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Dienstag den 17. März. M3.
Oberhessischer Anzeiger.
Wird hier und in Bad⸗Nauheim Nontag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag,
Areisblatt sür den Kreis Friedberg. Donnerstag und Samstag.
Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 Pf. berechnet, bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reclamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen von auswärtigen Siusendern(soweit Letztere nicht Jahres conte bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.
An die Bewohner Friedbergs und der Umgegend.
Zur Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm
wird Sonntag den 22. März cr., Nachmittags
Friedberg und der Umgegend hierdurch freundlichst eingeladen werden. gesetzte Liste nicht zukommen sollte, werden gebeten, bis zum 20. I. Mts. ihre Anmeldungen im Hötel Trapp machen zu lassen.
2½ Uhr, im Hötel Trapp dahier ein Festmahl stattfinden, zu welchem die Bewohner der Stadt Auswärtige, sowie solche hiesige Einwohner, welchen die in Umlauf Die Bewohner
Friedbergs werden gebeten, durch Schmückung der Haͤuser zur Feier des Tages mitwirken zu wollen.
Im Auftrag des Comité's: Roemheld, Major z. D. und Bezirks⸗Commandeur.
Aus Stadt und Lond.
m. Friedberg. Die Volkskuͤche wurde für diesen Winter am 3. März geschlossen. An 50 Tagen wurden in derselben täglich durchschnittlich 52,7 Liter Suppe ausgegeben und zwar 3167 Liter an Stadtarme und 29½ Liter an Durchreisende verschenkt und 1019 Liter à 10 Pf. verkauft. Außerdem erhielten die Armen wöchentlich zweimal Brodmarken à 10 Pf. Die Ansalt hat sich auch in diesem Winter als eine reiche Wohlthat für unsere Armen bewährt. Ste hat in der verdienstlosen Zeit gebrechliche und alte Personen fast vollständig er⸗ nährt, armen Eltern die Sorge um ihre Kinder erleichtert und die Kinder, welche in ihrer körperlichen Entwickelung durch ungeeignete Ernährung oft ganz besonders im Winter Noth leiden, kräftig und gesund erhalten. Indem man dies mittheilt, erlaubt sich die Armen-Commission nochmals allen Wohlthätern der Anstalt, sowohl den Männern, Frauen und Jungfrauen, welche wöchentlich einmal mit ihrer Arbeit ihr gedient haben, und der Köchin, welche täglich von früh Morgens an unverdrossen und uneigennützig gegen billigen Lohn die Suppe bereitet hat, als auch den vielen freundlichen Gebern, welche sie durch ihre mitunter sehr hohen Gaben unterhalten haben, den wohlverdienten Dank auszusprechen.
b. Friedberg. Bei der hiesigen Sammelstelle sind bis jetzt eingegangen aus den Orten: Bauernheim von 8 Zeichnern M. 2.30, Burg⸗Gräfenrod von 86 Z. M. 22.15, Belenheim von 72 Z. M. 4.26, Fauerbach b. F. von 58 Z. M. 8.50, Ilbenstadt von 2 3. M. 22, Dorn⸗ Assenheim von 2 3. M. 1, Kaichen von 53 Z. M. 25.05, Nieder⸗Florstadt von 14 Z. M. 34, Ober⸗Florstadt von 21 Z. M. 9.50, Ossenheim von 21 Z. M. 18.20, Mel bach von 28 Z. M. 13.50, Reichelsheim von 37 Z. M. 18, Södel von 100 3. M. 12.98, Weckesheim von 5 J. M. 3.80, Friedberg von 407 Z. M. 675.42, zusammen M. 870.66, gespendet von 992 Personen.
6. Bad⸗ Nauheim. Die im Amtsgerichtsbezirk Bad⸗Nauheim veranstaltete Sammlung zum Besten der Bismarcks Spende ergab folgendes Resultat: aus der Stabt Bad⸗Nauheim ging ein M. 170, aus der Gemeinde Steinfurth M. 22, Schwalheim M. 12.40, Dorheim M. 11, Wisselsheim M. 6.65, Rödgen M. 2.75, zus. M. 224.80, welcher Betrag an Bürgermeister Bramm in Gießen, zwecks Uebermittelunz an das Central-⸗Comité, eingesandt
wurde.
Allerlei.
Berlin. Bei der Concurrenz für die Errichtung des Reichsgerichtsgebäudes in Leipzig erhielt den ersten Preis Architekt Ludwig Hoffmann in Darmstadt und Peter Dybwad in Berlin, die beiden zweiten Preise er⸗ hielten der Entwurf von H. Lende in Straßburg und der Entwurf der Architekten Eisenlohr und Weigle in Stuttgart.
Berlin, 14. März. Der berühmte Medleiner Professor Frerichs ist heute gestorben.
Karwin, 7. März. Die„N. Fr. Pr.“ berichtet über die hiesige Grubenkatastrophe Folgendes: Der Johann⸗ schacht, die Stätte der entsetzlichen Katastrophe, war mit ca. 600 Mann belegt, und zwar waren 130 Arbeiter im 4. Horizont und die übrigen 470 im 3. und 5. Hortzont beschäftigt. Der vlerte Horizont, wo die Gasepplosion stattfand, ist 203 Meter tief und wird durch einen eigenen Luftschacht, der mit einem Ventilator von 9 Meter Durchmesser und 3 Meter Flügelbreite versehen ist, ventilirt. Dle Wetterzirkulatlon betrug in diesem Hori— zont eirea 18 Kubikmeter per Sekunde. Durch die Ex- ploston wurde der eiserne Verschluß detz Luftschachtes 6 Meter hoch in dle Luft geschleudert, und eine mächtige Feuersäule entstieg diesem Schachte. Durch die Zer— störung des elsernen Verschlusses des Wetterschachtes wurde die Wetter-Ventllatton des 4. Horizontes unter— brochen, und die Stickgase verbreiteten sich in den Gruben; bauen dieses Horlzontes so schnell, daß von den 104 verunglückten Arbeltern die meisten sofort ihren Erstick—
orm. 8½ Uhr: Angeklagter Posthilfsbete Ludwig Schäfer von Watzenborn, wegen Verbrechens im Amte. Staats⸗ anw. Jockel, Verth. Dr. Schwarz. 5) Freitag den 20. März, Vorm. 9½ Uhr: Angeklagter Carl Schleunt g II. Ehefrau von Feldkrücken, wezen Betrugs bezw. Brand⸗ stiftung. Staatsanw. Zimmermann, Verth. Dr. Muhl. 6) Samstag den 21. März, Vorm. 8½ Uhr: Angeklagter Heinrich Schmidt II. von Steinbach, wegen Urkunden⸗ fälschung und Betrugs. Staatsanw. Jockel, Vertheidiger Dr. Dittmar. 7) Montag den 23. März, Vorm. 9 Uhr: Angeklagte Marie Berg von Rodenbach, wegen Brand⸗ stiftung. Staatsanw.: Gerichts Assessor Seeger. Ver⸗ tbeidiger Dr. Reatz. 8) Dienstag den 24. März, Vor⸗ mittags 8½ Uhr: Angeklagter Heinrich Bender von Friedberg, wegen Brandstiftung. Staatsanw. Zimmer⸗ mann. Verth. Weidig.
und in der Nähe des Johannschachtes gearbeitet hatten, konnten sich retten, die übrigen vor der Kohlenwand und mit der Kohlenförderung beschäftigten Arbeiter fanden ausnahmslos den Tod. Die Abbau- und Förderstrecken sind durch die Explosion verbrochen, und man konnte, obwohl die größten Anstrengungen gemacht wurden, bis heute 8 Uhr Morgens im Ganzen erst 64 Leichen zu Tage fordern. Die größere Hälfte derselben ist schreck— lich verbrannt, die Uebrigen sind erstickt. Noch liegen 40 Leichen unten, deren Auffindung sehr schwierig ist, weil die Grubenstrecken auf 300 Meter weit zerstört sind. Es dürfte noch mehrere Tage dauern, bevor sämmt⸗ liche Leichen aufgefunden und zu Tage gefordert sein werden. Der Häuer Halama wurde durch einen wunder- baren Zufall gerettet; er lag unmittelbar am Schacht, wurde von den aus dem 5. Hortzonte ausfahrenden Bergleuten bemerkt, mitgenommen und wieder zum Leben 1 Handel und Verkehr.
gebracht. Dle zuletzt heraufbeförderten Leichen sind Friedberg 14. März. Buttermarkt. Butter kostete furchtbar verstümmelt. Erst jezt stößt man bei den per Pfd. M. 0.70— 9.85, Eier 1 St. 5 Pf., 2 St. gr. 11 Pf. Arbeiten auf das eigentliche Explofionsfeld. Die Arbeiten Gleßen, 14. März. Auf dem heutigen Markt kostete geben langsam vor sich, da wegen der Stickgase die Butter per Pfd. M. 0.85—.0.90, Ster 1 Stück 5 Pf., Arbeiter anfänglich nur 2 Stunden unten verwellen] Käse per St. 4— 10 Pf., Tauben per Paar N. 0.90— 1.00, konnten. Morgen Nachmittags findet das Leichenbegäng- Hühner per Stück M. 1.20— 1.50, Hahnen per Stück niß der Opfer statt. In einer Halle unweit der Unglücks. M. 1.20— 2.00, Enten per Stück M. 2.00— 2.40, stätte liegen die Leichen längs der Wande dicht aneinander Ochsenfleisch per Pfund 68 Pf., Kuh⸗ und Nind⸗ gereiht. Fortwährend finden hier herzzerreißende Scenen fleisch 56— 60 Pf., Schweinefleisch 5060 Pf., Hammel⸗ statt.— 8. März. Heute um 2 Uhr Nachmittags fand fleisch 64—70 Pf., Kalbfleisch 48—50 Pf., Kartoffeln das Leschenbezänzniß von 53 Todten statt. Die Leichen per 100 Kilo M. 3.50—5.00, Zwiebeln per Str. M. 5. lagen in schwarzen, mit Kreuzen geschmückten Särgen, Frankfurt, 14. März. Wochenmarkt. Preise der e eee rugen. e Aufbahrung fand in der nächst dem Un-] M. 4.50—5, 8 Kart 3. e oßenden Halle statt. or letzterer drängten sich in roth tausch 20 Pf., E. großer Aufregung Angehörtge der Todten um Einlaß, Ctr. M. 6, per Gescheid 20 Pf., Blumenkahl per Stück der nicht möglich war, da die darin befindlichen An⸗ 30—40 Pf., Rosenkohl per Pfd. 40 Pf., Pariser Salat gehörigen sich von den Todten nicht trennen wollten. per Stück 16— 20 Pf., Wirsing 6—10 Pf., Notbkraut Eine unabsehbare Menschenmenge, die aus meilenwettem 15—2⁵ Pf., Weißkraut 1020 Pf., grüne Kohlrabi Umkreise hierher gekommen war, harrte auf dem Platze 1—6 Pf., gelbe 610 Pf., Feigen per Pfd. 30—35 Pf., vor der Brettsäge. Die Lelchen waren kupferroth und kleine Kastanien 15 Pf. Eier per Hundert: deutsche von Stickgasen aufgebläht. Ver der Brettsäge hatten M. 4.80—5, italtenische M. 6— 6.50.
die uniformirte Knappschaft aus Karwin und Peters Frankfurt, 6. Marz. Heu⸗ und Strohmarkt. wald mit Fahne und Musikkapelle, ferner eine Ehren- Die Anfuhr belief sich auf ea. 60 Wagen und wurde compagnie der Erzherzog Albrecht'schen Knappschaft mit bezahlt je nach Qual. per Ctr. für Heu M. 2.50—8, brennenden Grubenlampen Aufstellung genommen. Die für Stroh M. 2— 2.20.— Buttermarkt. Für„Butter Särge wurden auf schwarz drapirte Wagen gestellt. wurde im Engroshandel bezahlt per Ctr. M. 80, im Jammergeschrel war schon weit vor der Brettsaͤge zu Kleinverkauf je nach Güte der Waare per Pfd. M. 1— 1.10.
fade fanden. Nur 7 Arbeiter, welche im Querschlage
hören. Einige von den Todten wurden heute noch nicht a beerdigt, weil sie bisher nicht agnosclrt sind. Der g Eingesandt. g r Leichenzug war mehr als eine ½ Stunde lang. Man Theater. Die morgige Vorstellung dringt uns ein
Benefiz und zwar das fur Frau Herrmann- Ihm, die Gattin des strebsamen Leiters unseres Ensembles, die in anerkennenswerther Treue jetzt schon das 5. Mal unsere Stadt besucht und heute ebenso wie vor 5 Jahren der anerkannte Liebling unseres Theaterpublieums ist. Es steht zu erwarten, in Rücksicht darauf, daß die morgige Vorstellung zum Vortheil einer so beliebten Künstlerin stattfindet, daß ein Jeder gern sein Scherflein dazu bei⸗ tragen wird, daß die Vorstellung in jeder Beziehung zu einer recht ehrenvollen für die Benefizlantin wird, und ein recht volles Haus Zeugniß ablege, daß unser Publi⸗ kum dankbar ist und seine Lieblinge zu ehren und zu belohnen weiß. Das gewählte Stück ist eins von den guten alten, in denen Scherz und Ernst in angenehmer Abwechselung enthalten ist.— Muttersegen ist ja auch bei unserem Publieum als gut bekannt. 45
Repertoir-Entwurf der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus. Dienstag den 17.: Figaro's Hochzeit. Mittwoch den 18.; Geschlossen. Donnerstag den 19.: Gastsplel des Herrn Nawlaski vom Hoftheater in Stuttgart. Rigoletto. Rigolette:
bezeichnet als die Ursache des Unglücks einen an ver— botener Stelle abgegebenen Sprengschuß. Andererseits verlautet darüber, der Ventilator sei 4einige Zett stlll— gestanden. Alle diese Gerüchte sind jedoch vorläufig mit Vorsicht aufzunehmen.
Reval, 14. März. Die Rhede ist vollständig mit Treibeis bedeckt. Der deutsche Pampfer„Sirius“ blieb in demselben eine halbe Werst ei Hafen stecken, ebenso fünf Werst vom Hafen der englische Dampfer„Wintrop.“ Der dänische Dampfer„Knud“(ft mtttelst eines Bergungs- dampfers durch das Treibeis ineben Hafen gelangt.
Gerichtssaal.
Gießen. Verzeichniß der Sitzungen des Schwur⸗ gerichts vom 1. Quartal: 1) Montag den 16. März, Vorm. 9 Uhr: Angeklagter Heinrich Döll II. von Nieder— Ohmen, wegen Körperverletzung mit tödtlichen Erfolz. Staatsanw. Zimmermann, Staatsanw. Joͤckel, Gerichts Assessor Seeger, Verth. Balst. 2) Dienstag den 17. Marz, Vorm. 8½½ Uhr: Angeklagter Heinrich Helster von Hain— gründau, wegen Melnelds. Staatsanw. Jöckel, Ver— theldiger Dr. Gutfleisch. 3) Mittwoch den 18. Maͤrz,
(Neu inseenirt.)
Vorm. 8 ½ Uhr: Angeklagter Christtan Klein von Heisters, wegen Meinelds und Betrugs. Staatsanw. Zimmermann,
Herr Nawiaski.
Verth. Dr. Dittmar.
4) Donnerstag den, 19. März,


