Ausgabe 
14.5.1885
 
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höhung der Getreidezölle.

Donnerstag den 14. Mai.

Oberhessisch

er Anzeiger.

Wird hier und in Bad-Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 Pf. berechnet, bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reclamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.

Amtlicher Theil. Einladung.

Die erste amtliche Bezirksconferenz der Lehrer des Kreises Friedberg in 1885/86 soll stattfinden: 1. für den Bezirk Vilbel Dienstag den 19. Mai l. J. auf dem Groß-Karbener Brunnen, 2. für den Bezirk Friedberg Mittwoch den 20. Mai l. J. zu Friedberg selbst, jedesmal anfangend um 9 Uhr mit Probeunterricht in einer Schulklasse, für Vilbel in der II. Klasse zu Groß-Karben.

Auf jeder dieser Conferenzen wird wahrscheinlich Herr Privatgelehrter Dr. Becker von Frankfurt a. M. einen Vortrag halten.

Die

auf denselben Mittwoch wie oben anberaumten Privat-Conferenzen der Lehrer, sollen nach Verabredung mit den betreffenden Herren Obmännern nicht abgehalten, es soll vielmehr die für dieselbe vorgesehene Verhandlung, nach Schluß der amtlichen Conferenz, Nachmittags, vorgenommen werden. Die Herren Bürgermeister und die Herren Vorsitzenden im Schulvorstande ersuche ich ergebenst um gefaͤllige Mittheilung dieser Ein

ladung an die Herren Lehrer. Friedberg den 12. Mai 1885.

3 Ausschreiben.

Schmidt, Großherzozlicher Kreisschulinspector.

Um Auskunft über den dermaligen Aufenthaltsort des Konrab Stroh von Nieder-Gemünden, Kreis Alsfeld, wird ersucht.

Friedberg am 11. Mai 1885.

Der Großherzogliche Amtsanwalt. Wagner.

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Mai. Der Reichstag setzte in dritter Lesung den Zoll für drei- und mehr drähtiges Baumwollgarn, einmal und wiederholt gezwirnt, roh, gebleicht, oder gefärbt auf 48 M., für zweidrähtiges, wiederholt gezwirntes, roh, gebleicht, oder gefärbt, auch accomodirten, zum Einzelverkauf hergerichteten Zwirn jeder Art auf 70 M. fest und nahm eine Resolution betreffs einer Enquete über die Lohnverhältnisse in der Wäschefabrikation und Confectionsbranche an. Der Zoll für Superphosphate wurde gestrichen. Das Haus beschloß ferner mit 154 gegen 138 Stimmen einen Zoll von 30 Pf. für den Doppel centner Schlemmkreide und strich den in zweiter Lesung beschlossenen Cementzoll. Zur Position der Getreidezölle zeigt Fürst Bismarck unter dem Beifall des Hauses an, er habe für den Fall der Aufrechterhaltung der Beschlüsse der zweiten Lesung mit Spanien verhandelt. Spanien habe gegen Concessionen in den Finanzzöllen für Süd früchte auf die Bindung der Roggenzölle ver zichtet. Durch das Entgegenkommen Spaniens werde dem Reiche eine Mehreinnahme von

200,000 M. zugeführt. Der bezügliche Vertrag

sei bereits dem Bundesrathe zugegangen und werde den Reichstag in der laufenden Session noch beschaͤftigen. Lipke und Stolle sind gegen die Getreidezölle, Gerlich für die Beschlüsse der zweiten Lesung. Von der Decken(Welfe) ist gegen die Brodvertheuerung, wodurch die Grund

besitzer Hannovers, die auf die Rückkehr ihres

Königshauses hofften, ihre Position erschweren würden. Fürst Bismarck bedauert, daß die Welfen den utspischen Gedanken der Wiederherstellung Hannovers noch nicht aufgegeben haben. Was die Welfen trieben, sei Hochverrath und Reichs- verrath. Die Welfen würden aber die Mauer, gegen welche sie anrennten, fest geschlossen finden. Uebrigens erheische das Interesse der Landwirthe und der landwirthschaftlichen Arbeiter eine Er Die Ostseehäfen wür

den dadurch nicht geschädigt. Meyer(Halle) ist gegen die Erhöhung der Getreidezoͤlle, und hält in Folge des Verzichts Spaniens auf die Bind ung des Noggenzolles eine Aenderung des Sperr- gesetzes für nothwendig. Fürst Bismarck be- streitet diese Nothwendigkelt; mit der Eventua lität der Suspendirung des Handelsvertrags

hätten Handel und Spekulation stets zu rechnen. Wenn das heimische Getreide die Grundsteuer Kam tragen könne, koͤnne das ausländische Getreide die Vorlage, betr. Verleihung von Ordensaus

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auch die Zölle tragen. 12. Mat. Der Reichs tag genehmigte in erster und zweiter Berathung die Conventionen mit Madagaskar, Transvaal und Birma, nahm dea Vertrag über Bestrafung von Jagdfrevel zwischen Belgien und Deutsch land an, sowie ferner den Nachtragsetat in zweiter Lesung. Bei der hierauf fortgesetzten Berathung des Zolltarifs wurde der Haferzoll auf M. festgesetzt.

11. Mai. Professor Koch reist morgen als Delegirter des Deutschen Neiches zur Sani tätsconferenz nach Rom ab.

Dem Vernehmen nach wird Unterstaats secretär Busch demnächst den Gesandtschaftsposten in Bukarest, Graf Saurma den Gesandtschafts posten im Haag übernehmen. Der Gesandte in Darmstadt, Stumm, geht demnächst in außer ordentlicher Mission nach Kopenhagen.

12. Mai. DTperNationalzeitung zu

folge antwortete der Reichskanzler bei dem, heu

tigen Frühschoppen auf die Frage Windthorst's, ob er auf die Verhandlung des Auslieferungs vertrages großen Werth lege, daß er auf die Annahme des Vertrags allerdings großen Werth lege. Der Schluß des Reichstags wird nach Aeußerungen des Fürsten Bismarck s am Samstag erwartet. Ausland.

Schweiz. Bern, 12. Mai. Der Bundes rath beantragte bei der Bundesversammlung den Beitritt der Schweiz zu dem auf dem Weltpost Congreß in Lissabon abgeschlossenen Ueberein kommen. Die Nachricht, daß in Folge von Unterhandlungen mit Frankreich der Bundesrath geneigt sei, die in letztem Jahre beschlossene Kündigung des lateinischen Münzvertrages auf Ende 1885 zurückzunehmen, entbehrt jeder Be gründung.

Dänemarck. Kopenhagen, 11. Mai. Gegen über der Nachricht der heutigen Londoner Abend blätter, England und Rußland hätten gleichzeitig den Koͤnig von Dänemark officiell ersucht, Schieds richter zu sein und erwarteten eine bejahende Antwort des Königs, wird aus zuverlässiger Quelle versichert, daß hier keine diesbezügliche officielle Mittheilung eingegangen sei.

Frankreich. Paris, 12. Mai. Die Kam mer genehmigte mit 386 gegen 57 Stimmen den Gesetzentwurf, betr. die rückfaͤlligen Ver brecher unter Ablehnung aller Amendements. Der Senat und die Kammer nahmen einstimmig

zeichnungen an die Marinesoldaten in Tonkin, China und Madagascar an. Der Senat ge nehmigte den Antrag auf Ausschluß der Oeffent lichkeit bei Hinrichtungen.

Großbritannien. London, 11. Mai. Daily News meldet: Hartington wird heute im Unterhause ankündigen, daß die Expedition nach Khartum endgültig aufgegeben sei. Der Rückzug der britischen Truppen aus dem Sudan erfolge möglichst bald.

12. Mai. Unterhaus. Der durch Northcote angekündigte und von Hamilton eingebrachte An trag der Opposition zum 11 Million-Credit wurde mit 290 gegen 260 Stimmen abgelehnt und die Creditbill in zweiter Lesung angenommen. Glad stone erklärte, die Opposition dehaupte, England habe Rußland in allen Punkten nachgegeben; der Ende dieser Woche vorzulegende Schrift wechsel werde das Gegentheil beweisen. Das Haus verwarf mit 281 gegen 99 Stimmen in zweiter Lesung die von der Regierung bekämpfte Canaltunnelbill. Ferner mit 280 gegen 258 Stimmen einen Antrag, die Kosten der Wähler listen aus der Reichskasse anstatt als Localsteuer

zu bestreiten, nachdem Gladstone erklärte, er er

höhe die Beisteuer aus der Reichskasse für Irland auf 15,000 und für England auf 40,000 Lstr. Das Oberhaus nahm in dritter Lesung die Bill, betr. den Bau eines schiffbaren Canals nach Manchester an.

Die Unterhandlungen mit Rußland be treffs Berichtigung der afghanischen Grenze schreiten in einer günstigen für den Emir durch aus annehmbaren Weise fort.

Italien. Rom, 12. Mai. In der Kammer interpellirte Berbani(äußerste Linke) über die Politik in Afrika und am Mittelmeere.

Serbien. Belgrad, 12. Mai. Das Cabinet demissionirte. Garaschanin wurde abermals mit der Neubildung des Cabinets beauftragt.

Rußland. Petersburg. DerRegierungs anzeiger veröffentlicht den die Details enthalten den Rapport Komaroff's aus Taschkeppri vom 30. März über das Gefecht am Kuschkflusse, wonach russischerseits ein Linienbataillon, 4 Ge schütze, 3 Kosaken-Sotnien, eine Sotnie turk menischer Miliz und 4 Compagnien Schützen an dem Gefechte theilnahmen. Die Russen er beuteten 2 afghanische Fahnen, machten aber nur 14 Gefangene darunter 7 Verwundete, weil sie die fliehenden Afghanen nicht verfolgten.

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