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1885.
Hamstag den 5. September.
J 105.
Oberhessischer Anzeiger.
Wird hier und in Bad-Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.
Rreisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.
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ein Beleg kostet 9 Pf.
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Deutsches Reich. Berlin, 1. Sept. Die kaiserlichen Herr— schaften trafen nach mehrwöchentlichem Aufent— halte in Schloß Babelsberg gestern Abend von
dort in Berlin ein und begaben sich vom Bahn—
hofe aus nach dem königl. Palais. Lange vor Einlaufen des Hofzuges sammelten sich vor dem Potsdamer Bahnhof und in den Straßen, welche die kaiserlichen Wagen passiren sollten, Menschen— massen an, um das Herrscherpaar, das nunmehr über zehn Wochen fern von unserer Residenz geweilt, zu begrüßen und durch den Augenschein die frohe Kunde von dem Wohlbefinden des hohen Paares bestätigt zu sehen.
— 2. Sept. Die Parade des Gardecorps vor dem Kaiser auf dem Tempelhofer Felde ist bei prachtvollem Wetter auf das glänzendste verlaufen. Der Kaiser, vom General Lehndorff begleitet, und von der Kaiserin in einem Sechs⸗ spänner, vom Kronprinzen, dem Großfürsten Michael, dem Erbgroßherzog von Weimar, dem Prinzen Arnulf von Baiern und einer glänzen— den Suite, sowie von den fremden Militärbe— vollmächtigten zu Pferde gefolgt, fuhr zunächst die Front beider Treffen entlang, ließ daun sämmtliche Truppen in zweimaligem Vorbeimarsch vor seinem Wagen vorüberdefiliren. Seitwärts vom Parade— felde wurden während der Parade von einem ballon captik aus Beobachtungen vorgenommen.
— 3. Sept. Schlözer ist heute wieder hier angekommen.
— Der Bundesrath wird sich in seiner ersten Sitzung auch mit Maßregeln, betreffend Ein⸗ führung der Unfallversicherung beschäftigen. Eine längere Unterbrechung werden die Sitzungen nicht finden, da Material für die übliche wöchent— liche Sitzung vorhanden.
— Nach Pariser Mittheilungen dauern die deutsch⸗feindlichen Kundgebungen in Spanien fort; besonders scheinen die Republikaner ihre Hoffnungen auf Serrano zu concentriren.
— Trotz großer Prahlereien ist es der spanischen Regierung bis jetzt noch nicht ge⸗ lungen, den Nachweis zu liefern, daß sie wirklich berechtigte Ansprüche auf die Karolinen-Inseln babe. Telegramm Spanien an Deutschland die Ab⸗
schrift eines mit den Eingeborenen der Karo— linen-Juseln vor drei Jahren abgeschlossenen Ver— trages abgeschickt haben, nach welchem die Ein⸗ geborenen die spanische Oberhoheit anerkannt h. Wenn wirklich ein solcher Vertrag in rechtsgültiger Form existirte, so ist nicht abzu— sehen, weßhalb die spauische Regierung denselben in Berlin nicht längst hat vorlegen lassen. Wenn man, wie oben angegeben, aus dem Inhalt der neuesten deutschen Note in Spanien schließen
hätten.
will, daß Deutschland die Absicht habe, Zeit zu gewinnen, so dürfte eher das Umgekehrte an
zunehmen sein; denn die spanische Regierung scheint wirklich sehr viel Zeit zu gebrauchen, um sich in den Aktenstücken zurechtzufinden, welche
ihre Rechte auf die Karolinen-Juseln begründen sollen. Demnächst werden die die Karolinen Frage berührenden diplomatischen Aktenstücke vor Seiten der deutschen Regierung veröffentlich
werden, und zwar, wie es scheint, abweichend von
dem bisher innegehaltenen Usus, schon vor den Zusammentritt des Reichstags.
— Die„Colonialpolitische Correspondenz“
schrelbt über die deutschen Stationen Ostafrikas
daß die Ostafrikanische Gesellschaft 4500 Qua⸗
Neuerdings soll nach einem Londoner
dratmeilen üppigen, durchaus gesunden Landes— gebiets certraler Lage unter die deutsche Flagge gebracht habe. Der Versuch mit einer Factorei und einer ersten landwirthschaftlichen Station, Usagara, sei gemacht. Die Gesellschaft beab— sichtigt, die Anlage von zunächst fünf Militär⸗— stationen auf landwirthschaftlicher Grundlage und mit Heranbildung von Negern zu Defensivmaun— schaften durch auwesende tüchtige Officiere und den Betrieb des Plantagenbaues mit einheimischen oder asiatischen Arbeitern. Zur Vertheidigung hat Krupp neu construirte Geschütze geliefert. Die Stationen sollen der Mittelpunkt für die Arbeiten der Gesellschaft und des Privatkapitals sein, welches sein Interesse in Ostafrika zu finden glaubt.
— Es scheint neuerdings wieder, so schreibt man der„Magdeb. Ztg.“, zweifelhaft geworden zu sein, ob die Auflösung des vor Zanzibar be— findlichen deutschen Geschwaders schon in nächster Zeit zu erwarten steht. Es ist nicht ausge— schlossen, daß ein Kreuzergeschwader unter dem Befehl von Commodore Paschen in die Südsee geht, dagegen ist die Kreuzerfregatte„Bismarck“ mit dem künftigen Chef für die ostasiatische Station, Contreadmiral Knorr an Bord, für die chinesisch⸗japanesischen Gewässer bestimmt.
Ausland.
Stockholm, 2. Sept. Der Prinz von Wales ist heute hier eingetroffen und vom Könige, den Prinzen, den Ministern, dem Oberstadthauptmann und den Cwil- und Militär— behörden empfangen worden. Er begab sich als— bald mit dem Könige nach Schloß Drottningholm. Großbritannien. London. Coursirende Meldungen, England bereite einen neuen Feld⸗ zug für den Spätherbst im Sudan vor, sind mit Vorsicht aufzunehmen. Ohne Mitwirkung der Türkei oder Italiens dürfte kaum ein solcher Versuch gemacht werden.
— Die jüngsten Beschränkungen bezüglich der auf Urlaub befindlichen Offieiere in Indien sind wieder aufgehoben worden.
Türkei. Constantinopel, 3. Sept. Ein kaiserliches Irade beauftragt Assym Pascha und Kiamil Pascha, den Minister des Evkas, mit Wolff zu verhandeln.
Aus Stadt und Land. Friedberg. Wenn es nicht erwünscht wäre, daß unsere diesjährige Sedanfeler, und gerade diese, in dieser unserer lokalen Zeitung zum bleibenden Gedächtniß beschrleben und registrirt würde, so würde ich die Feder dazu nicht ansetzen, denn zu schildern wie schön das Fest war, welche Gedanken und Empfindungen edler Art es all in uns erweckt hat, ist unmöglich. Das Haupt erforderniß zu einer schönen Festfeier war gegeben, nämlich prachtvolles Wetter. In der ernsten Wesse einleitend zu wahrer Festfeter war der Gottesdienst. Director Dr. Diegel = hat uns eine kernhafte, gedankenreiche, bündize, von hoch⸗ patriotischem Geiste getragene Festpredigt geboten. Wir sind dem Festprediger großen Dank; für die herrliche Festpredigt schuldig; das Comité hat nicht verfehlt, dlesen Dank gebührend abzustatten. Verherrlicht wurde ider Festgottesdienst wieder durch den Musikverein. Den „Festzug am Nachmittag anlangend, so erregt derselbe in n uns ein Wohlgefühl ganz besonderer und edler Art, das in dem Bewußtsein wurzelt: unsere Kinder haben eine t große Freude und wir in Gemeinschaft mit lhnen. Wir marschleren dem Festplatze, der Seewiese zu, und ge— [wahren da vor dem Betreten derselben schon eine große Menge Festbesucher, die diesmal mit dem Eintreffen des Festzuges zu elner solchen Menge Menschen anwuchs, wie
Schweden.
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Verlauf des Festes heben wir hervor die geeignete und gediegene Festrede Professor Dr. Köstlins. Rührend war die Ansprache an die Jugend. Die herrliche Rede schloß mit einem mit Jubel aufgenommen Hoch auf den deutschen Kaiser, unser Vorbild. Dankbar entgegenschlagende Herzen fehlten auch diesem Redner nicht. Die auf⸗ geführten Gesänge, das deutsche Lied der Seminaristen und die allgemeinen Gesänze wirkten auch auf dem Fest⸗ platze zur Erzeugung der rechten Stimmung besonders günstig. Die Spiele der Kinder unter Leitung ihrer Lehrer erregten hohes Interesse und fanden dankbaren Beifall. All unseren Lehrern, welche die große An⸗ strengung nicht scheuen, dem Feste die wesentliche Unter— lage zu geben, gebührt großer Dank, den ihnen die Gemeinde aber auch ungetheilt zollt. Die Wirthe auf dem Festplatze hatten ihre Schuldigkeit gethan, aber diesmal fehlte es an Sitzplätzen. Das Fest auf der Seewiese wurde geschlossen mit einem freudig auf⸗ genommenen Hoch von Director Ur. Möller auf den Kaiser und der geordnete, fröhliche Heimzug endigte auf der Freiheit mit einem ebenfalls enthusiastisch auf⸗ genommenen abermaligen Hoch auf den Kaiser, aus⸗ gebracht von Seminarlehrer Wahl. Die Dilettanten⸗ kapelle hatte gut musielrt und die Colleete in der Kirche wie die Sammlung auf dem Festplatze für die Invaliden und Hinterbliebenen der Gefallenen haben 25 M. 9 Pf. ergeben. Zwei Lehrer mit ihren Schülern von auswärts waren da. Gegen acht Uhr versammelten sich nech eine große Anzahl Männer der Stadt im Hötel Trapp zur Fortsetzung der Festfeier des vaterländischen Gedenktages. Zwei Ansprachen, von Seminarlehrer Wahl und Dr. Karl Schwabe, die beide, frisch und begeistert gegeben, auch freudig anerkennend aufgenommen wurden, waren auch hier ein Beitrag zu der von patriotischem Geiste durch— wehten geselligen Stimmung. e. Bad⸗ Nauheim, 2. Neubau beschäftigte Maurer heute beim Aufheben eines wurden beide schwer verletzt.
Mainz, 31. Aug. Zur Ergänzung der seitherigen Berichte ist weiter mitzutheilen, daß sich nachträglich Momente ergeben haben, die es als fast unzweifelhaft erscheinen lassen, daß die Frau Wothe erst nach der Er— mordung des bis jetzt noch unbekannten Mannes um- gebracht worden ist, ja daß sie bei dessen Zerlegung hilf⸗ reiche Hand geleistet hat. Es sind nämlich im Innern des Aermels ihres Kleides starke Spuren von Menschen— blut entdeckt worden, die sich noch über das Unterkleid und das Hemd ausdehnen, von keiner eigenen Verletzung, sondern vom Einlauf von Blut in den Aermel herrühren. Ste scheint die Extremitäten des Ermordeten gehalten zu haben, indessen sie der Herbst vom Rumpfe abtrennte. Ferner ist auch der Saum ihres Kleides in einer Weise mit Blut befleckt, die darauf schließen läßt, daß sich dieses Weib bei oder nach der Abschlachtung des Mannes in dem mit Blut getränkten Zimmer bewegt hat. Da nun diese Frau Wothe am Abend vor der That im vertrauten Gespräche mit dem Herbst im Wirthshaus gesessen hat, und da sie ferner in dessen Begleitung in spaͤter Abend⸗ stunde in der Nähe des Fischthors gefunden wurde, ist positiv anzunehmen, daß Herbst im Einverständniß mit Frau Wothe den Mann umgebracht und mit deren Hilfe den verstümmelten Körper in den Rhein geschafft hat und daß sie dann später selbst von dem Herbst erschlagen worden ist.
lirchliche Anzeigen für Kriedberg Ebangelische Gemeinde. 14. Sonntag nach Trinitatis. Pfarramtswoche Herr Pfarrer Dr. Köstlin. Gottesdienst in der Stadtkirche. Vormittags 10½ Uhr: Herr Pfarrer Dr. Köstlin. Abendmahl. Nachmittags 1½ Uhr: Herr Candidat Wahl. Gottesdienst in der Burgkirche. Vormittags 9 Uhr: Herr Kirchenrath Baur. Nachmittags 1½ Uhr: Herr Pfarrer Meyer. Katechtsmuslehre.
statholische Gemeinde. Samstag 5 Uhr: Beicht. Sonntag 9/7 Uhr: Austhellung der heil. Communkon. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2 Uhr: Cbhristenlehre und Andacht
Keinerne Töpfe und Krüge
Sept. Zwei bei einem aus Ober-Mörlen fielen Steines vom Gerüst und
aan ste selten steht; Groß und Klein, Alt und Jung, Ein⸗
„Uheimische und Auswärtige waren anwesend. Aus dem
in allen Groͤßen vorräthig bel
2544 Fr. Hilbrecht Wittwe.
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