andere nicht minder bedeutende Erfolge; denn es regte zur Auffindung eines billigeren Mittels der Fabrikation der Schwefelsäure an; man fand dasselbe nach und nach, ebenso fand man auf chemischem Wege die Chlorsäure und den Chlorkalk. Nach Maßabe der dadurch billiger werdenden Substanzen ermäßigten sich auch die Preise für Hanf und Flachsleinen und Gewebe der Baumwollenstoffe, deren Bleichung früher mehr gekostet hatte. Die Erfindung ist aber dabei nicht stehen geblieben, die Konkurrenz wurde so groß, daß der Fabrikant bei der Darstell⸗ ung der Soda Nichts mehr gewann; er fand seinen Vortheil erst wieder in der Chlorsäure, einem Unterprodukt seiner Industrie; dann kam der Tag, wo wiederum die Säure Nichts mehr einbrachte, sondern der Chlorkalk den Verdienst abwarf. Noch einen Schritt weiter und der Fabrikant griff nach dem Schwefel, dann nach dem Braunstein. Der Schwefel und der Braunstein hatten ihre Zeit gedauert; es war schließlich der kupferhaltige Kies, von dem man den Lohn forderte. Derselbe ist aber auch schon ein überwundener Standpunkt. Die Kohle war es, die man zur Erhitzung der Mischung von Schwefel und Kreide verwandte; die Kohle kostete fast Nichts. Die Produkte, die sie er⸗ zeugte, bezahlte sie reichlich durch Essenzen, durch das Oel und die Farbstoffe, welche ihr Rück stand darbietet.

Als Dumas England besuchte, war er über rascht, die Verdienste Leblanc's dadurch aner kannt zu sehen, daß ihm zu Ehren in den ver⸗ schiedenen Fabriken aus den chemischen Stoffen kleine Monumente aufgestellt waren.

Dumas votirte, als er heimgekehrt war, in der Akademie der Wissenschaften, dem Erfinder der künstlichen Soda in seiner Issoudun als Anerkenntniß seiner Verdienste, eine Statue zu setzen, was sofort allgemeine Zustimmung fand.

Das Vorkommen von Viehsenchen im Großher⸗ zogthum Hessen während des Monats Mai 1885.

Rotzkrankheit: Infolge früherer Feststellungen der Seuche stehen noch als der Ansteckung verdächtig unter polizeilicher Beobachtung: 7 Pferde in Gießen, 3 Pferde eines Besitzers in Seligenstadt und 2 Pferde eines Be sitzers in Klein-Krotzenburg, im Kreise Offenbach. Am 8. Mai wurde in Bürgel, im Kreise Offenbach, der Rotz bei einem Pferde constatirt. Dasselbe wurde am 11. Mai auf polizeiliche Anordnung getödtet; das andere Pferd

sogar zu diesem Zwecke in einigen Gegenden kulti

desselben Besitzers wurde als der Seuche verdächtig unter Stallsperre gestellt. Im Zusammenhang mit dem Seuchen⸗ ausbruch in Bürgel wurden ferner als der Ansteckung verdächtig unter polizeiliche Beobachtung gestellt in Offen⸗ bach 4 Pferde, von welchen je 2 einem Besitzer gehören

burg veräußert und, bevor es nach Bürgel verkauft wurde, mit den 4 Pferden in Offenbach in Berührung

gewesen ist. In Hainstadt, im Kreise Offenbach, wurde 1 0

übrigen beiden Pferde desselben Besitzers stehen als der Ansteckung verdächtig unter polizeilicher Beobachtung. Milzbrand wurde festgestellt: im Kreise Friedberg am 1. Mat in Schwalheim, am 15. und 24. Mal in Wisselsheim, am 16. Mat in Fauerbach und am 18. Mai in Oppershofen; im Kreise Gießen am 5. Mai in Gießen und am 22. Mai in Lich; im Kreise Alsfeld am 21. Mal in Eulersdorf; im Kreise Lauterbach am 14. Mai in Maar; im Kreise Büdingen am 12. Mai in Hirzenhain und am 18. in Schwickartshausen. Der letztangeführte Seuchenfall wurde an einem krepierten Schwein constatirt, sämmtliche übrigen an je einem krepixten Rindvtehstück, Lungenseuche: Infolge früherer Constatirung standen zu Beginn des Monats Mat noch unter Sperre, bezw. polizeilicher Ueberwachung in Kelsterbach, im Kreise Groß⸗ Gerau, 1 Stück Rindvieh als der Seuche, in demselben Stalle noch 3 und in einem weiteren Stalle eines als der Ansteckung verdächtig unter polizeilicher Beobachtung. Das der Seuche verdächtige Thier wurde am 15. Mal auf polizeiliche Anordnung getödtet. Die übrigen sind den angeordneten Maßnahmen noch unterworfen.

Die Maul- und Klanenseuche in Stadecken, im Kreise Mainz, wo sie am 14. April, und in Rüsselsheim, im Kreise Groß-Gerau, wo sie am 22. April festgestellt worden war, ist wieder erloschen. Constatirt wurde die Seuche im Kreise Dieburg in Lengfeld am 12. und in Ratbach am 20. Mai.

Der Bläschenausschlag des Rindbiehs in Alsfeld und Leusel, im Kreise Alsfeld, wo er am 24. bezw. 29. April festgestellt worden war, ist noch nicht erloschen. Von Neuem constatirt wurde die Seuche im Kreise Als⸗ feld in Reimenrod am 10. Mai, in Angenrod am 23. Mat und in Schwabenrod am 31. Mal; im Kreise Gießen in Queckborn am 12. Mai und in Reinhardshain am 18. Mai. Die Rände gilt als noch vorhanden unter den Schafen in Ringelshausen und Villingen, im Kreise Gießen, in den Orten Wenings, Dauernheim, Bergheim, Wallern hausen, Ranstadt, Eckartsborn, Mittelgründau und Lor⸗ bach, im Kreise Büdingen, in Eulersdorf, Eudorf, Rup⸗ pertenrod und Merlau, im Kreise Alsfeld, in Maar und Hörgenau, im Kreise Lauterbach, und in Ulrichstein, Michelbach und Burkhards, im Kreise Schotten.

Handel und Verkehr. Friedberg, N. Juni. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.75 0.90, Eier 1 St. 6 Pf., 2 St. 11 Pf. Gießen, 27. Junt. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. Ne. 0.70 0.80, Eier per St. 56 Pf., Käse per St. 59 Pf., Tauben per Paar M. 0.60 0.80, Hühner per Stück M. 0 801.20, Hahnen per Stück

M. 0.60 1.00, Enten per Stuck M. 1.50 1.80, Ochsenfleisch per Pfund 68 Pf., Kuh- und Rind⸗

fleisch 56 60 Pf., Schweinefleisch 50-60 Pf., Hammel⸗ fleisch 64 70 Pf., Kalbfleisch 4654 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4., Zwiebeln per Ctr. M. 9 10, Kirschen per Pfd. 12 20 Pf.

Gießen, 26. Juni. Auf dem am 23. Juni abge⸗ haltenen Viehmarkte waren aufgetrieben: 1355 Stück Rindvieh und 573 Stück Schweine. Es zeigte sich durch den lebhaften Handel große Kauflust. Nächster Markt Dienstag den 7. und Mittwoch den 8. Juli d. J.; an letzterem Tage auch Krämermarkt(Kirschenmarkt).

Frankfurt, 27. Junt. Wochenmarkt. Auf dem heutigen Markte kostete Butter en gros 70-80 M., im Detall 9) Pf. bis M. 1.10, Tafelbutter M. 1.20, Eier das Hundert 45 M. Bohnen das Pfd. 40-60 Pf., Hundert Schneidbohnen M. 1.20 40. Weißkraut und Wirsing 1825 Pf., Gurken 10 15 M. das Hundert, das Stück 12 18 Pf., gelbe Rüben 47 Pf., Kohlrabi 45 Pf. per Stück, Salat 24 Pf., Kirschen en gros 6 10 Pf. das Pfund, im Detail 12 25 Pf. Fast 100 Centner Kirschen wurden verwogen und gingen nach dem Norden. Fleisch- u. Geflügelpreise sind unverändert.

Frankfurt, 26. Juni. Auf dem Heu- und Sroh⸗ markt waren 37 Wagen zugefahren. Heu kostete 100 Ko. M. 5.40 6.40, Stroh M. 4. 5.40.

Packetverkehr mit Spanien und Portugal. Vom 1. Juli ab tritt Spanien dem Uebereinkommen des

Vaterstadt Weltpostvereins in Betreff des Austausches von Post⸗

packeten bei. Die Postanstalten in Deutschland nehmen demgemäß von diesem Tage ab Postpackete(kleine Packete ohne Werthangabe bis 3 Kilogramm) zur Beförderung nach Spanien gegen das vorauszubezahlende Porto von M. 1.40 an. Vom gleichen Zeitpunkte ab werden auch schwerere Packete, sowie Packete mit Werthangabe, nach Spanten und im Durchgange durch Spanien, nach Por tugal zur Beförderung als Päckereisendungen der ge⸗ woͤhnlichen Art auf dem Wege über Frankreich bei den Postanstalten wieder zugelassen, jedoch müssen solche Packete an einen Commissär in den an der französisch-spanischen Grenze belegenen Orten Hendaye bezw. Cerbere, zur Ver⸗ mittelung der Weiterbeförderung nach Spanien ꝛc., ad res⸗ sirt werden. Ueber das Nähere ertheilen die Postan⸗ stalten Auskunft.

Literarisches. Daheim. Nr. 39 enthält: Souverän.(Schluß.) Im Leipziger Rosenthal vor 100 Jahren. Von B. Stübel. Mit Bild. Die Spritzfahrt nach Kleve.

und in Klein⸗Krotzenburg 2 Pferde eines Besitzers. Hier⸗JEine heitere Erinnerung aus der Fähnrichszett von zu wird bemerkt, daß das fragliche rotzkranke Pferd] Ferschke. Ein Vogelschießen in einer Irrenanstalt. Ende Februar von einem Leinreiter aus Klein⸗Krotzen⸗] Von E. Keßler. Seehase und Hummer. Mit Blld.

ein Pferd eines Leinreiters bei der angeordneten Revsston verdächtig befunden und unter Stallsperre gestellt. Die

Aus der Südsee. Von Aly, Marinepfarrer. Die Geschichte der Congostaatgründung. Am Familten⸗

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