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theidigt bat, wird dieselbe nach dem Antrage der Com— mission genehmigt.— 3. März. Der Reichstag nimmt in dritter Berathung ohne Debatte den Gesetzentwurf, betreffend den Zollanschluß Bremens, an. Es folgt die dritte Berathung der Tabakssteuernovelle, dazu der Antrag Muller, betreffend eine Fristverlängerung für die Steuerzahlung statt am 15. Juli des auf die Ernte folgendes Jahres bis zum 30. Junt des zwelten auf die Ernte folgenden Jahres. Das Haus beschließt die Annahme eines Eventualantrages Müller, wonach den obersten Landesfinanzbehörden die Befugniß ertheilt wird, die Zahlungsfrist über den 15. Jult des ersten dem Etatsjahr folgenden Jahres längstens jedoch bis zum 30. Juni des zwelten Jahres zu verlängern. Es folgen Wahlprüfungen. Zur Denkschrift über die Aus— führung der Anleihegesetze von 1875 wird Decharge er— theilt. Die Vorlage über die Abänderung des Militär⸗ gesetzes wird in erster und zweiter Berathung fast ohne Diskussion angenommen.
— Die englische Regierung schreitet von Niederlage zu Niederlage, und es gewinnt den Anschein, als könnte sie auf dem Gebiete der auswärtigen Politik kaum mehr einen Schritt thun, ohne sich einem Mißerfolg auszusetzen. Selten ist indessen eine Regierung in einer solchen Weise bloßgestellt, die offictellen Erklärungen ihres Ministers des Aeußeren im Parlamente als vollkommen unrichtig dargethan und sie der Verletzung der einfachsten und so zu sagen selbstverständlichen diplomatischen Bräuche über— führt worden, wie die Gladstone'sche Regierung, beziehungsweise Lord Granville, durch die Aus— führungen des Fürsten Bismarck in der gestrigen Reichstagssitzung. Dieselben dürften außer— gewöhnliches Aufsehen in Europa machen, können aber nur im Zusammenhange mit den bisherigen bezüglichen Veröffentlichungen des englischen Aus— wͤrtigen Amtes begriffen werden. Die ganze Reihe englischer Blaubücher, welche seit dem Erscheinen der deutschen Weißbücher veröffent— licht worden, ist nur dem hastigen und sich überstürzenden Bestreben der englischen Regier— ung zuzuschreiben, die empfindliche Niederlage, welche ihr die deutschen Weißbücher durch Nach— weisung ihres kleinlichen Vorgehens in der deutschen Colonialfrage nicht nur in den Augen Europas, sondern auch in der öffentlichen Meinung Englands beigebracht, wieder wett zu machen.
— Die von der ostafrikanischen Expedition der deutschen Gesellschaft für Colonisation erwor— benen Landschaften in Ostafrika, westlich von Zanzibar, umfassen, wie die„Tägliche Rundschau“ meldet, 2,500 Quadratmeilen, welches Gebiet durch kaiserlichen Schutzbrief vom 27. Februar unter kaiserlichen Schutz und Oberhoheit ge— stellt worden ist.
Braunschweig, 2. März. Nachdem der leitende Staatsminister, Graf Görtz-Wrisberg, aus Berlin zurückgekehrt, ist wahrscheinlich die Wahl eines Regenten ohne Verzug zu erwarten. Die Landesversammlung des Herzogthums dürfte bei ihrem demnächstigen Zusammentritt schon wichtige Beschlüsse zu fassen haben. Eine Thron— folge des Hannover'schen Welfenhauses kann als ein überwundener Standpunkt betrachtet werden.
Stuttgart, 2. März. Staatsminister Geßler wurde aus Gesundheitsrücksichten pen— sionirt und Staatsrath Sarwey zum Cultus— minister ernannt. Generalmajor Steinheil rückt zum Staatsminister vor.
Autzland.
Oesterreich⸗-Ungarn. Wien, 2. März. Abgeordnetenhaus. In der Budgetdebatte wider— legte der Finanzminister eingehend die gegen das Budget vorgebrachten Einwendungen in finau— zieller und politischer Hinsicht. Er wies nach, daß 1882 kein Gebahrungsdeficit, sondern viel mehr ein Ueberschuß von 5,150,000 fl. und 1883 ein Gebahrungsdeficit von 2,148,000 fl. vor— handen sei. Dem gleichen Ergebnisse sehe er pro 1884 entgegen. Dies zeige die stufenweise Besserung der Finanzlage des Reiches.
Pest, 3. März. Das Unterhaus nahm die Oberhausreform in der Specialdebatte an.
Schweiz. Bern, 2. März. Bei der gestrigen Volksabstimmung über die neue Verfassung für den Canton Bern wurde dieselbe mit 56,612 gegen 31,547 Stimmen abgelehnt, für den Canton
Waadt wurde dieselbe mit 10,000 Stimmen Ma— jorität angenommen.
— 2. Marz. Hier wurden weitere zwanzig Anarchisten verhaftet, darunter sieben Schweizer, die übrigen meist Deutsche. Die anarchistische Druckerei des Journals„Revolte“ in Genf wurde durch die Polizei geöffnet und alle Papiere mit Beschlag belegt.
Frankreich. Paris, 2. Maͤrz. Die Kam⸗ mer nahm einen Zoll von Fres. 1.90 für Saat— gerste aus Europa oder direct von Amerika im⸗ portirt, und einen Zoll von 5½ Fres. für solche aus europäischen Eutrepots au. Der Maiszoll wurde abgelehnt; ferner wurden alle Amende— ments abgelehnt. Die Getreidetarifnovelle wurde im Ganzen angenommen.
— 3. Maͤrz. Der Senat genehmigte mit 220 gegen 28 Stimmen das außerordentliche Budget. — Die Kammer beschloß, daß von den neuen Zu— schlagszoͤllen die vor dem 30. Nov. 1884 einge- schifften Kornfrüchte ausgenommen werden sollen.
— Ein Telegramm General Bridre's meldet, daß derselbe am 28. Febr. Phudoan verließ und auf Tuhenquan marschirte. Die chinesische Armee von Rünnan versperrte den Weg. Bridre werde sich indeß im Marsche nicht aufhalten lassen.— Die Besatzung von Tuhenquan schlug in der Nacht vom 25. Februar einen heftigen Angriff zurück. Die Verluste des Feindes sind bedeu— tend. General Negrier griff die Chinesen an und schlug dieselben in der Richtung von Lang— son in die Flucht.
Großbritannien. London, 2. Marz. Unterhaus. Mapwell fragt an, ob von der deut— schen Regierung irgend eine Mittheilung betr. Kamerun seit Granvilles Brief vom 21. Februar empfangen worden und ob Capitän Campell In⸗ structionen betr. der der deutschen Flagge zu erweisenden Respectszeichen nachgesucht und er— halten habe. Fitzmaurice antwortet, daß Com- municationen vertraulichen Charakters bezüglich der erwähnten Depesche stattfänden, aber noch nicht veröffentlicht werden koͤnnten.
Italien. Rom, 2. März. Die Nachricht einer bevorstehenden Creditforderung für die Expedition nach Massauah ist unbegründet. Außer der Mission Ferrari's wird eine weitere Mission an den König der Abyssiinier abgesendet. 2. März. Cardinal Jacobini hat dem spanischen Gesandten angedroht, den päpstlichen Nuntius von Madrid abzuberufen, wenn die italienischen Majestäten, die im spanischen Bot—⸗ schaftspalaste zum Besten der beim Erdbeben in Süd⸗Spanien Verunglückten arrangirte Aus— stellung besuchend, die Schwelle der Wohnung des beim Vatikan accredirten spanischen Ge— sandten betreten würden.
— 3. März. Deputirtenkammer. Bei der Debatte über die landwirthschaftliche Krisis er— klärte Magliani, die Regierung gehe nicht auf eine Erhöhung der Getreidezölle ein, könne aber auch eine Herabminderung der Steuern nicht acceptiren, weil das Budget im Gegentheil gestärkt werden müsse, um es vor einer Störung zu bewahren.
— Ein Telegramm der„Agenzia Stefani“ aus Beilul vom 25. v. Mts. sagt: Die Haͤupt— linge der Eingeborenen erklärten dem italientschen Commissär gegenüber ihre Unterwerfung.
Rumänien. Bukarest. Der bisherige Gesandte in Belgrad, Mitilneo, wurde als solcher nach Brüssel und dem Haag versetzt. Oer diplomatische Agent in Sofia, Emil Ghika, wurde zum Gesandten in Belgrad, der Gesandte in Athen, Georg Ghika, zum Gesandten in Kon— stantinopel und der Geschäftssecretär Obedenare in Rom zum Gesandten in Athen ernannt.
Egypten. Kairo, 2. Marz.„Reuters Bureau“ meldet: Die Ermächtigung des Khedive, die internationale Finanzeonvention zu unter— zeichnen, ist dem Unterstaatssecretär Blum Pascha zugegangen.
— 3. März. Die Truppen-Abtheilung Brackenbury's ist behufs allgemeiner Concen—
trirung der britischen Truppen nach Korti zurück— berufen worden.
Eine Depesche aus Panama meldet, daß die Revolu⸗
Amerika. New⸗PYork, 2. Maͤrz. tion in Columbia weiter um sich greife. In einem Gefecht in der Provinz Barranquilla seien Regierungstruppen geschlagen worden und hätten dieselben einen Verlust von 60 Todten, 200 Verwundeten und 300 Gefangenen erlitten.. Die Stadt Cartagena, die Basis der Opera—
tionen der Regierungstruppen, werde von 800
Aufständischen belagert.
Washington. Präsident Arthur hat den Seuat für den 4. d. M. zu einer außerordent⸗ lichen Session einberufen.
China. Shanghai, 2. März. Nach einer Meldung der„Agence Havas“ ist der Namfluß,
welcher nach Ningpo führt, blockirt worden. 1
Admiral Curbet bombardirt Chinhae, welches den Eingang des Flusses beherrscht.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Zu den gegenwärtig stattfündenden Abgangsprüfungen am hiesigen Schullehrerseminar er⸗ schienen diesmal außer dem Geh. Oberschulrath Greim, auch Oberconsistortalrath Dr. Köhler und Geh. Staats— rath Knorr von Darmstadt. Der Prüfung unterziehen sich 31 junge Leute. Der Schluß aetus findet Donnerstag den 5. März, Nachmittags 2 Uhr statt.
Frledberg. Unsere Taubstummenanstalt wurde in
dem eben zu Ende gegangenen Schuljahr von 69 Zög⸗ 1
lingen 34 Knaben, 35 Mädchen besucht, die in 31 Pflege⸗ häusern untergebracht sind. Von den Zöglingen sind aus Starkenburg 19, Oberhessen 28, Rheinhessen 15, Preußen 3, Waldeck 3, Birkenfeld 1; evangelisch 68, katholisch 2, israelitisch 4.
W. Bad⸗Nauheim. Die am verflossenen Sonntag Abend in den Räumen des„Deutschen Hofes“ von dem hies. Turnverein zum Besten eines Fahnenfonds ver⸗— anstaltete Abendunterhaltung war sehr zahlreich besucht und nahm einen in jeder Beziehung schönen Verlauf.
Allerlei.
Hanau, 3. März. Der Prozeß gegen den Tele⸗ graphisten Gutberlet ging heute zu Ende und wurde der Angeklagte wegen fahrlässiger Gefährdung eines Eisen⸗ babntransportes zu drei Jahren Gefängniß verurthellt. Im Urtheil wird Locomotlvführer Krämer, auf welchen der Angeklagte einen Theil der Schuld schleben wollte, für völlig unschuldig an der Katastrophe erklärt und Gutberlet als der allein Schuldige bezeichnet.
Köln, 2. März. Heute Mittag ist das Domhötel eingestürzt. Die Insassen konnten noch auf die Straße flüchten, indem sich der Einsturz durch vorhergehendes Schwanken und Krachen ankündigte. Das Haus sollte demnächst einem Neubau Platz machen, weßhalb bereits ein Anbau niedergelegt war.
Pest, 2. März. Der Abgeordnete Julius Verhovah wurde wegen Veruntreuung zu einer 1½ jährigen Kerker⸗ strafe und fünfjährigem Ehrverlust, Ludwig Verhovah zu zehnmonatlicher Kerkerstrafe und dreijährigem Ehr— verlust, außerdem beide noch zum Ersatze der veruntreuten Summe verurthellt.
London, 3. März. In der Kohlengrube Usworth bel Neweastle sind vergangene Nacht 26 Grubenarbelter durch schlagende Wetter getödtet worden.
Für die Verunglückten in Spanien sind bet der Expedition des Oberhess. Anzeigers weiter eingegangen: von Dr. Weckerling M. 3.
Bekanntmachung.
Forderungen und sonstige Ansprüche an den Nachlaß der Kathartne Sommerlad Wittwe von Nieder Wöllstadt sind binnen 8 Tagen dahier einzureichen, als sonst sie bei der bevorstehenden Erbvertheilung nicht be— rücksichtigt werden.
Friedberg am 26. Februar 1885.
Großherzogliches Amtsgericht Friedberg. Herzberger,
Hir
4-2 A* ll
839 Weber.
Verpachtung.
Montag den 9. d. Mts., Vormittags 11 Uhr, soll auf hlesigem Rathhause ein Theil der städtischen Pfingst⸗ welde, eirea 6500[OJMeter haltend, öffentlich melstbietend verpachtet werden.
Großherzogliche Bürgermeisteret Friedberg. Stein häußer.
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Faselochs-Versteigerung. Freitag den 6. März l. J., Nachmlttatzs 1 Uhr, soll ein der Gemeinde gehöriger, fetter Faselochs meistbletend dahler versteigert werden. 5 Beienheim den 3. März 1885. Großherzogliche Bürgermeisteret Beienheim. ein.
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Kautschukstempel unter Garantie empfehle zu Fabrikpreisen. f 709 Heinr. Diehl, Usagasse.
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