Ausgabe 
16.7.1885
 
Einzelbild herunterladen

Dunnerstag den 16. Zuli.

Oberhessischer Anzeiger.

Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 Pf. be Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht

berechnet, bei größerem Tabellen- oder

Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reclamen mit 22 Pf.; Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.

ein Beleg kostet 9 Pf.

Es wird hierdurch zur allgemeinen Kenntniß gebracht, der Seewiese dahier beginnen.

des hiesigen Landwehrbataillons auf

abgehalten werden und wird Stunde und

Amtlicher Theil. Bekanntmachung.

daß vom 20. l. Mts. ab die diesjährigen Schießübungen der Stammmannschaft Die Uebungen werden stets in den Morgenstunden von 6 bis 9 Uhr Dauer des Schießens durch eine auf der Schießmauer aufgehißte roth-weiße Flagge signalisirt werden.

Die Großherzoglichen Bürgermeistereien der zunächst gelegenen Orte wollen Vorstehendes noch besonders durch die Schelle bekannt machen lassen.

Friedberg den 13. Juli 1885.

Um Auskunft über den dermaligen Friedberg den 13. Juli 1885.

Ausschreiben.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Dr. v. Gemmingen.

92 J. V.

Aufenthaltsort der Elise Hinkel von Wiesenbach und der Elisabetha Koch von Lich wird ersucht.

Der Großherzogliche Amtsanwalt. Wagner.

Deutsches Reich.

Berlin, 13. Juli. Zu der Nachricht von der Rückberufung des Generalconsuls Rohlfs in Zanzibar, schreibt ein Berliner Correspondent desHamb. Corresp.:Es bleibt auffällig, daß schon nach so kurzer Zeit eine Rückkehr noth wendig wurde, und es müssen jedeufalls wichtige Gründe vorliegen, welche mündliche Berichter stattung erforderten. Wir wollen nicht entschei den, ob diese mehr in den politischen Verhält nissen Zanzibars liegen, oder in der Vertretung, welche die deutschen Juteressen gefunden haben. Es darf indessen behauptet werden, daß größere Erwartungen an die Thätigkeit des Geueralcon suls geknüpft worden sind. Um nur Eins zu erwähnen, so ist der Einfluß des englischen Consuls Kirk gewachsen, statt vermindert, und hat der Sultan Said Bargasch den englischen Einflüsterungen offenes Ohr geliehen. Sie fan den freilich Nahrung in Umständen, welche von Gerhardt Rohlfs unabhängig waren, in der Pro tectoratserklärung über Usagara und in dem Ver trage mit dem Sultan von Witu, über welchen eben erst Clemens Denhardt dem Reichskanzler unter Führung des Nachweises der Selbststän digkeit des Herrschers von Witu Vortrag ge halten hat. Aber Gerhard Rohlfs, welcher übrigens von dem Sultan Said Bargasch freund lich und mit den ihm gebührenden Ehren empfangen wurde, hat nicht allenthalben mit der nöthigen Vorsicht und Energie gehandelt. Sei dem, wie ihm wolle, sein persönliches Erscheinen ist jeden⸗ falls von Bedeutung. Was Kirk betrifft, so hieß es während der mit Eugland gepflogenen colonialpolitischen Verhandlungen, Deutschland wünsche seine Abberufung. Er ist jedoch ge blieben. Der Rückhalt, den der Sultan jetzt allein bei England sucht, wird aber nicht hin reichen, um die deutschen Bestrebungen auf die Dauer zu kreuzen. An Stelle von Rohlfs ist Travers, bisher deutscher Consul in Canton, nach Zanzibar gegangen und dort schon einge troffen. Der Afrikareisende Clemens Denhardt soll auf ausdrücklichen Wunsch des Fürsten Bismarck nach Deutschland zurückgekehrt sein. Die von demselben mitgebrachten Dokumente, die zum Theil bis ca. 700 Jahre zurückreichen sollen, weisen dem Vernehmen desDeutsch. Tagebl. nach die völlige Unabhängigkeit Witus von Zanzibar zur Evidenz nach.

Ems, 14. Juli. Der Kaiser reiste heute Nachmittag mit Gefolge mittelst Extrazuges nach Coblenz ab. Eine colossale Menschenmenge be⸗ grüßte den Kaiser bei der Abfahrt mit stürmischen Hochrufen. Das Befinden des Kaisers ist vor

trefflich.

Ausland.

Schweiz. Bern, 14. Juli. Der Bundes rath genehmigte den zwischen Deutschland, Hol land und der Schweiz über die Lachsfischerei im Rhein am 30. Juni abgeschlossenen Vertrag. Zur Vertretung der Schweiz bei der in Berlin stattfindenden internationalen Telegraphen-Con ferenz ist Telegraphendirector Frey bestimmt.

Großbritannien. London,. Juli. Lord Salisbuty versteht es, sich populär zu machen. Nicht allein, daß er eine königliche Commission einsetzen will, welche die Ursache der jetzigen Geschäftsstockung untersuchen soll, sondern er befürwortete im Oberhause auch eine Maßregel, durch die Tausende von Arbeitern Beschäftigung erhalten werden. Dem Hause lag namlich die Regents⸗Canal⸗Ciiy:; und Docks-Eisenbahn-⸗Bill vor, in welcher die Unternehmer um die Er mächtigung ersuchten, wahrend des Baues der Bahn den Actlonären Zinsen aus dem Kapital zahlen zu dürfen. Eine derartige Zinszahlung ist gegen die stehende Geschaͤftsordnung des Hauses, welches aus diesem Grunde die Bill nicht in Berathung ziehen konnte. Für die Auf hebung dieser Bestimmung plaidirte nun Lord Salisbury, indem er bemerkte, daß durch Aus führung dieses großartigen Unternehmens in Umlauf gesetzt und Tausende von Arbeitern be schäftigt werden würden, was bei der jetzigen Geschaͤftslage gewiß sehr wünschenswerth sei. Es sei nicht die Aufgabe der Gesetzgeber, Leute, welche ihr Geld in derartigen Unternehmungen anzulegen wünschten, daran zu verhindern, um sie vor Verlust zu schützen, der übrigens in diesem Falle nicht wahrscheinlich sei. Das Haus hob darauf die betreffende Bestimmung auf und genehmigte die Bill in zweiter Lesung, so daß, da das Unterhaus die Vorlage bereits ange nommen hat, und das nöthige Kapital schon gezeichnet ist, die Ausführung des Unternehmens gesichert ist.

Spanien. Madrid, 13. Juli. Die Mi nister des Innern und der Marine haben ihre Demission eingereicht. Contreadmiral Pezuela ist zum Marineminister und der Civilgouverneur von Madrid, Villaverde, zum Minister des Innern ernannt.

Rußland. Petersburg. Im Hinblick auf die Choleragefahr hat die Regierung beschlossen, daß bei allen großeren Kloͤstern und zwar vor zugsweise densenigen, die jährlich von Tausen den von Wallfahrern besucht werden, regelrecht organisirte Hospitäler mit bestaͤndigen Aerzten errichtet werden.

Tiflis, 12. Juli. Das zweite Eisenbahn

bataillon und das erste Feldlazareth sind in

weihet Herz und Hand, unter Leitung des

Krasnowodsk angekommen. Das Bataillon be gibt sich zum Bau der transkaspischen Bahn, das Feldlazareth nach Askabad.

Asien. Simla. Wie verlautet, soll die Quettah Eisenbahn bis zum Khojakpaß ausgedehnt werden.

Amerika. New⸗ Pork, 11. Juli. Der Secretär des Krieges hat angeordnet, daß 3000 Mann Soldaten sofort nach dem Fort Reno, in dem Indianergebiet, abgehen sollen. Einem aus Colorado-City in dem Staate Texas kom⸗ menden Gerüchte zufolge, hätte in Neu-Meziko ein Zusammenstoß zwischen Hirten und India nern stattgefunden, wobei 60 Indianer und 16 Hirten getödtet wurden.

Aus Stadt und Land.

Friedberg, 14. Juli. Gestern Abend entstand in einem Hause auf der Kaiserstraße ein Gardinenbrand. Der Thürmer fing bereits an zu stürmen, als noch rechtzeitig Hülfe erschien und das Feuer gelöscht wurde, ohne größeren Schaden angerichtet zu haben

v. Bruchenbrücken. In unserem auf's Freund⸗ lichste mit Fichten, Fahnen und Kränzen geschmückten Orte wurde Sonntag den 5. d. Mts. das IV. Sänger⸗ fest des Wetterauer Sängerbundes, verbunden mit der 25jährigen Stiftungsfeier des hiesigen Gesangvereins Concordia abgehalten. Leider mußte aber der Festzug der ungünstigen Witterung halber unterbleiben; überhaupt konnte das Fest keinen programmmäßigen Verlauf nehmen. Doch war man im Stande die trotz des schlechten Wetters angekommenen Vereine in den großen Zelten des Gastwirths Thuy von Vilbel gegen den Regen zu bergen, so daß wenigstens der gesangliche Theil des Festes ungestört seinen Fortgang nehmen konnte. Nachdem das schoͤne Festlied, der Abt'sche MännerchorBrüder Musikers Hertel von Friedberg, recht exact vorgetragen worden war, hielt Lehrer Volk von Vönstadt im Auftrage des Festeomités dle Festrede, welche in einem Hoch auf das deutsche Lied gipfelte. Nachdem noch Bürgermeister Wagner die Festgäste auf's Herzlichste willkommen ge heißen hatte, schritt man zum Vortrag der Spezial chöͤre. Alle Vereine ernteten großen Beifall von Seiten des Publikums. Zum Schlusse hielt der Vundespräsi⸗ dent, Landtagsabgeordneter Weith von Nieder-Wöͤllstadt, noch eine Ansprache und begrüßte besonders die in den Bund neuaufgenommenen Vereine Frohsinn Steinfurth und Liederzweig Dortelweil, welche sich schon vorher durch ihre schöͤn vorgetragenen Chöre hervorgethan hatten, und gedachte am Schlusse der Rede unseres Kalsers und unseres Großherzogs. Begeistert stimmte die Menge in das Hoch auf Beide ein. An den Großherzog ging ein Begruͤßungs Telegramm ab. Am folgenden Tag wurde dasselbe auf die huldvollste Weise beantwortet. Trotzdem der Himmel fortfuhr, sein truͤbes Gesicht zu zeigen, so herrschte doch im Ganzen unter den Zelten bald durch den Vortrag weiterer schoͤner Volks- und Vaterlands⸗ lleder, wobet sich besonders Steinfurth rühmend hervor that, sowie durch das Tanzvergnügen eine animlirte Fest stimmung. Da jedoch die weiter entfernt wohnenden Vereine theils nicht anwesend waren, theils auch erst sehr spät des Regens halber erscheinen konnten, so wurde beschlossen, daß der 2. Festtag in Wegfall kommen und dafuͤr Sonntag den 12. d. Mts. ein Nachfest gefelert

werden solle. Dasselbe wurde nun, begünstigt vom prächtigsten Wetter, an genanntem Tage programm mäßig nachgeholt, wobei das Ort womoͤglich noch