Ausgabe 
17.12.1885
 
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Dr. Köslin:

Jan,

Carthagena verurtheilt der im November stattgehabten

1885.

Bonnerstag den 17. Dezember.

M 49.

Oberhessischer Anzeiger.

Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.

Areisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, ö Donnerstag und Samstag.

Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 Pf. berechne Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht J

t, bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reclamen mit 22 Pf.; ein Beleg koftet 9 Pf. ahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ift, werden stets per Post nachgenommen.

Deutsches Reich.

Darmstadt. Der Amtsrichter Ebel in Alsfeld wurde zum Oberamtsrichter in Wald Michelbach, der Amtsrichter Taschs in Seligen stadt zum Amtsrichter in Alsfeld, der Gerichts assessor Schudt in Gießen zum Amtsrichter in Seligenstadt und der Gerichtsassessor Dr. Meisel in Darmstadt zum Amtsrichter in Groß⸗Gerau ernannt.

Berlin, 14. Dez. Der Reichstag erledigte heute nach wenig erheblicher Debatte die KapftelNormalalch⸗ ungs⸗Commission undGesundheitsamt vom Etat des Reichsamts des Innern nach den Anträgen der Com⸗ mission. Auf Anfrage erklärte der Bundes commissär, die Frage, was bei Wesn als Nahrungsfälschungsmittel an⸗ zusehen ist, müͤsse einer reichsgesetzlichen Regelung vorbe halten bleiben; die Wünsche wegen einheitlicher Bestimm ungen auf dem Gebiete der Bierbrauerei in Süddeutsch⸗ land und Norddeutschland würden erwogen werden. Der Reichstag genehmigte im Fortgang der heutigen Sitzung den Rest des Etats des Reichsamts des Innern unver⸗ ändert nach den Commissionsanträgen. 15. Dez. Der Reichstag nahm in erster und zweiter Lesung den Gesetz⸗ entwurf bezütlich der Controle des Reichshaushalts und des Landeshaushalts von Elsaß-Lothringen an und ge⸗ nehmitzte in zweiter Lesung des Militäretats die fort dauernden Ausgaben bis einschließlich zum Capitel Naturalverpflegung durchweg nach den Commissions anträgen, also mit allen dazu beantragten Streichungen. Die fortdauernden Ausgaben bis einschließlich Kapitel Verpflegung der Ersatzreserve-Mannschaften werden nach den Anträgen der Commission erledigt. Zu dem Antrage Harm, in letzteres zur Unterstützung zur Uebung ein⸗ berufener Reservisten und Landwehrleute 2,000,000 für Preußen, 100,000 für Sachsen, 50,000 Mark für Wuͤrttemberg einzustellen, bemerkt der Kriegsminister, der Antrag gehöre nicht zum Militäretat, sondern zum Etat des Innern. Der Antrag wird der Budget⸗Commission überwiesen. 12 8

14. Dez. Die Budgetcommission lehnte die Artilleriekaserne Kassel, erste Rate mit 200,000 M., ab, bewilligte einstimmig die Forderungen für Aus rüstung und Umgestaltung der deutschen Fest ungen, lehnte dagegen abermals die Errichtung der Unteroffizierschule Neu-Breisach ab und ebenso den Neubau der Garnisonskirche in Straßburg.

15. Dez. Der Reichskanzler ist noch immer leidend an Gesichts- und Fußschmerzen.

Köln, 15. Dez. Die Inthronisirung des Erzbischofs Dr. Krementz fand heute im Dom statt und waren anwesend die Spitzen der Civil⸗ und Militärbehörden, die Vertreter der Ritter⸗ schaft, der Landschaft, der Universität Bonn, die Stadtverordneten und der Bürgermeister.

Braunsberg. Dr. Andreas Thiel, Gene ralviear und Domherr zu Frauenburg, wurde

zum Ermeländischen Bischof gewählt.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 14. Dez. Die Regierungen Englands und Frankreichs wiesen ihre Militärattaches in Wien gleichfalls an, sich zum Anschlusse an die nach dem Kriegs⸗ schauplatze zu entsendende Militär-Commission

1) en. berehes, 14 Dez. Das Unterhaus nahm mit 215 gegen 130 I die fünfjährige Man⸗

er der Abgeordneten an. 1

te, Paris, 13. Dez. Die hie⸗ sigen Nachwahlen zur Deputirtenkammer, welche heute stattfanden, sind hier in größter Ruhe 10 laufen. Es kam keine gültige Wahl zu Stande. Sechs radikale Candidaten erzielten die end Stimmen, sodann Derouldde, welcher 102,589 Stimmen erhielt.

Spanien. Madrid. Der Kriegsrath von

e vier der Urheber an Arsenalrevolte

zum Tode. Seitens der Localpresse werden große Anstrengungen gemacht, um für die Ver⸗ urtheilten die Begnadigung der Königin-Regentin zu erwirken.

Lopez Dominguez hat die Uebernahme des Pariser Botschafterpostens abgelehnt.

Die ZeitungEl Resumen sagt, daß Don Carlos an Kehlkopfschwindsucht heftig er krankt sei.

Türkei. Constantinopel, 13. Dez. Ein heute hier angelangtes Telegramm des Fürsten von Bulgarien sagt, er habe anfänglich die Mission Madjids abgelehnt, um die Pforte von dem serbisch-bulgarischen Streitfalle zu ent lasten; nichtsdestoweniger werde er Madjid gern empfangen, um mit ibm die Lage zu besprechen.

Es wird bestimmt versichert, daß, falls ein feindseliges Auftreten Griechenlands gegen die Pforte stattfinde, wahrscheinlich englische und französische Flottenabtheilungen sich in den Pyräus begeben werden, um eine Seeaction Griechen lands zu verhindern.

14. Dez. Madjid Pascha ist heute mit dem türkischen Militärbevollmächtigten Schakir Pascha nach Sofia abgereist.

Serbien. Belgrad, 15. Dez. Die Ge⸗ sandten Rußlands und Oesterreich-Ungarns theilten hier und in Sofia mit, daß alle Mächte der Entsendung einer militärischen Commission zugestimmt hätten, dabei aber verlangten, daß Serbien wie Bulgarien sich verpflichteten, den Entscheidungen dieser Commission sich zu fügen.

Bulgarien. Sofia, 14. Dez. Meldung der Agence Havas: Falls durch die Feststellung der Demarcationslinie die serbische Armee im Widdin-Gebiete belassen würde, sei anzunehmen, daß die Bulgaren unter Anyahme eines locali sirten Waffenstillstandes im Gebiete von Pirot den Krieg im Donaugebiete bis zum Aeußersten fortsetzen würden.

Griechenland. Athen, 14. Dez. Wie verlautet, kaufte die Regierung in England zwei Panzerschiffe an.

Egypten. Kairo, 13. Dez. Am Samstag griffen 3000 Aufständische Mograkeh an, wur den aber von der egyptischen Besatzung mit be trächtlichem Verluste zurückgeschlagen. Die Ge rüchte von einer bedenklichen Lage der Dinge sind durchaus unbegründet, vielmehr ist von der Wiederbesetzung Dongolas die Rede.

Indien. Madras, 14. Dez. Der König Thibau von Birma ist hier angekommen. Es heißt, derselbe werde hier verbleiben.

Aus Stadt und Land. sch. Friedberg. Während Prof. Dr. Köstlin in seinem ersten Vortrage im Rathhause über selne Erleb⸗ nisse im Kriege 1870/71 als Feldprediger den Schluß behandelte, sprach er heute vor 700800 im Saale des Hötel Trapp versammelten Personen auf allseitiges Ver langen über die erste Zeit, in der er mit hinüber zog nach Frankreich. Ernste, tiefernste uud heitere Episoden aus dem Kriegsleben verstand der äußerst beliebte Redner in packender, dabetl einfacher Weise seinem Zuhörerkreise vorzuführen, man erlebte gleichsam selbst Alles. Atemlos lauschten die Anwesenden, die größtmögliche Ruhe wirkte geradezu feierlich auf das Gemüth.Es war so recht ein erbaulicher Vortrag. Einzelne Llchtstrahlen sollen dies erläutern: Der erste Feldgottesdienst wurde gehalten. Der Feldgeistliche hält auf selnem Pferde sitzend eine Predigt über das Bibelwort: Alle eure Sorge werfet auf Gott, denn er sorget für euch. An dem Saume eines Waldes wurde ein Tisch gedeckt mit weißem Linnen, das Abendmahl sollte gefeiert werden; es waren jedoch nur 400 Hostten mitgegeben worden, 1800 wären nöthig

gewesen, da nahm man einfaches Commisbrod, zerschnitt

es und hielt so das Abendmahl, wie es einst der Herr in der Wüste gethan. Aber auch die Schrecken des Krieges ließen nicht auf sich warten, das Memento mori trat Jedem vor die Seele. Manche Liebesthat galt es da zu üben; mancher brave deutsche Kamerad war nie dergesunken von der mörderischen Kugel, der Felbprediger hat nicht die Möglichkeit, Jedem, der ihn anruft, Trost zu spenden, so noth es thut, so gern er es thun würde. Ein Schlesier war schwer verwundet worden und lag auf der Kampfstatt, der Feldgeistliche will ihn trösten, er meint:mir ist nicht mehr zu helfen, aber; er bittet den Geistlichen, seiner Familie die letzten Grüße zu senden; er ist Landwehrmann. Eln Turko winkt den Feldpre⸗ diger herbel, er versteht kein Französisch, stumm zeigt er nach dem Himmel, er will beten; der Geistliche kniet neben ihm nieder, beide falten die Hände und beten jeder in seiner Sprache, der Herr verstand es doch u. s. w. Dem Redner sei auch hier Dank gesagt, wie Jever, der ihn hörte, ihn ihm nicht versagen wird. Auch viele Theil⸗ nehmer aus der Umgegend waren gekommen und auch aus deren Mitte erschallte das Lob des Redners, als sich nach geendetem Vortrage eine gesellige Vereinigung im Gastzimmer des Hötel Trapp bildete. Seminarlehrer Wahl, der Vorkämpfer der meisten Vereine in Friedberg, hatte die Freude an fröhlicher Tafelrunde den Toast auf den Redner auszubringen, der mit unendlicher Begeister ung aufgenommen wurde und einen Wiederhall in Aller Herzen fand. Dieser Tag wird uns Allen, die wir Zu⸗ hörer gewesen sind, unvergeßlich bleiben.

h. Friedberg. Die kleinen alljährlichen Winter⸗ gäste die Vögel sind zu uns gekommen und bitten um Nahrung, die ihnen die Winterdecke zu suchen un möglich macht. Der Gefühlvolle erbarmt sich auch dieser kleinen Geschöpfe, deren Dank im Frühjahr ja nicht ausbleibt.

d. Friedberg. Der Taubstummen⸗Verein, über dessen Zwecke wir früher berichteten, hat in neuerer Zeit sehr an Aus dehnung gewonnen. Derselbe hat im Bezirk Friedberg dahier etwa 70, in dem benach⸗ barten Dorheim 10 und im Bezirk Offenbach weit über 100 Mitglieder erworben. Die Mitgliederkarten kommen eben zur Vertheilung; die Statuten befinden sich im Druck und werden jedem Mitglied auf Wunsch eingehändigt. Der Verein beabsichtigt, auch in diesem Jahre wieder eine Christbescheerung zu veranstalten und werden freiwillige Gaben und Geschenke von dem Vor⸗ sitzenden, J. Friedrich dahier, dankend entgegengenommen.

st. Friedberg. Nachdem nunmehr die Zähllisten nachgesehen, berichtigt und zusammengestellt sind, ergibt sich für unsere Stadt eine Einwohnerzahl von 5009.

Gießen, 14. Dez. Gerichtsassessor Schudt dahier erhielt gestern seine definitive Ernenuung zum Amtsrichter. Er war schon länger herzleidend, heute traf ihn ein Herzschlag und stehen die Angehörigen trauernd an der Bahre eines lieben Verwandten, der zu großen Hoffnungen berechtigte.

Gießen. Schwurgerichtsverhandlung am 14. l. Mts. gegen Andreas Schrimpf von Herbstein, wegen Körper verletzung mit tödtlichem Erfolg. Derselbe war an geklagt, daß er in der Nacht vom 27. zum 28. Sep⸗ tember l. J. zu Herbstein den August Kübel, Sohn des Wirths August Kübel von da, mittelst eines Messers vorsätzlich an der Gesundheit beschädigt und hierdurch den Tod desselben verursacht habe. Die Geschworenen bejahten die ihnen vorgelegte Schuldfrage, nahmen jedoch mildernde Umstände an und wurde Schrimpf demgemäß in eine Gefängnißstrafe von zwei Jahren und in die Kosten verurtheilt.

Allerlei.

Stuttgart, 14. Dez. Zwischen zwei Lieutenants des Ludwigsburger Trainbataillons, von Schlotterbach und Kauffmann, welche beide in der Kaserne wohnen, kam es gestern zu einem Streit, worauf Kauffmann elnen Revolver holte und auf Schlotterbach feuerte, der am Auge und Brust schwer verletzt wurde. Der Thäter entfloh.

Kassel, 12. Dez. Heute Mittag fand in der hlesigen Gasanstalt eine Explosion statt. Ein Gebäude wurde total zertrümmert, drei Personen schwer verletzt.

Hamburg. Nach einer Depesche derBoͤrsenhalle aus Sidney vom 14. Dezember ist der neue Dampfer der deutschen Neuguinea ⸗GesellschaftPapua in der Torresstraße auf dem Ospreyriff verunglückt. Die ganze Mannschaft des Dampfers ist gerettet.

Hamburg, 15. Dez. Der Hamburger Postdampfer Wieland ist heute Morgen im Nebel auf Kratzsand bel Cuxhafen festgerathen; man hofft, ihn Abends unter Assistenz dreler Bugsirdampfer los zu bekommen.

Plymouth, Id. Dez. Sonnkag früh brach in dem olchtest bewohnten Stadtthelle Feuer aus und verbreltete

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