bezüglich der Reducirung der Zahl der zu er⸗ nennenden Oberhausmitglieder ein Compromiß erzielt worden. Die bezüglichen Vereinbarungen, über welche Tisza während seiner gestrigen An— wesenheit in Wien dem Kaiser Bericht erstattete, haben die Genehmigung der Krone erhalten.
Schweiz. Bern, 9. März. Die Sessionen des Nationalraths und Ständeraths wurden heute durch die Vorsitzenden mit Ansprachen er— offnet, worin die Maßregeln des Bundesraths zegenüber den Anarchisten gebilligt wurden. Die Schweiz würde wobl politisch Verfolgten, niemals aber verbrecherischen Anarchisten Asyl gewähren.
— Von den hiesigen Anarchisten sind, wie N. Z. Z.“ mittheilt, noch 9 verhaftet,
he schwer belastet zu sein scheinen.
Belgien. Brüssel, 10. März. Bernaert übergab in der Kammer die Actenstücke bezüg— lich der Berliner Couferenz und brachte einen Gesetzentwurf behufs Genehmigung der Con— ferenzbeschlüsse ein.
Frankreich. Paris, 9. März. In der Deputirtenkammer begann die Prüfung der vom Senate abgeänderten Budgetartikel. Nach langen Debatten über die Prärogative der Deputirten— kammer in Budgetangelegenheiten wurde mit 302 gegen 192 Stimmen beschlossen, zur Berathung der einzelnen Artikel überzugehen und darauf die Sitzung aufgehoben.— Die Commission des Senats für den Zolltarif für Cerealien stimmte dem von der Kammer angenommenen Gesetzent— wurf zu.— 10. März. Die Kammer beendete die Beratbung über das Cultusbudget, und verwarf trotz des Einspruchs des Ministers fast alle vom Sen ite vorgenommenen Modificationen. Die Herabsetzung des Gehaltes für den Erzbischof von Paris und den Prälaten Algiers wird auf— rechterhalten, ebenso die Aufhebung der Besoldung für den Domherrn von Saint Denis und des Credites für Seminarstipendien. Nur der theil— weisen Wiederherstellung des Credits für den Domherrn wurde zugestimmt.
Großbritannien. London. Die„Times“ sagt: Die auswärtigen Beziehungen Englands haben sich in den letzten Tagen merklich gebessert. Graf Herbert Bismarck verläßt heute London mit dem Bewußtsein, zur Herstellung des guten Einvernehmens zwischen England und Deutsch— land wesentlich beigetragen zu haben.
—„Daily News“ bestätigt, daß die britische Regierung das Verlangen in Petersburg stellte, die russischen Truppen jenseits der afghanischen Grenze zurückzuziehen. Sie begehre dadurch lediglich nur die Ausführung von russischerseits England wiederholt gemachten Versprechungen.
— 9. März. Unterhaus. Auf eine Anfrage Labouchere's verlas Fitzmaurice ein von heute datirtes Schreiben Grauville's, worin es heißt, er habe nie eine Nachricht über die Depesche Bismarck's vom 5. Mai 1884 erhalten, und habe bis vor Kurzem keine Kenntniß von der— selben gehabt. Graf Münster und Graf Herbert Bismalick hätten ihm später gesagt, die deutsche Regierung könne nicht ihre freundliche Haltung in den egyptischen Angelegenheiten bewahren, falls England fortführe, in colonialen Fragen unfreundlich zu sein. Er bestritt, daß England unfreundlich gewesen und gab Namens seiner Collegen und für sich die positive Verstcherung einer freundlichen Action für die Zukunft. Fürst Bismarck wie Graf Herbert Bismarck bätten damals ihre Befriedigung über diese Versicher— ungen ausgesprochen; die Spannung, welche seitdem entstanden, habe sich aus eruster Mein— ungsverschiedenheit der beiden Regierungen dar— über ergeben, ob jene Versicherungen gehalten worden seien oder nicht.— 10. März. Das Unterhaus bewilligte mit 173 gegen 56 Stimmen den Nachtragscredit für die Sudan-Expedition, einschließlich der Creditforderung für den Bau einer Elsenbahn von Suakin nach Berber, und genehmigte mit 188 gezen 23 Stimmen die Absendung indischer Truppen nach dem Sudan. — Oberhaus. Granville antwortete Salisbury, weder die englische Regierung, noch die hiesige
8 welche
Nachricht von der angeblichen Beschimpfung der englischen Flagge in Victoria erhalten. Wie sich indessen auch die Sache verhalten möge, er sei auf Grund freiwilliger Erklärung Bismarck's damals, als das Gerücht von der Proklamirung des Protektorats über Samoa eintraf, sowie auch auf Grund der Thatsache, daß Unterhand— lungen Englands mit Deutschland über coloniale Angelegenheiten gegenwärtig in freundschaftlicher Weise geführt wurden, davon überzeugt, daß dieser Zwischenfall zu keinen unangenehmen Ver— wickelungen führen werde. Aehnlich sprach sich Gladstone im Unterhause unter lautem allseitigen Beifall aus.
10. März. Graf Herbert Bismerck, welcher im Laufe des gestrigen Tages noch eine langere Unterredung mit Lord Granville hatte, reiste gestern Abend nach Berlin zurück.
— 10. März. Die„Pall Mall Gazette“ er⸗ fährt, daß nach gestern Abend eingegangenen Be— richten die russischen Vorpoften bei Julfikar eine Vorwärtsbewegung machten. Eine Collision mit den afghanischen Vortruppen sei nicht unmöglich.
Spanien. Madrid. Dem„Noticiero“ zu— folge würde Coello anstatt Mendez Nigo Ge— sandter beim Quirinal werden.
Italien. Rom, 9. März. In der Kam— mer interpellirten Bovio und Genossen die Re— gierung über ihr Programm in der Colonialpolitik. — Senat. Der Arbeitsminister legte die Eisenbahn— conventionen vor und verlangte die Dringlichkeit, welche angenommen wurde. Zur Vorberathung wurde eine zehngliedrige Commission eingesetzt.
— 10. März. Außer der gestrigen Inter— pellation Bovio's wurden weitere Interpellationen über die Colonialpolitik eingebracht. Mancini wird dieselben wahrscheinlich am Montag sämmt— lich beantworten.
Amerika. New-Pork. Der hiesige Consul Guatemala's erhielt ein Telegramm des Ministers des Auswärtigen von Guatemala, daß der Prä— sident Barrios von Guatemala ein Deeret erließ, wonach die Unionstaaten von Ceutralamerika zu einer einzigen Republik erklärt werden. Zur Vewirklichung dieses Planes übernahm Barrios den Oberbefehl sämmtlicher Truppen.
Persien. Teheran, 7. März. Eine Reu— ter'sche Depesche meldet, es verlaute hier allge— mein, der Emir von Afghanistan entsende Truppen zum Schutz der Grenze gegen ein russisches Vordringen. Auch heißt es, daß die afghanische Grenzcommission in Kurzem nach Judien zurück— kehren werde.
Aus Stadt und Land.
w. Friedberg. Der 3. der vom„Evang. Verein“ zu Gunsten des demnächst hier in's Leben tretenden evang. Stadtkirchenbau-Vereins veranstalteten Vorträge wurde am 27. Februar von Ob.-Cons.⸗Rath Dr. Sell über E. M. Arndt gehalten. Dem Vortragenden gelang es in glänzender Weise, auf einem klar und geistreich ge— zeichneten geschichtlichen und kulturhistorischen Hinter— grunde ein reiches, scharf umrissenes und plastisch abge— rundetes Lebensbild des mannhaften, kampfesfreudigen und auch im Dulden großen Patrtoten zu entrollen und auch den Dichter Arndt gebührend, aber maßhaltend zu würdigen. Ganz besonders interessant war auch der Nachweis, wie sich A. in gesundem Fortschritt von einem verschwommenen, für Bonaparte schwärmenden Cosmo— politismus zu einem klaren und glühenden nattonalen Patriotismus und von einer mehr naturalistischen Reli— giosität zu warmer, inniger und im Leiden bewährter christlichen Frömmigkeit(der wir u. a. einige herr⸗ liche Kirchenlieder verdanken) entwickelt hat. Die zahl⸗ reiche Versammlung folgte dem von warmer Begeisterung getragenen und auch formell vollendeten Vortrage bis zuletzt mit größter Aufmerksomkeit. Die Mitglieder des „Gvoang. Vereins“ und die Bewohner Friedbergs über— haupt werden alle drei so genuß- und lehrreichen Vorträge in bestem Andenken behalten und sich herzlich freuen die Vortragenden(Habicht, Bauer und Sell) recht bald wieder als solche in ihrer Mitte begrüßen zu dürfen.
r. Friedberg. Infolge Verhinderung eines der mitwirkenden Solisten hat sich die Nothwendigkeit ergeben, das nächste Concert des Musikvereins von Sonntag, 15., auf Donnerstag den 19. März zu verlegen. Die
Chorleistungen werden an dlesem Abend zurücktreten;
neben der Kammermusik(Trio von F. Link) werden Solo-Vorträge den größeren Theil des Programms bilden. Von Triebe!(Frankfurt), einem trefflich ge⸗ schulten Geiger, von Frl. Anna Göring(Darmstadt), deren sympatische Altstlmme und wahre künstlerische Aus- druckswelse bei uns von ihrer vorjährigen hlesigen Leistung in guter Erinnerung geblieben sind, darf sich
X. Bad Nauheim, 10. März. Auf Einladung und unter dem Vorsitze des Bürgermeisters Wörner tagten gestern Abend im Burk'schen Lokale dahier eine Anzahl von Beamten und Bürgern, darunter die Vor— sitzenden der geselligen Vereine und Corporationen, um sich als Comité für die Feier des Geburtsfestes unseres Kaisers Wilhelm zu constitutren. Des Mittags um 1 Uhr findet Festessen in dem Restauratkonslokal des neuen Kurhauses, den Abend um 8 Uhr ein Fest— bankett im Saale„zum Deutschen Hofe“ statt; beide Lokale werden, der Feier des Tages entsprechend, ge— schmückt. Mit der Vorbereitung für das Festbankett wurde eine aus Salinenrentmeister Nebhuth, Postseeretär Leister und Hoftapezier Blensdorf bestehende Commission gewählt. Für die Kosten wurden von den Anwesenden sofort 26 M. gezeichnet. Anmeldungen zum Festessen sind bis längstens den 20. l. M. an Restaurateur Thiele⸗ mann dahier zu richten. Man gibt sich der Hoffnung hin, daß auch die Nachbarorte an der patriottschen Feier sich betheiligen.
Groß-Gerau. Die hiesige Zuckerfabrik soll erheb- lich erweitert und mit derselben eine Raffinerte verbunden werden. Die hiesige Fabrik sowohl, wie die in Friedberg und Hattersheim sollen nämlich beschlossen haben, um einen größeren Umsatz zu erzielen, ihre Produkte in Zukunft raffinirt in den Handel zu bringen und zu diesem Behufe würden die Fabrikate sämmtlicher ge— nannten Fabriken in dem Etablissement in Groß-Gerau raffinirt werden.
Eingesandt.
Theater. Also am Freitag endlich soll uns der viel besprochene„Salontyroler“ vorgeführt werden. Nach den unzähligen Aufführungen, die dieses Stück überall erlebt hat, dürfen wir zweifellos etwas sehr Gutes erwarten und wird dieser Abend jedenfalls der Glanz— punkt der diesjährigen Saison werden. Wie wir hören, sollen noch ungefähr 6 Vorstellungen stattfinden, die uns noch mehr amüsante Abende verschaffen werden. P.
Handel und Verkehr.
Friedberg 11. März. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.70— 0.85, Eier 1 St. 5 Pf., 2 St. gr. 11 Pf.
Friedberg, 10. März. Fruchtber. Waizen M. 18.75, Korn M. 16.50, Gerste M. 16.50, Hafer M. 14.50, Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.
Buß bach, 7. März. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.80— 0.85, Käse per Pfd. 45—46 Pf. Eier 1 Stück 5 Pf.
Grünberg, 7. März. Fruchtpreise. Weizen M. 18.70, Korn M. 16.40, Gerste M. 16.20, Hafer M. 15.00.
: Usingen. Der am 3. März dahier stattgehabte große Frühjahrs-Viehmarkt war sowohl mit Nindvieh aller Art, als auch mit Schweinen recht stark befahren. Besonders stark aufgetrieben waren ältere Kühe und Rinder, sowie Fahrochsen. Die Rindviehpreise waren im Ganzen gut. Junge, frischmilchende Kühe erzielten 240—300 M., hochträchtige Rinder 220— 250 M., bessere Ochsen wurden bis zu 600 M. das Paar bezahlt. Auf dem Schweinemarkte dagegen zeigte sich wenig Kauflust und blieben die Preise niedrig. Für Einleg-Schweine wurden im Paare 55 bis kaum 80 M. bezahlt, während Ferkel, je nach Waare, nur 18—34 M. galten.
Gießen, 10. März. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.80— 0.88, Eier 2 Stück 9— 11 Pf., Käse per St. 4— 10 Pf., Tauben per Paar M. 0.90— 1.00, Hühner per Stück M. 1.20— 1.50, Hahnen per Stück
M. 1.20— 2.00, Enten per Stück M. 2.00— 2.40, Ochsenfleisch per Pfund 68 Pf., Kuh- und Rind⸗
fleisch 56 60 Pf., Schweinefleisch 50—60 Pf., Hammel⸗ fleisch 64—70 Pf., Kalbfleisch 48—50 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3.50— 5.00, Zwiebeln per Ctr. M. 5.
Homburg, 10. März. Marktpreise. Kartoffeln per Malter M. 4— 4.50, per Gescheid 9—10 Pf., Eier per Stück 5, 6 und 7 Pf., Butter per Pfund 1. Qualität M. 1.00, 2. Qualität M. 0.90.
Frankfurt, 9. März. Fruchtmarkt. Hies. Mehl Nr. O M. 33½—34½, Nr. 1 M. 28—29, Nr. 2 M. 26½ bis 27½, Nr. 3 M. 24½— 25½, Nr. 4 M. 18-19, Nr. 5 M. 17—17½, Milchbrod- und Brodmehl im Ver⸗ band M. 53— 55, norddeutsches und westfälisches Weizen⸗ mehl 00 M. 24½— 25½, Srüppengries je nach Qual. M.—.—, Roggenmehl Nr. 0(Berliner Marke) M. 253/— 268/, do. 0/1 do. M. 23½— 248/, do. 1 do. M. 21¼—22½, do. 2 do. M. 18¼, Weizen ab unserer Umgegend M. 18½—3/, do. frei ab Bahnhof hier M. 19, do. fremder je nach Qual. M. 1820. Roggen hies. M. 16½¼— ¼, do. französischer M. 16½, do. Koͤnigs⸗ berger M. 16- ¼, Nieolajeff M. 15— 16, Galatz⸗ Odessa M. 15½— /, Gerste, Brauerwaare M. 17— 19, do. zu Mahlzwecken M. 18— 0x, Hafer je nach Qual. M. 14½— 15½, Raps M. 26½ 27, Mais, buntes (mixed) M. 12½.(Alles per 200 Pfd. Zollgewicht= 100 Kilo. Roggenkleie M. 5—5¼, Weizenkleie M. 4.35 bis 4.40 per 50 Kilo. Rüböl im Detail M. 60. Stimmung fest.
Frankfurt, 9. März. Viehmarkt. Der heutige Viehmarkt war stark befahren. Angetrieben waren 334 Ochsen, ca. 12 Bullen, ca. 272 Kuͤhe und Rinder, ca. 311 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 66- 68, 2. Qual. M. 60— 63, Kühe und Ninder 1. Qual. M. 58— 60, 2. Qual. M. 52— 54, Kälber 1. Qual M. 62
deutsche Botschaft habe eine Bestätigung der das Publikum einen schönen Genuß versprechen. Als! bis 65, 2. Qual. M. 53—55 per 100 Pfd. Schlachtgewicht.
besonders erfreulich verdient hervorgehoben zu werden, daß unser geschätzter Pianist Fr. Link, der schon selt Jahren als Begleiter der Chöre so oft Proben seines schönen Talents abgelegt hat, an dem nächsten Coneert⸗ Avend auch mehrere Solostücke vortragen wird.
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