geringes Maß, dagegen für Zulassung der zur Fortsetzung des Betriebes an Werktagen noth— wendigen Arbeiten. Die örtliche Verwaltungs— behörde solle bestimmen, in welchen Gewerben eine Unterbrechung des Betriebes an Sonn— und Festtagen aus technischen Gründen nicht stattzufinden brauche. Als Arbeitszeit gilt die Zeit von 6 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends. Arbeit an Sonn- und Festtagen, welche lediglich der Vermehrung der regelmäßigen Production dient, sei für unzulässig zu erklären.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 6. Oct. Ein Artikel im Abendblatt des„Pester Lloyd“ lautet sehr kriegerisch; derselbe behauptet, daß ein Theil unserer Flotte bis zum 20. d. Mts. kriegstüchtig gemacht werden soll.
Agram, 5. Oct. Der kroatische Landtag ist heute abermals der Schauplatz wüster Scenen ge— wesen. Bei der fortgesetzten Berathung über die Auslieferung von Archivalacten an Ungarn ergriff der Banus das Wort, wurde aber durch fort— dauernde Zwischenrufe seitens der Opposition am Sprechen verhindert. Der Präsident beantragte, sieben der Opposition angehörende Abgeordnete für 60 Sitzungen von den Berathungen auszu— schließen. Unter heftigem Lärm der Opposition wurde die Sitzung geschlossen. Die Nationalpartei begleitete den Banus in seine Wohnung.
Dänemark. Kopenhagen. Wie von hier telegraphisch gemeldet wird, fand der Empfang der bulgarischen Deputation durch Kaiser Alexan— der am 3. d. Mts. statt. Der Kaifer soll die Deputation davon verständigt haben, daß er versuchen würde, im Einvernehmen mit den übrigen Signatarmächten des Berliner Vertrages eine friedliche Lösung der bulgarischen Frage herbeizuführen. Die Mitglieder der Deputation sind sehr überrascht gewesen von der Zumuthung, daß Serbien auf Kosten Bulgariens eine Com— pensation erhalten solle. Vielmehr waren sie der Meinung, daß Bulgarien zum Kriege schreiten würde, ehe es auch nur einen Zoll seines jetzigen Besitzes an Serbien abtrete. Die Abtretung Widdins, oder irgend eines anderen bulgarischen Distriktes an Serbien würde nach der Meinung der Deputation verhängnisvoller für den Frieden Europas sein, als die Trennung von Ostrumelien von Bulgarien. Die Macht, welche auf der Couferenz einen derartigen Vorschlag mache, würde keinen großen Dank vom serbischen Volke ernten, welches gegen einen solchen Raub sei, während sie die dauernde Feindschaft Bulgariens davontragen werde. Die Deputation reiste Abends via Korsoer von hier ab.
Belgien. Brüssel. Die Meldung des „Standard“, Belgien habe vom 1. Jan. 1887 ab seinen Austritt aus der lateinischen Münz— Convention beschlossen, wird von bestunterrichteter Seite auf das Entschiedenste dementirt.
Frankreich. Paris, 5. Oct. Die Wahlen sind überall ruhig und unter starker Betheiligung verlaufen. In 81 Departements wurden 165 Conservative und 141 Republikaner aller Schat— tirungen gewählt. Stichwahlen sind 202 noth— wendig. Es fehlen noch 6 Departements. Dem Vernehmen nach wird die neue Kammer Mitte November einberufen.
— Ein Telegramm der„Agence Havas“ aus
Zanzibar vom 3. d. Mts. meldet, daß Admiral Miot die Blokade der Küste von Vatomandry, vom 5. Oct. beginnend, proklamirt hat. Vato— mandry liegt auf der östlichen Küste von Mada— gaskar, etwa 20 Meilen südlich von Tamatave. Es ist ein Hafen ohne Bedeutung, aber vor kurzem signalisirte man dort eine größere Be— wegung von Kriegscontrebande durch neutrale Schiffe, welche Admiral Miot auf diesem Wege verhindern wollte. Eine Straße oder vielmehr ein Fußpfad verbindet Vatomandry mit dem Plateau von Emyrna. * Die Nachrichten einiger Blätter, wonach in Tonkin und Madagaskar neue Aufstände aus— gebrochen seien, entbehren laut einer Meldung der„Agence Havas“ jeder Begründung.
Italien. Rom. Robla it's Programm pro— klamirt den engsten Anschluß an die Kaisermächte unter der Voraussetzung, daß Italien die vollste Gleichberechtigung als Wudesgenosse zuerkannt
werde.
Türkei. Constantisopel, 5. Oet. Die Botschafter hielten gesters die erste Berathung ernehmen nach über
ab und einigten sich dem ein Memorandum, welchß vor der officiellen
Mittheilung an beide Thile zunächst der Ge— nehmigung der Mächte unkrbreitet werden soll.
— 5. Oct. Aus Albhien wird berichtet, die türkischen Truppen seien marschbereit in der Richtung nach Pristina und Kumanowo. Von Prepolatz bis Vranja seien im Ganzen gegen 10 Tabors Nizams concentirt. Die Albanesen nehmen eine schroffe Stelling gegen die tür— kischen Truppen und Behörden an.
— Der bisherige türkische Gesandte in Athen, Tevpfik Bey, ist zum Botschaster in Berlin, und der ehemalige Gouverneur von Metelin, Agujah Effendi, zum Gesandten in Athen ernannt worden.
Serbien. Nisch, 5. Oct. Die Skupschtina wurde gestern geschlossen, nachdem die Anleihe und die Rüstungsvorlagen einstimmig und ohne Discussion bewilligt und eine kriegerische Adresse erlassen worden war. Der König und der Kriegsminister bleiben in Nisch. Die Adresse der Skupschtina bedauert den Versuch, die Grund— lage der Existenz der Balkanstaaten zu erschüt— tern. Das serbische Volk könne demselben nicht gleichzültig zusehen; deßhalb sei die Volksver— tretung begeistert dem Rufe des Königs gefolgt und habe sämmtliche Vorlagen votirt, damit die Regierung den Status quo, oder das Gleichgewicht herstellen könne, welches die Exsstenzfaͤhigkeit Serbiens garantire.— Alle Nachrichten über Errichtung von Freiwilligenschaaren sind erfunden.
— In serbischen Diplomatenkreisen herrscht die Anschauung, daß die Mächte die bulgarische Union anerkennen und Serbien eine Gebiets— entschädigung auf Kosten Bulgariens zugestehen werden.
Bulgarien. Sofia. Von hier wird be⸗ richtet, daß der Zar in Beantwortung des Tele— gramms der Sobranje dem Präsidenten der— selben, Stambulow, mittheilen ließ, daß ihm die bulgarischen Interessen stets am Herzen liegen, er aber die ohne sein Wissen vollzogene Union nicht gutheißen könne. Die russischen Officiere in bul— garischen und rumelischen Diensten bleiben, nach— dem ihre Demission angenommen wurde, in einer abwartenden Stellung vorläufig im Lande.
— Wie der„Polit. Corresp.“ aus Philip⸗ popel unter'm 6. d. gemeldet wird, hat Fürst Alexander eigenhändige Schreiben an die Kaiser von Oesterreich-Ungarn und Rußland gerichtet, in welchem er auf's Nachdrücklichste betont, daß er durch die Ereignisse in Ost-Rumelien voll— ständig überrascht wurde, und daß er weder in Pilsen noch in Franzensbad eine Ahnung von Dem hatte, was sich in Philppopel vorbereitete. Die ernsten Ereignisse daselbst hätten ihn be— müssigt, mit seinem Namen Dasjenige zu decken, was Andere vollbracht hätten.
Griechenland. Athen, 5. Oct. Der Ministerrath beschloß die Mobilisirung der Marine und die Einberufung zweier Klassen der Marinereserve. Die militärischen Ruͤstungen dauern ununterbrochen fort. Der Regierung ist es gelungen, durch Wiedereinführung des Zwangs— courses eine Anleihe von 44 Million Drachmen von der Nationalbank zu erhalten.
— 6. Oct. Ein russisches Geschwader von drei und ein österreichisches von vier Schiffen wird in den griechischen Gewässern demnächst erwartet. Das englische Geschwader bleibt in Korfu.— In Folge Wiederherstellung des Zwangscourses auf den Jonuischen Inseln in Epirus und Thessalien gab die Jonische Bank der Regierung 4 Million, die Epiro-Thessalische Bank 2 Million Drachmen als Darlehen.— Die Regierung bestellte für mehrere Million Kriegsmaterial im Auslande.
Rußland. Petersburg. Hiesigen Nach⸗ richten zufolge gilt es als wahrscheinlich, daß
*
9 8
die Kaiserin von Rußland der Hochzeit des
Prinzen Waldemar im Schlosse zu Eu bei⸗
wohnen werde. g
— Die Meldungen verschiedener Blätter über ernstliche militärische Maßnahmen in Herat wer— den durch authentische Information dahin richtig gestellt, daß in Herat nur durch die Engländer geleitete Befestigungsarbeiten stattfinden.
— Dem Petersburger Journal„Wedomosti“ zufolge gilt der Uebergang der Eisenbahnen der großen russischen Eisenbahngesellschaft in, die Kronverwaltung als fest beschlossen.
— Rußland hat die Absicht, die Absetzung des Fürsten Alexander von Bulgarien vorzu— schlagen, noch nicht endgiltig aufgegeben, allein da es in dieser Frage mehr oder weniger ver— einzelt stehen dürfte, und da die Absetzung mit dem vereinbarten Programme der Anwendung friedlicher Mittel schwer in Einklang zu bringen sein wird, dürfte Rußland seinen Vorschlag doch noch fallen lassen.
Aus Stadt und Land.
Mainz, 5. Okt. Razzia in den Herbergen wurde auch ein junger Mann verhaftet, der sich nicht ausweisen konnte; er machte in der Gefängnißzelle mehrere Selbstmordversuche, die aber mißlangen. Seinen wahren Namen hat er bis zur Stunde noch nicht angegeben.
Allerlei.
Homburg v. d. H. In Gegenwart des deutschen Kronprinzen wurden kürzlich auf der Saalburg Aus⸗ grabungen vorgenommen. Dabel kamen u. A. ein Paar Wagenräder zu Tage, deren Naben von Rothrüster, die Speichen von Birkenholz sind. Die Speichen und Zapfen sind gedreht. Der Radkranz fehlt an beiden Rädern; es läßt sich aber aus den vorhandenen Speichenzapfen schließen, daß die Radfelgen mit Eisenreifen beschlagen waren. In der einen Nabe ist der eiserne Buchsenring noch gut erhalten. Die Räder sind übrigens an Größe und Bearbeitung verschieden.— Gelegentlich sei noch bemerkt, daß dieser Tage auch ein Korb von Weiden⸗ geflecht ausgegraben wurde und vor einigen Wochen ein kleines Stückchen Wollenzeug. Alles dies sind in ihrer Seltenheit, oder sogar Vereinzelung, gerade unschätzbare Funde.
Frankfurt. Vor drei Jahren vergriff sich eine bei hiesigen Anverwandten in Erziehung gewesene Amerika⸗ nerin thätlich an ihrer Tante. Sie schlug ihr die Ofen— thür derart auf den Kopf, daß eine mehrmonatliche Krankheit die Folge war. In der Angst, bestraft zu werden, reiste das Mädchen so schnell als möglich nach Amerika zurück, von wo sie am 28. September auf die Nachricht vom Tode der kinderlosen Tante hierherkam, um die Erbschaft zu erheben. Wie sehr war sie jedoch erstaunt, als ihr das von der Tante hinterlassene Testament vorgelegt wurde, in welchem ihr statt Geld, das sie nach Amerika hätte mitnehmen können, nur die Ofen⸗ thür, mit welcher sie seiner Zeit der Tante eine schwere Kopfwunde beigebracht hatte, als Erbtheil vermacht worden war.
Brüssel, 6. Oet. Man meldet aus Paturages, daß man am Samstag Abend den Versuch gemacht hat, das Haus Bellet's, des Directors der Steinkohlengruben
von Seize-Aetions, mittelst Dynamit in die Luft zu
sprengen. Bellet war zu Hause.
Paris, 6. Oet. Die Stcherheitspolizei verhaftete heute in einem Hötel garni einen Mann Namens Charles Dans, Beamter in einem Ministerium zu Brüssel, wegen Unterschlagung von Werthpapieren im Betrage von 20,000 Franes.
Paris, 6. Oet. Am Samstag haben Festungssträf⸗ linge im Festungsgefängniß zu Ha in Bordeaux eine Re⸗ volte versucht. Am Freitag Abend weigerten einige Ge— fangene den Gehorsam und drohten ihre Wärter mit den Handwerkszeugen, Brodmessern zc. zu erstechen. Am Samstag machten sie einen Angriff auf die Wärter, die jedoch unter schleuniger Heranziehung von Schutzmann⸗ schaften der Revolte Herr wurden, die Rebellen entwaff— neten und in Ketten legten. Im Festungsgefängniß herrscht jetzt Ruhe.
Rom. Cholera-Beulletin vom 3. Oet. bis 4. Oet. Mitternacht: In den Provinzen Palermo 146 Erkrankungen und 47 Todesfälle, ferner Ferrara 1 E., 1 T., Genua 3 E., 2 T., Carrara 2 E., 2 T., Parma 6 E., 2 T., Reggio und Emilia 1 E., 0 T., Rovigo 3 E., 2 T.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 7. Oetob. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.5— 1.20, Eier 1 St. 6 Pf., 2 St. gr. 13 Pf.
Friedberg, 6. Oet. Fruchtbericht. Walzen M. 16.50 bis 16.75, Korn M. 14.75—15., Gerste M. 14.—16., Hafer M. 12.50— 13.50. Alle Preise verstehen sich auf 100 Ko.= 200 Zollpfund.
Butzbach, 3. Okt. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 0.95 1.00, Käse per Pfd. 45—46 Pf., Eier 1 Stück 6 Pf.
Grünberg, 3. Okt. Fruchtpreise. Waizen M. 16.50, Korn M. 14.30, Gerste M. 13.30, Hafer M. 12.40, Samen M. 21.20.
Gießen, 6. Oetober. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 1.05— 1.20, Eier 1 St. 7 Pf.,
Bei einer heute vorgenommenen
5 5
e ea
Di.
durch
hat sie hiesige eingef⸗ wird ö eine a
W
3483
f
imme Gebr. in F.
5 einige erhalt gewäh
Ne
D 9422


