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Deutsches Reich.
Jugenheim, 10. August. Der Fürst von Bulgarien, welcher am 5. d. M. aus Trouville auf Schloß Heiligenberg dahier eingetroffen, hat gestern die Rückreise nach Bulgarien über Wien angetreten.
Berlin, 10. August. Ueber die Rückreise des Kaisers ist Folgendes bestimmt: Die Ab- reise von Gastein findet am 11. August Nach⸗ mittags statt. Von Lend wird die Reise mittelst Extrazuges bis Salzburg fortgesetzt, woselbst der Kaiser in dem„Europäischen Hof“ Nacht— quartier zu nehmen gedenkt. Am anderen Tage Nachmittags wird die Keise über Attnang, Regens— burg, Hof, Leipzig, Roßlau, Drewitz nach Pots— dam fortgesetzt werden, wo der hohe Herr am 13. morgens eintreffen wird, um sich nach Babelsberg zu begeben.— Die Großherzogin von Weimar trifft heute in Gastein ein.— Die Kaiserin wird dem Vernehmen nach, von Hom— burg kommend, erst am 15. d. M. in Potsdam eintreffen und für die nächste Zeit auf Schloß Babelsberg ihren Aufenthalt nehmen.— Der Kronprinz wird bereits am 12. d. M. aus der Schweiz hierher zurückkehren, um seine Eltern bei deren Rückkehr zu begrüßen.— Prinz Friedrich Leopold hat heute Vormittag von Bonn aus seine Reise nach dem Orient ange— treten. Dem Vernehmen nach begibt derselbe sich von Bonn aus durch die Schweiz, Ober— Italien und Griechenland nach Konstantinopel und von dort später zurück durch Ungarn und Oesterreich. Mitte November gedenkt der Prinz wieder in der Heimath einzutreffen.
— 10. August. Die internationale Tele— graphen-Conferenz wurde heute durch den Staatssecretär Stephan eröffnet. Es sind 33 Staaten und 17 Kabelgesellschaften vertreten, sowie 72 Delegirte anwesend. Stephan wurde zum Präsidenten, General-Telegraphendirektor Hake zum Vizepräsidenten auf Vorschlag Eng— lands gewählt; die Geschäftsordnung der Londoner Conferenz wurde angenommen und zwei Commis⸗— sionen für Tarife und für Betrieb wie für Technik eingesetzt, welche sofort ihre Arbeiten beginnen. Wegen des sehr umfassenden Materials duͤrften die Berathungen 4— 6 Wochen Zeit erfordern.
— 10. Aug. Der Gouverneur von Kame— run, Freiherr von Soden, ist mit dem Kanzler von Puttkamer in Kamerun eingetroffen.
— 11. August. Wie der„K. Z.“ von hier telegraphirt wird, gilt es in unterrichteten Kreisen als wahrscheinlich, daß auf die Zusammenkunft der Kaiser von Oesterreich und Rußland eine Zusammenkunft der Kaiser von Deutschland und Rußland folgen werde.
— Die Prinzessin Wilhelm hat gestern Abend über München die Reise nach St. Moritz im Engadin angetreten.
— 11. Aug. Der preußische Gesandte am Vati— can, v. Schlözer, ist gestern nach Varzin gereist.
Kiel. Unsere Marine hat einen empfind— lichen Verlust erlitten. Wie aus Zanzibar tele— graphisch gemeldet wird, ist Kapitän zur See v. Nostiz, Kommandant von Sr. M. Kreuzer— fregatte„Stosch“, die unter dem Oberbefehl des Commodore Paschen mit den übrigen Schiffen des beorderten Geschwaders vor Zanzibar liegt, am 5. August während der Fahrt von St. Mau— ritius nach Zanzibar am Herzschlag gestorben. Zum Geschwader vor Zanzibar werden nach einem Telegramm der„Magdb. Ztg.“ noch 4 Kriegsschiffe und ein Tender stoßen.
München. Dem„Bayer. Kurier“ zufolge wurde heute an Stelle des verabschiedeten Hauptmanns Gresser der bisherige Hauptcassier des Hoftheaters, Klug, zum Hofsecretär des Königs ernannt.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 11. August. Graf Kalnoky ist heute Vormittag zum Besuch des Fürsten Bismarck nach Varzin abgereist.— Wie die„Presse“ erfährt, wird der Reichsrath frühestens in der letzten Septemberwoche einberufen.
Gastein, 11. Aug. Kaiser Wilhelm machte
und nahm sodann den Thee bei der Gräfin Lehndorff. Heute Morgen promenirte der Kaiser. Karlsbad, 6. August. Gestern ist hier die Kaiserin Eugenie eingetroffen.
Schweiz. Luzern. Eine hiesige Versamm⸗ lung schweizerischer Gewerbevereine sprach sich gegen die Kündigung des deutsch-schweizerischen Handelsvertrages aus.
Belgien. Brüssel. van Eltvelde theilt den Maͤchten mit, daß er zum Generalver— walter der auswärtigen Angelegenheiten des Congostaates ernannt sei; in einer zweiten Note erklärte er, daß der neue Staat den Neutrali— tätsverhältnissen, wie sie von der Berliner Con⸗ ferenz festgestellt seien, sich unterstelle. Frankreich. Paris.„Figaro“ bringt die übrigens sehr wahrscheinlich lautende Nachricht, Deutschland und Oesterreich hätten erklärt, sich an der für 1889 beabsichtigten Weltausstellung anläßlich der Feier des Jubiläums der großen Revolution nicht betheiligen zu können und diesen Entschluß durch die Unmöglichkeit moti— virt, eine Feier einer Revolution mitzumachen, welche einen Königsmord als Hauptereigniß zu verzeichnen hat. Der offiziöse„Temps“ be— richtigt diese Nachricht dahin, es sei noch gar keine offizielle Einladung zur Betheiligung an der Ausstellung ergangen, dagegen hätten offi— ziöse Unterhandlungen darüber stattgefunden, in welchen sich die vom„Figaro“ behauptete Ab— neigung keineswegs bekundet habe.
Großbritannien. London, 10. Aug. Im Oberhause theilte der erste Lord des Schatzes, Lord Iddesleigh mit, daß die Commission zur Untersuchung der Handelsstockung gebildet sei. — Das Unterhaus nahm in zweiter Lesung die Bill zur Beschaffung besserer Arbeiter-Wohn— ungen an.
— 10. Aug. Eine Depesche des Generals Courcy meldet, daß die Fuhrer der Schwarz— flaggen aus Tonkin verschwunden und ihre Banden augenblicklich zerstreut seien.— Ein Telegramm der„Agence Havas“ meldet: Briefen aus Kelung zufolge ist Kelung am 22. Juni geräumt worden. Bald nach dem Abmarsch der französischen Truppen besetzten die Chinesen die Stadt, plünderten sofort die Niederlassungen der dort wohnenden Europäer und zerstörten die Baracken der französischen Truppen. Die englischen Kaufleute verlangen von den Chinesen Schadenersatz.
Serbien. Belgrad, 8. August. Ueber die Ermordung des serbischen Abgeordneten Veljko Jakovljevic durch politische„Räuber“, wird berichtet: Gestern um 6 Uhr Abends überfielen 15 Räuber in Bersics bei Gorni Milanovac(Rudniker Kreis) das Haus des Skupschtina-Abgeordneten Veljko Jakovljevie, welcher sich in Gesellschaft von zwölf anderen Männern befand, tödteten den Abgeordneten und führten zwei wohlhabende Leute als Geiseln mit, die sie nur gegen ein hohes Lösegeld frei— lassen wollen. Die Räuber kamen unter Anführ— ung des berüchtigten Dedic über das Uzicaer Gebirge nach Gorni Milanovac; sie trugen theils bosnische, theils montenegrinische Tracht und waren mit Handschar, Revolver und Ge— wehren bewaffnet. Nach vollbrachter Mordthat zogen sie sich ins Gebirge gegen Uzica zurück. Die Blutthat wird hier von Vielen als ge— dungener politischer Mord bezeichnet. Veljko Jakovljevic war von der Opposition abgefallen und gegenwärtig ein eifriger Anhänger der Re— gierung. In seinem Wahlkreise war er eine sehr beliebte Persönlichkeit.
Rußland. Helsingsfors, 10. Aug. Gestern Vormittag hielt der Kaiser über die auf der hie— sigen Rhede besindlichen Kriegsschiffe eine Revue ab. Am Abend fand bei dem Kaiser und der Kaiserin ein Paradediner zu 171 Couverts statt. Nach dem Diner zogen die hiesigen Universität mit ihren Fahnen auf den Schloßhof und brachten dem Kaiserpaar eine Serenade dar. Später fand ein Ball bei dem General-Gouverneur und eine festliche Beleucht—
gestern eine Spazierfahrt in das Kötschachthal
ung der Stadt statt. Eine Deputation von
Studenten der;
Studenten überreichte der Kaiserin einen Blumen— strauß. Heute um 5 Uhr Nachmittags begab sich das Kaiserpaar unter enthusiastischen Hoch⸗ rufen der Bevölkerung an Bord der„Dershawa“, welche bald darauf die Anker lichtete. Das Kaiserpaar kehrt direkt nach Kronstadt zurück und begibt sich von da nach Peterhof.
Baku. Unter den Tukmenen in Mer herrscht beträchtliche Aufregung und zwar an— scheinend wegen Ausscheitungen, die gegen ihre Frauen verübt wurden.
Amerika. New-Pork, 8. August. Das Leichenbegängniß des verstorbenen General Grant fand heute in großartiger Weise statt. Der Leichenzug war fast sechs englische Meilen lang und unter den Theilnehmern befanden sich der Präsident Cleveland, der Vicepräsident Hendricks, die früherern Präsidenten Hayes und Arthur, die Minister und Mitglieder des obersten Gerichtshofes, das diplomatische Corps, die Mitglieder des Congresses und die Gouverneure der verschiedenen Staaten. Alle Geschäfte waren
geschlossen.
Aus Stadt und Land.
IJ Friedberg. Was bei dem Niederschreiben des Artikels, betreffend die Begießung und Spülung der Straßenrinnen und Kanaleinläufe durch Oeffnen der Wasserleitungshydranten erhofft worden ist, nämlich die Unterstützung dieses Bestrebens der Straßenreinhaltung von anderer Seite und Vorschlag weiterer Mittel, ist bereits eingetreten, indem ein 8 Correspondent die Miß⸗ stände rügt, welche vielfach von Anwohnern der kanali⸗ sirten Straßen durch Ausschütten und Fließenlassen von unreinen Flüssigkeiten in die Straßenrinnen und Kanal⸗ einläufe veranlaßt werden und auf deren Abstellung er dringt. Möge es ihm gelingen, diese Ursachen der Straßenverunreinigung zu beseitigen; so lange aber dieses Ziel nicht erreicht ist, dürfte es doch wohl nicht über⸗ flüssig sein, durch Oeffnen der Hydranten die sich an⸗ sammelnden Unreinigkeiten von Zeit zu Zeit fortzuspülen. Daß übrigens der in seinen Wirkungen dem& Corre⸗ spondenten sehr wohl bekannte Hochdruck unserer Wasser⸗ leitung für das Uebergießen der Straßen und das dadurch bewirkt werdende Abspülen der Rinnen zc. ein Hinderniß nicht ist, davon kann sich der§ Correspondent überzeugen, wenn er dem bei Gelegenheit der Reinigung des Hochreservoirs stattfindenden Oeffnen der Hydranten und dadurch bewirkt werdenden Uebergleßen der Straßen einige Aufmerksamkeit widmen will. Er dürfte hierbei aber auch zu der Einsicht gelangen, daß der Gedanke, die Hydranten zum Fegen der Rinnen und Kanäle zu benutzen, nicht in einem Kopfe ausgedacht worden ist, der den Druck der Wassersäule, wie sie aus den Hydranten strömt, nicht kennt, sondern einfach auf Erfahrung beruht; er wird sich aber auch sagen müssen, daß seine entgegen- gesetzte Ansicht eine irrige, jeglicher Begründung ent— behrende ist.
H.-v. Friedberg. Auf das von 118 Gewerbtreiben⸗ den, 52 Kaufleuten und 29 Privaten vor Kurzem an den Staatssekretär des Reichs-Postamts gerichtete Gesuch ist eine abschlägliche Antwort eingetroffen. Aehnlich wie in derjenigen, welche unser Stadtvorstand erhalten hat, heißt es darin,„daß die Bedenken, welche gegen die be⸗ absichtigte Verlegung des dortigen Postamts nach dem Klosterkasernen-Grundstück geltend gemacht worden sind, nach dem Ergebnisse der stattgehabten Erörterung als begründet nicht anerkannt werden können.“„Das Reichs⸗ Postamt sieht sich unter diesen Umständen nicht veranlaßt, von der in Aussicht genommenen Erwerbung eines Theils des Klosterkasernen-Grundstücks zu Postzwecken Abstand zu nehmen.“ Es ist zu bedauern, daß die Post⸗ verwaltung die„Ergebnisse der stattgehabten Erörterung“, von welcher in gedachtem Schreiben die Rede ist, nicht mitgetheilt hat. Man wüßte dann wenigstens, weßhalb die Verwaltung an einem Projeete hängt, welches ein großer Theil der Einwohnerschaft als verfehlt bezeichnet hat. Zu der in Aussicht genommenen Erwerbung des Klosterkasernen-Grundstücks hat u. A. auch der Reichs- tag seine Zustimmung zu geben. Es wird sich dann zeigen, ob die Mehrheit seiner Mitglieder auf Seiten der Ansicht des Staatssekretärs Dr. von Stephan steht, wie dieselbe am 3. Februar 1883 gelegentlich der Be⸗ rathung des Post- und Telegraphen-Etats im Reichstage gethan hat.„Wenn wir(so waren die Worte), was neulich der Abgeordnete für Lübben verlangte, die Post⸗ gebäude, wo doch gerade der Verkehr von Fremden und Einheimischen zusammenströmt, in entlegene Stadttheile, aus dem Centrum der Städte verlegten, was würde man wohl dazu im deutschen Reiche sagen?“
2 Friedberg. Am nächsten Sonntag den 16. Aug., Nachmittags von 2 Uhr ab, wird das diesmalige Jahresfest des Wetterauer Zweigvereins der Gustav— Adolf⸗Stiftung in Bönstadt gefeiert werden. Die Fest⸗ predigt hat der von seinem Aufenthalt in Friedberg her in gutem Andenken bei uns stehende Pfarrvicar Dr. Flöring von Bickenbach gütigst übernommen. Nach vollendeter kirchlicher Feier soll noch eine Nachfeier im Freten stattfinden, wobei verschiedene Ansprachen ge— halten werden sollen. Wir versprechen uns also ein recht
schönes und gesegnetes Fest. Bemerkt sei noch, daß am Sonntag um 12 Uhr Mittags vom hiesigen Bahnhofe
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