welche besagt, daß eine von Gordon erlassene Proclamation den Mahdi als Sultan von Kor— dofan anerkenne und den Erlaß der Hälfte ge— wisser Steuern ankündige. Bezüglich des Sklaven— vertrags trete keinerlei Einschräukung ein. Die Proclamation habe bei der arabischen Bevölker— ung Khartums den günstigsten Eindruck gemacht.
— 19. Febr. Auf Ansuchen des englischen Generalconsuls Baring beschloß die englische Re— gierung, die Occupations-Armee in Egypten zu verstärken. Ein Bataillon Infanterie und eine Batterie Artillerie gingen heute aus Malta nach Egypten ab; ein weiteres Bataillon aus Gib— raltar wird nachfolgen. Das Transportschiff Jumna ist heute mit 739 Mann englischen Truppen in Suakim angekommen. 200 Mann der Garnison von Tokar machten einen Ausfall, griffen die Insurgenten an und tödteten und verwundeten viele.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Wie in anderen Kreisen, so geht man jetzt auch in dem Kreise Mainz den Spatzen zu Leibe. Auf mehrfache Anregung hat nämlich auch das Kreisamt Mainz die ihm unterstehenden Vürgermeistereien zum Kampf gegen das Spatzenvolk aufgefordert. Für die Einlieferung von Sperlingen sollen in den einzelnen Gemeinden kleine Geldprämien ausgesetzt, das Vernichten der Todescandidaten aber nur von Erwachsenen betrieben werden. Gleichzeitg macht das Kreisamt darauf auf— merksam, daß die Bürgermeistereien nicht berechtigt sind, die Ablieferung von Sperlingen den Ortseinwohnern zur Pflicht zu machen. Ein Krieg gegen die Spatzen hier in Friedberg könnte auch Nichts schaden, denn sie haben sich in der letzten Zeit in unglaublicher Weise vermehrt.
f. Friedberg. Am letzten Sonntag hielt der Turn— verein seinen Jux Abend ab. Derselbe war außerordent— lich stark besucht, die Vorträge waren gut gewählt und gut ausgeführt. Bemerken wollen wir, daß dabei auch eine Sammlurg für eine arme Frau eingeleitet wurde, die das schöne Resultat von 15 M. ergab.
br. Ober Rosbach. In der vorigen Nummer des Oberh. Anz. ist bei dem Artikel„Ober-Rosbach“ bemerkt, daß nur ein Theil der Bürger Ober- Rosbachs sich an dem Leichenbegängnisse des verstorbenen hiesigen Lehrers Lenz betheiligt babe. Um nun eine falsche Auffassung dieser Worte zu vermeiden, muß constatirt werden, daß
ein sehr großer Theil der Bürger Ober-Roßbachs sich
an dem Leichenzug betheiligt hat, so daß derselbe ein be redtes Zeugniß dafür war, daß der Verstorbene in der kurzen Zeit von nur 4 Jahren, die er in OberRosbach wirkte, sich die Liebe und Anhänglichkeit den Bewohner in hohem Grade eworben hat.
Vilbel. Den„V. A.“ zufolge wurde am ver— flossenen Samstag in der hiesigen Gemeinde-Kiesgrube ein Junge von 13 Jahren ausgegraben, welcher bereits seit Dienstag Abend von seinen auf der Festenburg wohnenden Angehörigen vermißt wurde. Nach der Aus— sage eines andern Bewohners der Festenburg, welcher erzählte, daß er den Jungen noch Abends um 11 Uhr in der Kiesgrube gesehen habe, wurde die Spur da— hin gelenkt.
Offenbach. Das hiesige„Tagbl.“ schreibt: In Folge falscher Denunciation wurde gegen mehrere Per—
sonen Untersuchung wegen Münzvergehen eingeleitet. Am Freitag Nachmittag war Staatsanwalt Rüster von
Darmstadt hier und nahm mehrere Haussuchungen und Sistirungen vor, doch wurde bei denselben nichts Ver—
dächtiges gefunden. Wie mitgetheilt wird, soll die An— zeige aus Rachsucht geschehen sein.
Klein-Krotzenburg, 14. Februar. Im hiesigen Gemeindewald zwischen Hainstadt und Froschhausen wurde gestern Abend von hiesigen Bewohnern die Leiche eines feingekleideten Herrn erhängt aufgefunden. Nach- dem die hiesige Bürgermeisterei noch gestern das zu— ständige Amtsgericht zu Seligenstadt von dem tragischen Todesfall benachrichtigt hatte, erschien heute das Ge— richt zur Aufnahme des Thatbestandes am Fundorte der Leiche, welche als die des Fabrikanten G. aus Offenbach ermittelt wurde. Jedenfalls liegt hier ein Selbstmord vor.
Allerlei.
Hofheim a. M., 16. Febr. Die Schaaf'sche Papier— fabrik dahier ist heute Morgen 6 Uhr total abgebrannt; die daneben liegende May'sche Lederfabrik wurde mit knapper Noth gerettet.
Hanau, 17. Febr. Gestern Abend gegen 7 Uhr entgleiste der Zug der Eberbach-Babenhausener Bahn, wobet ein oder zwei leere Personenwagen umfielen. Die Passagiere mußten in Folge dessen umsteigen; später ent— gleiste noch eine Maschine vor dem Hanauer Ostbahnhof. Durch diese Vorkommnisse hatten vie 3 Züge 4½ Stunde Verspätung. Verunglückungen von Personen sind dabei jedenfalls nicht vorgekommen.
Werlin, 17. Febr. Im Posthause zu Senheim sind durch einen explosiven Stoff der Briefkasten und ein Theil des Schalterfensters zerstört worden. Es haben im Lauf der Jahre ähnliche Vorkommnutsse bereits öfter stattgehabt, wobei nach den angestellten Untersuchungen kindischer, allerdings sehr übel angebrachter Muthwille zu Grunde lag, der den ermittelten Schuldigen freilich auch sehr übel bekommen ist.
Lima, 14. Febr. In Arequipa ist eine Wasserhose niedergegangen, welche in der Stadt selbst und ihrer näch— sten Umgebung schreckliche Verwüstungen angerichtet hat.
Gerichtssgal.
Friedberg, 12. Febr. In der heutigen Schöffen— gerichtssitzung wurde in folgenden Fällen erkannt: 1) Ph. Bott und Eltsabetha Schmidt von Leidhecken, angeklagt wegen Beleidigung, erhielten je 20 M. Geldstrafe, sowie Heinrich Bischoff von dort, angeklagt wegen Bedrohung, eine solche von 15 M.; 2) Johann Scherer Ehefrau von Ober-Mörlen, angeklagt wegen Unterschlagung, wurde zu einer Gefängnißstrafe von drei Tagen verurtheilt; 3) Martin Pfaff von Caub, angeklagt wegen Dlebstahls, wurde in eine Gefängnißstrafe von drei Wochen verur— theilt; 4) David Schneider von Wittgenborn und Helene Stahl von hier, angeklagt wegen Coneubinats, wurden fretgesprochen und der Staatskasse die Kosten zur Last gesetzt.
Friedberg, 19. Febr. In heutiger Sitzung des Schöffen-Gerichts wurde in folgenden Fällen erkannt: 1) in der Privatklagesache des Johs. Gröninger XVI. von Ockstadt gegen den Johannes Klein XIX. von da, wegen Beleidigung, erhielt letzterer eine Geldstrafe von 15 M. und die Kosten; 2) in der Privatklagesache des Christian Fourier J. von Wölfersheim gegen Karl Fr. Ulrich von da, wegen Beleidigung, erhielt der Angeklagte eine Geldstrafe von 15 M. und die Kosten; 3) in der Strafsache gegen Fritz Jung von Wölfersheim, ange— klagt wegen Widerstands und Mißhandlung, erhielt der— selbe eine Gefängnißstrafe von sieben Tagen; 4) in der Strafsache gegen Gustav Schwarz von Friedberg, ange— klagt wegen Uebertretung straßenpolizeilicher Vorschriften, erhielt derselbe eine Geldstrafe von 15 M
Butzbach, 15. Febr. In der heutigen Sitzung des hiesigen Schöffengerichts wurden folgende Sachen ver— handelt: 1) Wilh. Theobald von Sachsenhansen, früher Dachdeckergeselle dahter, angeklagt wegen Diebstahls, er—
hielt eine Gefängnißstrafe von vier Wochen, auf welche jedoch die seit dem 29. Jan. l. J. erlittene Untersuch⸗ ungshaft aufgerechnet wurde, und die Kosten des Ver⸗ fahrens; 2) Joh. Heinr. Schwab von Gambach, Sohn der Heinrich Schwab III. Wittwe daselbst, erst 13 Jahre alt, angeklagt wegen Diebstahls, erhielt mit Rücksicht auf sein noch sehr jugendliches Alter eine Gefängniß— strafe von vier Tagen; 3) Peter Hellers Ehefrau von Garbenteich, nebst ihrer Tochter Katharina, und Jacob Feusters Wittwe, nebst ihren beiden Söhnen Heinrich und Johannes, angeklagt wegen Bettelns, erhielten: die Mütter je zwei Tage und die Kinder je ein Tag Haft; 4) Joh. Jacob Kißler II. Wittwe von Nieder-Weisel, angeklagt wegen Beleidigung, wurde freigesprochen; 5) in der Privatklagesache der Gg. Hahn Eheleute von Rocken— berg gegen Kaspar Schmidt von da, wegen Beleidigung, erhielt letzterer eine Geldstrafe von 30 M., ev. 6 Tage Haft und die Kosten des Verfahrens; 6) in der Privat— klagesache des Reinhard Krausgrill II. von Niederweisel gegen Konrad Hildebrand XIV. von da, wegen Be— leidigung, erhielt der Angeklagte eine Geldstrafe von 25 M., ev. 5 Tage Haft uud die Kosten des Verfahrens. Gießen, 18. Febr. Bei der heute erfolgten Aus— loosung der Geschworenen für die 1. Schwurgerichts— periode in 1884, welche am 24. März unter dem Vor— sitze des Landgerichtsraths Dr. von Schmalkalder be ginnt, wurden folgende Namen aus der Urne gezogen: 1. W. Völsing II., Landw. in Groß-Felda. 2. G. Ram⸗ speck, Kaufmann in Alsfeld. 3. K. Peppler, Fabrikant in Grünberg. 4. Ph. Lotz, Lackfabrikant in Gießen. 5. A. Kliem III. in Kloppenheim. 6. J. Faust, Landw. in Elpenrod. 7. E. Döll, Landwirtb in Alt-Buseck. 8. Chr. Wagner XIX., Landw. in Groß-Buseck. 9. W. Schwenk III. in Nieder-Eschbach. 10. J. K. Völsing, Landw. in Groß⸗Felda. 11. J. Schön, Gastw. in Lollar. 12. K. Dippel, Glaser in Grünberg. 13. J. Menz in Wallernhausen. 14. Fr. Koch, Oekonom in Stockheim. 15. H. K. Ludwig, Landw. in Ulfa. 16. Fr. Tresselt, Kaufmann in Gießen. 17. K. Schlörp, Muͤller in Lauter. 18. W. Klöpper, Kaufm. in Gießen. 19. A. Mathesius, Mühlenbesitzer in Hirzenhain. 20. H. Specht in Heinerts— hausen. 21. Prof. Dr. Röntgen in Gießen. 22. D. Lang, Landw. in Kestrich. 23. G. Schmidt II., Landwirth in Harbach. 24. J. Weber IV., Landwirth in Lang⸗Göns. 25. P. Stoll II., Landwirth in Bad-Nauheim. 26. K. Winheim, Stiftsrechner in Lich. 27. Chr. Güngerich, Pachter auf Hof Albach. 28. J. Rahn V., Landw. in Altenhain. 29. L. Lang II., Bürgermeister in Oden— hausen. 30. J. J. Hermann, Landw. in Eschenrod.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 20. Febr. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. 0.85 0.95, Eier 1 St. 6, 2 St. große 13 Pf.
Frledberg, 19. Febr. Fruchtber. Walzen M. 19.00, Korn M. 16.50, Gerste M. 16., Hafer M. 13—14. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo S 200 Zollpfund.
Grünberg, 16. Febr. Fruchtpreise. Welzen M. 19.20, Korn M. 10.30, Gerste. 4.60, Hafer M. 14.80, Erbsen M. 18.40, Lein M. 19, Samen M. 32.
Jsraclitischer Gottesdienst in Friedberg. Sabbathfeler vom 23. Februar 1884. P. Stalim. Beginn: Freitag Abends 4 Uhr 45 Minuten. Samstag Morgens 8 Uhr 15 Min. 4 Nachmittags 3 Uhr 30 Min. Sabbathausgang 6 Uhr 25 Min. Wochengottesdienst von Sonntag den 24. Februar an Morgens 6% Uhr, Nachmittags 4½ Uhr. Dienstag den 26. und Mittwoch den 27. Februar: Neumond Adar.
Im Namen des Großherzogs! In der Privatklagesache
des Johannes Schweitzer IX. zu Ober-Mörlen, vertreten durch Rechtsanwalt Brentano di Tremezzo in Friedberg,
Privatklägers,
gegen
den Johann Reuß, Sohn des Johann Reuß II. daselbst,
Angeklagten, wegen Beleidigung, hat auf die von dem Privatkläger gegen das Urtheil des Großherzoglichen Schöffengerichts zu Bad⸗Nauheim vom 8. November 1883 eingelegte Be— rufung, die Strafkammer des Großherzoglichen Land— gerichts zu Gießen in der Sitzung vom 1. Februar 1884, an welcher Theil genommen haben:
1. Großh. Landgerichts director Muth, als Vorsitzender, Landgerichtsrath v. Schmalkalder, Landgerichtsrath Kullmann, als Richter,
Gerichts Accessist Pr. Loewe, als Gerichtsschreiber, für Recht erkannt, daß der Berufung des Privatklägers stattzugeben, das Urtheil Großh. Schöffengerichts Bad— Nauheim vom 8. November 1883 aufzuheben und statt dessen dahin zu erkennen, daß Angeklagter Johann Cleophas Reuß, Sohn des Johs. Reuß II., von Ober— Mörlen, geboren daselbst am 8. April 1863, ledig, katholisch, Landwirth, wegen öffentlicher Beleidigung in eine Geldstrafe von 50 Mark, eventuell 10 Tage Ge— fängniß, sowie zur Kostentragung einschließlich der dem Privatkläger erwachsenen nothwendigen Auslagen zu ver— urtheilen. Gleichzeitig wird dem Privatkläger die Be
2. Großh. 3. Großh.
Großh.
fugniß zuerkannt, die Verurtheilung des Angeklagten auf Kosten dieses innerhalb 14 Tagen, nach Zustellung der Urtheilsabschrift an, einmal durch den in Friedberg erscheinenden Oberhessischen Anzeiger zu veröffentlichen. Muth, v. Schmalkalder, Kullmann. F. d. A Dr. Loewe. 3 B. d A
Brentano, Rechtsanwalt.
Oeffentliche Aufforderung.
617 Der Kaufbrief des Georg Wolf IV. von Wohn- bach, jetzt in Amerika, vom 30. October 1866, über die in der Wohnbacher Gemarkung gelegenen Aecker Flur I Nr. 176 und 177, ist verloren gegangen.
Da der Kaufpreis, wie bescheinigt, bezahlt sein soll, so werden auf Antrag alle Diejenigen, welche Ansprüche an diese Liegenschaften machen wollen, aufgefordert, dieselben binnen 6 Wochen dahier geltend zu machen, widrigenfalls die Löschung der Beschränkung verfügt wird.
Hungen den 13. Februar 1884. Großherzogliches Amtsgericht. May.
716
91 7. 2 1 17 21 b Ein feines möblirtes Zimmer in der Nähe des Bahnhofes ist zu vermiethen.
Zu erfragen bei der Exped. d. Anz.
Klös.
800
Ein ordentliches Dienstmädchen
[gesucht. Zu erfragen bet der Exp. d. Anz. 693
Bekanntmachung.
Freitag den 22. Februar, Vormittags 11 Uhr, sollen im hiesigen Rathhause nachstehende Arbeiten an die Wenigstnehmenden in Accord gegeben werden:
1) Das Abrechen eines Theils der Stadtmauer hinter der Hofratthe des Wilhelm Ulrich, 17,50 m lang, 7,00 hoch, veranschlagt zu 220 Mark.
2) Das Fortfahren von Mauersteinen davon auf den neuen Friedhof, etwa 50-60 ebm, veranschlagt per ebm zu 80 Pfennig.
Friedberg den 19. Februar 1884.
Großherzogliche Bürgermeisteret Friedberg.
723 Steinhäuß er. 2 Jagd- Verpachtung. 676 Freitag den 22. d. Mts., Vormittags 10 Uhr,
soll die hiesige Feldjagd anderweitig auf hiesigem Rath— hause verpachtet werden. Bauernheim den 16. Februar 1884. Großherzogliche Bürgermeisterei Bauernheim. Väth.
Bekanntmachung.
Donnerstag den 21. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr, werden in dem Großherzoglichen Schloßgarten 37 Haufen Ausputzholz, größtentheils geeignet zu Erbsenreisern, öffentlich meistbietend versteigert.
Friedberg den 20. Februar 1884.
Broßherzogliche Schloß verwaltung Friedberg.
722 Dönges.
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ili
1
2
080 in vers
I


