Ausgabe 
6.10.1885
 
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Amerika. Rio de Janeiro, 1. Oct. Die Deputirteukammer wird aufgelöst. Der Tag der Neuwahlen ist auf den 15. Jannar 1886 festgesetzt. Die neue Kammer wird am 3. Mai 1886 zusammentreten, welcher Tag das ordnungs mäßige Datum der jeweiligen Einberufung des Parlaments begreift.

Aus Stadt und Land.

Lich. Am 29. Sept. fand die Feier des 50jährigen Dienstjubiläums des verdienstvollen und würdigen Lehrers Walz statt, welcher nunmehr schon 44 Jahre in unserer Stadt wirkt, während er vorher in kürzeren Zwischen⸗ räumen in Waldgirmes, Königsberg und Ober-Bessingen verwendet war.

Allerlei. Frankfurt. Der Gauner Wilhelm Sachs, der würdige Bruder und Compliece des bekannten Spitzbuben

Albert Sachs, Firma Gebr. Sachs, welch letzterer vor einigen Jahren zu längerer Zuchthausstrafe verurtheilt wurde, während ersterer entkam, ist in Brasilien, wo er seine Betrügereien fortsetzte, verhaftet worden. Dort macht man kurzen Prozeß und es dürfte leicht dem Be trüger an den Kragen gehen. 8

Stuttgart. Von den in Kirchheim und Teck seit⸗ her in Quartier gewesenen Dragonern werden nächster Tage 3 Unteroffiziere als Instruktoren nach Kamerun abgehen. Dieselben erhalten bei freier Fabrt und Ver⸗ pflegung 1000 Mark Baar, nach 2 Jahren weitere 2000 Mark.

Köln. Wie nach demDüss. Anz. verlautet, hat der Zuchthäusler Hofer, welcher in dem Schwurgerichts⸗ prozeß gegen Tilmann Hans als diesen schwer graviren⸗ der Belastungszeuge auftrat, das Geständniß abgelegt, daß Alles, was er gegen Hans ausgesagt, auf Unwahr⸗ heit beruhe uud er sich eines Meineides schuldig ge macht habe.

Berlin, 2. Oct. Der Congoforscher, Lieutenant Franz Müller, ist dem gelben Fieber zum Opfer gefallen. Die Wissenschaft verliert in dem Verblichenen einen her⸗ vorragenden Jünger.

Hamburg. Die Auswanderung deutscher Unter thanen über deutsche Häfen und Antwerpen betrug in den ersten 8 Monaten des Jahres 1885 im Ganzen 79,933 Personen gegen 114,253 Personen im gleichen Zeitraume des Vorjahres.

Lima, 2. Oet. Eine Feuersbrunst in Iquique zer⸗ störte fast das ganze Geschäfts viertel. Nur das Post amt und die Gebäude am Ufer blieben verschont. Der Schaden wird auf zwei Million Dollars geschätzt.

Calcutta. Die Katastrophe bei False Point er weist sich als schrecklicher als man anfänglich geglaubt hatte. Die Sturmwoge fegte den Ort fast ganzlich vom Erdboden und 3000 Menschen büßten ihr Leben ein. Zahlreiche Schiffe gingen mit Mann und Maus zu Grunde; andere wurden erheblich beschädigt und ihrer Masten beraubt.

Eröffnung der Arbeiter⸗Colonie Neu⸗Ulrichstein.

Am 27. September herrschte auf dem Bahnhofe der Station Kirchhain der Main-Weser-Bahn ein reges Leben. Wagen von mancherlei Beschaffenheit und Gestalt waren vorgefahren, die alle dasselbe Ziel im Auge hatten. In raschem Trabe ging es dann, Wagen hinter Wagen, in südöstlicher Richtung durch anmuthige Waldthäler und über sanft ansteigende Höhen auf der Staatsstraße über Niedergleen, Lehrbach und die schauerliche Brandstätte des erst kürzlich so schwer heimgesuchten Appenrod immer weiter aufwärts bis zu dem Plateau, auf welchem ein einsamer, von beiden nächstgelegenen Orten je eine Viertel stunde entfernter Hof weithin die Gegend beherrscht. Hier befindet sich in 344 Meter Meereshöhe die Arbeiter Colonte Neu⸗Ulrichstein, die junge Schöpfung menschen freundlicher Liebe, zu welcher Hunderte, ja Tausende aus dem Großherzogthum Hessen, dem Regierungsbezirk Wies baden und besonders auch aus Frankfurt werkthätig mit geholfen haben. Heute sollte ste feierlich eröffnet werden, nachdem sie schon vom 1. Juli d. J. an ihre Thätigkeit begonnen hatte. Aber in dem unfertigen Zustande, in welchem sich damals noch die inneren Einrichtungen be fanden, hätte sich die Colonie gewiß nicht so vortheihaft präsentirt, als es jetzt, wo die Thätigkeit des Großh. Kreisbauamts ihr Ziel so ziemlich erreicht hat, der Fall ist. Der Präsident des Vereins, wirklicher Geheimerath Dr. Goldmann aus Darmstadt, empfing denn auch die zahlreich aus der Nähe und Ferne erschtenenen Gäste man konnte es deutlich bemerken mit dem Gefühle froher Befriedigung über das gelungene Werk. Der Verein kann mit Recht stolz darauf sein. In dem neu hergerichteten Anstaltssaale, der als Speisesaal und bei feierlichen Anlässen als Versammlungsort dient und in seiner geschmackvollen Schlichtheit einen sehr wohlthuen den Eindruck macht, hatten sich die Colonisten, 11 an der Zahl, mit dem Inspeetor versammelt. Sie begrüßten die von nah und fern zusammengekommenen Gäste mit einem von Harmoniumspiel begleiteten Choral. Der Prästdent Dr. Goldmann eröffnete die weihevolle Stunde mit einer Ansprache, in welcher er die Erschienenen be grüßte und Allen, welche mit Rath und That, mit Geld beiträgen und in anderer Weise an vem Zustandekommen des Werkes mitgeholfen, insbesondere auch den belder seitigen Regierungen, Namens des Vereins dankte; Pfarrer Dr. Stromberger, der als Vorstandsmitglied sich um die innere Einrichtung große Verdlenste erworben, schloß eine würdige Betrachtung auf Grund des Psalm

wortes Pf. 127, 1 daran. Dann hielt Geistlicher Rath Münzenberger aus Frankfurt eine warme Ansprache an die Colontsten, in welcher er sie aufforderte, den ihnen von allen Seiten entgegengebrachten guten Willen ihrer⸗ selts durchguten Willen zu erwiedern, und hierdurch nicht nur sich zeitlich eine sie befriedigende Existenz zu gründen, sondern auch den wahren inneren Frieden zu finden. Ministertalrath Rothe aus Darmstadt brachte die sympathisch aufgenommene Versicherung der Großh. Staatsregierung, auf deren Domantialgrunde die Anstalt sich befindet, daß sie das bereits bewiesene Wohlwollen der guten Sache fernerhin bewahren werde. Landes director Sartorius, der sich ebenfalls mit ernsten Worten an die Colonlsten wandte, gab für den Regierungsbezirk Wiesbaden eine ähnliche wohlwollende und alle Anwesen⸗ den angenehm berührende Erklärung ab, und dann schloß mit einem Gebete die Feier. Alle Redner hoben hervor, daß hier ein Werk geschaffen sei, zu welchem alle Confessionen sich brüderlich die Hand gereicht hätten, und welches auf der Grundlage herzlicher Duldung fort und fort bestehen solle. Hier werde also kein Zwang über die Gewissen geübt; jeder Confession bleibt itzr Recht unverkümmert. Nun vertheilte sich die inzwischen immer mehr angewachsene Versammlung über dle Anstalts⸗ räume. Alles ist neu hergerichtet, solld, einfach und praktisch. Rechts unten ist die Küche mit Speisekammer, links ein kleineres Versammlungszimmer, eine Stiege hoch befinden sich die außerordentlich langen Schlafsäle, die wegen ihrer Größe und der Ventklationseinrichtungen je 75 Mann aufnehmen können. An jeden Schlafsaal stößt ein Schlafraum für den Aufseher, von wo aus er den Saal überblicken kann. In einem anderen Gebäude befindet sich die Badestube mit äußerst praktischen Ein⸗ richtungen, Douchen, Badewannen, auch Desinfeetions kammern, ferner Werkstätten für Schreiner und Schuh⸗ macher. Vorgesehen ist auch ein Isolirzimmer für Kranke. Die Geräthekammer mit ihren mannigfaltigen Utensilten erregte die besondere Aufmerksamkeit; ebenso der Vieh⸗ stall mit dem prächtigen Rindvieh. Diejenigen, welche sich trotz des rauhen Wetters auch einen Blick auf die Felder gestatteten, überzeugten sich, daß der Boden er⸗ tragsfähig ist und, wenn, wie beschlossen, die Drainirung in größerem Maße erfolgt ist, sogar recht gute Ernte ergeben dürfte. Auch beweisen die schönen und zum Theil reichbeladenen Obstbäume, daß dieser Zweig der Land wirthschaft hier oben eine Zukunft hat. Gegen 3 Uhr versammelte sich die Gesellschaft im Speisesaal zu einem Gabelfrühstück, bei welchem der Freude über das ge⸗ lungene Werk und der Hoffnung auf eine gedeihliche Weiterentwickelung der Colonie Ausdruck gegeben wurde. Verschtedene Toaste, voran der auf Se. Majestät den Kalser und Se. Königl. Hoheit den Großherzog von Hessen, ausgebracht von Pollzeipräsident von Hergenhahn, folgten sich. Auch des Inspectors und seiner jungen Gattin wurde freundlichst gedacht, haben doch beide den günstigsten Ein⸗ druck auf die Anwesenden gemacht. Daß das große Ver⸗ dienst des Vereinspräsidenten um das Zustandekommen des schönen Werkes gebührend gewürdigt wurde, versteht sich von selbst. Ebenso wurde anerkennend gedacht des Pfarrers Dr. Stromberger und des Kreisbaumeisters Schnitzel. Die Wagen waren inzwischen vorgefahren und entführten die Gäste nach verschiedenen Richtungen dem Orte, der von nun an eine Art Mittelpunkt der barm⸗ herzigen Liebesübung an unseren arbeitslosen Mitbrüdern bilden wird. Es ist Hoffnung vorhanden, daß zu den Gebieten, welche Neu-Ulrichstein ihre Arbeiter Colonie nennen, sich vielleicht auch recht bald der Regierungs⸗ bezirk Cassel, wenigstens zum Theil, gesellen wird. Wie dem auch sei, eines steht fest: Soll Neu-Ulrichstein ge⸗ deihen, so darf der schöne Eifer, der sich für dies Werk allenthalben geregt hat, nicht erkalten. Es sei daher auch bei dieser Gelegenheit allen Menschenfreunden herz lich empfohlen.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 3. Oetob. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.05 1.20, Eier 1 St. 7 Pf., 2 St. 13 Pf.

Gießen, 3. Oetober. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 1.15 1.20, Eier 1 St. 67 Pf., Käse per St. 58 Pf., Tauben per Paar M. 0.50 9.60, Hühner per Stück M. 0 85 1.30, Hahnen per Stück M. 0.50 1.00, Enten per Stück M. 1.401.70, Ochsenfleisch per Pfund 68 Pf., Kuh⸗ und Rind⸗ fleisch 56 60 Pf., Schweinefleisch 5060 Pf., Hammel⸗ fleisch 6070 Pf., Kalbfletsch 4850 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 34.00, Zwiebeln per Ctr. M. 46.

Homburg, 3. Oct. Marktpretise. Kartoffeln per Malter(neue) M. 45, per Gescheid(neue) 89 Pf., Eier per Stück 6 und 7 Pf., Butter per Pfd. 1. Qual. M. 1.40, 2. Qual. M. 1.30.

Repertoir⸗Entwurf der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus. Dienstag den 6.: Violetta. Mittwoch den 7.: Bettelstudent. Außer Abonn. Donnerstag den 8.: Zum ersten Male: Silvana. Oper von Weber. Freitag den 9.: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Götz von Berlichingen. Außer Abonn. Samstag den 10.: Jessonda. Sonntag den 11.: Lohengrin. Schauspielhaus. Dienstag den 6.: Unsere guten Freunde. Mittwoch den 6.: Don Carlos. Donnerstag den 7.: Abonnements-Vorstellung A. 130.

(Für einen ausgefallenen Freitag): Ein Gesandtschafts⸗ Attaché.

Freitag den 9. geschlossen.

Samstag den 10.: Neu einstudirt: Anna⸗Liese. Das Tagebuch.

Sonntag den 11.: Ein Gesandtschafts- Attache.

Literarisches.

Daheim. Nr. 50 enthält: Der Schatz des Fräuleins von Itzleben.(Forts.) Im Gotscheer Ländchen. Von W. Groos⸗St. Blasien. Ein umgänglicher Räuber. Die vermißte KreuzereorvetteAugusta. Mit zwei Illustr. Die Reise nach Rothenburg. Novellette von M. von Reichenbach. Am Famllientisch: Das bekannte Wort des Archimedes von Syrakus. Zu den Bildern: Am frühen Morgen von Hiddemann. Schützende Bäume von R. Schrader. Ein verzweifelter Entschluß. In unserer Spielecke. Mit 1 lllustr. Betlage.

Wenn ein Blatt in nur 3 Jahren eine Auflage von 80,000 Exemplaren erreicht, so ist damit gewiß der Beweis erbracht, daß diese Zeitschrift Tüchtiges leistet. Und dies gilt in der That für das praktische Wochen blatt für alle HausfrauenFürs Haus. Diese Wochenschrift gehört in jede Familie und namentlich Frauen, welche den Umgang mit gebildeten Freundinnen oft schmerzlich vermissen, treten durch diese Zeitschrift in Verkehr mit Tausenden der edelsten und erfahrendsten Frauen Deutschlands. Denn unter den Abonnenten, von denen jede als Mitarbeiterin willkommen ist, sofern sie etwas Nützliches mitzutheilen weiß, hat sich ein reger Meinungsaustausch entsponnen und die Leserinnen so eng verbunden, daß durch dieses Blatt bereits viele Freundschaften, namentlich zwischen jungen Mädchen, geknüpft wurden. Es ist hier jeder Hausfrau Gelegenheit geboten, ihre Erfahrungen zum allgemeinen Besten zu veröffentlichen und mit denen anderer Hausfrauen in Nord und Süd, in Ost und West auszutauschen. Wir können den Leserkreis, welchen sichFürs Haus errungen hat, mit einer großen Famille vergleichen, deren einzelne Glieder sich mit Rath und That unterstützen.Fürs Haus ist unablässig bemüht, jedem seiner Leser er stehe auf den Höhen des Lebens oder im bescheldenen Thal mit mütterlichem Rath zur Hand zu gehen. Die erstaunliche Verbreitung dieses Blattes ist daher sehr erklärlich und umsomehr als der Abonnementspreis vierteljährlich nur 1 Mark beträgt. Es wird Niemand bereuen, dieses schöne und wirklich praktische Blatt an geschafft zu haben.

Das Vorkommen von Viehseuchen im Großher⸗ zogthum Hessen während des Monats Juli 1885.

Rotzkrankheit. Infolge früherer Feststellungen der Seuche stehen noch als der Ansteckung verdächtig unter polizeilicher Beobachtung: 7 Pferde in Gießen, 3 Pferde eines Besitzers in Seligenstadt, 4 Pferde, von denen je 2 einem Besitzer gehören, in Offenbach und 4 Pferde eines Besitzers in Neckar-Steinach, im Kreise Heppenheim. Der Verdacht der Seuche in Hainstadt, im Kreise Offen bach, hat sich bei der am 29. Juli erfolgten Tödtung und Obduktion des verdächtigen Pferdes nicht bestätigt.

Milzbrand wurde festgestellt im Kreise Gleßen in Allendorf a. d. Lahn am 7. und 9. Juli und in Leih gestern am 20. Jult bei je einem krepierten Rindvpiehstück, im Kreise Friedberg in Nauheim am 14. Juli bei einem krepierten Rinde, im Kreise Lauterbach in Herbstein und Lanzenhain am 19. Juli und zwar in ersterem bei einem krepierten, in letzterem bei einem erkrankten Rinde, endlich im Kreise Dieburg in Gundernhausen am 24. Juli bei 24 krepierten Schweinen, welche verschiedenen Besitzern angehörten.

Lungenseuche. Wegen Verdachts der Ansteckung stehen noch unter polizeilicher Beobachtung 4 Stück Rindvleh in Kelsterbach, im Kreise Groß-Gerau.

Maul⸗ und Klauenseuche wurde im Monat Juli nicht konstatlert.

Der Bläschenausschlag ist erloschen in Leusel, im Kreise Alsfeld, sowie in den Orten Queckborn und Reinhardshain, im Kreise Gießen, und in Hausen, im Kreise Offenbach. Fortbesteht die Seuche noch in Angenrod und Schwabenrod, im Kreise Alsfeld. Festgestellt wurde die Seuche in Ruppertenrod, im Kreise Alsfeld, am 1. Juli.

Die Räude gilt noch als vorhanden unter den Schafen in Ruppertenrod, Merlau, Eudorf, Heidelbach und Elbenrod, im Kreise Alsfeld, in Hörgenau und Maar, im Kreise Lauterbach, in Ulrichstein und Michelbach, im Kreise Schotten, und in den Orten Wenings, Dauernheim, Bergheim, Wallernhausen, Ranstadt, Eckartsborn und Lorbach, im Kreise Büdingen.

Geld Cours. Frankfurt am 2. Oktober 1885.

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in junger unn, der den Buchhandel mit allen Nebenzweigen gründlich erlernen will, kann in meine Buchhandlung eintreten.

Carl Bindernagel.

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