im Lager von Omdurman concentrirte Heer, mit welchem der Mahdi nach Egypten vordringen wollte, ernannt wurde. Sein voller Name lautet: Abdullah Selim Ibn Ismail, während sein Titel wie bisher lautet: Sar-Asker (Generalissimus). Dadurch, daß er gleich nach dem Tode seines Oheims den Titel Khalif (Stellvertreter, Statthalter) angenommen hat, scheint er nun seine Absicht kundgegeben zu haben, daß er nicht geneigt sei, als bloßes religiöses Oberhaupt der Gläubigen aufzutreten, sondern daß er sich zugleich auch als deren weltliches Oberhaupt betrachte. Mahomed Achmed scheint, da sein Tod angeblich am 29. Juni, also noch während des Ramazanfestes, erfolgt ist, im Lager von Omdurman(bei Khartum) gestorben zu sein, da er dasselbe erst nach der genannten Fastenzeit verlassen wollte, um seinen Zug nach Egypten anzutreten. Und in der That haben arabische Blätter schon vor längerer Zeit ge— meldet, daß im Lager von Omdurman die Blattern grassiren. Mahomed Achmed hinter— läßt zwei Söhne, von denen der ältere, Ismail,
erst im vierzehnten Lebensjahre steht, und mehrere Töchter. Amerika. New-Vork. Die Beerdigung
Grant's findet auf Wunsch der Familie nicht im Central-Park, sondern im Riverside-Park am Hudson⸗- Ufer statt.
Aus Stadt und Land.
H. Friedberg. Auf die von den Gemeinden Mel⸗ bach, Södel und Wölfersheim eingereichte Eingabe um Einstellung einer fahrenden Landpost nach jenen Orten hat die kaiserliche Ober-Postdirektion Darmstadt dieser Tage erwiedert, daß für das Etatsjahr 1885/86 diese Ein— richtung nicht mehr getroffen werden könne, hingegen die zuständige Behörde bemüht bleibe, jenes Bedürfniß zu prüfen und alsdann weiter hierüber zu bestimmen. Wir unsererseits sind schon längst von der Nothwendigkeit dieser Einrichtung überzeugt, zumal die ganze Umgegend mit diesem Verbindungsmittel versehen ist. Hoffen wir daher, daß auch die kaiserliche Ober Postdirektion in unserem Sinne entscheiden möge.
„„ Friedberg. Sicherem Vernehmen nach ist dem hicsigen Stadtvorstande auf das an den Staatsseeretär des Reichspostamts in Berlin gerichtete Gesuch wegen Belassung des Postamts in dem seitherigen Gebäude bereits abschlägiger Bescheid zugegangen. Nach noch maliger eingehender Prüfung und Erörterung der schweben— den Frage sind die Bedenken, welche Seitens des Stadt— vorstandes gegen die in Aussicht genommene Verlegung des Postamts nach dem Klosterkasernen-Grundstück geltend gemacht wurden, von der obersten Postbehörde als be gründet nicht anerkannt worden.
J. Fried berg, 30. Juli. Heute Nachmittag ging ein in eine Fauerbacher Milchkutsche eingespanntes Pferd mit der Milchkutsche durch. Es lief im vollen Trabe von dem Hause des Metzger Reichenberg in einem Bogen nach rechts am Hötel Trapp vorbei durch die Wolfen gasse nach der Stadtkirche zu. An einem Eckstein der Stadtkirche strauchelte das Pferd und brach das rechte Hinterbein. Der Knecht, welcher nebenher lief, um es womöglich noch aufzuhalten, blieb unversehrt.
Weisenau, 28. Juli. Manche Leute scheinen auch für die eindringlichsten Warnungen vollständig taub zu sein. Trotzdem erst vor wenigen Tagen in Mainz ein Dienstmädchen auf schreckliche Weise das Opfer seines Leichtsinns geworden, indem es Petroleum auf das Herd— feuer goß, ist hier doch schon wieder ein solcher Fall vor— gekommen. Das betreffende Mädchen stand im Nu in Flammen, indem die Flasche, aus der sie das Petroleum aufgoß, explodirte; schnelle Hilfe, die zur Hand war, vermochte zwar den Brand rasch zu ersticken, doch hat die Unglückliche bedeutende Brandwunden dawengetrogen und liegt nun im Hospital auf dem Schmerzenslager.
Schönberg, 26. Juli. In einem hiesigen Hühner⸗ hof wurde heute Mittag ein eigenthümliches Geschrei, von einem Vogel herrührend, vernommen, während sich die!
Hühner schüchtern flüchteten. Man eilte herzu und sah, wie der Hahn auf einem ziemlich großen Weih saß und denselben mit dem Schnabel bearbeitete. Als der Raub— vogel das Herannahen von Menschen gewahr wurde, ließ er das bereits ergriffene Huhn fahren und entwand sich mit Gewalt seinem Gegner. Jedenfalls hat der Hahn die Gefahr seines Schutzbefohlenen rechtzeitig bemerkt und demselben seinen Schutz in hohem Maße zu Theil werden lassen. Nach Verjagung des Räubers zing er mit siegesfrohen Bewegungen auf und ab.
Allerlei.
Dresden. 1200 Mark Belohnung sind, wie seitens des königl. Landrathamtes in Delitzsch mitgetheilt wird, auf die Ermittelung eines Raubmörders ausgesetzt worden, der am 27. v. M. den Rittergutsbesitzer Nitze aus Brodau in der Nähe dieses Ortes erschossen und beraubt hat. Soweit bisher ermittelt worden, sind folgende Gegen— stände dem Ermordeten geraubt worden: ein Juchtenleder— Portemonnaie mit etwa 60 M. Inhalt, eine silberne Cylinderuhr mit glattem Goldrand und einer schwer goldenen, kurzen Panzerkette. Dicht über dem Charnier ist die allerdings nur mit einem Vergrößerungsglase erkennbare Nummer 10,362 eingekratzt.
London, 28. Juli. Der bekannte Philantrop Sir Moses Montefiore ist heute im Alter von 101 Jahren gestorben.
Eingesandt.
— Friedberg. Die saure Gurkenzeit scheint auch hier ihre Herrschaft nicht verleugnen zu wollen, wenigstens läßt sich in dem„Eingesandt“ in der vorigen Nummer Ihres geschätzten Blattes ihre Wirkung nicht verkennen. Ist es doch geradezu lächerlich, die Frage des Postge— bäudes mit dem Gras auf der Kasserstraße zu verquicken. Mit demselben Rechte könnte man das demnächst zu er— bauende Schlachthaus damit in Verbindung bringen. Die Postfrage ist übrigens genügend erörtert, nur möge hier noch die Bemerkung Platz finden, daß die Eingabe an den Staatsseeretär des Reichspostamts zwet hundert Unterschriften aus den hervorragendsten Kreisen der Stadt trägt. Kommen wir nun zum Freiheitsgras! Unsere Viehmärkte werden bekanntlich auf unserer breiten Kaiserstraße seit undenklichen Zeiten abgehalten, eine Verlegung anßerhalb der Stadt würde große Schädig— ungen in unseren Geschäftsverhältnissen zur unmittelbaren Folge haben. Zählt ja doch die Menge des aufgetrie— benen Viehes nach Tausenden. Während des Marktes werden diese Thiere selbstverständlich auch gefüttert. Nun besteht die Nahrung der Schweine, wenigstens wie sie ihnen auf dem hiesigen Markte gegeben wird, aus Körnern. Das vorgeworfene Futter wird indeß nicht gänzlich auf— gesucht, und infolge dessen entsteht rasch ein üppiger Pflanzenwuchs. Man verlangt nun von den Bewohnern der Kaiserstraße zu beiden Seiten, daß dieselben die Straße bis zur Fahrbahn stets rein halten sollen. Uns erscheint es aber böchst ungerecht, jenen Bewohnern die Reinigung solcher Flächen zuzumuthen, zumal ja bekannter— maßen die Stadt für die zu Markt kommenden Schweine ein nicht unbedeutendes Standgeld empfängt. So wurden im Jahre 1884 für etwa 12000 Schweine nach Abzug der Erhebungskosten 280 M. vereinnahmt. Unserer Auf— fassung nach ist aus obigem Grunde die Stadt verpflichtet, die Straße bis zum Trottolr reinigen zu lassen. Daher hatte die verehrl. Redaction vollständig Recht, als sie dem Einsender in voriger Nummer des Anzeigers den Vorwurf machte, daß er sich nicht gleich an die richtige Schmiede, den Stadtvorstand, gewandt habe. Ihr aber, Ihr Bewohner der Kaiserstraße, richtet eine diesbezüg— liche Eingabe an die Stadtväter. Der Erfolg wird sich bald zeigen.
Handel und Verkehr.
Butzbach, 28. Juli. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 0.95, Käse per Pfund 45—46 Pf., Eier 1 Stück 5 Pf.
Frankfurt, 29. Juli. Wochenmarkt. Es kostete das Malter rothe Kartoffeln M. 5.—5.50, gelbe M. 8., das Gescheid 14 Pf., der Centner Bohnen M. 8.—12., das Pfund 12— 20 Pf., Wachsbohnen 15— 25 Pf., Viertelhundert neue Zwiebeln 40— 60 Pf., Einmach— gurken das Hundert M. 1.50— 2.60, Salatgurken das Stück 10—30 Pf., das Hundert Meerrettig 20 M., das Stück 25— 30 Pf., Spinat 20 30 Pf., Kopfsalat 3 bis 5 Pf., Eskarol 5— 6 Pf., Wirsing und Weißkraut 15 bis 25 Pf., Rothkraut 20—30 Pf., Carotten 5—8 Pf.,
Gelberüben 3—5 Pf., Erbsen 20 Pf., Zuckerschoten 12 bis 15 Pf., Romainsalat 50 Pf., Mäuschenkartoffel das
Gescheid 3040 Pf., der Ctr. Zwiebel M. 8, das Ge-
scheid 30 Pf. Trauben das Pfd. M. 1 1.20, Aprikosen 15— 30 Pf., Melonen 60 Pf., Pfirsische 80 Pf., Jo- hannistrauben Heidelbeeren der Liter 810 Pf., Walderdbeeren der
15 20 Pf., Himbeeren 20—30 Pf., 4
Liter 5060 Pf., grüne Nüsse das Hundert 50—60 Pf.
Butter im Großen 95 Pf. bis M. 1 das Pfd., im Detail M. 1.10— 1.30. Eier das Hundert M. 5— 6, Ente M. 2.50—3, Taube 60— 70 Pf., Gans M. 5—9, Poularde M. 2.50 3, Hahn M. 1.502, Huhn M. 1.80
bis 2.50, Rehwild M. 1.20— 1.50 das Pfd. Fleisch⸗ preise unverändert. Frankfurt, 30. Inli. Fruchtmarkt. Hiesizes
Weizenmehl Nr. 0 M. 33-34, Nr. 1 M. 27.50-28.50, Nr 2 M. 2627, Nr. 3 M. 24— 25, Nr. 4 M. 17.50 bis 18.50, Nr. 5 M. 16.50-17.50. Milchbrod- und Brodmehl im Verband M. 52.50-54.50, Roggenmehl 0/1 M. 20— 21 ab Berlin gefordert, Null allein M. 1.50 darüber, schwarze Sorten nominell. Futterstoffe ruhig. Roggenkleie M. 5— 5.25, Welzenkleie M. 4.25 4.50. Rüböl im Detail M. 52—53.
Die Versender von Post-Packeten nach Spanien werden gut thun, auf die vollständige und ordnungsmäßige Abfassung der Zoll Inhaltserklärungen, welche den Packeten beizugeben sind, besondere Sorgfalt zu verwenden. Die spanischen Zollbehörden gehen sehr streng bei der Revision zu Werke und nehmen aus einer Unvollständigkeit oder Mangelhaftigkeit der Zoll-Inhalts— erklärungen Anlaß, die Sendungen zurückzuweisen, wo— nächst letztere dann nach dem Aufgabeort, mit Porto belastet, zurückgehen müssen. Dies geschieht beispiels— weise schon, wenn die Angaben in den Zollinhalts⸗ erklärungen nicht mit Tinte und gut leserlich geschrieben sind, oder wenn daselbst außer dem Rohgewicht der Sendung nicht auch das Reingewicht jeder in dem Packet enthaltenen Waarengattung verzeichnet ist. Den Absendern ist daher Achtsamkett anzurathen, wenn sie nicht um ge— ringer, leicht zu vermetldender Mängel willen sich Weiter— ungen und Portounkosten aussetzen wollen.
Literarisches.
Man sagt nicht zu viel, wenn man behauptet, daß der bekannte„Große Volkskalender des Lahrer Hinkenden Boten“ an Gediegenheit und Mannigfaltigkeit des In— halts wie der Ausstattung allen anderen Literatur-Er— zeugnissen gleicher Art siegreich die Spitze bietet. Das beweist wiederum der soeben erschienene Jahrgang 1886. In praktischer Weise ist das übersichtlich zusammengestellte und mit Notizen und Sprüchen versehene Kalendarium mit gutem Schreibpapier durchschossen, so daß neben jedem Monat etwaige Bemerkungen an passender Stelle ver— zeichnet werden können. Der unterhaltende und be— lehrende Theil, reich an vortrefflichen Illustrationen namhafter Künstler, bietet eine überschwengliche Fülle des Guten und Schönen und zwar alles Momente, die aus dem tiefen und ursprünglichen Borne des Volks—⸗ lebens geschöpft sind und nun in jener, nur dem„Lahrer Hinkenden“ eigenen, echt volksthümlichen Weise dargestellt werden, deren Ton so sehr zum Herzen dringt und das Gemüth ergreift und fesselt. Eine Empfehlung des Buches ist eigentlich überflüssig, da es sich schon längst durch seine Gediegenheit zur Lieblingslektüre in ganz Deutschland und weit darüber hinaus zu machen ver— standen hat. Dabei kostet es nur M. 1.—.
Wasserwärme der Usa. 30. Jult Abends 15 Grad Reaumur. 31. Juli Mittags 16 Grad Reaumur. Walter.
Kirchliche Anzeigen für Friedberg Ebangelische Gemeinde. 9. Sonntag nach Trinitatis. Pfarramtswoche Herr Pfarrer Meyer. Gottesdienst in der Stadtkirche. Nachmittags 1½ Uhr: Herr Pfarrer Dr. Köstlin. Gottesdienst in der Burgkirche. Vormittags 9 Uhr: Herr Kirchenrath Baur.
Ratholische Gemeinde. Samstag 5 Uhr: Beicht. Sonntag /7 Uhr: Austheilung der heil. Communion. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2 Uhr: Christenlehre und Andacht.
Mobiliar-Versteigerung in Bad⸗ Nauheim.
Die nachstehenden, der Frau Joh. Baptist Hoffmann Wittwe dahier gehörigen Mobllien werden Montag den 3. August l. J., von Vormittags 8 Uhr ab, im Hause Johannisstraße Nr. 204 wegzugshalber öffentlich meist- bietend versteigert und zwar:
2 Betten, Tische, Stühle, 3 Schränke, 1 Commode— 1 Waschlisch, 1 Nachttisch, sowte sämmtliche Haus, und Küchengeräthschaften.
Bad⸗Nauheim den 29. Juli 1885.
Großherzogliches Ortsgericht Bad-Nauheim.
2670 g Wörner.* 5 Chocolade Wagner, Mainz,
empfohlen von 75
Ph. Dan. Kümmich.
Arbeits-Vergebung.
Mittwoch den 5. August l. J., Nachmittags um 4 Uhr, sollen nachstehend verzeichnete Arbeiten in der Gastwirth— schaft des Herrn Grünewald zu Ober-Florstadt
öffentlich vergeben werden: M. Pf. Maurerarbeit, veranschlagt zu 60— Dachdeckerarbeit 15— Schreinerarbeit 36— Spenglerarbett 15— Weißbinderarbeit 24— Erdarbeit 12— Brechen von Chaussirsteinen 22 50 Anfahren von Chaussirsteinen 22 50 Zerschlagen von Chaussirsteinen 45—
Friedberg den 31. Juli 1885. Zörb II., 2676 Bezirks-Bauaufseher.
Herrenkragen„ nere
Versteigerung.
Dienstag den 4. August, Nachmittags 2 Uhr,
werden vor der Fendt schen Scheuer zu
Erlenbach
2 Pferde
1 Oekonomiewagen
1 Dickwurzmühle und
verschiedenes noch gut erhaltenes Hausmobiliar zwangsweise gegen Baarzahlung versteigert.
Die Versteigerung findet bestimmt statt.
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O ber⸗
orn, Gerichts vollzieher in Vilbel.
P. Theis,
2600 vormals G. Haustädt.
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