Ausgabe 
15.8.1885
 
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13. Aug. Commodore Paschen, Befehls haber des deutschen ostafrikanischen Geschwaders vor Zanzibar, übergab am 11. ds. dem Sultan von Zanzibar die vorläufigen Forderungen Deutschlands und drohte im Falle des Nicht nachgebens mit dem Abbruch der freundschaftlichen Unterhandlungen. Nach Ablauf von 24 Stun den, ohne daß eine Antwort einlief, nahmen die deutschen Schiffe Stellung vor dem Palast des Sultans, worauf sich dieser bewogen fand, schleunigst die deutschen Hoheitsrechte in den durch Verträge erworbenen Gebteten anzuerkennen.

Der Termin für die Preußischen Land tagswahlen ist noch nicht festgesetzt; die formalen Vorbereitungen haben aber schon begonnen. Der Wahlact dürfte nicht vor Ende October stattfinden.

Potsdam, 13. Aug. Der Kaiser wurde heute morzen von dem Prinzen Wilhelm, dem Erbgroßherzog von Baden und dem Prinzen Ludwig von Baden am Bahnhofe empfangen. Er ist im besten Wohlbefinden eingetroffen. Die Prinzessin Friedrich Karl wird, dem Ver nehmen nach, etwa Mitte des nächsten Monats eine längere Reise nach Italien antreten, von welcher sie erst zum Winter in Berlin zurücker wartet werden dürfte.

Kiel, 10. Aug. Die heute Abend hier eingegangene Depesche, nach welcher in Berlin seit dem 2. Juni er. Nachrichten über den Ver bleib der Kreuzer-CorvetteAugusta nicht ein gegangen sind, hat hier große Bestürzung her vorgerufen. Am Morgen des 3. Juni hat die Augusta die Insel Perrin im Rothen Meer verlassen und seitdem ist nichts mehr von dem Schiffe gehört worden. Daß ein Cyclon, von Bombay kommend, am 3. Juni Aden erreicht hat, ist festgestellt, zugleich erinnert man sich nun, daß ein französisches Kanonenboot um die selbe Zeit in den dortigen Gewässern mit Mann und Maus zu Grunde ging. DieAugusta ist ein altes Schiff. Es ist aus einer franzö sischen Werkstatt(Armand in Bordeaux) her vorgegangen und befindet sich seit 1864 im deutschen Marinedienst.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien. Im erz⸗ bischöflichen Schlosse zu Kremsier wird Kaiser Franz Josef von Oesterreich den Zaren Alexan der III. als Gast in seinen Landen begrüßen Gilt die Zusammenkunft des deutschen und öster reichischen Kaisers in Gastein als eine Bürgschaft für Erhaltung des europäischen Friedens, so muß die Entrevue in Kremsier als das Gleiche betrachtet werden. Nach der Zusammenkunft der drei Kaiser in Skierniewice ist in Oesterreich wie in Deutschland den Volksvertretern amtlich versichert worden, daß Rußland den Wunsch habe, mit Deutschland und Oesterreich in gutem Einvernehmen zu sein. Daß dieser Wunsch noch immer besteht, bestätigt die Kremsierer Zusammen kunft. In welchem genau umschriebenen Ver hältnisse Rußland zum deutsch-österreichischen Bündniß sich befindet, ob es als ein Theilnehmer,

als Alliirter oder als Unterstützer bestimmter Zwecke ohne völkerrechtliche Verbindlichkeit an- zusehen sei, darüber ist allerdings noch nichts in die Oeffentlichkeit gedrungen. Es kann dies in gewisser Beziehung auch gleichgültig sein, denn um auf die allgemeine Weltlage einzu wirken, genügt, daß Rußland die Bestrebungen zur Aufrechthaltung des europäischen Friedens, welcher sich Deutschland und Oesterreich hin geben, unterstützt. Daß Rußland dies thut, wird dadurch bewiesen, daß sich Zar Alexander nach Kremsier zu dem Kaiser von Oesterreich begeben wird.

Frankreich. Paris. DerMonde und derUnivers veröffentlichen ein Schreiben des Directors der auswärtigen Missionen, worin derselbe eine Depesche des apostolischen Vicars von Ost-Cochinchina vom 8. d. M. mittheilt, welche lautet: Poirier, Guegan, Garin, Mace und Martin sind mit mehr als zehn Tausend Christen niedergemetzelt. Die Meuchelmorde und Brandstiftungen dauern fort, das Vicariat ist vernichtet.

12. Aug. General Courcy theilt heute telegraphisch mit, daß er in Haiphong einge troffen sei, um daselbst während der Cholera Epidemie sein Hauptquartier zu nehmen. Im Laufe des gestrigen Tages seien 66 Cholera Erkrankungen und 17 Cholera-Todesfälle vor gekommen.

Großbritannien. London, 11. Aug. In der heutigen Sitzung des Unterhauses sprach Kriegsminister Smith die Hoffnung aus, daß die Reserve des Heeres bald entlassen werden könne, da andere Maßregeln getroffen würden, um die Kräfte zur Vertheidigung des Landes in dem Zustande der Vorbereitung und Tüchtigkeit zu erhalten. Das Unterhaus nahm die Bill, betreffend den Ankauf von Pachtgütern in Ir land, in dritter Lesung an. Schatzkanzler Hicks Beach hofft, der Schluß des Parlaments finde am Freitag oder Samstag statt.

DieTimes schreibt bezüglich Zanzi bars: Wenn auch England nicht wünschen könne, die Unabhängigkeit Zanzibars bedroht oder die Civilisation daselbst vernichtet zu sehen, so liege es anderseits weder im Interesse Englands noch dessen Wuͤnschen, neue Civilisationsprojekte zu hindern oder gar den Sultan von Zanzibar aufzuwiegeln und die vagen Ansprüche desselben auf fernliegende Theile seiner nominellen Be sitzungen aufrecht zu halten.

Rußland. Petersburg. Man berichtet über einenUnfall, der dem Eisenbahnzuge des Kaisers Alexander in Finnland zugestoßen ist: Als der kaiserliche Zug, in welchem der Kaiser, die kaiserliche Familie und das kaiserliche Gefolge saßen, auf der Fahrt nach Wilman strand über die Brücke bei Salakkalachti fuhr, erfolgte plötzlich inmitten der Brücke ein fürchter licher Krach, worauf Stücke vom dritten Waggon im Zuge davonflogen und ein Waggonfenster über das Brückengeländer in den Fluß stürzte. Es wurde sofort das Nothsignal gegeben, worauf

der Zug stehen blieb. Zum Glück war der Zug selbst unversehrtz nur der dritte Waggon, in welchem die kaiserliche Suite saß, erlitt einige Beschädigungen, wobei einer der auf der Brücke gestandenen Wachtposten leicht verletzt wurde. Als der Kaiser nach der Ursache des starken Krachs fragte, gab man ihm zur Antwort, daß man vergessen(?) habe, die Thüre des dritten Waggons zuzusperren, infolge dessen dieselbe an das Brückengeländer gestoßen und abgerissen worden sei. Der Kaiser äußerte laut seinen Unwillen über diese Leichtfertigkeit und befahl, weiter zu fahren. DemGrashdanin zufolge kehet das gegenwärtig in Kraßnoje-Selo befind liche kaiserliche Hoflager am 19. August nach Peterhof zurück.

Egypten. Kairo. Verschiedenen Berichten zufolge befindet sich Kordofan in einem Zustande vollkommener Anarchie. Eine furchtbare Hungers noth wird erwartet. Selbst jetzt schon sind Massen von Menschen dem Verhungern nahe.

Indien. Simla. Zur Ausbildung der Truppen soll voraussichtlich Ende Dezember ein Truppenlager für 50,000 Mann bei Lahore gebildet werden, ferner soll die britische Armee um 6000 Mann verstärkt werden. Die Frage einer Reorganisation der Eingeborenen-Armee beschäftigt die Regierung überhaupt fortgesetzt.

Handel und Verkehr.

Butzbach, 12. August. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 0.95100, Käse per Pfd. 4546 Pf., Eier 2 Stück 11 Pf.

Homburg, 13. August. Marktpreise. Kartoffeln per Malter(neue) M. 56, per Gescheid(neue) 89 Pf., Eier per Stück 67 Pf., Butter per Pfd. 1. Qual.

M. 1.10, 2. Qual. M. 1.05.

Frankfurt, 13. Aug. Fruchtbericht. Hiesiges Weizenmehl Nr. 0 M. 32.50-33.50, Nr. 1 M. 27 28, Nr. 2 M. 25.50 26.50, Nr. 3 M. 23.50 24.50, Nr. 4 M. 17-18, Nr. 5 M. 1617. Milchbrod⸗ und Brodmehl im Verband M. 5153, Roggenmehl 0/1 ab Berlin gibt kein Rendiment, da unsere neu eingerichteten Mühlen reichlich M. 1 unter Berliner Notiz Abgeber sind. Ab Berlin M. 19.75 20.75 gefordert, Null allein M. 1.50 darüber, schwarze Sorten nominell. Roggen⸗ klete M. 5 5.25, Weizenkleie M. 4.25 geschäftslos. Rüböl im Detail M. 52 53.

Frankfurt, 12. Aug. Bohnen 50 Kilo kosten M. 5 10, Einmachgurken das Hundert 90 Pf. bis M. 1.30, Butter 50 Ko. M. 7884, im Detail 90 Pf. bis M. 1.20, Tafelbutter M. 1.30, Eier das Hundert M. 4.20 5.50, Zwiebeln 50 Ko. M. 8., Kartoffeln rothe M. 5 5.50, gelbe M. 6., das Gescheid Mäus kartoffeln 2530 Pf., gelbe Bohnen das Pfund 15 bis 20 Pf., Meerrettig das Hundert M. 20., Weiskraut 15 20 Pf., Rothkraut 2030 Pf., Wirsing 12 15 Pf., Blumenkohl 40 60 Pf., Salat sehr billig. Orangen das Hundert 18 M. Fleischpreise unverändert. Geflügel: ein Hahn M. 1.2080, Poularde M. 2.50- 3., Gans M. 58., Huhn M. 1 502., Taube 50-60 Pf.

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