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1885.
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Donnerstag den 24. Dezember.
Oberhessischer Anzeiger.
Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11
Pf. berechnet, bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reclamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf.
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Deutsches Reich.
N Darmstadt. Der Gerichtsassessor Kolb in Darmstadt wurde zum Amtsrichter in Seligen— stadt, der Gerichtsassessor Seeger in Gießen zum Staatsanwalt bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen, der Gerichtsassessor Dr. Best in Mainz zum Staatsanwalt bei dem Land— gericht der Provinz Rheinhessen, sowie der Real-Lehrer Staudinger zu Oppenheim zum Lehrer an dem Realgymnasium und der Real— schule zu Mainz ernannt.
Potsdam, 22. Dez. Prinz Wilhelm ist an den Masern erkrankt. Nach dem heutigen Bulletin ist der Verlauf der Krankheit mild, das Fieber gering und das Allgemeinbefinden befriedigend.
Ausland.
Frankreich. Paris. Dem Oberstlieutenant Herbinger, dem man gerne die ganze Verant— wortung für den politischen Mißerfolg in Tonkin aufbürden möchte, ist seitens des Kriegsministers die Autorisation verweigert worden, vor der Tonkin⸗Commission auszusagen, um die Anschul— digungen des Generals Brière de l'Isle und des Rapportes Borgnis' zu wiederlegen. Der General Campenon soll aber dem unglücklichen Offizier versprochen haben, im Verlaufe der Tonkin⸗Debatte seine Angelegenheit zu besprechen und ihm möglichst Satisfaction zu verschaffen.
— Nach den der Propaganda in Rom zu— gegangenen Berichten waren im Vicariat Ost— cochinchina, zu dem Annam und Tonkin gehören, von Anfang des Jahres bis zum 1. November getödtet worden: 9 französische Missionäre, 7 einheimische Priester, 60 Katecheten, 270 ein— heimische Nonnen, 24,000 Christen; 200 Pfar⸗ reien waren vollständig zerstört, 225 Kirchen verbrannt, 17 Waisenhäuser, 10 Nonnenklöster, 2 Ackerbaucolonien, 2 Seminare und 2 Apo— theken zerstört. Im nördlichen Cochinchina wur— den 7000 Christen getödtet, darunter 9 einhei— mische Priester, und 60 Pfarreien zerstört. Die verschont gebliebenen Christen starben vor Hunger.
— 22. Dez. Die Regierung empfing ein Tulegramm, welches den Friedensschluß mit den Howas auf Madagascar meldet..
Großbritannien. London. Der„Times“ zufolge beabsichtigt das Cabinet nicht, die Ver— tagung des Parlaments bis Februar zu bean⸗ tragen, würde vielmehr nach Verlesung der Thronrede noch vor der Adreßdebatte ein Ver⸗ trauensvotum vom Unterhause verlangen.
— Nach der„Daily News“ soll in, dem Protokoll über die Karolinen-Angelegenheit der spanische Archipel der Pelew⸗ und Karolinen— Inseln vom Aequator bis 150 nördl. Breite reichen und zwischen 1330 und 1640 östl. Länge v. G. liegen. Ueber die Marshall- oder Gilbert— gruppe haben keine Unterhandlungen zwischen Deutschland und Spanien stattgefunden. Die spanische Regierung hofft, daß England die— selben Bedingungen wie Deutschland acceptiren und die Herrschaft Spaniens über die Inseln anerkennen werde. 8
Italien. Nom, 22. Dez. Der„Osser⸗ vatore Romane“ meldet: Kaiser Wilhelm habe nach Unterzeichnung des Protokolles in der Karolinen— angelegenheit dem Papste durch den Gesandten v. Schlözer seinen Dank aussprechen lassen.
Türkei. Konstantinopel, 22. Dez. Es wurde ein Irade erlasseu betreffs Aufnahme
einer Anleihe von einer Million Pfund durch Baron Hirsch.
Bulgarien. Sofia, 21. Dez. Fürst Alexander sandte seinem Vater in Darmstadt ein Telegramm, nach welchem der Waffen— stillstand unterzeichnet worden sei. Der echelon— artige Abmarsch der serbischen Armee beginne am 22. früh. Die Serben räumen das bul— garische Gebiet bis zum 24. Dezember, dann verläßt die bulgarische Armee das serbische Gebiet innerhalb drei Tagen. Der Waffenstillstand dauert bis zum 1. März 1886.
Griechenland. Athen, 22. Dez. Die Bewohner von Kreta richteten eine Denkschrift an die Mächte, in welcher sie die Vereinigung Kretas mit Griechenland beantragen.
Rußland. Wanschau, 21. Dez. In dem Prozeß gegen 28 Angeklagte wegen Theilnahme an der socialrevolutionären Verbindung„Pro— letariat“ erfolgte in vergangener Nacht der Ur— theilsspruch. Die Angeklagten, Friedensrichter Bardowsky, Geniecapitän Leery, Kunicki, Ossowski, Schmauß und Pietrusinski wurden zum Tode durch den Strang, von den übrigen Angeklagten 18 zu sechszehnjähriger Strafarbeit in Berg— werken, 2 zu zehn Jahren und acht Monaten Strafarbeit mit lebenslänglicher Ansiedelung in Sibirien und 2 zu lebenslänglicher Deportation nach Sibirien verurtheilt.
Aus Stadt und Lond.
Z. Nieder⸗Florstadt. Die am 19. d. Mts. stattgehabte Bürgermeisterwahl hatte ein ebenso glänzendes als erfreuliches Ergebniß. Der seitherige, in jeder Hin⸗ sicht tüchtige und um das Gemeindewohl besorgte Burger— meister W. Alles wurde mit 171 Stimmen wieder⸗ gewählt. Der Gegencandidat W. Starck brachte es trotz aller Anstrengungen nur auf 36 Stimmen.
H. Leidhecken. Am 9. Dezember wurde unter zahl— reicher Betheiltigung der hiesigen Einwohnerschaft und der Collegen aus der Umgegend Lehrer Wenzel nach einer 42jährigen und für die Gemeinde höchst segens reichen Wirksamkeit zu Grabe getragen. Der Verstorbene wurde schon in seinem 18. Lebens jahre an der hiesigen Ge— meindeschule angestellt. Erst Ostern 1884 wurde ihm ein Gehülfe beigegeben, da der so anstrengende und auf— opfernde Lehrerberuf und besondere sonstige Umstände seine Gesundheit zerrüttet hatten. Er war seiner Familie ein charaktervoller, gewissenhafter Vorsteher, ein treuer Gatte seiner nunmehrigen Wittwe, seinen Kindern ein liebevoller Vater, den Lehrern ein geschätzter College und Allen, die ihn kannten, ein lieber Gesellschafter und auf— richtiger Freund. Ein plötzlicher Schlaganfall machte seinem Dasein ein jähes Ende. Außer den Angehörigen, Freunden und Collegen folgte dem Sarge die hiesige Schuljugend, welche durch Nlederlegen einer selbstge— fertigten Guirlande den Gefühlen der Dankbarkeit und Anhänglichkelt Ausdruck verlieh. Unter den zahlreichen Blumenspenden verdient der Kranz des Bezirks-Lehrer— vereins Nieder-Florstadt besonderer Erwähnung.
Gleßen. Schwurgerichtsverhandlung am 19. Dez. gegen: 1) Adam Ritzel von Gelnhaar, 2) Heinrich Mathes von Eschenrod und 3) Heinrich Enders von Elchelsachsen, wegen Brandstiftung. Sämmtliche Angeklagten waren beschuldigt, daß sie am 21. November 1885 eine Parthle dem Heinrich Hirz J. von Eichelsachsen gehöriger Fichten reiser vorsätzlich in Brand gesetzt haben. Die Ge— schworenen erkannten die oben unter 1 und 3 bezeichneten Personen der vollendeten Brandstiftung, des ad 2 be— zeichneten Angeklagten wegen Versuchs der Brandstiftung unter Annahme mildernder Umstände für schuldig und wurde demgemäß Adam Ritzel und Heinrich Enders je in eine Gefängnißstrafe von 6 Monaten, Heinrich Mathes in eine deßgleichen von 2 Monaten verurtheilt, ihnen aber die Untersuchungshaft vom 1. l. Mts. in Auf; rechnung gebracht.— Schwurgerichtsverhandlung am 21. Dez. getzen Elise Ulrich von Glauberg, zuletzt in Vllbel, wegen Kindesmordes. Dieselbe war beschuldigt, daß sie Anfangs November 1885 zu Vilbel ihr un⸗ eheliches Kind in oder gleich nach der Geburt vorsätzlich getödtet habe. Die Geschworenen erkannten die An⸗ geklagte für schuldig und wurde dleselbe demgemäß in
eine Zuchthausstrafe von 3 Jahren und 3 Monaten verurtheilt.
Mainz. Der zum Tode verurtheilte Doppelmörder Herbst hat das Rechtsmittel der Revision an dem Reichs—⸗ gericht in Leipzig ergriffen.
Allerlei.
Frankfurt, 21. Dez. Gestern, zwischen Bocken⸗ heim und Frankfurt warf sich ein Mann vor den Zug und ließ sich überfahren. Nachdem der Zug zum Stehen gebracht, fand man den jungen Mann entseelt neben den Schienen, Kopf und Rumpf von einander getrennt. Der Selbstmörder hat ein Alter von etwa 20 Jahren, war anständig gekleidet und führte ein mit den Buchstaben J. S. gezeichnetes Taschentuch bei sich. Er soll ein Kauf mann aus Berlin sein, der sich dort einer Unterschlagung schuldig gemacht habe.
Fulda, 19. Dez. Vorgestern Abend stieß dem Frankfurter Zug nach Berlin ein Unfall unfern Obern— hausen zu. Ein Fuhrwerk, dessen Pferde scheu geworden waren, gerieth auf das Geleise und wurde in der Mitte auseinandergefahren. Die eine Hälfte, auf der sich Mann und Pferd befanden, blieb unverletzt stehen, während die andere zertrümmert wurde.
Berlin, 21. Dez. Der Kaiser und dle Kaiserin, sowie das Staatsministerium, richteten heute sehr herzliche Glückwunschschreiben an Professor v. Ranke zu dessen 90. Geburtstag; der Kronprinz gratulirte persönlich.
Kirchliche Anzeigen für Friedberg. statholische Gemeinde.
Donnerstag Nachmittag von 3 Uhr an Beicht.
Am heil. Christfest: Morgens 6 Uhr: Christmette mit Segen und Predigt.
Um 10 Uhr: Zwettes Hochamt mit Sezen und Predigt.
Nachmittags 2 Uhr: Feierliche Vesper. Darauf Beicht.
Samstag(Fest des heil. Stephanus): ¾7 Uhr: Aus⸗ theilung der heil. Communton.
10 Uhr: Hochamt mit Predigt.
2 Uhr: Andacht mit Segen. Darauf Beicht.
Sonntag 7 Uhr: Auskheilung der heil. Communion.
10 Uhr: Hochamt mit Segen und Predigt. Dann Seg⸗ nung und Austheilung des Weines zu Ehren des heil. Johannes.
2 Uhr: Andacht.
Israelitische Gemeinde. Sabbathfeier vom 26. Dezember 1885. Beginn: Freitag Abends 3 Uhr 50 Min. Samstag Morgens 8 Uhr 30 Min. Samstag Nachmittags 3 Uhr 30 Min. Sabbathausgang 4 Uhr 50 Min. Wochengottesdienst von Sonntag den 27. Dezember an Morgens 7 Uhr, Nachmittags 3 Uhr.
FAUAAEAAEr Windecker's Felsenkeller und bei Konrad Heß(früher Burch).
Von Donnerstag Abend an und während der Feiertage
Bockbier(Münchener Brauart), Exportbier(Dortmunder Brau-
art) und a 442⁷ Vorzügliche Backwürstele.
Ball.
Am 27. d. Mts. findet im Lokal des Unterzeichneten
der Weihnachtsball des hiesigen Männer-Gesangvereins statt. 4425 OGroß⸗Karben. a J. Iser II.
Arrac-, Rum- und Burgunder-
Punsch 4380 J. Baumeister.
empfiehlt 5. Frische Gothaer Cervelatwurst, „ Salami-Wurst
in haltbarer Winterwaare bei 4339 Wilnelm Fertsch.


