Es fanden sich Briefschaften vor, durch welche andere miteompromittirt wurden und gleichfalls verhaftet werden mußten. Den Anlaß bildeten zwei Firmen in Berlin und Hildesheim, die Naturallieferungen hatten. Es wird gehofft, daß nicht alle Verhaftete so schwer schuldig sein werden, indeß muß die Angelegenheit auf das Allerstrengste durchgeführt werden. Auf Ersuchen erklärte der Kriegsminister sich bereit, eine Selbst— mord⸗Statistik der Armee aufstellen zu lassen.
Kiel. S. M. Kreuzer„Nautilus“ hat zu Anfang November die Marschalls-Inseln unter deutsches Protectorat genommen. M Kreuzer-Corvette„Elisabeth“, Commandant Capi⸗ tän zur See Schering, ist am 28. Nov. c. in Kapstadt eingetroffen.
München, 30. Nov. Abgeordnetenkammer. Der Abg. Kopp brachte heute seinen in der Sitzung vom 12. November gestellten Antrag auf Kündigung des russisch-bayerischen Aus— lieferungsvertrags in veränderter Fassung ein. Am 3. Dezember findet eine Plenarberathung
hierüber statt. Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 30. Nov. Der„Ptesse“ und dem„Fremdenblatt“ zufolge waren die Erklärungen Khevenhuellers, welcher dem Füͤrsten von Bulgarien die Aufforderung zur Einstellung der Feindseligkeiten überbrachte, keine Drohung. Sie kündigten auch nicht den Einmarsch eines österreichischen Hilfscorps an. Khevenhueller führte nur aus, daß der Fürst von Bulgarien bei fortgesetzter Invasion öster— reichischen Truppen begegnen könnte, da Oester— reich einen völligen Umsturz der Ordnung auf dem Balkan nicht zugeben könne. Die Erklärung Khevenhüller's wurde den Kaisermächten erst 24 Stunden vor dem Antritt der diplomatischen Sendung notificirt.
— 1. Dec. Eine Meldung des„Pester Lloyd“ besagt, England sagte sich von allen Conferenzmächten los. Die Wiederherstellung des status quo ante sei dadurch fraglich und mit der Parole„Europäische Beherrschung der Complicationen“ sei es vorbei.
Spanien. Madrid, 30. Nov. Am Sonntag wurde die könialiche Leiche in feier— lichem Zuge nach dem Eskurial gebracht, wobei die Truppen Spalier bildeten. Den Zutz er— öffnete ein Artillerie-Corps, woran sich eine Militär⸗Musikcapelle, eine Deputation der In— fanterie, die Hofdienerschaft, 300 Hof-Edelleute mit schwarzen Armbinden, die Granden von Spanien, der Klerus mit dem Kardinal Bena— vides an der Spitze, anschlossen. Dann folgte der Leichenwagen, bestehend aus einer Glasurne, von acht reichgeschmückten Pferden gezogen. Zu beiden Seiten des Leichenwagens schritten die Adjutanten des verstorbenen Königs. Unmittelbar
hinter dem Sarge ging der Justizminister, so—
dann der Obersthofmeister Marquis v. Alcanices, der Erzbischof von Madrid nnd die königliche Leibgarde in Begleitung von Kavallerie. Hier— auf folgte in einem Hofwagen die Königin mit ihren beiden Töchtern, und mehr als zweitausend Wagen, in drei Reihen geordnet, beschlossen den Zug. Auf den Straßen, welcher der Trauer— zug passirte, waren gegen 200,000 Menschen versammelt. Die Balcons sämmtlicher Häuser waren schwarz drapirt.
— Es verlautet neuerdings, daß die Berufung der Cortes erst am 27. Dezember erfolgen solle.
— 29. Nov. Gleich im ersten Ministerrathe hat die neue Regierung beschlossen, den Be— lagerungszustand, welcher über die Provinzen unmittelbar nach dem Tode des Königs vor— sichtshalber verhängt wurde, wieder aufzuheben und die Cortes für den 27. Dezember einzu— berufen. Die Politik des Cabinets Sagasta wird eine versöhnliche sein; er ist jedoch ent— schlossen, gegen Unruhen irgend welcher Art mit der größten Energie einzuschreiten.— In der Provinz Lerida erschien eine bewaffnete Bande; dieselbe wurde von Bauern verfolgt und als— bald zerstreut. Man glaubt hier, daß die An— hänger Zorilla's obnmächtig seien, eine ernsthafte Erhebung zu Stande zu bringen. Die Carlisten sollen den Befehl erhalten haben, sich ruhig zu verhalten. Die einzige Gefahr ist bis jetzt die Eifersucht unter den Generalen.
Türkei. Konstantinopel, 30. Nov. Die „N. Fr. Pr.“ meldet von hier Derwisch Pascha gehe als Commissär der Pforte nach Sofia, um mit dem Fürsten Alexander zu unterhandeln— Aus London erfährt die„Presse“, die Conferenz werde auf unbestimmte Zeit vertagt, der Pforte werde die Freiheit ihres Handelns überlassen werden.
Serbien. Belgrad, 30. Nov. Die Rüstungen und Truppensendungen an die Grenze dauern fort. Serbien will erst abrüsten, wenn ein neuer Gouverneur für Ostrumelien, der aber nicht Fürst Alexander sein darf, ernannt ist. 30. Nov. Die„Presse“ erfährt aus Nisch, daß die Volksstimmung für Fortsetzung des Krieges sei. Serbien benützt die Waffen— ruhe zu neuen Rüstungen. Der Kriegsminister demissionirte, die anderen Minister demissioniren ebenfalls, wenn dem Waffenstillstand der Frie— densschluß folgt.
Bulgarien. Sofia, 30. Novbr. Fürst Alexander zeigte den Vertretern der Mächte noch am Sonntag Abend den abermaligen Angriff der Serben auf Widdin an und telegraphirte an den Grafen Khevenhueller, er halte sich seines Wortes entbunden, wenn die Feindseligkeiten serbischerseits nicht sosort aufhörten.
Griechenland. Athen, 1. Dez. Die Kammer ertheilte dem Minister-Präsidenten Delyannis mit 117 gegen 12 Stimmen ein Vertrauensvotum, nachdem dieser erklärt hatte,
daß er voraussichtlich noch ausgedehnterer Voll— machten bedürfe.
Rußland. Petersburg, 1. Dez. Es be⸗ reitet sich hier ein Umschwung zu Gunsten des Fürsten Alexander vor. Halboffiziös wird ver⸗ sichert, Rußland wende nichts Pifnzipielles gegen eine Bulgarenunion ein. Di üssischen Journale glauben, Khevenhueller habe ohne Einwilligung der anderen Mächte gehandelt. Man
fürchtet ein drohendes Skadiung, e, de e, d 1
Balkanereignisse treten könnten.
Amerika.
Zunahme der Staatsschuld.
Indien. Rangoon, 30. Nov. Eine amt⸗ liche Depesche von hier meldet: Der König von Birma sandte am 26. d. an die britische Flottille, dreißig Meilen von Mandaley entfernt, einen Parlamentär mit einem Schreiben, welches um einen Waffen-Stillstand nachsuchte. General Prendergast verlangte die Unterwerfung der birmanischen Armee und die Uebergabe Manda— leys. Der König bewilligte am folgenden Tage alle Forderungen. Die Ava-Forts ergaben sich mit 48 Kanonen, die Armee legte die Waffen nieder. General Prendergast beabsichtigte am 28. d. nach Mandaley zu gehen.
Aus Stadt und Land.
Vilbel, 1. Dezember. Der„V. A.“ schrelbt: Am Samstag wurde durch die hiesige Gendarmerie ein Frauen⸗ zimmer verhaftet, das sich unter Vorspiegelung gewisser Umstände bei einer Hebamme in Nieder-Eschbach einlogiert hatte, aber bald nachher unter Mitnahme eines Paar Stiefel wieder verschwand und bei einer hiesigen Hebamme dieselbe Manipulation machte. Da dasselbe auch in Kir⸗ torf eine goldene Uhr gestohlen haben soll, wurde es bis auf Weiteres im hiesigen Gefängniß untergebracht.— Gestern wurde in der Scheune eines hiesigen Einwohners eine Kindesleiche aufgefunden, welche dem Anscheine nach schon mehrere Tage gelegen hat. Dieselbe war in alte Lumpen eingehüllt und in einen Sack gestopft. Man ver⸗ muthet, daß ein Verbrechen vorliegt und wurde die Magd des Hauses bereits gefänglich eingezogen.
Mainz, 30. Nov. In der verflossenen Nacht machte der inhaftirte Mörder Herbst in seiner Zelle einen Selbst— mordversuch, indem er sich mittelst eines blechernen Löffels die Pulsader in dem Arm aufriß, um eine Verblukung herbeizuführen. Zum Glück wurde aber diese Absicht vereitelt, indem die Wärter noch rechtzeitig in die Zelle kamen, so daß Herbst noch gerettet werden konnte. Der Mörder befindet fich nun unter strenger Aufsicht, so daß er einen zweiten Selbstmordversuch nicht mehr unter— nehmen kann. Für die Schuld des Angeklagten spricht dieser Fall sehr schwerwiegend.
Jsraelitischer Gottesdienst in Friedberg. Sabbath- und Chanukafeier vom 5. Dezember. Beginn:
Freitag Abends 3 Uhr 50 Min. Samstag Morgens 8 Uhr 30 Min. Samstag Nachmittags 3 Uhr 30 Min. Sabbathaus gang 4 Uhr 50 Min. Wochengottesdtenst von Sonntag den 6. Dezember an Morgens 7 Uhr, Nachmittags 35 Uhr. 5 Dienstag den 8., sowie Mittwoch den 9. Dezember 1885: Neumond Thebet. Donnerstag den 10. Dez. 1885: Ende des Chanukafestes.
Bekanntmachung.
Die Ausführung der mit der Zusammenlegung der Grundstücke in den Fluren I1 bis ü der Gemarkung Assenheim verbundenen Erdarbeiten, veranschlagt zu 1600 Mark, soll Samstag den 5. d. Mts., Nachmittags 1 Uhr, an Ort und Stelle in Accord gegeben werden.
Zusammenkunft am Steinweg bei Assenheim.
Assenheim den 1. Dezember 1885.
Großherzogliche Bürgermeisterei Assenheim. 4177 Best.
An⸗ und Verkauf eines Fasel⸗Ebers.
Nächsten Montag den 7. Dezember, Nachmittags 1 Uhr, wird auf dem Rathhause der Gemeinde Stamm— heim ein zweijähriger, fehlerfreier(wofür garantirt wird), gut gehaltener und noch zur Zucht tauglscher Fasel-Eber, rein englischer Race, öffentlich meistbietend versteigert.
Zugleich beabsichtigt die Gemeinde einen ohngefähr „/ärigen Eber derselben Race anzukaufen. Besitzer dieser Thiere werden ersucht, dahier Anzeige zu machen.
Stammheim den 30. November 1885.
Großherzogliche Bürgermeisterei Stammheim.
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