Ausgabe 
31.1.1884
 
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28. Jan. angeblich Brüllmeyer Florisdorfer Pappendeckelfabrik beschäftigt, ist unter dem Verdachte der Mütwissenschaft des an Blöch begangenen Mordes gestern auf dem Südbahnhofe verhaftet worden. Brüllmeyer war am Thatorte gesehen worden, als der Mord ver übt wurde. Bei der polizeilichen Vernehmung stellte sich, wie verlautet, jedoch alsbald die Schuldlosigkeit desselben heraus.

29. Jan. Ein heute Abend abgehaltener Ministerrath unter dem Vorsitz des Kaisers hat die unverzügliche Verhängung des Ausnahme- zustandes über Wien beschlossen.

Pest, 29. Jan. Die liberale Partei des Reichstags beschloß, das Mischehengesetz von der Tagesordnung durch Protokollbeschluß abzusetzen und die Regierung aufzufordern, eine die Ehefrage regelnde Vorlage einzubringen. Bezüglich sei ner Wiener Reise theilte Tisza mit, daß er nebst der kroatischen Angelegenheit über das Mischehe gesetz und die Lage dem Monarchen berichtete und von demselben ermächtigt wurde, zu erklären, daß das Cabinet sein vollstes Vertrauen besitze.

Schweiz. Bern, 29. Jan. Die gestern im Canton Aargau stattgehabten Wahlen zum Verfassungsrath sind in der Mehrheit conser vativ ausgefallen.

Dänemark. Kopenhagen. Der König wird an den im Frühjahre am großherzoglich badischen Hofe stattfindenden Familienfesten Theil nehmen und dann in Wiesbaden wieder die Kur ge brauchen, zu welchem Ende die Wohnung dort bereits gemiethet ist.

Frankreich. Paris, 28. Jan. In der Kammer erklärte Ferry, er erkenne die Schwere der in Paris herrschenden Krisis an. Zu den Ursachen der Pariser Krisis gehöre die über triebene Lohnsteigerung, welche der Concurrenz des Auslandes Thür und Thor öffne. Frank reich könne seine Grenzen nicht abschließen, es exportire an fabricirten Artikeln für 1200 Million mehr, als es importire; es sei unmöglich, die ausländischen Arbeiter auszuschließen, weil auch französische Arbeiter im Auslande sind. 29. Jan. Die Kammer genehmigte das außer ordentliche Budget mit den Modfficationen des Senates, ausgenommen den vom Senate wieder hergestellten Credit von drei Million Fraucs für die Fortsetzung der Bahnarbeiten am oberen Senegal, welcher in einer Sondervorlage neu beantragt werden soll. Der Senat nahm ein stimmig das außerordentliche Budget definitiv au und glaubt, die Emission der neuen Anleihe vor dem 10. Februar bewerkstelligen zu können.

Spanien. Madrid, 29. Jan. Das Mi nisterium beschloß, alle Bankets anläßlich des Jahrestags der Einführung der republikanischen Verfassung zu verbieten.

Montenegro. Cettinje. Die Bewohner der Bezirke von Gusinje und Plava sind ent schieden gegen die Grenzregulirung und gegen ihre Abtretung an Montenegro. Zehn türkische Bataillone sind von Kossovo nach Berane ab marschirt. Die von verschiedenen Blättern ge brachte Nachricht, die montenegrinische Regier ung treffe militärische Vorkehrungen an der Grenze gegen Albanien, ist anderem Vernehmen nach unbegründet.

Rußland. Petersburg. Jun Charkow hob die Polizei am 23. d. ein ganzes Nest von So cialisten auf, verhaftete die meisten derselben und beschlagnahmte mehrere wichtige Schriftstücke.

Egypten. Kairo, 28. Jan. General Gordon und der neue Sultan von Darfur traten am Samstag Abend die Reise nach Khartum an. Gordon wurden 100,000 Lstrl. zur Verfügung gestellt, wovon er alsbald 40,000 Estrl. baar ausgezahlt erhielt.

Khartum, 25. Jan. Ein Versuch, durch von hier ausgesandte Dampfer die Pontonbrücke über den blauen Nil zu zerstören, ist wegen des seich ten Wasserstandes mißlungen. Die Rebellen griffen die Dampfer an, wurden aber nach hef tigem Kampfe mit starkem Verlust zurückgeschla

gen. Der Gouverneur von Dongola meldete

Ein socialistischer Agitator, aus Berber, daß gestern vier Abgeordnete des heißend, zuletzt in der mächtigen Bischarinstammes in Berber erschienen

seien und ihre Unterwerfung angeboten, sowie die Erlaubniß erbeten hätten, behufs Einkäufen Berber betreten zu dürfen. Dieselben hätten sich verpflichtet, den Karavanen und Händlern in ihrem gesammten Gebiete freien Verkehr zu ge statten. Der Gouverneur fügt hinzu, die Unter werfung der Bischarius habe den Muth der Bevölkerung gehoben; er hoffe, daß andere Stämme dem Beispiele folgen wurden.

Aus Stadt und Land.

w. Bad-Nauheim. Mit Freuden wurde der von dem Landtagsabgeordneten v. Rabenau in der 2. Kammer eingebrachte Antrag auf Errichtung einer Landeseredit kasse mit Amortisalion nach Art des in Kurhessen be stehenden Instituts von der hiesigen Einwohnerschaft auf genommen. Wie segensreich dieses Institut in dem früheren Kurhessen wirkte und wie sehr dasselbe bei dem Uebergang der hiesigen Stadt an das Großherzogthum Hessen im Jahre 1866 vermißt wurde, davon weiß Nau heim aus eigener Erfahrung zu reden. Der neue Stadt theil, die sog. Kurstadt, und auch viele Häuser der Alt⸗ stadt haben ihre Entstehung diesem volkswirthschaftlichen Institute zu verdanken. Die meisten noch zur kurhessischen Zeit hergestellten Gebäude, welche mitunter von ganz unbemittelten Leuten mit Hülfe der Landes-Creditkasse gebaut wurden, werden in Folge der günstigen Gelegen heit, mit der jährlichen Entrichtung von 6% des auf genommenen Kapitals auch einen Theil der Schuld mit den Zinsen abzutragen, in wenigen Jahren schuldenfrei dastehen und die Besitzer derselben werden alsdann die Genugthuung haben, als Resultat ihres Fleißes und ihrer Sparsamkeit, wozu sie gleichsam durch dieses Insti tut gezwungen waren, sich ohne bedeutende pecuniäre Anstrengung ein Vermögen erworben zu haben. Hierzu ist noch zu bemerken, daß, um der Sparsamkeit keine Grenzen zu ziehen, auch Stückzahlungen des Kapitals angenommen wurden. Der Zinsfuß betrug im Jahr 1858 % und der Kapitalabtrag 1%, im Jahr 1871 stieg der Zinsfuß auf 50%, der Kapitalabtrag blieb dagegen auf gleicher Höhe stehen und eben beträgt der Zinsfuß 4½0/ und der Kapitalabtrag%. In seiner letzten Sitzung beschloß der hiesige Gemeinderath, den Abge⸗ ordneten des Bezirks, Gutsbesitzer Weith in Nieder Wöllstadt zu ersuchen, diesem außerordentlich wichtigen Antrag nicht nur im Interesse der hiesigen localen Ver hältnisse, sondern auch, weil derselbe für das ganze Land von weitgehender Bedeutung ist, bet den landstän dischen Verhandlungen die größte Unterstützung ange deihen zu lassen.

Allerlei.

Göttingen, 28. Januar. Der bekannte Professor Dr. Klinkerfues erschoß sich heute auf der hiesigen Sternwarte.

Berlin, 28. Januar. Die Bestattung der Leiche Lasker's fand heute statt. Die festlich erleuchtete und würdevoll geschmückte Synagoge war vollständig gefüllt. Nach Chorgesang und Orgelbegleitung hielt Oberrabbiner Frankl die Trauerrede. Derselbe entwarf ein Lebensbild Lasker's und dankte den Bürgern der Vereinigten Staaten für die gastliche Aufnahme der Vertreter des deutschen Volkes. Nach abermaligem Gesange widmete Dr. Fried rich Kapp dem Verstorbenen einen längeren Nachruf Namens seiner Partei, und legte einen Kranz am Sarge nieder. Sodann bewegte sich der Zug nach dem Fried hofe, wo unter wiederholten Ansprachen der Sarg in die Gruft versenkt wurde.

Brüssel. Das Echo du Parlament meldet, daß das belgische Nationalinstitut für Geographie eine Ent deckungsexpedition nach Centralafrika aus sendet, welche unter der Leitung des Dr. Joseph Chavanne aus Wien steht und den Auftrag hat, eine Karte vom Kongogebiet aufzunehmen.

Wien, 28. Jan. Der Arbeiter Schaffek ermordete seinen sechsjährigen Sohn und meldete sich dann bei der Polizei mit dem Geständniß, daß er aus Noth die That vollbrachte.

Wien. Der Wiener Männer-Gesangverein beschloß, die Einladung zu einer Sommerfahrt nach Frankfurt anzunehmen.

Christiania, 29. Jan. Eine in Laurvig gestern Nacht ausgebrochene Feuersbrunst ist erst gestern Nach mittag gelöscht worden, 62 Häuser sind niedergebrannt.

London, 28. Jan. Aus allen Landestheilen kommen Nachrichten über die großen Verwüstungen des beispiellos heftigen Orkanes am letzten Samstag. Von den Kuͤsten wird eine große Anzahl Schiffbrüche gemeldet.

London, 28. Jan. In der KohlengrubePeny craig bei Rhonda(Wales) fand gestern eine Explosion statt, wodurch 11 Bergarbeiter getödtet wurden; ferner erstickten bei den vorgenommenen Rettungsarbeiten drei weitere Personen.

Gerichtssaal.

Butzbach. Nächsten Freitag den 1. Febr. d. I,, Vormittags 9 Uhr, findet an hiesigem Amtsgerichte eine außerordentliche Schöffengerichts-Sitzung und zwar in Strafsachen gegen Ludw Suppes und Heinrich Jung, Nachtwächter, beide von Kirch Göns, wegen Beleidigung des Polizeidieners Zörb daselbst, und gegen Karl Burk hardt aus Kassel, wegen Landstreicherei und unerlaubter Rückkehr in das Großherzogthum Hessen, statt.

Verein zur Uuterstützung armer Kinder Friedbergs.

Vor beinahe zwei Jahren wurden von dem unter⸗ zeichneten Comité 66 Sammelkasten in 34 hiesigen öffent⸗ lichen Lokalen aufgestellt, um von dem Erlöse des In⸗ halts derselben zu geeigneter Zeit hiesige arme Kinder

zu kleiden. Es wurden bis heute vereinnahmt:)

1. an baarem Gelde in den Kistchen 281,06 M.

2. an Geschenken und Sammlungen in Privatgesellschaften 21,90 M.

3. an Zinsen aus den Jahren 1882 u. 1883 6,91 M.

4. aus einer Versteigerung alter Münzen 4,45 M.

5. Erlös für verkaufte Abschnitte 30,52 M.

in Summa 344,84 M. Die fünfte Summe ist eine verhältnißmäßig geringe, aber einerseits sind die zuletzt eingegangenen Abschnitte noch nicht verwerthet, andererseits ist auch ein großer Theil der eingegangenen, aber mit Asche und ange⸗ brannten Stücken vermischten Abschnitte werthlos. Wir sprechen daher hier wiederholt die dringende Bitte aus, doch keine solche werthlose und den Inhalt der Kästchen verderbende Reste in dieselben zu werfen.

Im Februar v. J. wurden von den bis dahin einge⸗ gangenen 233,95 M. zur Unterstützung von 23 Kindern 140,35 M. verausgabt und zwar erhielten bei der oͤffent⸗ lichen Vertheilung auf dem Rathhause 10 Knaben und 8 Mädchen Schuhe und wollene Strümpfe, 2 Knaben Rock und Hosen und 3 Mädchen Kleider. Sonstige Un⸗ kosten, wie Reparatur, Aufstellen und Abholen der Käst⸗ chen, sind entstanden in der Höhe von 14,33 M., so daß also heute ein Kassevorrath von 190,16 M. verzinslich angelegt ist.

Auch jetzt sollen in gleicher Weise wie im vorigen Jahre arme Kinder durch zweckmäßige Bekleidung unter- stützt werden.

Freunde der Armen! die Ihr seither Euch durch Spenden von Münzen und Abschnitten dieser Sache an genommen habt, nehmt den Dank Derer entgegen, die Ihr durch Eure Gabe bereits erfreut habt und bald wieder erfreuen werdet! Laßt Euch aber auch für die Ferne nicht verdrießen, die kleinen Spitzchen aufzube wahren und in die Sammelkästchen zu bringen! Vergesset endlich nicht, wo Ihr auch vergnügt zusammen seid, der armen Kleinen zu gedenken, indem Ihr zu ihren Gunsten Sammlungen, Scherzversteigerungen und dergleichen mehr veranstaltet.

Friedberg den 28. Januar 1884.

Das Comité: Dr. Möller. H. Bechstein. Blickhahn. Carl Groß.

*) Eine detaillirte Abrechnung über Einnahme und Ausgabe liegt vom 1. Februar d. J. ab 8 Tage lang bei Herrn Kaufmann C. Groß zu Jedermanns Einsicht offen.

H. Bindewald. Karg. Seyd.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 30. Jan. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.80 0.90, Eier 1 St. 6, 2 St. gr. 00 Pf.

Friedberg, 29. Jan. Fruchtber. Waizen M. 19.00. Korn M. 16.50, Gerste M. 16, Hafer M. 13 14, Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.

Grünberg, 26. Jan. Fruchtpreise. Welzen M. 19.40, Korn M. 16.12, Gerste M. 00.00, Hafer M. 14.70, Erbsen M. 18.00, Samen M. 30.00, Kartoffeln M. 4.

Gießen, 29. Jan. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.90 0.96, Eier per St. 68 Pf., 2 Stück 00 Pf., Käse per Stück 5-9 Pf., Tauben per Paar M. 0.90 1.20, Hühner per Stück M. 1.00 1.50, Hahnen per Stück M. 1.00 1.80, Enten per Stück M. 1.80 2.30, Ochsenfleisch per Pfd. 70-00 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 54 60 Pf., Kalbfleisch 50 54 Pf., Schweinefleisch 6000 Pf., Hammelfleisch 60 70 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4.00 0.00, Gänse per Pfd. 4254 Pf., Zwiebeln per Centner M. 9.00., Weiß⸗ kraut per Hundert M. 5.8.

Homburg v. d. H., 29. Januar. Wochenmarkt. Kartoffeln per Malter M. 3.50 4, per Gescheid von 7 bis 8 Pf., Eier per Stück 6, 7 und 8 Pf., Butter per Pfund 1. Qual. M. 0.90, 2. Qual. M. 0.80.

Frankfurt, 28. Jan. Frankfurter Produktenbörse. (Offizielle Nottrungen. Weizen still, eff. hiesiger und Wetterauer M. 19- 19.50, fremder M. 19 19.50, per diesen Monat M. 19. Roggen still, eff. hiesiger M. 16 bis 16.25, fremder M. 16 16.50, per diesen Monat M. 16. Gerste still, eff. hiesige und Wetterauer M. 17 bis 17.50, fremde M. 17 19. Hafer still, eff. hiesiger M. 14.25, fremder M. 14 14.50, per diesen Monat M. 14.25. Rüböl still, eff. ohne Faß hiesiges in Par⸗ thien von 50 Ctr. M. 38. Branntwein still, eff. ohne Faß M. 46. Mehl Nr. 1 M. 38, Nr. 2 We. 36, Nr. 3 M. 31, Nr. 4 M. 26, Nr. 5 M. 23. Roggen⸗ mehl%(Berliner Marke) M. 23 23.50, 1.(Berliner Marke) M. 22 22.50, 11. do. M. 18.

Frankfurt, 28. Jan. Viehmarkt. Der Zutrieb von Ochsen betrug ca. 330 Stück. Preise für 1. Qual. M. 65 66 per Ctr. Schlachtgewicht, für 2. Qual. M. 5558. Kühe und Rinder, Zutrieb ca. 330 Stück, 1. Qual. M. 58, 2. Qual. M. 40 50. Bullen nur ca. 10 Stück vochanden, 1. Qual. M. 4648, 2. Qual. M. 40. Kälber, 365 Stück, beste Qual. 60 Pf. per Pfd., 2. Qual. 4850 Pf. Hämmel, ca. 100 Stück, 1. Qual. 65-66 Pf., 2. Qual. 50 Pf. Schweine behaupteten

ihre seitherigen Preise.

Mainz, 27. Jan. In der abgelaufenen Woche waren auf unserem Viehmarkte im Ganzen 982 Stück Vieh und zwar 9 Farren, 110 Ochsen, 249 Kühe, 234 Bezahlt wurden

Kälbe und 380 Schweine zugetrieben.

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