Ausgabe 
2.6.1885
 
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Meyer ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den Einiger Deutschlands und den Wiederer wecker des deutschen Handwerks ausbrachte. Der Reichskanzler dankte auf's Herzlichste mit einem Hoch auf die alte Innung, welche ein heil bringend Wirken, Glück und Segen in das Handwerk hineintragen möge, und sprach sodann den Wunsch aus, daß die Ehre des alten Na mens den Heranwachsenden stets ein Vorbild bleibe. Es folgten hierauf erneute Hochrufe und defilirte der Zug sodann vor dem Reichs kanzler vorüber. 30. Mai. Der Kaiser hatte eine sehr gute Nacht und ist das Befinden recht zufriedenstellend.

Auf Grund der Ermaͤchtigung des Bun desraths setzte der Keichskanzler die Zolltara sätze für Kraftmehl, Puder, Stärke, Stärke gummi, Kleber, Arrowroot, Sago, Sagosurro gate, Tapioka auf 14% in Kisten, auf 9% in Fässern, und für Nudeln, Maccaroni auf 18% in Kisten fest.

Wie derHamb Corresp. mitzutheilen in der Lage ist, ist die Ernennung des Geh. Regierungsraths Dr. v. Eckardt zum General Consul in Tunis erfolgt.

Kissingen. Wie dieAugb. Abendztg. aus zuverlässiger Quelle erfährt, wird der Reichskanzler Fürst Bismarck in den nächsten Tagen zum Kurgebrauch dahier eintreffen und in der oberen Saline Wohnung nehmen. Be reits am 27. ist der Telegraphenapparat, der für die obere Saline bestimmt ist, eingetroffen und daselbst aufgestellt worden.

Ausland.

Belgien. Brüssel.Mouvement Geo graphique dementirt bestimmtest alle Nachrichten betreffs eines angeblichen Angriffs der Araber auf Stationen des Congostaates.

Frankreich. Paris, 30. Mai. Der Ministerrath ordnete heute Maßregeln zur Auf rechterhaltung der Ordnung bei dem Leichen begängnisse Victor Hugo's an. Die Entfaltung von an den Bürgerkrieg erinnernden Fahnen und Embleme wurde verboten.

30. Mai. Senat. Ravignan beantragt wegen der Entkirchlichung des Pautheons ein Tadelsvotum gegen die Regierung. Minister Goblet weist den Vorwurf zurück, daß durch die Rückgabe des Pantheous zu seiner ursprüng⸗ lichen Bestimmung die Gewissen verletzt würden und erklärt, daß die Regierung dabel nur dem Gefühle nachgab, welches sich allgemein geltend gemacht habe. Brun wirft der Regierung vor, daß sie die rothe Fahne dulde. Goblet erwiedert, die Regierung erkenne einzig die Tricolore an; das Leichenbegängniß Victor Hugo's werde keine revolutionäre, sondern eine nationale Kundgebung sein. Der Tadelsantrag Ravignan's wird mit 189 gegen 67 Stimmen abzelehnt. Die von Goblet verlangte einfache Tagesordnung wurde mit 192 gegen 78 Stimmen angenommen. Die Kammer genehmigte den Vertrag mit Cam bodscha und ertheilte debattelos der egyptischen Finanzcommission ihre Zustimmung.

Großbritannien. London, 30. Mai. Daily News erfährt aus bester Quelle, daß die Antwort Rußlands auf die Gegenvorschläge Englands betreffs der afghanischen Grenze in London eingetroffen ist. Die Antwort nimmt die Vorschläge an, löst mithin die ganze aftzha nische Grenzfrage thatsächlich in befriedigender Weise. In Folge dieser Verständigung verläßt Lessar demnächst London, um gemeinschaftlich mit der entlischen Commission in Bidgeway die Details der aftzhanischen Grenzlinie festzustellen.

Italien. Rom, 29. Mai. In der tech⸗ nischen Commission der Sanitätsconferenz wurde der Antrag des ersten österreichischen Delegirten genehmigt, wonach jedes Schiff, welches aus einem verdächtigen Hafen ausläuft und für Passagiertransport bestimmt ist, in entsprechen⸗ der Weise für Isolirung der Cholerakranken eingerichtet sein muß. Ebenso wurde der Antrag Proust, betr. die Art der Isolirung der Cholera

auf wurde der Antrag der Subcommission ver lesen, welche mit den zu treffenden Maßregeln beauftragt war. Nach diesem Antrage wird jedes aus dem äußersten Orient kommende Schiff elner ärztlichen Inspection bei seiner Ankunft im Rothen Meere und im Suezcanal unter worfen. Wenn das Schiff verseucht ist, werden die Passagiere ausgeschifft und einer fünftägigen Quarantaine unterzogen. Das Schiff muß des inficeirt, die Kranken müssen isolirt und einem Arzte übergeben werden. Die Commission be schloß die Fraze betreffs der Mekka-Pilger der genannten Subcommission zu überweisen, welche durch den zweiten indischen und türkischen Dele girten verstärkt wird. 30. Mai. Die tech nische Commission der Sanitätsconferenz lehnte mit 18 gegen 2 Stimmen den Antrag Englands ab, wonach englische Handels-, Post- u. Truppen⸗ transportschiffe, welche den Suez-Canal ohne Küstenberührung passiren, untersuchungsfrei sein sollen und nahm mit 16 gegen 4 Stimmen den von den russischen, deutschen und holländischen Delegirten modificirten Antrag Brouardel's an, wonach eine ärztliche Untersuchung aller aus inficirten Häfen des Rothen Meeres passirenden Schiffe verfügt wird. Die Sanitätsconferenz nahm mit 16 gegen 2 Stimmen(vier Ent haltungen) einen Antrag an, wonach Schiffe, welche im Rothen Meere keine Passagiere aus laden, nur einer einzigen Untersuchung im Suez Canal unterworfen sind, und ferner mit 17 gegen 2 Stimmen(vier Enthaltungen) den Antrag, wonach Schiffe, welche Passagiere für die Häfen des Rothen Meeres führen, der dop pelten Untersuchung in zwei Häfen unterliegen. Ferner wurde mit 18 gegen 2 Stimmen(zwei Enthaltungen) ein Antrag angenommen, wonach Reisende inficirter Schiffe beim Ausladen zu isoliren und einer Beobachtung zu unterziehen sind, sowie mit 13 gezen 9 Stimmen den An trag diesbezüglicher fünftägiger Beobachtung.

Rußland. Petersburg. Nach Meldung verschiedener Blätter ist dem Reichsrathe ein von der Pahlen-Commission entworfenes Regu latin für den Eintritt von Hebräern, welche ein Gymnasium absolvirt haben, in die Universität zugegangen, wofür Dringlichkeit beantragt wird.

Das Gesetzblatt veröffentlicht einen vom Kaiser sanctionirten Beschluß des Minister comités, wonach das Kronstadter Militärgouver niat bis zum 16. September einer verschärften Sicherheits⸗Aufsicht zu unterstellen sei.

Egypten. Kairo. Dem Vernehmen nach wird von den Zinscoupons der Domänenanleihe ein öproc. Abzug gemacht werden.

Es heißt, Osman Digma sammle seine An hänger und versuche, die den Engländern freundlich gesinnten Araber zu bewegen, sich ihm anzuschließen.

Ueber einen neuen großen Aufstand, der sich in den weiten Gebieten westlich von Alexandrien über Tripolis bis an die sudanesische Grenze vorzubereiten scheint, und der, wenn nicht rechtzeitig unterdrückt, größere Gefahren im Gefolge haͤtte, als selbst der Sudan'sche Aufstand, mit dem er parallel zu laufen bestimmt ist, wird derPolit. Corresp. aus Alexandrien vom 18. d. wie folgt berichtet: Es ist heute erwiesen, daß der ganze Küstenstrich längs der genannten Ge biete zur Vermittlung von Waffen und Munition an die Sudan'schen Insurgenten unbehelligt be nützt wurde. Erst vor einigen Tagen wurde einige Weg-Stunden westlich von Alexandrien ein Schooner entdeckt, welcher für den Sudan bestimmtes, in Fässern wohlverpacktes Pulver auslud. Er entkam dem ihn verfolgeuden Kästen wachkrenzer, nachdem die ausgeladenen Pulver fässer ins Meer geworfen worden waren. An gesichts dieses eclatauten Falles sind die von der Regierung sofort getroffenen Maßnahmen nur Paliativmittel, die keineswegs das Uebel mit der Wurzel auszurotten vermögen.

Aus Stadt und Land. W. Bad Nauheim, 1. Juni. Die Mitglieder des hiesigen Turnvereins sind berelts in voller Thätigkeit das nächsten Sonntag dahier stattfindende Volksturnfest

kranken an Bord einstimmig genehmigt. Hier

Das Fest wird der Hauptsache nach in folgender Weise verlaufen: Sonntag Nachmittag von 122 Uhr Samm- lung und Empfang der auswärtigen Turner auf dem Hartmann'schen Felsenkeller. 1 Uhr: Sitzung des Kampf⸗ gerichts daselbst. 2 Uhr: Abmarsch von da nach dem Festplatze. des Wettturnens, während desselben Turn⸗ und Volks⸗ spiele, sowie Tanzbelustigung. 6 Uhr: Preisverthellung. Geturnt wird Freihoch- und Freiweitsprung, Klimmen und Steinstoßen nach der mittelrheinischen Wettturn⸗ ordnung. Als Festmusik ist die hlesige an diesem Tage verstärkte Feuerwehrkapelle engagirt worden und wird gewiß nicht verfehlen, ihrem alten guten Ruf aufs neue Ehre zu machen. Der Festplatz besindet sich bekanntlich im Nauheimer Hochwald, die Wirthschaft in den Händen des Besitzers der jetzigen Waldwirthschaft. Hoffen wir auf gutes Wetter und unser Fest wird schön und würdig verlaufen.

m. Altenstadt, 24. Mai. Gestern Abend gegen 10 Uhr wurde in dem von der Bönstadt-Altenstädter Thaufsee durchschnittenen Walde, dicht an der Chaussee, ein ab scheuliches Verbrechen begangen. Zwei Hausirer, Mann und Frau, überfielen eine andere Haustrerin, schlugen sie meuchlings nieder und nahmen ihr ihr Geld und ihre Waaren ab. Um die Spuren des Verbrechens zu ver bergen, versetzten die Thäter der Frau noch zahlreiche Messerstlche, beraubten sie ihrer Oberkleider und ver⸗ bargen sie, als sie sie todt glaubten, unter Relsig im Walde. Später jedoch erholte sich die Mißhandelte und versuchte von dem Thatort fortzukriechen. So wurde sie später von Passanten aufgefunden und ihr Verbringen nach Friedberg in das Hospital veranlaßt. Der von der That benachrichtigte Altenstädter Gensdarm begab sich sofort auf die Verfolgung der Straßenräuber und nahm dieselben zwischen Ossenheim und Nieder-Florstadt gefangen. Durch die geraubten Waaren überführt, ge standen sie das Verbrechen sofort ein und wurden nach Altenstadt in das Gefängniß verbracht. Die mißhandelte Frau lebt noch, kommt auch wahrscheinlich davon, ist aber durch zahlreiche Wunden sehr geschwächt. Mögen die Verbrecher ihren Lohn finden und die höchste zulässige Strafe seiner Zeit vom Schwurgerichte erkannt werden.

Mainz, 30. Mai. Heute fand die Einweihung der Straßenbrücke statt. Der Großherzog, begleitet von dem Erbgroßherzog, den Prinzen Heinrich, Wilhelm und Alexander nebst Gefolge verließ um 11 Uhr das Palals. Auf der Brücke angekommen, begrüßte der Großherzog die Anwesenden und stellte sich dann zwischen den Pavillons auf. Ministertalrath Weber richtete hierauf eine Ansprache an den Großherzog und erbat sich die Erlaubniß, die Urkunde, welche in den Schlußstein ver⸗ senkt werden sollte, zu verlesen. Nachdem dies geschehen, wurde dieselbe in einer Kapsel verschlossen und von dem Großherzog in die Vertiefung des Schlußsteins gelegt. Mit dem bereit gehaltenen Mörtel wurde hierauf der Schlußstein von dem Großherzog bestrichen und derselbe alsdann verschlossen. Hierauf ergriff der Großherzog den Hammer mit den Worten:In dem Namen des dreieinigen Gottes! Gottes Segen möge auf dem Werke ruhen, die Stadt blühen, wachsen und gedeihen. Es ergriff nun der Erbgroßherzog den Hammer und schlug mit demselben dreimal auf den Stein, hierauf die Prinzen Heinrich, Wilhelm und Alexander. Nunmehr nahm Ministerpräsident Finger das Wort; er dankte, daß der Großherzog, der Förderer des Werkes, demselben die Ehre erzeigt habe, dasselbe seiner Bestimmung zu über⸗ geben und forderte die Anwesenden auf, auf S. könig⸗ liche Hoheit ein Hoch auszubringen, was unter Abspielung der Nationalhymne geschah. Oberbaurath Schäfer bat nun nm die Erlaubniß, dem Großherzog die Brücke zeigen zu dürfen. Unter Vorantritt des Großherzogs wurde alsdann dle Besichtigung der Brücke vorgenommen. Der Großherzog mit hohem Gefolge und die geladenen Säste gingen zu Fuß die Straßenbrücke entlang, um auf dem jenseitigen Ufer die bereit stehenden Equipagen zu be⸗ steigen und auf demselben Wege wieder zurück nach dem Großh. Palais zu fahren. Kaum hatten die Wagen das diesseitige Ufer erreicht, als die Barridre auf der Casteler Seite geöffnet wurde und sich ein nach Tausenden zählender Menschenstrom nach Mainz über die Brucke ergoß; in demselben Augenblick donnerten elne Anzahl Schüsse und unter dem Jubel der Menge wurde auf der Mainzer Seite ein mit einer blauweißen Fahne ge⸗ schmuͤcktes Brückenjoch der alten Schiffbrücke ausgefahren und dieselbe für immer für den Verkehr geschlossen. Nunmehr öffneten sich auch auf der Mainzer Seite der Straßenbrücke die Schranken und der Menschenstrom ergoß sich in einer ungeheuren Menge nach dem jenseitigen Ufer. Die neue Brücke war damit dem allgemeinen Verkehr übergeben.

Allerlei.

Hamburg. Der deutsche Protestanten-Verein tagte vom 27. bis 29. Mat zum ersten Male nach seinem Bestehen in hiesiger Stadt unter einer großen Betheiligung, circa 250 Theilnehmer.

Hagen, 26. Mai. Heute Morgen ist die dem Bahn⸗ hofe Werl gegenüberliegende Papierfabrik durch eine Kesselexplosion vollständig zertrümmert worden, hierauf in Brand gerathen und bis auf wenige Ueberreste zer⸗ stört. Leider sollen der Besitzer der Fabrik und 5 Arbekter verunglückt sein.

Verloosungen. Karlsruhe, 30. Mal. Serienzlehung der Badischen

des Gaues Hessen in einer Welse vorzubereiten, daß es

35 fl.⸗Loose: 6 398 667 841 1473 1525 1604 2067

nicht nur unserer Stadt zur Ehre gereichen, sondern auch alle aus wärtigen Festtheilnehmer befriedigen wird.

Nach Ankunft auf dem Fesiplaze: Beginn

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