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ae Hberhessischer Anzeiger.
142.
Deutsches Reich. Darmstadt. Das Regierungsblatt Nr. 33 enthaͤlt: Bekanntmachung, die Bundes-Kartell— Konvention vom 10. Februar 1831 betr.
— Der Oberamtsrichter Schnittspahn in Wald-Michelbach wurde zum Oberamtsrichter in Laubach, der Amtsrichter Küchler in Darmstadt wurde zum Landgerichtsrath bei dem Landgericht der Prov. Oberhessen, der Amtsrichter Weller in Offenbach zum Amtsrichter in Darmstadt, der Amtsrichter Berchelmann in Groß-Gerau zum Amtsrichter in Offenbach, der Amtmann Dr. Wagner in Schotten zum Amtmann in Oppenheim, der Regierungsassessor Braun von Darmstadt zum Amtmann in Lauterbach, der Polizeicommissär von Hombergk zu Vach in Darmstadt zum Amtmann in Schotten, der Regierungsassessor Eckhardt aus Darmstadt zum Sekretär bei dem Ober-Konsistorium ernannt.
— Militärdienstnachrichten. Dr. Schubert, Ass.⸗Arzt 1. Kl. vom 1. Gr. Drag.⸗Rgt. Nr. 23 wurde zum Stabs⸗Arzt im 8. Rhein. Inf.⸗Rgt. Nr. 70, Dr. Müller, Ass.⸗Arzt 1. Kl. vom 2. Gr. Drag.⸗Rgt. Nr. 24 zum Stabs-Arzt im 2. Bat. 7. Westfäl. Inf.⸗Rgts. Nr. 56 befördert; Dr. Eberle, Unter-Arzt der Res. vom 2. Bat. 4. Gr. Landwehr⸗Rgts. Nr. 118 zum Ass.-Arzt 2. Kl. der Res. befördert; Dr. Kleim, Ass.-Arzt 1. Kl. vom Juf.⸗Rgt. Nr. 97 zum 1. Gr. Drag.⸗Ngt. Nr. 23 versetzt.
Berlin, 27. Nov. Der Kaiser empfing heute Vormittag das Reichstagspräsidium in Audienz und Nachmittags den Grafen Herbert Bismarck zum Vortrag. Der Kronprinz empfing die Fürstin Bismarck.
27. Nov. Die Budgetcommission des Reichtags genehmigte heute den Reichsjustiz— Etat mit einem Abstrich von 4000 M., ferner die Etats des Statistischen Amtes, der Normal— Aichungs-Commission, des Reichsversicherungs— amtes und die einmaligen Ausgaben des Reichs— amtes des Innern unverändert. Die im Etat des Reichsamtes des Innern geforderten 100,000 M. für Unterstützung der deutschen Hochseefischerei wurden einstimmig genehmigt; ebenso die für die Unterstützung der deutschen Kunst auf aus— wärtigen Ausstellungen geforderten 20,000 M. Die für die Dampfer-Subvention verlangten 4,400,000 M. wurden unter der Voraussetzung bewilligt, daß die Regierung vor der dritten Lesung des Etats im Plenum eine Kürzung des Betrages beantrage, wenn sich übersehen läßt, daß die Fahrten der subventionirten Linien am 1. April 1886 nicht aufgenommen werden können
— 28. Nov. Der Statthalter von Elsaß— Lothringen, Fürst Hohenlohe, begab sich heute nach Madrid, um im Auftrag des Kaisers als Vertreter desselben der Beisetzung der Leiche des Königs Alfonso XII. beizupvohnen. In Be⸗ gleitung des Fürsten befinden sich der Hof— marschall v. Kanitz, sowie der Kammerjunker v. Schlippenbach.
— Dem Bundesrath ist eine Vorlage zu— gegangen, betr. die Abänderung des§. 137 des Gerichtsverfassungsgesetzes.
— 28. Nov. Reichstag. In Beantwortung der von dem Centrum beim Reichstage einge— brachten Interpellation, betreffend die Zulassung katholischer Missionäre in den deutschen Colonien, ührt der Reichskanzler aus: Die Beantwortung der Interpellation ergebe sich aus unserer Ge— setzgebung; die Regierung würde dem Gesetz zuwiderhandeln, wenn sie eine Ausnahme in den Colonien mache, es gäbe nicht einen Reichs— kanzler für Deutschland und einen andern für das, was der Vorredner Ausland nennt; er finde nicht im Katholicismus des Jesuitenthums die Gefahr, sondern in seinem Losgelöstsein von allem nationalen Wesen. Der Jesultismus habe sich losgesagt vom Nationalen; dieser Orden
fördere die Vaterlandslosigkeit, und darin er—
blicke er, der Kanzler, den wahren Grund, wes— halb der Jesuitismus bekaͤmpft werden müsse. Er, der Kanzler, denke nicht daran, die katho— lische Mission in den Colonien zu verbieten, die Könige von Bayern und Sachsen würden gewiß solchem nicht zustimmen. Die Genesis der Interpellation sei keine konfessionelle, sondern eine internationale. Zuerst sei er, der Kanzler, im Juli d. J. in Kissingen befragt worden; es han— delte sich um die Errichtung einer französischen Mission in Kamerun. Der Gouverneur berichtete hierüber, das auswärtige Amt machte Mittheilung an das Cultusministerium, von wo schließlich der Nachweis erbracht ward, daß die in Rede stehende Congregation ein französisches Organ sei und vor Jahren von der dortigen Regierung unterstützt worden sei. Schon damals sei die Erklärung erfolgt, daß einem aus Deutschland ausgewiesenen Orden keine Erlaubniß zur Er— richtung von Missionen in den deutschen Colonien gegeben werden könne. Die Reichsregierung habe sich strenge an das Gesetz gehalten und in diesem Sinne habe er als Kanzler am 26. October d. J. eine Instruction an den Botschafter in Paris ertheilt, in welcher unter Anderem gesagt ist, daß eine derartige Erlaubniß an Missionen gegeben werde, welche einen deutschen Charakter tragen, nicht aber an solche, welche wie die in Frage stehende Congregation, einen durchaus französischen Charakter besitze. Das deutsche Centrum verlange in seinem Partei— interesse, Deutschland solle französische Jesuiten in deutschen Gebieten zulassen. Auf Antrag Windhorst's findet eine Besprechung der In— terpellation statt.
— 28. Nov. Die columbianische Regierung hat ihre Einfuhrzölle abermals um 25 pCt. erhöht.
— Richter meldet in seinem Blatte, die Reichsregierung beabsichtige die Einführung eines Reichsmonopols für den Branntweinhandel.
Karlsruhe, 27. Nov. Der Herzog und die Herzogin von Nassau haben heute Baden verlassen und sich zu dauerndem Aufenthalt nach Schloß Königstein begeben.
— 28. Nov. Auch die erste Kammer be— willigte einstimmig das Steuerprovisorium mit dem Einkommensteuersatz von 2½ Procent.
Aus Stadt und Land.
k. Friedberg, 28. Nov. Nachdem an den Tagen vom 24.— 26. Nov. der Himmel trübe und so bedeckt war, daß eine Beobachtung des Sternschuppenfalles unmöglich erschten, hellte sich gestern gegen Abend der Himmel stellen— weise auf und gewährte ein ebenso überraschendes als großartiges Schauspiel. Um 6 Uhr zeigte sich bereits ein größeres hellleuchtendes Meteor, während am nörd lichen Himmel vereinzelte Sternschnuppen aufleuchteten. Die Erscheinungen nahmen immer rascher zu, bis um 8 Uhr etwa ein dichter Schwarm ununterbrochen er— schien. Die meisten Sternschnuppen waren in und um den großen Bären zu sehen; wir zählten mit der Uhr in der Hand innnerhalb dreier Minuten 103 Erscheinungen allein in der Nähe des genannten Sternbildes, darunter 7 gleichzeitig aufleuchtende. Später verdunkelte sich der nördliche Himmel, während es nach Osten zu hell wurde. Um 8½ Uhr etwa wurde eine größere, hell leuchtende Kugeln beobachtet und kurz nach 10 Uhr bewegte sich ein großer Schwarm Stenschnuppen, so dicht als ob es regnete— sie waren nicht mehr zu zählen— in der Richtung des Orion. Um 11 Uhr überzog sich der Himmel mit Windstreifen und Wolken und wurden hier— durch weltere Beobachtungen hierorts unmöglich.
h. Friedberg. Die Relhe der Vorträge, die auf Veranstaltung des Volks bildungs vereins in diesem Winter— semester in unserer Stadt gehalten werden, hat am letzten Freitag Pfarrer Rasch von Hopfgarten bei Alsfeld in rühmlicher Weise eröffnet. Der Gegenstand seines Vor— trags waren Reiseerlebnisse in Italten während einer sechsmonatlichen Reise, die Redner im vorigen Jahre nach genanntem Lande unternommen hatte. Zu dieser Reise, die von Pfarrer Rasch wenkger Vergnügens halber, als aus wissenschaftlichen Motiven unternommen wurde und der das klassische Land mit seinen, namentlich antiken Kunstschätzen und die Bewohner in ihrer Elgenart kennen lernen wollte, hatte dieser erst lange und umfangreiche Vorstudien, wie auch gründliche Nacharbeiten gemacht. So hat der Vortrag sich ausgezeichnet durch eine an— schaullche, geordnete Darstellung des für uns Interessan— testen und Verständlichsten. Dazu kam die schöne Aus—
drucksweise des Vortragenden. Aus der reichen Fülle seiner Anschauungen und Erfahrungen auf dieser Reise hat uns Redner speziell Neapel und den alten feurigen Brummer Vesuv vorgeführt. Wie schön und reizend Neapel ist und daß seine Bewohner selber davon ein volles Bewußtsein haben, beweist das Sprüchwort: „Neapel sehen und dann sterben!“ Der Vesuv, welcher seit dem römtischen Katser Titus, 79 n. Chr., dann und wann Feuer gespien, wurde uns nach seiner geschichtlichen und jetzigen Thätigkeit, wie auch nach Aus sehen und Einfluß auf Umgegend und namentlich Bewohner deut— lich und wirkungsvoll geschildert. Die Zuhörer im dicht— besetzten Rathhaussaale lohnten am Schlusse des Vor— trags dem Redner durch dankbare Beifallsbezeugungen und haben sicherlich mit uns den Wunsch, ihn im nächsten Jahre wieder, etwa über Rom, zu hören.
Friedberg. Eine für unsere Nachbarstadt Butzbach schwerschwiegende Nachricht finden wir in Darmstädter Blättern; es geht Butzbach geradeso, wie es uns seiner Zeit ging. Alle Agitation dagegen war machtlos und ohne Efolg. Aus militärischen Gründen ist die Aufgabe der Garnisonen Butzbach und Babenhausen nunmehr fest beschlossene Sache. Die dortselbst garnisonirenden zwei bezw. drei Escadrons Cavallerie werden nach Darmstadt verlegt und ist zu deren Unterbringung der Neubau eines Casernements für ein Regiment Cavallerie in Aussicht genommen, wofuͤr im Reichs⸗Militär-Etat für 1886/87 die Kosten approximativ mit 1,970,000 Mark eingestellt sind. Nach Fertigstellung dieses Casernements kommen die militärfiskalischen Garnison⸗Anstalten in Butzbach und Babenhausen, taxirt zu 46,960 Mark beziehungsweise 55,371 Mark für Rechnung des Reiches zum Verkauf.
2 Friedberg. Wie wir von zuständiger Seite er⸗ fahren haben, beabsichtigt der hiesige Gesangverein Froh⸗ sinn am Sonntag nach Weihnachten(27. Dezbr.) zum Besten des neu gegründeten und sich allgemeiner Beliebtheit erfreuenden Stadtkirche-Bauvereins ein Concert(Instrumentalmusik und Gesangsstücke) unter Beifügung einiger lebenden Bilder und eines Theater stückes im Trapp'schen Saale aufzuführen. Wir wün⸗ schen diesem Unternehmen den besten Erfolg und hoffen, daß das hiesige und das benachbarte auswärtige Publi— eum in Anbetracht des guten und edlen Zweckes, durch recht zahlreichen Besuch zum Gedeihen der unternommenen Sache, auch nach der finanziellen Seite hin, nach Kräften beitragen werde.
Allerlei.
Ems, 27. Nov. Heute Abend wurden in Fachbach bel Ems zwei aus dem Zuchthaus in Diez entsprungene Sträflinge, von welchen der eine aus Bornheim gebürtig ist, wieder eingefangen. Bei ihrer Verhaftung trugen sie schwere Eisenstangen und betrachteten sie sich eben das vom Dorfe etwas abgelegene Schulhaus des Ortes. Seit Morgens früh war man ihnen von Niederlahnstein aus auf der Spur, doch konnte man sie erst hier am Abend mit Hilfe mehrerer Leute einfangen. Der größere von beiden Sträflingen war völlig entkräftet und soll er nur noch 14 Monate zu sitzen haben. Beide Gefangene wurden nach Niederlahnstein gebracht und werden morgen nach Diez übergeführt. Auch der Mörder Braun ist entsprungen und bei Pfaffendorf am Rhein gesehen worden. Von Coblenz aus ist eine ansehnliche Polizei— macht zu seiner Wiedereinfangung aufgeboten worden.
Staßfurt, 24. Nov. In Leopoldshall sollen die muthmaßlichen Mörder der Wittwe Päpke in Berlin festgenommen worden sein. Die Verhafteten sind schon nach Berlin gebracht worden.
London. Nach einem Berichte des Handelsamtes haben vom 30. Juni 1884 bis zum 30. Juni 1885 an den Küsten des Vereinigten Königreichs 3647 Schiffbrüche, Schiffsunfälle und Schiffszusammenstöße stattgefunden, d. h. 7 weniger als im vorhergehenden Jahre. Bei diesen Schiffsunfällen kamen 661 Menschen um. Die Abnahme in der Zahl der Schiffbrüche ist theilweise dem Umstande zuzuschreiben, daß weniger Schiffe an den britischen Küsten verkehrten.
Handel und Verkehr.
Gießen, 28. Nov. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 1.10— 0.00, Eter 2 St. 15-16 Pf N Käse per St. 5— 9 Pf., Tauben per Paar M. 0.50 0.60, Hühner per Stück M. 0.90— 1.40, Hahnen per Stück M. 0.85— 1.20, Enten per Stück M. 1.40— 1.80, Ochsenfleisch per Pfund 62—64 Pf., Kuh- und Rind⸗ fleisch 54—56 Pf., Schweinefleisch 50—60 Pf., Hammel⸗ fleisch 56—64 Pf., Kalbfleisch 48—50 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3.00, Zwiebeln per Ctr. M. 5.00, Weiß⸗ kraut per Stück 4—6 Pf.
Schiffsbewegung der Postdampfschiffe der Hamburg⸗ Amerikanischen Packetfahrtactiengesellschaft.„Rhenanta“, 16. Nov. von St. Thomas nach Hamburg;„Hammonia“, 5. Nov. von New⸗Vork, 16. Nov. in Hamburg ange— kommen;„Rugla“, 18. Nov. von Hamburg nach New Vork;„Gellert“, 19. Nov. von New⸗Nork nach Hamburg; „Teutonia“, 3. Nov. von Hamburg nach Mexiko, 23. Nov. in St. Thomas angekommen;„Suevia“, 12. Nov. von New Vork, 24. Nov. in Hamburg angekommen;„Alle— mannta“, 25. Nov. von St. Thomas nach Hamburg; „Thuringia“, 25. Nov. von Hamburg nach Westindlen; „Bohemta“, 11. Nov. von Hamburg, 25. Nov. in New— Vork angekommen.


