Ausgabe 
10.12.1885
 
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Spanien. Madrid. Den Organen des Gouverneurs von Madrid ist es gelungen, ein geheimes Depot von alten Waffen, Scapulieren und Boinas(die nationale baskische Kopf bedeckung und gleichzeitig die carlistische Uni⸗ formmütze) zu entdecken.

Zur Karolinen- Angelegenheit wird der Koln. Ztg. vom 5. d. M. telegraphirt: Der Ministerrath nahm den Vertrag über die Karo linen unverändert an und ratificirte die von dem früheren Minister Elduayen eingegangene Vereinbarung; ferner verlängerte er den im Jahre 1887 ablaufenden Handelsvertrag mit Deutschland bis zum Jahre 1892. Zugleich beschloß die Regierung, sofort die nöthigen Maßregeln zu treffen, um Spaniens Rechte auf anderen Punkten zu wahren oder die Prio rität der Besetzung zu ordnen, welche unter Berufung auf die Berliner Conferenz etwa be ansprucht werden könnte.

Italien. Rom, 5. Dez. Kammer der Deputirten. In Beantwortung der Inter pellation Canzi's über die Colonialpolitik der Regierung erklärte der Ministerpräsident De pretis, es sei für eine commercielle, aber nicht für eine erobernde Colonialpolitik. Damit stehe die Besetzung Massauahs nicht im Widerspruch, weil dies ein specielles, durch besondere Ver hältnisse veranlaßtes Factum sei. Der Minister des Aeußern, Graf Robilant, erklärte sich mit Depretis vollkommen einverstanden; er sagte, er gedenke der Politik Mancini's zu folgen. Italien müsse Deutschland nachahmen, dessen Schutzaction den commerciellen Unternehmungen seiner Reichsangehörigen folge. Auf die Frage Canzi's, ob Italien Massauah werde verlassen müssen, erwiederte Graf Robilant, daß, wenn man irgendw die nationale Flagge aufzepflanzt, die nationale Ehre verpfändet habe, man die Flagge nicht mehr fortnehme.

Serbien. Nisch, 6. Dez. Der Kriegs- minister Petrovic hat seine Entlassung genommen, an seiner Stelle ist der bisherige Gesandte in Rom, Franassovic, zum Kriegsminister ernannt worden. General Horvatovic ist zum Ober- befehlshaber der vereinigten Nisch-Armee ernannt worden, Oberstlieutenant Milanovic zum Chef des Generalstabes derselben und der bisherige Commandant der Nisch-Armee zum Chef des großen Generalstabes. ö

Belgrad, 8. Dez. DiePresse meldet von hier: Trotz der Friedensaussichten dauern die Rüstungen fort. Khevenhäller soll,

mit einer wichtigen Mission betreffs der Friedens-Ver handlungen betraut, nächster Tage wieder nach Nisch abgehen.

Nußland. Petersburg. DieNeue Freie Presse meldet aus Paris: Hiesige diplomatische Kreise glauben, Rußland beabsichtige, falls es den frühereren Einfluß auf die Bulgaren nicht wiedererlangt, eine directere Action. Nach einer; Temps⸗Meldung versprach Serbien Oesterreich, den Wiederbeginn der Feindseligkeiten nicht zu provociren.

Amerika. Washington. Nach dem Bericht des Schatz-Secretärs betrutzen die Staatsein nahmen des letzten Rechnungsjabres 323 Million, 24 Million weniger als im Vorjahre; die Aus gaben 260 Million, 16 Million mehr als im Vorjahre. Für die Schuldentilguntz sind bis Ende des Jahres die disponiblen Ueberschüsse um 40 Million geringer als 1884

Egypteu. Kairo, 4. Dez. Der gepanzerte DampferLotus nahm heute auf dem Nile eine Recognoscirung bis Giniß vor, wo 4000 Re bellen mit zwei Kanonen bemerkt wurden. Es entspann sich ein Kampf mit der etwa 1000 Mann starken Vorhut.

Indien. Nangoon. Am Abend des 28. Nov. war Mandaley der Schauplatz eines blutigen Aufruhrs, dem mehr Menschenleben zum Opfer fielen als in irgend einem Scharmützel während der ganzen Expedition. Das italienische Consulat und andere europäische Häuser wurden angegriffen. Die militärischen Anordnungen zum Schutze der

Stadt waren äußerst mangelhaft.

7. Dez. Nach Nachrichten von hier ist König Thibau hierselbst eingetroffen. Betreffs seiner schließlichen Bestimmung ist noch keine Entscheidung getroffen worden. Es verlautet, der französische Consul in Mandaley, Haas, rieth dem König an, sich zu unterwerfen, als man einsah, daß Widerstand gegen die bri tische Expedition fruchtlos sein würde. Sieben Halbschwestern des Königs sind nach sechsjähr iger Gefangenschaft aus dem Kerker befreit worden. Sie klagten bitter über die ihnen von der Königin zu Theil gewordene grausame Be handlung und gaben ihrer Freude über die Ankunft der Engländer offenen Ausdruck. Unter den von den birmanischen Militärbehörden nach der jüngsten Ruhestörung getroffenen Maßnah men für die Sicherheit von Leben und Eigen thum gehen die Einwohner wieder ihrem Be rufe uach und der Handel ist im Aufleben begriffen.

Verwaltungsbericht des Bürgermeisters der Stadt Friedberg über den Ertrag des städtischen Wasserwerkes.

Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben im Betriebs jahr 1884/85.

Einnahme. M. Pf. 1. Für an Private abgegebenes Wasser 15234 62 2. Für Messingsauger, Anbohrung ꝛc. von 12 neuen Anschlüssen und Ueberlassung von 2 Wassermessern 227 85 15462 47 Ausgabe. 7 1. An Kapitalzinsen aus 200,00 Marke. 8000 2. An Verwaltungskosten, Besoldungen 2300 3. An Materialien zur Förderung des Wassers: a. für Kohlen, 2736 Ctr. 47 PfbDb.. 1923 49 b. Beitrag zum Dampfkessel-Ueberwach ungsve renn 52 c. für Petroleum, Talg, Oel, Putz IUuüm pen 56 d. für Anschaffung von kleineren Werk zeugen, Reparaturen, Wassermessern, Fuhr und Taglohnarbetten bei dem Neuen Neffe, 577 83 e. für Wassermesser an Private. 72 50 1298182

Zur Erläuterung der einzelnen Posten diene Folgendes: Zur Einnahme.

ad 1. Anschlüsse waren bis zum 31. März 1885 vorhanden 317. Diese hatten insgesammt einen Ver brauch nach der Rechnungstellung für 1884/85 von 46051,310 Cbm. Unter diesen 317 Consumenten sind nur 6, welche mehr als 300 Cbm. pro Jahr verbrauchten und 147, welche einen Wasserverbrauch über die Taxe hatten, während die große Mehrzahl(170 Consumenten) einen Wenigerverbrauch der ihnen zugebilligten Taxe von zusammen 4926 Cbm. hatten.

ad 2. Es werden für jeden neuen Anschluß für Sauge- und Arbeitslohn 5 Mark gerechnet, außerdem müssen Consumenten, welche die Leitung in Gärten haben wollen, die ganze Anlage nebst Wassermesser auf ihre Kosten anschaffen und sind diese hier in Einnahme gestellt.

Zur Ausgabe.

Die Kapitalaufnahme zur Errichtung

des Wasserwerkes und der damit ver

bundenen Kanalisirung betrug Hiervon sind verausgabt Es bleibt mithin ein disponibler Ueber⸗

schuß von M. 5,070. 78, welcher wohl ausreichen dürfte, um für die beiden defekten, der Firma Aird in Berlin zur Verfügung gestellten Dampfkessel, einen Reservekessel anzuschaffen, sowie auch die Wassergewinnungsanlage zu vervollständigen.

Die vollen Zinsen kommen übrigens hier in Verrech; nung, da das ganze Anlehen schon seit vorigem Jahre begeben ist und der Rest schon seine Verwendung gefunden hätte, wenn die Differenz mit der Firma Aird in Berlin

M. 200,000. M. 194,929. 27

beglichen wäre

Zur Förderung von 91,184 Cbm Wasser waren er⸗ forderlich 2736 Ctr. 47 Pfd. nach Reduztrung des ver wendeten Gries zu dem halben Werthe und dem in's neue Rechnungsjahr übergegangenen Vorrath ist der wirk- liche Verbrauch 2628 Ctr. 37 Pfd. und stellt sich eine durchschnittliche Förderung von elrea 35 Cbm. auf den Ctr. Kohlen heraus, während der seit diesem Jahre im Betrieb stehende Röhrenkessel nach dem letzten Monats- bericht nahezu 40 CEbm. auf den Ctr. Kohlen fördert.

In den sonstigen Ausgaben sind nur die ordentlichen mit dem Betrieb verbundenen enthalten, während in der, Rubrik 126 Einrichtung eines Wasserwerks für neue An- lagen, Erweiterung des Stadtröhrennetzes ꝛe. 1853 M. 51 Pf. verrechnet und aus dem noch vorhandenen Kapi talstock entnommen sind.

Wer also die laufenden Ausgaben von den Einnahmen abzieht und glaubt nun einen Gewinn von 2480 M. 65 Pf. vor sich zu haben, der wird doch nicht ganz

richtig ealeultren, denn diese Neuanlagekosten werden sich in jedem Jahr wiederholen und wenn der disponsbele Vorrath, wie schon früher angeführt, verwendet sen

wird, dann wird der Ueberschuß sehr Noth thun. Die Dampfkessel und Maschinen nutzen sich ab hierfür unbedingt ein Erneuerungsfonds ge dem in jedem Jahr mindestens 100% der erforderlichen Summe zugeschrieben werden müssen, da⸗ mit wir für vorkommende Fälle alto ind und die Amortisirung nach dem Amortisaklonsplan im Jahre 1892 beginnen und auch fortsetzen können.

Werfen wir einen vergleichenden Blick-aufden.-Ga⸗ trag unseres Wasserwerks mit denjenigen großeren Städte, so werden wir merkwürdige Unterschsede finden.

Während die Förderungskosten. in Darmstadt nach. dem Bericht von 1883/84 pro Cbm. Wasser 16,74 Pf, betragen, belaufen sich dieselben hier nur auf 14,23 Pf., hingegen stellt sich in der Einnahme der Cubikmeter ver⸗ kauften Wassers in Darmstadt auf 23,45 Pf. im Durch⸗ schnitt und hier in Friedberg auf 37,40 Pf. Dleser auffallende Unterschied in dem durchschnittlichen Ver kaufspreise kommt theilweise daher, daß in Darmstadt der größte Theil des Wassers von Consumenten ver braucht wird, welche weit über 1000 Cbm, pro Jahr

et werden, Erneuerung

verbrauchen und daher einen billigeren Satz haben, the

weise aber auch, weil hier ganz unverhältniß mäßig vi Wasser frei abgegeben wird gegen dort.

In Darmstadt wurden von 648,323 Cbm. geförderten Wassers verkauft: 462,907 Cbm., also 71,40%, in Frtedberg dagegen von 91,118 Cbm. nur 41,25 Cbm., also 45,10%.. Bedenkt man, daß der Verwaltungs bericht der Bürgermeisterei Darmstadt im Jahre 1883/84 nur 3 öffentliche Brunnen verzeichnet und jetzt erst die Zahl auf 7 gestiegen ist, dahier bet dem achten Theil der Seelenzahl Röffentliche Brunnen und ein Springbrunnen bestehen, so wird man schon eine Erklärung finden für die Vertheuerung des unverkauften Wassers.

Die große Masse hat übrigens der Verwaltung doch Ursache zur Anstellung von Nachforschungen und theil weiser Messung des in öffentlichen Brunnen verbrauchten Wassers gegeben und sind wir zu folgendem Resultate gekommen. Es wurde verbraucht:

An Ueberlaufwasser beim Probepumpen im

August 188, Dsgl. bei ßmaliger Reinigung d. Reservoirs 1250 Beim Spülen des Rohrnetzes und der

Hydranten 500 Zur Feuerlöschzwecken und Uebung der

Mannschef t 200 Gießen der Straßen und Baumanlagen 50 Für Schulhäuser und sonstige öffentliche

Gebäuden. ee 300 Bei neuen Röhrenleitungen u. Anbohrungen 200 Ausspülen der Endrohrstationen. 100 Der Springbrunnen bei St. Georg nach

Messuß sz 9 Der öffentl. Brunnen in der Vorstadt. 3825 2 7 0 auf der Kaiserstraße 6000 1 5 5 in der Usagasse. 3000 1 15 1 am Fauerbacher Thor 3000 1 5 1 an den Schulen. 3000 1 5 1 am neuen Thor. 2500 1 5 1 in der Usavorstadt. 1000 1 5 0 an der Bleiche 1000 1 0 2 an den Pferdeställen 100 1 3 5 am Burgthor 100

7 38837 Cbm. Die noch fehlende Differenz dürfte wohl zu erweisen sein auf Entweichung bei undichten Stellen im Rohrnetz, hauptsächlich aber bei Gelegenheiten, wo die öffentlichen

Brunnen nicht dicht schließen. Obgleich sämmtl. städtische Bedienstete verpflichtet sind, sobald sie Kenniniß erlangen

von einem defekten Brunnen oder einer sonstigen Stelle im Rohrnetz, sofort Anzelge bet dem Stadtbaumeister zu machen, soll es doch schon häufig vorgekommen sein, daß Anwohner von öffentlichen Brunnen das Rauschen des Wassers durch die defekten Stellen vernommen haben, ohne eine Anzeige zu machen. Im Interesse sämmtlicher Steuerzahler empfiehlt es sich, von solchen Vorfällen sofort dem Stadtbaumeister oder der Bürgermeisterei Kenntniß zu geben. Hoffentlich wird dann der freie Wasserverbrauch an den öffentlichen Brunnen und der Wasserverlust sich um so viel vermindern, daß die städtische Verwaltung nicht in die Lage kommt, zur Er⸗ langung und Erhaltung der Rentabilität des Wasser

werks die Zahl der öffentlichen Brunnen zu vermindern.

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