Ausgabe 
21.11.1885
 
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Beilage.

Hberhessischer Anzeiger.

M 138.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Auf der Tagesordnung der Gemeinde rathssitzung in Homburg v. d. H. vom 20. Nov. steht als dritter PunktErbauung einer Etsenbahn von Hom burg nach Friedberg. Man will nun in Homburg wissen, es sel schon die Antwort des Ministers auf die letzte Eingabe eingelaufen und günstig ausgefallen. So sehr erfreulich nun diese Thatsache auch wäre, wollen wir uns zu sanguinischen Hoffnungen doch nicht hingeben, denn es ist bei dem bekannten Geschäftsgang kaum mög⸗ lich, daß jetzt schon eine Antwort eingetroffen sein könnte. 1. Friedberg, 20. Nov. Gestern Nachmittag kaufte eine Frau von auswärts in der Wind'schen Wirtbschaft

am Bahnhofe mehrere Fleischwaaren und ließ ihre Tasche behufs späterer Abholung daselbst stehen.

Ein Gauner hatte dies bemerkt und kam später, um die Tasche der Frauin ihrem Auftrage zu holen. Als dann die Eigenthümerin selbst kam, stellte sich der Betrug heraus. Der Dieb wurde seiner Beute nicht lange froh, denn eine fofort eingeleitete Verfolgung führte zu seiner Ent deckung und Verhaftung.

e. Friedberg. Zur Errichtung eines Denkmals für Ulrich v. Hutten und Franz v. Sickingen auf der Ebernburg bei Kreuznach erläßt ein Comité einen Aufruf um Beiträge, welche an M. Hohenemser in Frankfurt oder S. Bleichröder in Berlin eingesandt werden können. Der Aufruf schließt mit den Worten:Dort auf der Ebernburg soll ihr Standbild stehen, wo sie träumten des Lebens schönsten Traum, wo sie hoffend planten des Reiches Größe; dort soll's stehen gleichsam zu Füßen und im Schatten der thronenden Germania am nahen Rhein und soll Allen, die zum Sieges denkmal des neuen Reiches aufsteigen und aufblicken, ein ernstes Mahnzeichen sein, wie lange gehofft und geharrt, wie viel vergeblich erst gekämpft und gerungen ward, bis endlich ein Kaiser kam, dem huldigend die Fuͤrsten sich nahten, der den Herzenswunsch des Volkes erfüllte, der, des Friedens Hort und der Landmark Schutz, ein starkes und mächtiges

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Vaterland schuf, dessen Guter und Gaben mit Liebe ge

pflegt, mit Treue gewahrt, mit Leib und Leben geschirmt werden sollen von Geschlecht zu Geschlecht!

r. Bad⸗Nauheim. In Folge des neuerdings auf

getauchten Bahnprojekts Köppern-Usingen wird in der hlesigen Gegend wieder das seiner Zeit aufgestellte Projekt: Die Herstellung einer Bahnverbindung zwischen Usingen Bad Nauheim resp. Friedberg allgemein ventilirt, da

durch event. Ausführung ersterer Linie die Aufschließung der südwestlichen Wetterau in weite Ferne rücken würde. Unterwerfen wir beide projektirte Bahnlinien einem Ver gleich, so kommen wir zu nachstehendem Resultat. Ab gesehen davon, daß die Linie Bad Nauheim-Usingen eine natürliche Verlängerung der proj. EisenbahnlinieHom burg Friedberg bilden würde, ferner, daß Terrainschwlerlg keiten bei Ausführung der Bahnlinte dem Usathal ent lang fast gar keine vorhanden sind, da dasselbe viel breiter ist und viel weniger Schwierigkeiten bezüglich der Entfernung der Wassermassen bietet, wie das Köpperner Thal, kann auch hierbei eher auf eine Rentabilität der ganzen Anlage gerechnet werden, denn diese Bahnlinie

würde dem romantischen Usathal entlang ziehen, welches besonders in neuerer Zelt, nachdem dasselbe mehr aus wärts bekannt geworden ist, von vielen Reisenden und

en. von Bad⸗Nauheim besucht wird.

n Während auf der Bahnlinie Köppern-Usingen nur ein OrtWehr heim berührt werden kann und dieselbe in eine Neben

bahn einläuft, würde die andere Linie an den Orten:

Cransberg⸗Wernborn, Ziegenberg-Langenhain, dem großen Ort Ober⸗Mörlen und an Nieder⸗Mörlen vorbei gehen und direct in eine der Hauptbahnen Deutschlands in die Main⸗Weser⸗Bahn einmünden, woselbst die beiden

1 verkehrsreichen Städte Bad-Nauheim und Friedberg liegen.

Zieht man hierbei noch in Erwägung, daß Landestheile, namentlich auch Badeorte, wo Nebenbahnen entstehen oder deren Netz sich vervollständigt, einer ungeahnten Ent wickelung und Kräftigung sich erfreuen, bedenkt man ferner, daß nach Vollendung dieser Bahn auch Aussicht vor handen ist, daß der westliche Theil von Nassau durch Verlängerung dieser Linte nach der Lahn zu den großen Verkehrs linien angeschlossen wird, so muß constatirt werden, daß für die wirthschaftliche Entwickelung der bis jetzt von allem Verkehr ausgeschlossenen, aber doch wohl habenden südwestlichen Wetterau, nebst unserem Bade orte, die Ausführung obiger Linte von entscheidender Bedeutung wäre.

b. Groß⸗Karben. Bekanntlich bestehen seit einigen Jahren in verschiedenen Gegenden unseres Vaterlandes sog. Bauern⸗Vereine, welche bezwecken durch corporative Zusammenfassung der Landwirthe den immer drohender werdenden Ruin des Bauernstandes zu verhindern. Auch in Hessen ist unter dem Vorsitze des Grafen zu Solms Laubach ein solcher Verein ins Leben gerufen worden, der aber bis jetzt in Oberhessen nur wenig bekannt geworden. Am vergangenen Sonntag fand deßhalb eine Bersammlung auf dem Selzer Brunnen statt, um wegen Verbreitung des Vereins in Oberhessen zu berathen. Bel Verhinderung des Grafen zu Solms-Laubach ent wickelte Baron d. Wam bolt die Zwecke des Vereins, welcher unter absolutem Ausschluß aller polltischen und religtösen Fragen lediglich die Interessen des Bauern⸗ standes heben und fördern soll. Die Versammlung war aus der Umgegend sehr zahlreich besucht und folgte den Ausführungen mit höchstem Interesse. Fast alle An

wesenden traten sofort dem Verein bei und bewlesen dadurch, daß auch die Landwirthe unserer Provinz zu der Ueberzeugung gekommen sind, daß der Bauernstand nur durch Aufbieten aller vereinten Kräfte aus seiner Krists gerettet werden kann. Möge bald auch die Wetterau die volle Wahrheit des alten und schönen Wortes er fahren:Hat der Bauer Geld, so hat's die ganze Welt.

Laubach, 16. Nov. Nächsten Sonntag findet in der Horst'schen Gastwirthschaft zu Ruppertsburg(halb⸗ wegs zwischen Hungen und Laubach) eine Versammlung der sich für den Bau einer Eisenbahn von Hungen nach Laubach und ihre Weiterführung Interessirenden statt. 5 Worms. Mit dem 16. Novomber d. J. werden in den Orten Oppenheim, Guntersblum, Bodenheim, Wörrstadt und Partenheim Verpflegungsstationen für mittellose Reisende in's Leben treten. Es sollen diese Statlonen hauptsächlich gegen den so lästigen Wander bettel Ahhilfe schaffen, und wird deshalb dort jeder arme Reisende, welcher nicht aus der nächsten Umgebung stammt, in angemessener Form verpflegt werden. Wenn irgend möglich wird die Verpflegung von einer vorgäng igen Arbeitsleistung abhängig gemacht.

Literarisches.

Daheim. Nr. 7 enthält: Unser Neffe.(Forts.) Dr. J. C. Haskarl und die Kultur der Chinarinde. Von C. K. Berlin ⸗Ostende mit zehntägigem Retourbillet. (Forts.) Die Sprengung von Hellgate. Mit 2 Illustr. Am Familientisch: Ein seltener Fund. Mit Bild. Fahrt zur Kirche im westlichen Norwegen. Mit Bild. Eine seltsame Doktordisputation. Versteinerte Menschen augen? Was soll der Junge werden? Eine Reliquie Schillers. Technische Umschau. Rechtsrath. In unserer Spielecke. Mit zwei illustr. Beilagen.

Die Werkstatt, Meister Konrads Wochenzeitung: Nr. 7 enthält: Aus der Welt. Für die Werkstatt: Man muß sich die Arbeit nur leicht machen. Be fähigungsnachweis oder nicht? Etwas für geschickte Mechaniker. Thüren aus Pappe. Deutscher Post⸗ beamter und Schneider zugleich. Abgewiesen. Nichtchristen in den Innungen. Auf der Fachschule. Um blankes Eisen gegen Rost zu schützen. Aller⸗ hand Nützliches für den Handwerker. Für den Abend⸗ schoppen: Zum ersten Male wieder bei Licht gearbeitet. Sonntagsruhe in alter Zeit. Für Haus und Herd: Was ist für einen Kranken das Bessere, daheim verpflegt, oder im Krankenhause? Zu schöne Hosen(Wienerisch). Verwerthung der Abfälle von zedörrtem Obst. Wie wäscht man Glacéhandschuhe? Die Blumen im Zimmer. Das bloße Abkochen der Pilze. Für den Feierabend: Die Brüder. Erzählung von Albert Bürklin. (Forts.) Ein gefährlicher Mensch.

? Friedberg. Im Nachstehenden theilen wir die Statuten des evangelischen Stadtkirchenbau⸗ Vereins zu Friedberg zur allgemeinen Kenntniß mit und hoffen, daß Viele, die noch nicht Mitglieder des Vereins sind, sich hierdurch veranlaßt sehen, es zu werden.

§. 1. Zweck des Vereins. In Friedberg hat sich im Mai 1885 ein Verein gebildet, der Ich die Wlederherstellung, Erhaltung und Verschönerung der evangelischen Stadtkirche zum Zweck gesetzt hat.

. 2. Mitglieder. Wer für die Zwecke des Vereins thätig ist und einen jährlichen Beitrag von mindestens 50 Pfennig leistet, ist als Mitglied des Vereins zu betrachten.

§. 3. Mittel. a. Das Grundkapital des Vereins bildet die von der Feier des Luther-Festes im Jahre 1883 übrig gebliebene und einstwellen verzinslich angelegte Summe von 130 Mark, die sich inzwischen durch Ver⸗ zinsung und durch Einnahme aus Vorträgen, sowie durch Geschenke auf 200 Mark erhöht hat. b. Hierzu kommen zunächst die Beiträge der Mitglieder, sowie Gaben von Wohlthätern des Vereins, welche sehr willkommen sind. e. Weitere Geldmittel sollen durch Veranstaltung von Vorträgen, Concerten und dergl., sowie durch Collekten beschafft werden. d. Behufs der Erhebung von Collekten und der Gewährung von Beiträgen aus Staatsmitteln wird der Verein sich ernstlich bemühen, das Interesse sowohl der kirchlichen Oberbehörde als auch der Groß⸗ herzozlichen Staatsregierung und der Landesvertretung für das in hiesiger Stadtkirche vorhandene herrliche Denkmal gothischer Baukunst zu gewinnen.

§. 4. Vorstand. Zur Geschäftsführung, sowie zur Vertretung des Vereins in allen Rechtsverhältnissen wird, zum erstenmal durch den evangelischen Kirchen vorstand, später durch die General-Versammlung, ein Vorstand von sieben Mitgliedern auf je drei Jahre ge⸗ wählt, der aus seiner Mitte einen Vorsitzenden, einen Stellvertreter desselben, einen Schriftführer und einen Rechner ernennt. Drei dleser Vorstandsmitglieder müssen jederzeit dem evang. Kirchenvorstande entnommen sein.

§. 5. Verhältniß zum Kürchenvorstande. Durch die dem Klrchenvorstande angehoͤrigen Vorstands⸗ mitglieder ist die Verbindung des Vereins mit dem Ge sammtkirchenvorstande berzustellen und dieser von den Unternehmungen des Vereins in Kenntniß zu erhalten. Die von dem Vereine beabsichtigten baulichen Herstellungen, sowle Veränderungen im Innern der Kirche bedürfen der Zustimmung des Kirchenvorstandes. d

§. 6. Generalversammlung. Die Vereins- mitglieder werden jährlich zu einer Generalversammlung

berufen. Diese hat den Bericht des Vorstandes über den Stand der Vereinsangelegenheiten entgegenzunehmen, über diese Angelegenheiten zu berathen, alle drei Jahre den Vorstand neu zu wählen und, falls nach den ge machten Erfahrungen eine Aenderung der Statuten nöthig erscheint, hierüber auf Vorlage des Vorstandes und unter Vorbehalt höherer Genehmigung mit zwei Dritteln der Stimmen zu beschließen. Außer der regelmäßigen Jahresversammlung kann der Vorstand nach Bedürfniß außerordentliche Versammlungen berufen und er muß solche berufen, wenn mindestens zwanzig Vereins-Mit glieder dies verlangen.

Handel und Verkehr.

Zur Sicherung schneller Beförderung und Bestellung der Postsenduntzen müssen auf den⸗ selben Empfänger und Bestimmungsort so genau be⸗ zeichnet sein, daß jeder Ungewißheit vorgebeugt wird. Dabei sind namentlich folgende Punkte zu beachten: 1. Bei Postsendungen nach größeren Orten ist in der Aufschrift die Wohnung des Empfängers möglichst genau anzugeben. Auch ist es von Wichtigkelt, daß die Wohn⸗ ungsausgabe stets an derselben Stelle der Aufschrift, nämlich unten rechts, unmittelbar unter der Angabe des Bestimmungsortes, erfolge. 2. Auf den nach Berlin bestimmten Sendungen ist, außer der Wohnung des Empfängers, der Postbezirk(O., N., NO. zc.), in welchem die Wohnung sich befindet, hinter der Ortsbezeichnung Berlin zu vermerken. 3. Gibt es mit dem Bestimm⸗ ungsorte gleich oder ähnlich lautende Postorte, so ist dem Ortsnamen eine zusätzliche Bezeichnung beizufügen. Welche Zusätze für die Ortsnamen im Postverkehr als maßgebend anzusehen sind, ergiebt sich aus demVerzeichniß gleich⸗ namiger oder ähnlich lautender Postorte, das zum Preise von 10 Pf. durch Vermittelung jeder Reichs Postanstalt bezogen werden kann. 4. Wenn der im Reichs⸗Postgebiet belegene Bestimmungs ort zwar mit einer Postanstalt ver⸗ sehen, dessenungeachtet aber nicht als allgemein bekannt anzunehmen ist, so empfiehlt es sich, die Lage des Orts in der Aufschrift der Sendung noch des Näheren zu be⸗ zeichnen. Zu derartigen Bezeichnungen eignet sich die Angabe des Staates und bei größeren Staaten des politischen Bezirks(Provinz, Regierungsbezirk u. s. w.), in welchem der Bestimmungsort belegen ist, oder auch die Angabe von größeren Flüssen[(Oder),(Elbe), (Rhein),(Main) zc.], oder von Gebirgen((Harz), (Riesengebirge) ꝛc.]J. Nicht minder sind zusätzliche Be⸗ zeichnungen, wie(Thüringen),(Altmark),(Lausitz) ꝛc. für den Zweck geeignet. 5. Auf Postsendungen nach Ortschaften ohne Postanstalt ist außer dem eigentlichen Bestimmungsorte noch diejenige Postanstalt anzugeben, von welcher aus die Bestellung der Sendung an den Empfänger bewirkt werden bz. die Abholung erfolgen soll. 6. Wenn der Bestimmungsort einer Sendung in einem fremden Postgebiete belegen und zu den weniger bekannten Orten zu rechnen ist, so ist außer dem Orts namen noch das betreffende Land bz. der Landestheil auf der Sendung anzugeben. Die Beachtung dieser Punkte wird zur Herbeiführung einer schleunigen Ueberkunft der Sendungen an die Empfänger wesentlich beitragen, und es llegt daher im eigenen Interesse der Absender, die Aufschriften der Sendungen hiernach genau anzufertigen.

2* Aufruf.

Der kaum für möglich gehaltene Krieg zwischen Serbien und Bulgarien ist zum Ausbruch gekommen. S. Hoh. der Furst von Bulgarien, ein Sprosse unseres hessischen Fürstenhauses, und mit ihm seine junge Armee find durch die plötzliche serbische Kriegserklärung und den vorbereiteten Einfall der serbischen Armee in Bul⸗ garien gezwungen worden, in einen Winterfeldzug ein⸗ zutreten. Wie viel Jammer und Noth ein solcher Feld⸗ zug, selbst für die bestorganisirte Armee, zur Folge hat, steht lebhaft genug in unserem Gedächtniß. Wir richten deßhalb an Alle, die fuͤr solche Roth ein warmes Herz haben, die dringende Bitte, dies durch recht reichliche Spende von warmen Kleidungsstücken(wollene Hemden, Jacken und Strümpfe), sowie Geld, theils zur An⸗ schaffung von antiseptischem Verbandszeug de., theils zur Ueberweisung desselben an den Huͤlfsverein in Sofia, so rasch als moglich zu bethätigen. Zur Empfangnahme von freundlichen Gaben ist das unterzeichnete Comits in der Hauptannahmestelle im Palals Sr. Gr. H. des Prinzen Alexander berelt.

Darmstadt, 17. November 1888.

Das provisorische Comité.

Die Expedition des Oberh. Anzeigers ist bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und weiter zu befoͤrdern.

Geld Cours.

Frankfurt am 19. November 1885.

Geber. Nehmer.

M. Pf. M. Pf.

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