Ausgabe 
26.2.1884
 
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sofort zu einer Sitzung zusammen. Nach dem Cabinetsrathe conferirten der Herzog von Cam bridge, Wolseley und Hartington im Kriegs ministerium, und wurde constatirt, daß für die Streitkräfte Grahams eine Aenderung der be schlossenen Marschrichtung nicht wohl ausführ bar sei, weil Truppen in Trinkitat jetzt ausge schifft werden.

23. Febr. Unterhaus. Die Adresse wurde definitiv angenommen. Der Sprecher kündigte an, daß er zu seinem Bedauern sein Amt nie derlegen müsse. Gladstone theilte mit, er werde am Montag ein Dankesvotum für den Sprecher beantragen, sowie den Erlaß einer Adresse an die Königin, in welcher um eine Auszeichnung des Sprechers gebeten werden soll.

Bezüglich der Uebergabe Tokars rathen die Morgenblätter von der Zurückziehung der Expedition ab. Times empfiehlt Vorrücken der britischen Truppen zum Zweck der Rettung der andern Garnisonen des Sudan. Daily Tele graph meint, die Zurückziehung im gegenwär tigen Moment werde später eine Armee von 25,000 Mann zur Vertheidigung des eigent lichen Egyptens nothwendig machen. Sämmt liche hiesige und fremde Blätter sind voll von Entrüstung über die Proklamation Gordons, wo durch der Sklavenhandel im Sudan freigegeben wird. Die Angelegenheit kann möglicherweise zum Sturze Gladstone's führen.

Rußland. Petersburg, 23. Febr. Die vom Kaiser heute abgehaltene Truppenrevue nahm einen glänzenden Verlauf bei 11 Grad Kälte.

In Bezug auf den plötzlichen Tod des Reichs rathsmitgliedes Kowalewski cursiren in den höchsten Kreisen seltsame Gerüchte. Kowalewski war vor Kurzem vom Kaiser mit der Einleitung einer Untersuchung in Betreff der Bittschriften Commission beauftragt worden, weil dem Kaiser Anzeigen gravirenden Charakters zugegangen waren. Kowalewski schritt mit Eifer an die Lösung der ihm aufgelegten Aufgabe, und ver langte die unverzügliche Vorlage sämmtlicher Documente in einigen dunklen Angelegenheiten. Einige Stunden später war er nicht mehr unter den Lebenden.

Der Zusammentritt des sogen.Höchsten Rathes zur Bekämpfung der revolutionären Bewegung findet in der nächsten Zeit statt. Die erste Sitzung desselben soll am 10. März siattfinden und man nimmt an, daß der Kaiser persönlich an den Berathungen Theil nehmen wird. Unter den Mitgliedern befinden sich unter Anderen der Gendarmerie-Chef Orschewski, der Chef der kaiserlichen Orchrana Tscherewin, der Departements-Chef der Staatspolizei Plehwe, der Minister des Innern Graf Tolstoi, der Minister der Justiz Nabakoff, der Minister für Volksaufklärung Delianoff, der Oberprocurator der heiligen Synode Pobedonohzew.

Egypten. Kairo. Der hiesige Correspon dent des Daily Telegraph meldet:Der Khe dive ermächtigt mich, zu erklären, daß ihn die Proklamation General Gordon's sehr überrascht habe und daß er nur annehmen könne, die Ver hältnisse hatten es General Gordon unmöglich gemacht, anders zu handeln. Die egyptische Regier ung werde im Einverständnisse mit England Alles thun, um den Sklavenhandel zu unterdrücken.

In Oberegypten befürchtet man den Aus bruch von Unruhen und die Entsendung von Truppen wird daher als dringend erforderlich bezeichnet. Die Entsendung von zwei englischen Regimentern nach Assuan soll auch bereits be schlossene Sache sein.

Es heißt, daß der Mahdi fünf franzö sische Missionäre, die er gefangen nahm, unbean standet weiter ziehen ließ, trotzdem sie es verweigert hatten, seiner Aufforderung, sich zum mohame danischen Glauben zu bekennen, Folge zu leisten.

2 Febr. General Gordon erließ ein Manifest von Khartum aus, welches die In⸗ surgenten benachrichtigt, daß der Sultan und Beherrscher aller Gläubigen beabsichtige, eine große Armee zur Eroberung des Landes zu entsenden; er ermahnt dieselben, seine Friedens

offerte anzunehmen, um sich dadurch vor einer türkischen Invasion zu bewahren.

Khartum, 24. Febr. Ein Theil der egyp tischen Garnison von Khartum hat sich bereits zur Rückkehr nach Kairo eingeschifft. Im Ganzen werden 2200 Mann auf dem Nil zurückgeschickt und es bleiben somit noch 3900 Negersoldaten in Khartum und 3000 Mann in Sennar. Ein von Kassala eingetroffener Brief besagt, daß die dortige 1500 Mann starke Garnison noch für 14 Tage mit Mundvorrath versehen sei.

General Gordon beabsichtigt, wie er in einem in London eingelaufenen Privatbriefe an deutet, wenn in Khartum ein Gefühl der Sicher heit Wurzel gegriffen hat, sich nach Kardofan zum Mahdi zu begeben, um mit demselben Un terhandlungen anzuknüpfen, die zu einer gründ lichen Pacification des Sudan führen dürften.

Suakim, 22. Febr. Es sind hier 5 Sol daten von Tokar angekommen, welche berichten, daß die Insurgenten unaufhörlich Kanonade und Gewehrfeuer unterhalten hätten. Da die Gar nison sich nicht mehr halten konnte, so fand am Dienstag eine Conferenz mit den Insurgenten statt. Viele Soldaten von Tokar desertirten oder flohen während der Nacht vom Mittwoch Tokar hat sich gestern den Jusurgenten ergeben.

23. Febr. Officielle Nachrichten bestä tigen, daß die Uebergabe Tokars nicht durch Mangel an Lebensmitteln, sondern durch Meu terei eines Theiles der egyptischen Garnison, namentlich egyptischer Officiere, herbeigeführt wurde. Man glaubt, daß die englische Expe dition sofort zurückkehren werde. Ein Theil der egyptischen Garnison Khartums hat sich bereits eingeschifft, um nach Kairo zurückzukehren. Hewitt, Graham und Baker Pascha mit dem Stab der britischen Expedition sind heute früh nach Trinkitat abgegangen. Die nubischen Truppen weigern sich, sich nach Trinkitat einschiffen zu lassen, unter dem Vorgeben, daß die Kugeln aus ihren Gewehren die von den Aufständischen geführten Schilde nicht durchbohren könnten; auch ver möchten sie nicht einzusehen, weshalb man ihrer bedürfe, nachdem bereits englisches Militär nach Trinkitat abgegangen sei.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Vergangene Woche ging eine Vor stellung des Bürgermeisters unserer Stadt an die Zweite Kammer ab in Angelegenheiten der Seeundärbahn von Ranstadt nach der Mainweserbahn. Es wird in der Eingabe darauf aufmerksam gemacht, daß die Einmündung in Friedberg im Interesse unserer Stadt sowohl, als auch unserer Provinz, sowie im Interesse der Rentabilität des Unternehmens als die einzig mögliche geboten erscheint.

Bad⸗ Nauheim, 23. Febr. Die Arbeiten an der mit Beginn dieses Jahres von Architekt Weber in Frankfurt a. M. in Angriff genommenen und bis zum 1. Mai herzustellenden Colonnade schreiten rüstig vor wärts. Die Zimmerleute sind soweit mit ihren Arbeiten fertig und wurde gestern Abend sämmtlichen daran be schäftigten Bauhandwerkern imGoldenen Engel von dem Bauunternehmer ein Fest bereitet.

sb. Oberwöllstadt. Beinahe sämmtliche Schul kinder hiesigen Orts sind von der Mumps-Krankheit befallen und mußte deßhalb die Schule geschlossen werden.

Allerlei.

Dortmund, 21. Febr. Auf der ZecheBorussia bei Marten fand heute Morgen um 8 Uhr eine Wetter eyplosion statt, die durch unvorsichtiges Abbrennen einer Patrone Seitens eines Bergmannes verursacht worden ist, der dabei schwer verletzt wurde, während zwei seiner Kameraden den Tod fanden.

Stuttgart, 24. Febr. Der am Leonhardsplatze wohnende Pfandleiher Reinhard wurde gestern Abend in seinem Geschäftslokal ermordet. Der noch nicht ergriffene Mörder soll ein Arbeiter(Altbayer) sein. Geraubt wurden nur 80 Mark.

Wien. In Hermannstadt wurde ein früherer Re gimentsarzt sammt Frau, Kind und Magd ermordet und die Wohnung ausgeraubt. Die Thäter, welche noch nicht ermittelt sind, versuchten auch die Wohnung in Brand zu stecken.

Pest. Anläßlich der am Samstag erfolgten Hin richtung der Mörder Majlath's sammelte sich am Abend vorher eine große Menge vor dem Strafhause an. Die selbe rief:Eljen Sponga, und da sie einige Gas laternen einzuschlagen begannen, mußte berittene Polizei einschreiten, während die Kaufleute ihre Läden schlossen. Es gelang auch, den Platz frei zu machen, doch sammelte sich die Menge wieder in der Csokonaigasse, wo sie wieder einige Fensterscheiben und Gaslaternen einschlug,

dabeiEljen Istoezy rufend. Constabler verhafteten

zwei Strolche, welche die Menge hierauf befreien wollte. Nun wurde von den hiesigen Polizisten ein Schuß in die Menge gefeuert, der nicht traf, jedoch die Zerstreuung der Menge bewirkte. Die Polizeipatrouillen wurden verstärkt. Um halb 11 Uhr Nachts war die Ruhe her⸗ gestellt. Drei Individuen wurden verhaftet, welche die Polizeiorgane mit Steinen beworfen hatten. Sämmtliche Gast⸗ und Kaffeehäuser der Straße mußten um 9 Uhr geschlossen werden. Die Hinrichtung der drei Mörder fand Morgens 7 Uhr durch Hängen auf dem Hofe des Strafhauses, im Beisein zahlreicher Magnaten, Ab geordneten und Journalisten statt.

Newyork, 21m. Febr. Weitere Nachrichten über den Tornado in den Südstaaten bestätigten die gestrigen Meldungen vollständig. Die heimgesuchten Distriete sind gänzlich verwüstet, einige kleine Städte sind in Trümmer gelegt und viele Personen durch das Einstürzen der Häuser und durch herumfliegende Mauerstücke ge tödtet, andere durch den Sturm aufgehoben und zer schmettert worden. Leichen von Männern, Frauen und Kindern wurden entsetzlich verstümmelt aufgefunden. Das Journal Sun schätzt die Zahl der Verunglückten auf drei- bis vierhundert und die Zahl der zerstörten Gebäude auf 5000.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 23. Febr. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. 0.85 0.95, Eier 1 St. 6, 2 St. 11 Pf.

Gießen, 23. Febr. Butter per Pfd. M. 0.90 1.00, Eier per St. 57 Pf., 2 Stück 00 Pf., Käse per Stück 510 Pf., Tauben per Paar M. 0.80 1.00, Hühner per Stück M. 0 85 1.20, Hahnen per Stück M. 0.902.00, Enten per Stück M. 1.80 2.00, Ochsenfleisch per Pfd. 6600 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 4856 Pf., Kalbfleisch 45 50 Pf., Schweinefleisch 6000 Pf., Hammelfleisch 60 70 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3.40 4.00, Zwiebeln per Centner M. 12.

Homburg v. d. H., 23. Febr. Wochenmarkt. Kar⸗ toffeln per Malter M. 3.50 4.50, per Gescheid von 8 bis 9 Pf., Eier per Stück 5, 6 und 7 Pf., Butter per Pfund 1. Qual. M. 0.90, 2. Qual. M. 0.80.

Frankfurt, 23. Febr. Wochenmarkt. Preise der Gemüse: Ital. Blumenkohl per Ctr. M. 35, per Stück 3540 Pf., Weißkraut 12 18 Pf., Rothkraut 15 bis 45 Pf., Wirsing 610 Pf., 1 Päckchen Spargeln 45 Pf., Pariser Salat per Stück 14 18 Pf., Zwiebeln per Ctr. M. 10, Kartoffeln per Malter(200 Pfd.) M. 4 4.50, per Gescheid 9 10 Pf., Mäuschen per Malter M. 10 bis 11, per Gescheid 25 Pf. Eier per Hundert deutsche M. 55.50, Italtener M. 6.50 7.50. Geflügel ital.: junge Hahnen M. 1.10 1.70, junge Tauben M. 0 90 bis 1.20, welsche Hähne M. 69, welsche Hühner M. 4 bis 6, zahme Enten M. 3 3.50, wilde Enten M. 2.25, Poularden M. 2 2.50, Capaunen M. 34.50.

Frankfurt, 22. Febr. Heu⸗ und Strohmarkt. Die Anfuhr belief sich auf 55 Wagen und wurde be zahlt je nach Qual. per Ctr. für Heu M. 33.80, für Stroh M. 33.30. Buttermarkt. Für Butter wurde im Engroshandel bezahlt per Ctr. M. 83- 85, im Klein verkauf je nach Güte der Waare per Pfd. M. 11.10.

Repertoir⸗Entwurf der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus. Dienstag den 26. Febr. Gastspiel der Frau Angelina Luger vom Stadttheater in Leipzig. Fidelio. Leonore: Frau Luger.

Mittwoch den 27. Febr. Geschlossen. Donnerstag den 28. Febr. Margarethe. Freitag den 29. Febr. Volksvorstellung. Die Braut

von Messina. Ermäßigte Preise. Samstag den 1. März. Nachtlager von Granada. Sonntag deu 2. März. Die Afrikanerin. Schauspielhaus.

Dienstag den 26. Febr. Der Probepfeil.

Mittwoch den 27. Febr. Fedora.

Donnerstag den 28. Febr. Der Probepfeil. Abonnement.

Freitag den 29. Febr. Zum ersten Male: Im Eisen⸗ bahnwaggon 1. Klasse. Nach dem Französischen von Bahn. Hierauf: Bürgerlich und Romantisch.

Samstag den 1. März. Neu einstudirt: Ferréol.

Sonntag den 2. März. Viel Lärm um Nichts.

Montag den 3. März. Zum ersten Male: Eine gute Partie. Originalvolksstück in 5 Akten von A. Stoltze. Musik von Kunkel.

Anßer Abonn.

Außer

Pfennig ⸗Sparkasse.

Sammelstellen. Einlagen. Betrag. M. Pf.

Bestand am 1. Juni 1883 fam Znsen 28722 96 Uebertrag vom 16. Febr. 1884 30512 14918 55 1. C. Bindernagel. 36 26 65 2. W. Bernbeck 139 97 65 3. E. Oppenheimer 129 100 75 4. H. Flaschenträger. 55 34 5. H. Flaschenträger. 75 53 30946 43955 06

Einleger 1245. Friedberg den 23. Februar 1884.

Haupt⸗Sammelstelle: Vorschuß- und Credit-Verein, e. G.

Auf dem heutigen Markt kostete

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