Ausgabe 
14.2.1885
 
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ziehen, sobald Rußland und Deutschland ihre Vertreter designirt haben werden.

Flüchtlinge aus Khartum berichten, daß Faragh Pascha die Thore der Stadt dem Mahdi am 26. Januar öffnete. Gordon, welcher eiligst aus dem Palaste trat, um die Ursache hiervon zu erfahren, wurde auf der Schwelle des Palast Thores erdolcht. Der Einnahme der Stadt folgte ein unbeschreibliches Gemetzel. Die wil den Horden Kordofans und die Baghara-Reiter fielen massenhaft in die Stadt ein, worauf das Signal zum Gemetzel gegeben wurde, das stun denlang dauerte. Weiber und Kinder wurden nicht verschont; alle Verwandten der treuen 500 unter Nusri Pascha, die den Engländern bei Gubat beigestanden, traf das gleiche Geschick. Das Gros der Truppen ging zum Mahdi über, dessen Führer sofort die Stadt in Vertheidig ungszustand setzten.

General Wolseley übermittelte dem Kriegs amt eine Depesche des Generals Brackenbury von General Earle's Colonne, datirt von der Dul kaininsel vom 10. Febr. Am genannten Tage griff die Colonne die Rebellen, welche eine stark befestigte Position auf den Höhen inne hatten, an. Die englischen Truppen umgingen die feind liche Stellung und griffen dieselbe von vorn und von hinten an. Nach fünfstündigem Kampfe wurden sämmtliche Positionen gestürmt. General Earle fiel während der Erstürmung auf dem Gipfel der Anhöhe. General Brackenbury über nahm das Commando. Während die Infanterie stürmte, nahm die Cavallerie das feindliche Lager. Oberstlieutenant Eyre fiel an der Spitze des Staffordshire-Regiments. General Brackenbury berichtet: Unser Erfolg war vollkommen. Wir erbeuteten zehn Standarten. Die ganze Stell ung ist in unserer Gewalt. Das Treffen wird die Wirkung haben, die Straße nach Berber ohne weitere Kämpfe aufzuschließen.

Amerika. New⸗Pork. Die Meldung, daß eine Anzahl von Anarchisten in Pittsburg sich einezercirt und Dynamit-Vorräthe sammelt, ist von Neuem aufgetaucht. Geheimpolizisten aus London sind in New-Vork gewesen, um den Dynamitarden Short, der Phelan zu erdolchen versuchte, zu verhören, da geglaubt wird, daß Short an den Morden im Phönixpark betheiligt gewesen sei. Die britischen Beamten werden wahrscheinlich seine Auslieferung für dieses und andere von ihm in Irland verübte Verbrechen beanspruchen, wenn die New-Porker Behörden Phelans Fall erledigt haben.

Aus Stadt und Land.

H. V. Friedberg. Auf den 14. ds. Mts. ist von dem Vorstande des Vereins fürHandels- und gemein nützige Zwecke eine Einladung zu einer Versammlung bei Phil. Windecker ergangen. Soll sie nicht das Schicksal des vorausgegangenen(März 1884) theilen, so ist es nöthig, daß die Mitglieder in größerer Zahl darin erscheinen. Aus Mangel an Besuchern konnte be kanntlich eine Vorstandswahl in der März Versammlung nicht vorgenommen werden. Wahrung und Vertretung wichtiger, besonderer und allgemeiner In⸗ teressen im Handel und Verkehr für die hiesigen Handel- und Gewerbetreibenden einerseits, Anregung und Förderung gemeinnütziger Zwecke für die Hesammtbevölkerung anderer⸗ seits, bilden den Rahmen für die Wirksamkeit des in Rede stehenden Vereins. Ist für diese Zwecke noch ge⸗ nügende Theilnahme in unserer Stadt vorhanden, so möge ein zahlreicher Besuch der angesagten Versammlung dies zunächst ausdrücken. Ohne eine derartige sichtbare Anregung durch die Mitglieder muß die Thätigkeit des Vorstandes erlahmen.

Friedberg. Zur Nachahmung empfehlen wir unseren Wetterauer Bauern, bet denen die schöne Sitte der Trachtenkleidung immer mehr abkommt, den Beschluß der Altwellnauer in Weilthal. Die dortigen Einwohner hielten in voriger Woche einRittel-Kränzchen ab; alle Theilnehmer erschtenen in blauen Kitteln von selbstge⸗ sponnenem Leinen(nach der Melodie:Selbst gesponnen, selbst gemacht, ist die beste Bauerntracht.) In diesem Kränzchen wurde beschlossen, den Klttel, dieses so be gueme, angenehme, hübsche und dabei billige echt länd liche Kleld, welches früher im ganzen Amt Usingen von Jung und alt mit großer Vorliebe getragen und erst durch die Mode der jüngsten Zelt zurückgedrängt wurde, wieder zu Ehren zu bringen. Die Altweilnauer wollen wieder wie früher, an Sonntag Nachmittagen, sowie bei geselligen Zusammenkünften im Kittel gehen.

M. Bad Nauhelm. In der letzten Stadt⸗ verordnetenversammlung wurde beschlossen, auch in hle⸗ siger Stadt eine Sammlung von freiwilligen Beiträgen

für das natkonale Ehrengeschenk, welches dem Fürsten Bismarck an seinem siebzigsten Geburtstage vom Deutschen Volke überreicht werden soll, zu veranstalten.

W. Bad⸗Nauheim, 10. Febr. Gestern Abend fand die sehr zahlreich besuchte Generalversammlung des hies. Spar- und Vorschußvereins statt. Aus dem Jahres bericht war zu ersehen, daß der Stand des Vereins ein durchweg günstiger ist und zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Die Mitgliederzahl beträgt 263, der Gesammt⸗ umsatz betrug 888,692 M., der Reingewinn 5649 M., so daß die Dividende auf 7% festgesetzt werden konnte. Nachdem dem Vorstande von der Versammlung Decharze ertheilt war, dankte Lehrer Wagner demselben, sowie den Ausschußmitgliedern im Namen der Anwesenden für dis umsichtige und gewissenhafte Geschäftsführung. Salinen Rentmeister Nebhuth verbreitete sich hierauf in längerer Rede über die projektirten Postsparkassen. Bürgermeister Wörner begrüßte ebenfalls mit Freuden die profektirte Errichtung dieses Instituts. Schließlich wurde die von dem Curatorium der Pfennlgsparkasse vorgelegte Resolution zu Gunsten der Errichtung von Postsparkassen mit großer Majorität angenommen und beschlossen, dieselbe an das Präsidium des Reichstags zu übersenden.

2. Groß⸗Karben. Der hlesige Gesang-Verein Teutonia hielt am verflossenen Sonntag im Gasthaus zum goldenen Engel sein erstes Concert, welches von vielen Zuhörern besucht wurde. Nach einer warmen und tiefempfundenen Ansprache des Präsidenten, fanden die gut einstudirten Gesaͤnge und Aufführungen statt.

K. Rendel. Die am verflossenen Sonntag dahier stattgefundene Abendunterhaltung des Gesang-Vereins Liederkranz nahm in jeder Beziehung einen hübschen Verlauf. Zu bewundern war namentlsch die Gewandt heit, mit welcher die jungen Leute den theatralischen Theil derselben zur Ausführung brachten. Möge der Verein uns bald wieder durch eine solche erfreuen.

2 Vilbel, 13. Febr. Gestern Abend wurde ein Milchhändler von hier, unweit des Dortelweller Chaufsee hauses an einem Baume erhängt aufgefunden. Der Bedauernswerthe, welcher durch seinen guten Humor allseitig bekannt und beliebt war, ist 27 Jahre alt und hinterläßt eine Frau und drei Kinder. Er erbängte sich aus Furcht vor Strafe wegen Verletzung des§ 182 des Reichsstrafgesetzes, obgleich seine Schuld noch nicht ein mal erwiesen war.

Allerlei.

Frankfurt, 11. Febr. Vom Poltizeipräsidium er⸗ hält das Frankf. Jonrnal mit Bezug auf ein in der Stadt verbreitetes Gerücht, wonach in letzter Nacht gegen die Hauptwache auf dem Schillerplatz ein gefährlicher Dynamit⸗Sprengungsversuch gemacht worden set, die Mittheilung, daß nach dem vorläufigen Ergebnisse der Untersuchung eine ernstlich auf Zerstörung des Gebäudes gerichtete Absicht des Thäters kaum angenommen werden könne.Soviel bis jetzt ermittelt, ist heute Morgen eine längliche, dünne, mit Pulver gefüllte Hülse und, an ihr befestigt, eine angebrannte Zündschnur an der den Schlller platz begrenzenden Rückseite des Hauptwachtgebäudes vorgefunden worden, deren Explosion mit Rücksicht auf die Geringfügigkeit der Sprengmasse keinen irgend erheb lichen Schaden veranlaßt haben würde. Die Untersuch ung ist eingeleitet.

Hamburg. Alle Passagier- und anderen Dampfer, die während der letzten paar Tage aus New-Pork und anderen amerikantschen Häfen angekommen sind, berichten einstimmig, im atlantischen Ocean das fürchterlichste Un wetter überstanden und dadurch mehr oder minder be deutende Beschädigungen erlitten zu haben. Der DampferKate aus Philadelphia verlor seinen zwesten Offizier und zwei Matrosen; das Deck wurde über schwemmt und durch das Bersten der Lucken auch die Ladung arg beschädigt. Dem DampferMonkheaton aus New⸗Vork wurden die Deckhäuschen, Boote, Sparren und Bollwerke weggerissen, und auch hier fiel ein Ma⸗ trose den Wellen zum Opfer. Als Beweis der furcht⸗ baren Wirkungen dieser Stürme enthält die letzte Num⸗ mer desLiverpooler Journal of Commerce die uner hörte Anzahl von 25 Schiffen, die gedockt wurden und von denen einige umfassender Reparatur bedürfen.

Parts. Man berechnet, daß im Jahre 1883 in Frankreich 1300 Wölfe getödtet und hierfür Belohnungen im Betrage von 103,720 Fr. aus bezahlt wurden. Unter den getödteten Wölfen befanden sich 495 junge. Nur in neun Fällen wurden Menschen von den Wölfen ange griffen.

London, 11. Febr. Der Erzbischhof von Dublin, Cardinal Mae Cabe, ist gestorben.

Petersburg, 12. Febr. Gestern Abend brach im Gebäude des städtischen Creditvereins Feuer aus, welches heute Morgen bewältigt wurde. Die Oberetage ist ein⸗ geäschert, die zweite Etage beschädigt. Die Casse und das Archto werden als gerettet und gesichert angesehen. Ein Feuerwehrmann ist umgekommen, zwei verletzt. Der Kaiser war auf der Brandstätte, bis die Localtsirung des Brandes gesichert war. Der ebenfalls erschtenene Justiz⸗ minister ordnete die sofortige Untersuchung an. Es ver⸗ lautet, eln der Brandstiftung verdächtiger Gasarbelter sel verhaftet worden.

Gerichtssaal.

Altenstadt. In der am 5. Februar dahier ab gehaltenen Schöffengerichtssitzung wurde wie folgt erkannt: 1) in der Strafsache gegen Christoph Krieger von Nleder Mockstadt, wegen Widerstands, Beleidigung und Ruhe⸗ störung, wurde der Angeklagte a) wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, verübt in zwel Fällen, in elne Geldstrafe von je 10 M., ev. je 3 Tage Gefängniß,

b) wegen Beleidigung in eine Geldstrafe von 8 M., ev. 2 Tage Haft, e) wegen Ruhestörung in eine Geldstrafe von 3 M., ev. 1 Tag Haft, sowie zur Tragung der Kosten verurtheilt. Zugleich wurde dem Beleldigten die Befugniß zugesprochen, die Verurthetlung unter b. durch Anschlag am Rathhause zu Nleder-Mockstadt, während einer Woche, öffentlich bekannt zu machen; 2) in der Strafsache gegen Johannes Hornung II. von Rommel⸗ hausen, wegen Körperverletzung, verübt in zwei Fällen, erhielt der Antzeklagte eine Gesammtgefängnißstrafe von 3 Monaten und 14 Tagen, sowie die Kostentragung; 3) in der Strafsache gegen Georg Crispens von Lndhelm, wegen unterlassener Straßenreinigung, wurde die Haupt⸗ verhandlung vertagt.

Eingesandt.

In der Monatsversammlung des hiesigen Bienen⸗ züchterverelns am 7. d. Mts. hatte Schreinermeister Kreuder von hier abermals 2 Bienenwohnungen aus⸗ gestellt, einen Ständer und einen Lagerstock. Obwohl die Kritik bet Beurtheilung einheimischer Industrie⸗ erzeugnisse eine strengere ist und Nörgelelen in größerem Maße auftreten, als bei von außen bezogenen Gegen⸗ ständen, so sprach man sich doch sehr günstig über die ausgestellten Blenengeräthe aus und stimmte die ganze Versammlung Herrn Bopp von Reichelsheim bet, daß die Kreuder'schen Stöcke entschteden schöner gearbeitet und fester gepreßt selen, als die im vorigen Jahre von Burgtreswitz in Oberbayern bezogenen. Da der Preis bei beiden gleich und Kreuder im Stande ist, bei recht zeitiger Bestellung rechtzeitig zu liefern, so liegt für den Imker aus hlesiger Gezend durchaus keine Beranlassung vor, seine Btenenwohnunzen von außen zu beziehen, es sei denn, daß er einhelmische Industrie prinzipiell oder aus besonderen Gründen nicht unterstützen und lieber mit dem Bezug fremder, wenn auch minderwerthiger renommiren will. ch.

Eingesandt.

Theater. Märchen! Welch' holder Zauber erfaßt jedes Kinderherz bei diesem Worte! Die unlängst ent⸗ schwundenen Weihnachtstage steigen in der Erinnerung auf mit all' den freudigen Ueberraschungen, die die lieben Eltern ihren Kindern bereitet haben. Da ist so Manches den Weg alles Fleisches gegangen, so manche Puppe hat Arme und Beine verloren! Aber eines wird immer noch werth gehalten und in müßigen Stunden hervorgeholt: Das Märchenbuch! Auf welchem Weih⸗ nachtstisch hätte das gefehlt! Wie schön sind die Bilder! Da sieht man sie Alle in ihren farbenprächtigen Ge⸗ wändern: Die Prinzessin Tausendschön, den Menschen⸗ fresser, den kleinen Daͤumling ꝛe. Wie viel mehr aber muß es ein Kinderauge entzücken, wenn es all' dlese Figuren leibhaftig in Lebensgröße vor sich siebt: Das Aschenbrödel, den Prinzen Wunderhold, den König Kakadu, die alte Fee Walpurgis zꝛc. Mit erneuter Freude wird dann das Märchenbuch hervorgeholt und all' die süßen Erinnerungen noch einmal durchschwelgt. Was die Be⸗ arbeitung des Märchens anbelangt, so ist sie eine unge⸗ mein komische und bezüglich der Austattung wird uns berichtet, daß die dazu gehörigen Requlsiten, wie die prächtigen komischen Costüme, von der Direktion eigens zu diesem Stück angeschafft worden sind. F.

Handel und Verkehr.

Butzbach, 11. Febr. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.80 0.85, Käse per Pfd. 4546 Pf. Eier 1 Stück 7 Pf.

Frankfurt, 11. Febr. Auf dem heutigen Markt kostete der Ctr. Heu M. 2.75 3.30, Stroh M. 2.35 bis 2.40, Eier das Hundert M. 5.60 9.40, Butter 1. Qual. M. 0.90, 2. Qual. M. 1.10, Kartoffeln per Ctr. M. 22.30, Kehlrabt 3 Pf., Erbsen 100 Kg. M. 22 30, Rothkraut per Stück 12 20 Pf., Huhn M. 1.50 2, 1 Ente M. 23.50, 1 Taube 4060 Pf., Hahn M. 1.90 2.50, Gans M. 6 10, Welsche M. 5 10.

Brodpreise vom 16. Februar bis 1. März. Nach eigener Angabe der Bäcker. Fuͤr Friedberg, Bad-Nauheim und Butzbach unverändert. Fleisch⸗ ꝛc. Preise vom 16. Februar bis 1. März. Nach eigener Angabe der Metzger. Für Friedberg, Bad-Nauheim und Butzbach

unverändert.

prakt. u. Speoialarzt für Haut., Frauen- u. Unterleibskrankhesten ete. Frank- 17 esc J. furt a. M., Stiktstr. 22. fr. Assist. Pro- fessor Ricord's. Auswärts brieffich.

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stirchliche Anzeigen für Friedberg. Ebangelische Gemeinde. Estomihi. Pfarramtswoche Herr Pfarrer Meyer. Gottesdienst in der Stadtkirche: Nachmittags Uhr: Herr Candidat Euler. Gottesdienst in der Burgkirche: Vormittags Uhr: Herr Kirchenrath Baur. Abends Uhr: Herr Pfarrer Meyer.

Katholische Gemeinde. Samstag 5 Uhr: Beicht. Sonntag 6 Uhr: Beicht. 5/7 Uhr: Austheilung der heil. Communkon. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2 Uhr: Christenlehre und Andacht.