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Aus Stadl u. und Land.
ir. Friedberg. Es freut uns mittheilen zu können, daß die kaiserliche Postbehörde den Wünschen des Vereins für Handel und gemeinnützige Zwecke dahler, wie auch denjenigen der Gemeinden Melbach, Södel und Wölfers heim in dankenswerther Weise entgegen gekommen ist. Statt des verlangten fahrenden Landbriefträgers wird ein zweiter Postwagen auf der Tour Friedberg-Verstadt ein gestellt und zwar möglicherwelse schon vom 1. Dez d. J. an, welcher Friedberg Vormittags nach Ankunft der Schnellzüge um 9 Uhr verläßt, die obigen Orte berührt und von Berstadt zurück Nachmittags gegen 5 Uhr bier wieder eintreffen wird. Es ist somit wieder ein Beweis geliefert, daß man nicht die Hände in den Schoß legen soll und sich nicht sagen soll,„es hilft doch Nichts, wenn wir auch eine Eingabe machen.“
ir. Friedberg. Wo nun unser neues Postgebäude hinplaeirt werden soll, das taucht wieder einmal als eine Frage auf, da neuerdings das Grundstück der Kloster— kaserne für den Bau eines Postgebäudes als unzu— reichend sich erwiesen hat. Hoffen wir, daß auch hierin den Wünschen der Bevölkerung Rechnung getragen wird.
ir. Frledberg. Unsere Herbst-Pferdemarkt Lotterie kommt diese Woche zur Verausgabung; der Plan ist genau nach den gesetzlichen Bestimmungen ausgeführt und die Chancen sehr günstig. Der Absatz der Loose wird um so rascher erfolgen.
h. Friedberg. Daß wir hier eine Herberge zur Heimath gründen wollen, ist wohl allgemein bekannt, da die Sache auf der letzten Dekanatssynode Gegenstand der Verhandlung war und auch in diesen Blättern be— besprochen wurde. Ebendaher ist auch bekannt, wie eine solche Anstalt ist und welchen Nutzen sie hat. Zweierlei namentlich ist dabei in's Auge zu fassen: die Menschenliebe und Menschenwürde will den heimathlosen Handwerks burschen und denen, die in Gefahr mensch— lichen Versinkens sind, eine Stütze und einen Stab zur Hülfe und Rettung bieten und das Feuer des Hasses, welches vielfach in den unteren Schichten der mensch— lichen Gesellschaft gegen die Besitzenden glimmt und brennt, dämpfen helfen und Frieden stiften zwischen den entzweiten und verbitterten Herzen. Die rettende und helfende Menschenliebe will ein bezüglich seines Zweckes großes Werk in's Leben stellen. Aber dazu sind hohe, weitherzige Gedanken und große Mittel erforderlich, die auf mancherlei Wegen beschafft werden müssen. Aber die letzteren kommen und fließen, wenn die ersteren da sind. Gemäß dieser Ansicht haben einige Freunde es bewirkt, daß die am 30. Aug ust d. J. von Prof. Dr. Weiffenbach in unserer Burgkirche ge— haltene Predigt gedruckt worden ist. Diese warmherzige, begeisterte und begeisternde Predigt be handelt die Frage:„Wer ist denn mein Nächster?“ und enthält in der Beantwortung dieser Frage die Funda mente, aus denen die Werke und Anstalten der inneren Mission geboren werden und auf denen sie beruhen. Niemand wird diese Predigt unbefriedigt lesen, Niemand ohne für Menschenwohl und Menschenglück erwärmt zu sein. Der Ertrag der Predigt, im niedrigsten Preis von 10 Pf., ist zur Gründung der Herberge zur Heimath in Friedberg bestimmt.
Mainz. Dem spanischen General Salamanca, welcher einen ihm vor einigen Jahren verliehenen preußischen Orden vor Kurzem retour gesandt hatte, ist von hier ein aus Leder verfertigter Orden in einem eingeschriebenen Briefe übersandt worden.
Allerlei. Im hiesigen Gerichtsgefängnisse be—
Frankfurt.
finden sich schon seit drei Wochen die Brüder Adolf und Friedrich Lautermeister, welche die Verübung hochver—
rätherischer Unternehmungen beabsichtigt haben sollen. Man well festgestellt haben, daß die beiden Gefangenen (sie sind etwa 19 und 25 Jahre alt) Most'sche Emissäre seien, welche einen Mainzer Polizeirath mit Drohbriefen geängstigt. Die Gefangenen geben an, sie seten harm
lose fende gegen Ihe Verhaf ftung alen sie auch Beschwerde erhoben, aber, wie es scheint, vergeblich. Mannheim, 18. Sept. Heute fand der Proeeß gegen die Firma Voltz Lichtenberger in Ludwigshafen, welche im Laufe des Monats März eine Anzahl Säckchen mit Sprengstoff unter der Declaration„Waldsamen“ nach Temesvar sandte, wo ein Theil derselben im Post— lokal explodirte und mehrere Postbeamte verletzte, statt. Friedrich Lichtenberger und Voltz wurden wegen fahr
lässiger Körperverletzung zu je 200, Karl Lichtenberger zu 100 Mark Geldstrafe veurtheilt. Nürnberg. Der Malnzer„lederne Verdienst—
orden. für Salamanca läßt die Nürnberger nicht ruhen. Der spanische General, von dessen Existenz zwar seither außerhalb Spankens wohl Niemand etwas gewußt hat, der aber offenbar, wie seine heldenhafte That, die Zurück— sendung eines preußischen Ordens, zeigt, eine l durch militärischen Takt wie politisches Verständniß her— vorragende Persönlichkeit ist, wird voraussichtlich wohl kaum Gelegenheit haben, mit seiner Drohung, sich anstatt des preußischen Ordens,„im Kriege gegen die ver— haßten Deutschen“ einen andern zu verdienen, Ernst zu machen. Und um ihm Gelegenheit zu geben, seine
Tapferkeit gegenüber deutschen Soldaten zu erproben, haben die Nürnberger in feierlicher Sitzung den Beschluß gefaßt, dem General eine Sendung wirkliches deutsches Militär direet nach Madrid zu senden, Infanterie, Cavallerie, Artillerie, sogar die Pioniere und der Train sollen nicht fehlen— freilich Alles Nürnberger Waare. Die Sendung ist bereits abgegangen und wird mittler— weile wohl in des Deutsche fressenden Generals Hände gelangt sein.
Kiel, 18. Sept. Schon wieder ereignete sich eine Collision zwischen zwei Marinefahrzeugen. Im hiesigen Hafen fand gestern ein Zusammenstoß zwischen dem Marinedampfer„Greif“ und dem Torpedoboot„V. 2.“ statt, letzteres wurde stark beschädigt und mußte ins Werftbasin geschleppt werden. Menschenleben sind glück— licherweise nicht gefährdet worden.
Brüssel. In Lüttich entsprang am Sonnabend Morgen aus der Menagerie ein großer Panther, ohne daß das Menagerie-Personal etwas davon bemerkt hatte. Die Bestie erschten plötzlich in einer der belebtesten Straßen Lüttichs. Alles stob in wilder Flucht auseinander. Der Panther stürzte sich auf einen Brauerknecht, der ahnungs— los aus einem Laden herausgetreten war, und zerriß denselben. Ein achtjähriges Kind theilte dasselbe Schicksal. Ein allgemeiner Schrei des Entsetzens folgte dieser Schreckensseene. Hierdurch offenbar scheu gemacht, flüchtete der Panther auf das Dach eines Hauses, auf dem er eine halbe Stunde lang herumkletterte, ehe es gelang, ihm durch einen wohlgezielten Schuß den Garaus zu machen. In ganz Lüttich herrschte ob des gräßlichen Ereignisses die größte Aufregung.
Rom, 18. Sept. Gestern sind in der Stadt Palermo 132 Cholerafälle mit 60 Todesfällen und in der Um— gebung ein Erkrankungs- und ein Todesfall, in der Pro— vinz Parma 5 Erkrankungen und 4 Todesfälle gemeldet.
Nizza. Trotz allen offielellen Leugnens, so schreibt man dem„Deutschen Montagsblatt“, ist es leider ge— schehen, daß seit einer Woche die Cholera mit ächt aus gesprochenem asiatischen Charakter in Nizza aufgetreten ist und zwar langsam, aber beständig anwachsend, sich verbreitet. Da ausnahmsweise früh sich in diesem Jahre bier eine Menge nordischer Gesichter zeigen, bält es unser Gewährsmann für seine Pflicht, obige Nachricht in Deutschland bekannt zu geben.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 19. Sept. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.85— 1.10, Eier 1 St. 7 Pf., 2. St. 13 Pf.
Gleßen, 19. Sept. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.90 0.98, Eier 1 St. 6 Pf., Käse per St. 58 Pf., Tauben per Paar M. 0.40— 0.55,
Hühner per Stück M. M. 0.40—0.80, Enten
0 901.50, Hahnen per Stück per Stück M. 1.20 1.50,
Ochsenslelsch per Pfund 68 Pf., Kuh⸗ und Rind⸗ lleisch 56-60 Pf., Schweinefleisch 50— 60 Pf., Hammel⸗ fleisch 64—70 Pf., Kalbfleisch 48—50 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4.505, Zwiebeln per Ctr. M. 5 6.
Homburg, 19. Sept. Marktpreise. Kartoffeln ver Malter(neue) M. 5—6, per Gescheid(neue) 8—9 Pf., Eler per Stück 6 und 7 Pf., Butter per Pfd. 1. Qual.
WM. iii, Dua e Frankfurt, 19. Sept. Wochenmarkt. Es kosteten
Eier das Hundert M. 5.50 6, Butter 50 Kilo M. 90 bis 95, im Detail M. 1.20— 1.40. Einmachgurken 100 Stück 60 Pf. bis M. 1, Zwiebeln 50 Kilo M. 9, Perlzwiebel pro Pfd. 45—50 Pf., Bohnen 50 Kilo M. 10— 12, Weißkraut der Ctr. M. 4—5, Rothkraut das Stück 25—30 Pf., Kohlkraut 12 Pf., Spinat 30 bis 50 Pf., Kopfsalat 5 Pf., Endivien und Eskarol 6 bis 8 Pf., Blumenkohl 30—60 Pf., Rosenkohl 50 Pf., Meerrektig 20 Pf.— Fleischpreise unverändert.— Ge—
flügel: 1 Gans M. 4—8, Hahn M. 1.202, Huhn M. 1.50— 2.20, Ente M. 2— 3, Capaun M. 3, Welsche M. 5— 10, Feldhuhn M. 1.30, altes 60 Pf., Taube 40 bis 60 Pf., Poularde M. 2.503. Auszug aus dem Civilstands-Register der Stadt Friedberg. Getraut: 20. Aug. Der Posthülfsbote Philipp Steitz von Stamm⸗ heim mit Anna Elisabethe Ruckelshaus von Burg⸗ Gemünden. 6. Sept. Der Fabrikarbeiter Johannes Heinrich Philipp
Goldmann von Großbartloff mit Elisabethe Volp von Friedberg. 6.„ Der Steindrucker Gg. Biedenkopf von Gießen mit Anna Marte Elisabethe Heß von Friedberg. 5 Der Viehhändler Abraham Stern V. von Nieder- Florstadt mit Sara Settchen Friedmann von Camberg. 13.„ Der Schreiner Karl Biedenkopf von Gießen mit Karoline Stahl von Mainz.
Geboren:
1. Aug. Dem Bierbrauer Joh. Kasp. Dietrich 1 Sohn. 5 Dem Landwirth Heinrich Wilh. Falk 1 Tochter. 8 Dem Spengler Karl Friedrich Christian Frick 5 Tochter. . Dem Gerber Hub. Gerh. Steinbeck eine Tochter. 1 Dem Rentner Georg Karl Alles 1 Tochter. 18 Dem Handarbeiter Jacob Günther 1 Tochter. 19.113 Dem Obsthändler Heinrich Seibert 1 Tochter.
19.„ Dem Schneider Joseph Ning, 1 Sohn. 28. Dem Kaufmann Friedrich Ludwig Konrad Georg Theodor Hermann Robert Bindewald
1 Sohn. 2. Sept. Dem Schlosser Konrad Wilhelm Hestermann 1 Tochter. 4.„ Dem Architekt August Friedrich Hermann Diesener 1 Sohn. Gestorben: 4. Aug. Rebecka Wilhelmine Vogt, ledig, 68 Jahr alt.
8444 Der Schreiner Martin Schneid, 31 Jahr alt. 10.„ Der Hutmacher Karl Schmidt Il.„50 Jahr alt. Der Handarbeiter Daniel Sauer, 61 Jahr alt. „ Der Schneider Theodor Edmund Muͤller von Belgersheim, 24 Jahr alt.
N Der Schreiner Karl Adam Nicolaus Schneider 32 15 alt. Der Posamentier Jos. Hoffmann, 59 Jahr alt. Karl Streckfuß, Söhnchen des Buchbinder Johann Frledrich Jacob Leonhard Streckfuß, 2 Jahr alt.
Marie Preußer, Ehefrau des Küfers Philipp Heinrich Preußer, 45 Jahr alt.
Anna Katharine 0 Töchterchen des Taglöhners Hch. Seibert, 1 Jahr 6 Mon. alt. Georg Demmerling, Söhnchen des Handar— beiters Adam Demmerling, 1 Jahr 7 Mon. alt.
—— b 122 Sübmisston.
Die Lieferung von 500 Cenkner steinfreten, melirten Steinkohlen, mindestens 50% Stücke enthaltend, ist zu vergeben. Offerten wolle man vor dem 25. d. Mts. schriftlich bet uns einreichen.
Friedberg am 20. September 1885 Großherzogliche Direktion des Schullehrer-Seminars. 3261 Schäfer.
2 1** Aepfel-Versteigerung. Donnerstag den 24. September l. J., Nachmittags 1 Uhr, sollen die hiesigen Gemeindeäpfel öffentlich melst— bietend versteigert werden. Münster am 18. September 1885. Großherzogliche e Münster.
3255 ud weng.
Ein Zimmer mil Cabinel
im mittleren Stock, nach der Straße gehend, hat mit ober ohne Möbel zu vermiethen 3075 P. Theis.
Mobilienversteigerung in Bad-Nauheim.
Die nachverzelchneten, zum Nachlasse der Frl. Marie Meinhard dahler gehörtgen Gegenstände, als: 1 Sopha, 11 Stühle, 2 Commoden, 1 Console, 1 Tisch, 1 Kleiderschrank, 1 Bettstelle mit Sprung— rahme, 2 Bettstellen, diverses Bettzeug, 1 Küchen— schrank, 1 Küchentisch, sowie Hause, Garten- und Küchengeräthschaften werden Donnerstag den 24. September J. J., von Vormittags 8 Uhr ab, im Hause Schnurstraße Nr. 172 öffentlich metstbletend versteigert. Bad-Nauheim den 19. September 1885. Großherzogliches Ortsgericht Bad Nauheim. Anweisung zur Rettung
260 Wörner. Unentgelllieh wen Sean oc ohne Wissen versendet M. C. Falkenberg. Berlin, (A 51/9 B.) Rosenthalerstraße 62. 100te gerichtl. geprüfte Atteste. 3090
Bekanntmachung.
Die Bezahlung der aus dem Jahn an unr schuldigen Holzgelder und für aus der Hand abgegebene Holzquantitäten, sowie die bis jetzt fäulgen Pachtgeldes wird mit dem Anfügen zur Kenntniß gebracht, daß nach Ablauf von 14 Tagen gegen die Säumigen Zahlbefehle erlassen werden.
Ilbenstadt den 18. September 1885.
Gräflich Alt Leiningen Westerburgische Rentkasse. 3241 Engel.
Obst-Versteigerung.
Mittwoch den 23. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, wird
das Gemeindeobst, Aepfel und Zwetschen, öffentlich ver— stelgert.
Rödgen am 19. September 1885. 5 Großherzogliche Buͤrgermelsterei Roͤdgen. 3263 Luft.
Damen- und Rinder-Schürzen
80 zu den bllligsten Preisen bei K. Friedrich.
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