Ausgabe 
10.9.1885
 
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und gemäßigt wie möglich benommen hat, nicht

mehr klar zu werden vermag. Daß angesichts dieser Provokation jetzt die deutsche Reichsregier ung eine eklatante Genugthuung von Spanien for dern und nöthigenfalls erzwingen wird, ist eben so sicher. Auf einen Krieg werden es die Spanier nicht ankommen lassen. Wie weit es das spanische Cabinet mit seiner heimlichen Unterstützung der Erregung der spanischen Bevölkerung gebracht hat, beweisen die weiteren Nachrichten. Die Polizei war zu schwach, der wüthenden Menge Einhalt zu thun und mußte sogareinen Gefangenen, den sie bei dem Angriff auf die deutsche Ge sandtschaft gemacht hatte, wieder herausgeben. Ein weiteres Telegramm vom 5. Sept. meldet: Der Tumult ist vorüber. Verschiedene Ge fangene sind gemacht. Der Offizier, welcher einen Gefangenen freiließ, ist seines Amtes ent setzt worden. Ein über London eingegangenes Telegramm schildert die letzten Vorgänge wie folgt:Die spanischen Kriegsschiffe erreichten die Jnsel Bap am 21. August und bereiteten sich vor, die Insel in Besitz zu nehmen. Ein deutsches Kanonenboot traf am Abend des 24. August ein, landete sofort Marinesoldaten und Matrosen und hißte die deutsche Flagge auf. Die Spanier protestirten und telegraphirten nach Madrid um Instructionen. Auf Vap wurde ein Zusammenstoß befürchtet. Die Nachrichten verursachten in Madrid große Aufregung. Der wüthende Pöbel griff das deutsche Gesandt schaftshötel an, riß das Wappen herunter und verbrannte dasselbe unter dem RufeNieder mit Deutschland! vor dem Hötel des Ministers des Innern. Die Menge zog dann vor die französische Gesandtschaft und brachte dieser eine Ovation dar. Es wurden Truppen aufgeboten, um die Straßen zu räumen. Die Menge zog sich langsam zurück. Die Situation ist sehr ernst.

Ein weiteres Madrider Telegramm besagt: Der Marineminister hat telegraphisch den Gou verneur von Pap, Capriles, sowie den Comman danten der spanischen Kriegsschiffe abgesetzt und den Prozeß gegen sie angeordnet. Die Lage in Madrid ist in hohem Grade kritisch.

Wie dieNat.-⸗Ztg. mittheilt, hatte die deutsche Regierung, wie der spanischen Regierung offiziell durch den spanischen Gesandten in Berlin, Grafen Benomar, mitgetheilt wurde, den deut schen Schiffen im Stillen Ocean den Befehl übersandt, jeden Conflikt mit den spanischen Streitkräften zu vermeiden. Wahrscheinlich ist dieser Befehl zu spät eingetroffen.

Daß Canovas seinen Zweck, durch die Auf werfung der Karolinenfrage die Aufmerksamkeit der spanischen Bevölkerung von der inneren Po litik abzulenken, nicht erreicht, beweist eine wei tere Meldung, aus welcher hervorgeht, daß die Revolutionäre den Zeitpunkt für günstig halten, um jetzt offen aufzutreten. In der Provinz Cadix rottete sich gestern ein Haufe von etwa 300 Socialisten zusammen und rief:Es lebe Zorilla! Nach sechs Stunden waren die Aufrührer ge nöthigt, vor der feindlichen Haltung der Be völkerung znrückzuweichen. Ist hier auch die Erhebung unterdrückt worden, so werden ähnliche Putschversuche doch in der nächsten Zeit oft genug gemacht werden und wozu sie schließlich führen werden nun, das weiß man in Spanien besser als bei uns. Wenn Jemand die Monarchie in Spanien in Gefahr gebracht hat, so ist es der jetzige conservative Ministerpräsident Canovas.

Aus Madrid, 7. Sept., wird berichtet: Eine Note des spanischen Gesandten, Grafen Benomar, aus Berlin vom 5. Sept. Nachmittags, welche eine Unterredung mit dem Vertreter des deutschen auswärtigen Amtes mittheilt, sowie eine gestern hier abgegebene Erklärung des deutschen Ge sandten Solms besagen, daß Deutschland durch den Zwischenfall in Bap weder den Gang der Verhandlung beeinflußt noch ein gutes Ergebniß derselben verhindert zu sehen wünscht. Die Rechts frage sei dadurch in keiner Weise präjudicirt. Deutschland würde, wenn es die Ansprüche Spaniens gekannt habe, die Occupation bis zur erfolgten Verständigung unterlassen haben.

Bei der sich nun schon zwei Wochen lang durch die Zeitungen hinziehenden Disecussion über die Karolinen-Inseln ist auch vielfach über den Werth der Juseln in colonialer oder commer cieller Hinsicht gesprochen worden, und während man auf der einen Seite die Besetzung der Inseln durch Deutschland vom colonialen Stand punkte aus, als eine Erweiterung unserer über⸗ seeischenHandelsbeziehungen herbeiführend, freudig begrüßte, hat man auf der anderen Seite den Inseln fast jeden wirklichen colonialen Werth abgesprochen. Und in der That, die wenigen tausend Tonnen Copra, die neben einigen an deren Erzeugnissen von den Karolinen eventuell jährlich nach Deutschland importirt werden können, wären es wahrlich nicht werth, daß zwei euro päische, bisher gut befreundete Nationen in inter nationale Verwickelungen geriethen. Der com mercielle Werth der Inseln kann unmöglich der wirkliche Grund sein, weßhalb die deutsche Re gierung die Juseln besetzt hat. Die Politik des Fürsten Bismarck hat sich auch hier wieder als sehr weitblickend gezeigt, und ohne Zweifel trifft ein Artikel derGrenzboten den Nagel auf den Kopf, wenn er sazt: In Berlin sah man in einem bekannten Palais der Wilhelmstraße, daß derStille Ocean nach Durchstechung der Landenge von Panama ein sehr lebhafter und geräuschvoller Ocean und der Schauplatz einer neuen großen Epoche im commerciellen Leben der Völker werden wird. Mit einem Blicke auf diese unausbleibliche und nahe gerückte Revo lution hat Fürst Bismarck ein gutes Stück von Neu-Guinea für Deutschlaud erworben, und mit demselben Blicke bemächtigt er sich jetzt der Karo linen, oder einer von den Gruppen dieser Inseln. Dieselben mögen jetzt noch als ein maͤßiger Ge winn erscheinen, werden aber eine andere Be deutung erlangen, wenn von Panama aus ein Dutzend oder mehr Dampferlinien nach China, Indien und Australasien gehen werden.

Deutsches Reich.

Berlin, 7. Sept. Die Ausschüsse des Bundesraths haben heute die Berathung der Ausführungsbestimmungen zum Börsensteuergesetz nach mehrstündiger Arbeit beendet. Im Wesent lichen ist die Vorlage, welche seitens des Reichs schatzamts aufgestellt wurde, zur Annahme ge langt. Die noch beliebten Abänderungen be treffen mehr die redactionelle Form. Besonders erwähnenswerth ist jedoch der Antrag Hamburgs, nach welchen es bei Geschäften mit Ausländern der Uebersendung der Hälfte der Schlußnote an den ausländischen Contrahenten nicht bedarf; vielmehr hat der inländische Contrahent das Doppelformular der Schlußnote ungetheilt und in vorgeschriebener Weise abgestempelt aufzu⸗ bewahren und die nicht beschriebene Hälfte der Schlußnote zu durchstreichen.

Von den fünf Theilen, aus welchen das

neue bürgerliche Gesetzbuch bestehen wird, sind bereits drei, und zwar der allgemeine Theil, das Recht der Schuldverhältnisse und das Sachen recht, vollendet; die Berathung des Familien rechts ist erheblich vorgeschritten und wird in nächster Zeit beendet werden, so daß nur noch der Entwurf des Erbrechts aufzustellen sein wird.

8. Sept. Heute Vormittag begab der Kaiser sich mit großem Gefolge mittelst Extra⸗ zuges der Stettiner Bahn nach dem Manuöver felde des Gardecorps in die Gegend von Buch und wohnte dort mehrere Stunden dem Feld manöver bei. Nach Beendigung des Manövers erfolgte nach 1 Uhr von dort die Rückreise nach Berlin. Im Laufe des Nachmittags arbeitete der Kaiser dann noch längere Zeit allein und nahm mehrere Vorträge entgegen. So weit bis jetzt bekannt, gedenkt der Monarch am Mittwoch Abend Berlin zu verlassen, um seiner Gemahlin nach Baden-Baden nachzufolgen. Die Kaiserin hat heute Vormittag Berlin verlassen und ihre Reise nach Baden-Baden angetreten. In Sangers hausen soll das Dejeuner und Nachmittags in Elm das Diner eingenommen werden. Nach

erfolgt ohne weitere Unterbrechung die Weiter reise über Hanau und Karlsruhe nach Baden Baden.

DieNordd. Allgem. Ztg. schreibt: Das KanonenbootIltis erhielt den Auftrag zur Besetzung der Insel Pap bereits vor mehreren Wochen. Niemand konnte damals erwarten, daß eine derartige bei den neuerlichen golonialen Aus⸗ gleichungen wiederholt vorgekommene Thatsache die spanische öffentliche Meinung um ihre ganze Ueberlegung bringen werde. Selbst. wenn die deutsche Regierung auf den Kärolinen die res integra hätte offenhalten wollen, wäre es Mangels einer Verbindung nicht mehr möglich gewesen, denIltis noch zu erreichen. Auch hieraus ist ersichtlich, daß hier nicht entfernt an eine derartige Aufnahme der Mittheilung in Spanien gedacht worden sei.

Karlsruhe, 8. Sept. Das schwedische Kronprinzenpaar traf heute hier ein, empfangen vom Großherzog und der Großherzogin, den Behörden und der Generalität.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien. Ein kaiser liches Patent beruft den Reichsrath auf den 22. September ein.

Dänemark. Kopenhagen, 6. Sept. Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland sind heute Mittag auf demDanebrog, auf welchem König Christian, der König von Griechenland und der Kronprinz der kaiserlichen NachtDerschawa entgezengefahren war, hier eingetroffen.

Schweiz. Bern, 7. Sept. Der interna⸗ tionale Conpreß zum Schutz des literarischen Eigenthums wurde heute eröffnet. Der Präsi dent ist der Bundesrath Droz. Es sind zwölf Staaten vertreten.

Frankreich. Paris, 7. Sept. Die Mehr⸗ zahl der Journale äußert sich heute für die Herbeiführung einer Verständigung zwischen Deutschland und Spanien.Debats räth Spanien, sich lieber mit Deutschland direct zu einigen, als auf einen Schiedsspruch zu recur⸗ riren, und bedauert, daß die spanische Regier ung nicht von Anfang an die Bewegung nieder gehalten hat. Man dürfte sich nicht wundern, wenn Canovas von dem Sturme hinweggefegt werde, den er selbst mit angefacht.

DasJournal offiziell veröffentlicht ein Decret, welches die Wähler zu den allgemeinen Wahlen auf den 4. Oktober zusammenberuft.

Großbritannien. London, 7. Sept. Die heutigen Morgenblätter sprechen sich in dem Zwischenfalle mit Spanien durchweg zu Gunsten Deutschlands aus, empfehlen eine schiedsrichter liche Entscheidung der Streitfrage und betonen, Spanien schulde Deutschland vollste Genug thuung.

Spanien. Madrid. DieCorrespon dencia constatirt die Wichtigkeit der deutschen Erklarung, daß die deutsche Besitzergreifung aps die Anerkennung der Priorität der spanischen Besitzergreifung, falls der Nachweis derselben erbracht würde, nicht hindern werde. DieCor respondencia beglückwünscht sich für die der spanischen Diplomatie gegebene gute Direction und die gute Disposition, welche Deutschland bekundet. Die Regierung befahl den Gouver neuren in den Provinzen auf's Neue streng an, um jeden Preis deutschfeindliche Kundgebungen, wie solche in Saragossa und Valencia vorge kommen seien, zu verhindern. In den genannten Orten sind ausreichende militärische Vorsichts maßregeln getroffen. Die Urheber von An griffen gegen den Vertreter Deutschlands sind verhaftet, die Schuldigen würden ebenso wie in Madrid den Gerichten übergeben werden. Ein anderes Telegramm meldet, König Alphonso habe sich im letzten Ministerrath gegen jede überstürzte Lösung und gegen jede Idee eines unmittelbaren Bruches ausgesprochen. In San Sebastian hat am Sonntag Abend ungeachtet des Verbots des Gouverneurs eine antideutsche Kundgebung stattgefunden. Eine Anzahl Ver

einem etwa halbstündigen Aufenthalte in Elm

haftungen fand statt.

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