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Die Nachricht, daß die Franzosen Tad jourah am rothen Meere in dem Moment besetzt haben, in welchem die Engländer ein Gleiches thun wollten, hat hier große Befriedigung her vorgerufen.

22. Nov. Bei der Budgetberathung in der Kammer bezeichnet Tirard die Angaben der Vorredner über die ungünstige Finanzlage als übertrieben und beharrt dabei, daß das Gleich gewicht des Budgets ein thatsächliches sei. Gleich

zeitig sprach der Minister die Absicht aus, die Getränksteuer einzuführen.

Am Schlusse seiner! Rede betonte der Minister sein Vertrauen auf die Hilfsquellen des Landes.

23. Nov. DerAgence Havas wird aus Hanoi vom heutigen Tage gemeldet, daß ein französisches Kanonenboot im Weißen Flusse angegriffen worden sei und die französischen Truppen unter dem Oberst Duchesne die An⸗ greifer vollständig zurückgeschlagen hätten.

22. Nov. Eine Depesche Courbet's mel det, daß 400 Mann die chinesischen Werke auf dem Wege von Kelung nach Tamsui am 14. Nov. zerstört haben. Heute wurden in Algier und Philippeville 2000 Mann nach Tonkin einge schifft, weitere 2000 Mann folgen in nächster Woche. Aus Tientsin wird berichtet, daß gestern Marquis Tseng zum ersten Vice-Präsi denten des Kriegsamts ernannt wurde.

Großbritannien. London, 21. Nov. Das Unterhaus lehnte mit 145 gegen 71 Stim men den Antrag Labouchdre's, betr. Abänderung der Beziehungen beider Häuser, zur Beseitigung der aus dem gegenwärtigen Verhältnisse des Oberhauses für die Gesetzgebung sich ergebenden Uebelstände ab. Gladstone bekämpfte den An trag und erklärte, bei Beseitigung des anderen Hauses würde der Einfluß der Lords in anderer Weise zur Geltung kommen. Außerdem sei der Antrag unzeitgemäß, jetzt wo vom Oberhause ein Act der Klugheit und des Eutgegenkommens verlangt werde. Die Radicalen und die Par⸗ nelliten bildeten die Minorität.

In Gibraltar soll ein probeweises Bom bardement des Felsens von Gibraltar stattfinden Es handelt sich darum, festzustellen, welchen Richtwinkel die Schiffskanonen erreichen können; man fürchtet nämlich, daß die unteren Batterien, obgleich mit schweren Geschützen armirt, nicht Alles bieten, was von ihnen gewünscht werden könnte. Mau hält es daher für angerathen, hoch oben auf dem Felsen Batterien zu errichten, die, soweit als möglich, außerhalb der Schuß linie der Schiffe gelegen sein müssen. Wenn dies bewerkstelligt wird, könnte von da aus ein verheerendes Feuer gegen die Decke einer feind lichen Flotte gerichtet werden, welch letztere sehr bald kampfunfähig würde, während die Verthei diger sich in verhältnißmäßiger Sicherheit be finden würden. g

Spanien. Madrid, 21. Nov. Gestern Abend fanden bier antiklerikale Kundgebungen von Studenten statt, wobei die Polizei einschritt. Mehrere Personen wurden verhaftet.

Rumänien. Bukarest. Die Wahlen für die Kammer ergaben für die Regierung einen vollkommenen Sieg, indem alle ihre Candidaten gewählt wurden. Die conservative Opposition enthielt sich gänzlich der Wahl. Die Gruppe Rosetti-Demeter Bratianuo ist gefallen, nur Ko galniceanu von der liberalen Opposition wurde in Braila gewählt.

Türkel. Konstantinopel. In Angelegenheit

der bulgarischen Tributfrage erwartet die Pforte die Vermittelung Rußlands zu ihren Gunsten.

In Angelegenheit der bulgarischerseits confis eirten mohamedanischen Güter wünscht die Pforte, daß die Angelegenheit vor die Tractatmächte gebracht werde, oder daß, wenn die Niedersetz ung einer speciellen Commission nicht beliebt werden sollte, die Angelegenbeit den in Sofia accreditirten Vertretern zur Prüfung überwiesen werde.

Rußland. Petersburg. Piasecki, bekannt durch seine Reise nach China im Jahre 1874,

unternimmt mit Bewilligung des Kaissers, unter

Protection des Großfürsten Wladimir, eine Ex pedition nach China.

Egypten. Alexandrien. Wie verlautet, schlägt der Bericht Northbrooks betreffs Lösung der egyptischen Finanzschwierigkeiten vor, die Zinsen aller Anlehen nicht herabzusetzen, dagegen die Amortisirung der unificirten Schuld zu sus⸗ pendiren, um damit Rath zu schaffen für eine neue Anleihe von acht Million Pfund, welche England vorschießen soll und womit in erster Linie die Entschädigung in Alexandrien bezahlt und die von Rothschild und den localen Banken gemachten Vorschüsse zurückgezahlt werden sollen; eine Million von dieser Anleihe sei für Be wässerungs-Anlagen in Unter-Egypten bestimmt. Der Bericht schlägt ferner vor, eine erhebliche Steuerherabsetzung für Ober⸗Egypten und eine geringere für Unter-Egypten, die dauernde Her⸗ stellung des Gleichgewichts im Budget durch die Minderung der Ausgaben für Armee und Polizei um etwa 350,000 Pfund, die Ueber⸗ nahme aller Kosten für das englische Occupatious Corps durch England und endlich durch Be seitigung des jährlichen Deficits der Domänen Ländereien und Daira-Auleihen. Die Domanial Anleihe und die Daira-Sanieh sollen mit Hilfe Euglands zurückgezahlt und die Verwaltung der

Domänen mit derjenigen der Dara Sanieh vereinigt werden. Kairo, 22. Nov.Daily News melden

aus Dongola vom gestrigen: Gutem Vernehmen nach hat General Gordon dem Feinde ein Ge⸗ schütz abgenommen. 500 Auhäuger des Mahdi haben sich mit Gordon verbündet.Daly Telegraph meldet aus Suakin vom 21. d., daß Berber von den Aufständischen wieder be setzt worden sei.

China. Shanghai, 21. Nov. Zwei chinesische gepanzerte Kreuzerschiffe sind hier eingetroffen. Es geht das Gerücht, daß dieselben versuchen werden, die Blokade von Formosa zu brechen.

Aus Stadt und Land.

r. Friedberg. Seitdem im vorigen Jahre unserem Musikverein das Wagniß gelungen, ein Dratoxium im großen Style, wie dasjenige von MeinardusLuther in Worms mit Orchesterbegleitung in der Stadikirche in befriedigender Weise zu Gehör zu bringen, sind ihm die Flügel gewacksen. Er bringt in seinem nächsten Concert am 30. Nov. Haydn's unvergängliches Meister werkdie Schöpfung mit einem durch eine Abtheilung von Seminaxisten verstärkten Cbore und in einer Be setzung der Solo Partien, von welcher eine volle Wieder gabe der Einzel- Schönheiten des berühmten Tonwerkes mit Recht erwartet werden darf Die mitwirkenden Solisten sind Fräulein E. Nachtigall(Sopran) vom königl. Hoftheater in Wiesbaden, F. Waßmuth(Baß), J. Gerssell(Bariton) von Hanau und Ed. Bautz (Tenor) von Frankfurt a. M. Als Frl. Nachtigall vor 2 Jahren zum ersten Male hier sang und lebhaftesten Beifall erntete, gehörte sie noch dem Raff Eonservatorium in Frankfurt a. M. als Schülerin an. Ihr Engagement an der Bühne in Wiesbaden datirt seit letztem Herbst; die jugendliche Künstlerin hat es verstanden, sich bald die Gunst des Theater besuchenden Publikums zuer singen, sei es als Agathe imFreischütz, als Mear garethe inFaust, als Evchen in denMeistersingern von Nürnberg. Der letzteren Leistung insbesondere spen dete vor Kurzem der bekannte Musikkritiker Aug Reis- mann ungetheiltes Lob. darf daher dem Auftreten der jungen vielversprechenden Sängerin entgegengesehen werden. Den Vesuchern der Musikvereins Conecerte ist J. Geissell ein stes auf's Neue willkommener Gast; Stimme und Vortrag dieses Sängers wissen die Hörer zu packen Demächten Basse von Franz Waßmuth sind Kraft, Wobllaut und gründliche Schulung eigen; von dem lyrischen Tenore von Ed. Bautz, dessen frühere Leistungen bei uns in gutem An denken stehen, ist nicht minder Treffliches zu erwarten. So steht uns ein außergewöhnlicher musikalischer Genuß für den 30. November bevor, welchen sich unser kunst liebendes Publikum durch zahlreichen Besuch des Con

certs nicht entgehen lassen möge j. Rodheim v. d. H. Am 21. d. M. fand hier eine Besprechung statt, welche J. Will VII. von hier be⸗

züglich der Seeundärbahn Homburg Friedberg veranlaßt hatte und welche sehr stark besucht war. Es wurde seitens Will dargelegt, welche näheren Schritte zu thun seien, um mit dem Comite, welches sich zur Ausführung des Bahnprojekts gebildet hat, in Verbindung zu treten, da das Comite die Gemeinde Rodheim bis jetzt noch niemals zur Betheiligung eingeladen hat. Man wundert

sich hier umsomehr über diese Thatsache, da diese Bahn doch

nicht anders gebaut werden kann als durch die Ge markung Rodheim, welch letztere sich bekanntlich bis Wehrheim erstreckt, und da unsere Gmeinde, wenn der Bau zu Stande kommt, jedenfalls das meiste Gelände

Mit begreiflicher Spannung,

von allen dazu hergeben muß. Unsere Gemeinde ist von den bei dem Projekt interessirten Gemeinden nicht nur die größte an Seelenzahl und an Grundbesitz, sondern hat auch einen ebenso starken Verkehr aufzuweisen, wie die übrigen. Dieser Verkehr wird voraussichtlich ein noch viel größerer werden, wenn Rodheim erst eine Bahn verbindung besitzt, weil sich durch dieselbe die ver⸗ schiedenen Industriezweige noch mehr heben und eine bebtutende Rentabilität der Vabn hierdurch mit sich führen würden. Gemeinderath Wien hob hervor, daß früher schon einmal vor ungefähr zehn Jahren die Ge meinde Rodheim alle mögliche Schritte gethan habe, um zu einer Bahnverbindung zu gelangen und daß die Gemeinde damals einen Plan über diesen Bau selbst ausarbeiten ließ, welcher sie dazumal 60 fl. kostete und der heute noch zur Einsicht für Jedermann zur Ver⸗ fügung steht. Wien bemerkte noch weiter, daß damals die Gemeinde einen Beitrag von 20000 fl. und mehr zu geben bereit war und das wird sie auch heute wieder gerne thun. Es wurde daher bei Schluß der Ver⸗ sammlung bestimmt, wenn die Bahn für die hiesige Gegend überhaupt zu Stande kommt, alle Schritte zu thun, um einen ziemlich nahen Anschluß an diese Bahn zu erreichen.

Allerlei.

Heidelberg, 22. Nov. Heute früh gegen 5 Uhr wurde hier eine Erderschütterung verspürt, die von Osten nach Westen ging und ein Klirren der Fensterscheiben zur Folge hatte.

Berlin, 23. Nov. Der bekannte hiesigen Zoologischen Gartens, Pr. Bodinus, plötzlich gestorben.

Bremen. Die Rettungsstation Warnemünde der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger tele⸗ graphirt vom 21. d.: Von der norwegischen BriggNissen, Capitän Stendahl, welche mit Holz von Riga nach Lübeck bestemmt war und bel Nienbagen strandete, wurden 8 Personen durch das RettungsbootVorwärts gerettet.

Stettin.Vismarckstein unter dieser Bezeichnung versteht man ein seltenes großes Stück Bernstein. Das selbe ist gerade am letzten Geburtstage des Neichskanzlers aus einer Tiefe von 60 Fuß in Westpreußen durch Bernsteingräber zu Tage gefördert, die nach muthmaß⸗ lichen Bernsteinablagerungen Schachte von 50 80 Fuß und darüber abtäufen. Das seltene Stück ist ein Unseum unter seines Gleichen. Nicht etwa seiner Größe wegen, nein, sondern seiner Form, seiner selten feinen, vollen Farbe und seiner vollkommen fehlerfreien Beschaffenheit nach. Es hat einen Klang, wie eine Glocke, was bei so großen Steinen eine große Seltenheit ist. Der Werth dieses Steines springt um so mehr jedem Kunstkenner in die Augen, wenn er das viel größere Bernsteinstück damit vergleicht, das König Friedrich Wilhelm III. für 10,00 Thaler im Jahre 1803 ankaufte und dem geo logischen Museum schenkte. Dieses Cabinetstück des Museums ist ohne jede ausgesprochene Form, kulpig, unförmlich, weder besonders schoͤn von Farbe, noch ganz fehlerfrei; nur die sehr seltene Größe macht es kostbar. Der jetzt gefundene Stein dagegen hat seiner Form nach täuschende Aebnlichkeit mit einem halben Commißbrode, ein Gewicht von 3830 Gramm, eine Länge von 25 Centi metern, eine Breite von 19 Centtimetern und an der Durchschnittsfläche eine Höhe von 10 Centimetern. Er wurde für einen sehr hohen Preis verkauft. [Vietigheim, 20. Nov. Bei der Einfahrt des Wien Pariser Nachtschnellzugs auf dem Bahnhof Bietig⸗ heim stießen infolge vorschriftswidriger Rangierbewegungen zwei Güterwagen seitlich auf den einfahrenden Zug und veranlaßten eine Entgleisung der beiden vorne eingestellten Postwagen, von welchen der württembergische samt In⸗

halt niederbrannte. Außerdem wurde der Schlafwagen und der bayerische Wagen 1. Klasse leicht beschädigt. Von Passagieren und Beamten ist glücklicherweise Niemand verletzt.

Paris, 23. Nov. Von Mitternacht des 21. bis zu derselben Zeit am 22. d. M. sind hier 12 Cholera⸗ todesfälle, davon 4 in der Stadt und 8 in den Hospitälern vorgekommen. Von heute Mitternacht bis heute Mittag sind 2 Personen in der Stadt und 8 in den Hospitälern an der Cholera gestorben.

Neapel, 20. Nov. Auf dem Bahnhofe von Torre⸗ Annunziata ist ein von Castellamare kommender Zug mit leinem auf dem Reservegeleise befindlichen Train zusammen gestoßen, in Kolge dessen 15 Personen mehr oder weniger verletzt wurden.

Warschau. Der nussische Seelsorger von Kraß nisora reiste unlängst mit seiner Frau und seinem Kinde mittelst Schlittens nach Lonka. Unterwegs wurden die Reisenden von einem Rudel Wölfe, etwa zwanzig an der Zabl, angefallen. Die Pferde bäumten sich entsetzt und rasten in wilder Flucht dahin. Die Frau des Seel⸗ sorgers erschrack so sehr, daß sie das Kind, das sie im Schooße hielt, aus dem Schlitten fallen ließ. Der un⸗ glückliche Vater, als er dies sah, sprang vom Schlitten, während dieser mit der ohnmächtigen Frau über Stock und Stein davonraste. Ein fürchterlicher Kampf ent⸗ spann sich nun zwischen dem Geistlichen und den Wölfen. Der Geistliche zog seinen Revolver und erschoß zwei der Bestien, doch ward alsbald das Kind und dann au er selbst von den Wölfen zerrissen. Als der Schlitten in Lonka anlangte, hatte die Frau, die guter Hoffnung gewesen, vor Schreck ihr Kind zur Welt gebracht. Das Rind war todt, sie selbst in den letzten Zügen. Se ging in einer Stunde eine ganze Familie zu Grunde. Der Seelsorger von Lonka war der Vater der unglück⸗ lichen Frau.

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