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der ersten Zeit habe er keinen Grund zur Unzufriedenbeits ung auf die Forderung Rußlands und Deutsch— gehabt, bis er sich mit den Socialdemokraten eingelassen lands Mitglieder auch ihrerseits zur Staats-
habe. Später entdeckte er, daß Rupsch ihn bestohlen. Auf Vorhalten sagte Rupsch, die Socialdemokraten baben mich verführt. Zeuge Brinkann(Barmen) erklärt, Rupsch habe ihm gesagt, es werde mit den Social— demokraten noch ein schlechtes Ende nehmen, es sei ihm aber gleich, so oder so. Zeuge Sommereisen deponirt, Reinsdorf arbeitete mit ihm in einer Druckerei; er babe einmal gesehen, wle Reinsdorf aus Paris einen Brief mit 100⸗ oder 20-Franes billets bekommen habe. Zeuge Böllhof(Elberfeld) erklärt betreffs eines an seine Adresse gelangten Briefes mit 100 Mark aus Newyork, er wisse nicht, wie er zu diesem Gelde gelangte. Zeuge Schiebeck (Elberfeld) deponirt, daß ihm Reinsdorf gesagt, er werde große Thaten verüben und den Zürichern einen Streich spfelen; ganz Deutschland werde an ihn denken. Reinsdorf habe stets einen schweren Revolver bei sich getragen, auch eine Flasche Schwefelsäure besessen. Der Gerschtshof beschließt, die Zeugen Palm, West und Weber nicht zu beeldigen, da sie der Theilnahme ver; dächtig seien. Nach Verlesen mehrerer Schriftstücke wird die Beweisaufnahme geschlossen.
Ausland.
Schweiz. Bern, 17. Dez. Der National⸗ rath hat mit 86 gegen 34 Stimmen die Maß— nahmen des Bundes rathes gegen den Staats— rath von Tessin gutgeheißen.
— Dem Nationalrath ist folgender Antrag zugegangen: In Folge der im deutschen Reichs tage gemachten Vorlage, betreffs Subvention von Dampferlinien, und betreffs der Frage, ob die Mittelmeer-Linie von Genua oder von Triest auszugehen habe, muß die Schweiz und die Gotthardbahn wünschen, daß Genua als Aus— gangspunkt gewählt werde. Darum sei der Schweizer Bundesrath zu ersuchen, durch ge— eignete Schritte bei Entscheidung der obigen Frage das Interesse der Schweiz zu wahren.
Frankreich. Paris, 18. Dez. Die Kammer genehmigte Nachmittags das Finanzbudget. Die Finanzeommission des Senats berieth das Cultus— budget und stellte die von der Kammer ge— strichenen Credite wieder her.
— 18. Dez. Ein heute veröffentlichtes Decret ordnet die Bildung eines vierten Regi— ments algerischer Tirailleurs und die Theilung der Fremdenlegion in zwei Regimenter an.
Großbritannien. London, 17. Dez. Aus Varmouth wird gemeldet, daß die Regier— ung gerichtliches Vorgehen gegen Roß, Preston, Chalk, die Eigenthümer dreier Fischerboote, wegen Seeräuberei auf hohem Meere und Be— raubung des deutschen Schiffes„Diedrich“ am 19. September in der Nähe der holländischen Küste angeordnet habe.
Dover, 18. Dez. Bei der Durchsuchung der gestern vom Continent angelangten Waaren durch Zollbeamte, wurden in einer Kiste, die nach der Declaration Gußeisen enthalten sollte, an 200 Pfund Dynamit vorgefunden.
Spanien. Madrid, 16. Dez. Die Blätter theilen mit, daß die spanische afrikanische Ge— sellschaft kürzlich über 300 Meilen der afrikani— schen Küste zwischen Kap Vogador und Kap Blanco, einschließlich 200 Meilen Fischereigründe von großem Werth, in Besitz genommen hat. Die Gesellschaft hat ferner drei Factoreien unter dem Schutz der spanischen Flagge gegründet.
Barcelona, 18. Dez. In dem Treppen- hause eines Privathauses fand gestern eine Dynamit-Explosion statt, wodurch einige Zer— störungen angerichtet wurden. Menschenleben sind nicht zu beklagen.
Rumänien. Bukarest, 18. Dez. Das Amtsblatt veröffentlicht ein Gesetz, betreffend die Einberufung des Recrutencontingents von 12,000 Mann.
Rußland. Petersburg. Die„Pos. Ztg.“ berichtet: Ein am 7. d. Mts. auf den kaiser— lichen Zug geplantes Attentat ist glücklich ver— eitelt worden. Einer der längs der Bahnlinie aufgestellten Posten ist ermordet und nicht weit von ihm das Werkzeug gefunden worden, wo— mit der Versuch des Losschraubens der Eisen— bahnschienen gemacht worden war. Das Werk— zeug ist als einem seitdem verschwundenen Bahu— wärter gehörig erkannt worden.
Egypten. Kairo, 17. Dez. Die Besprech⸗ ungen über die Antwort der egyptischen Regier—
(schuldenkasse zu ernennen,
werden fortgesetzt. Die Regierung hatte beabsichtigt, mit Vorbehalt zu antworten wie der Khedive, gab aber den Vorbehalt auf, weil der russische und deutsche Vertreter deutlich erklärten, daß sie sich mit einer ausweichenden Antwort nicht zufrieden geben würden 5
China. Hongkong. Einer Daopesche der „Times“ vom 17. d. zufolge, glaubt man in Peking, die japanische Regierung werde sich mit der chinesischen Regierung in Betreff der Ange— legenheiten Korea's ins Einvernehmen setzen. Man hofft, die Angelegenheit werde gütlich geordnet.
Amerika. Washington, 18. Dec. Der Vertrag zwischen Amerika und Nicaragua über den Nicaragua-Canal ist dem Senate im Wort— laute gedruckt mitgetheilt worden. Präsident Arthur hebt in dem Begleitschreiben die großen Vortheile für die ganze Welt aus dem Canal— unternehmen hervor.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Wir können unseren Lesern die in⸗ teressante Mittheilung machen, daß Major Hinze endlich die von uns schon längst erwartete und gewünschte Klage (gegen Rechtsanwalt Jöckel als Urheber und den Redakteur des Anzeigers als Verbrelter) wegen Beleidigung er— hoben hat.
. Ilbenstadt. Die evangelischen Bewohner unseres Ortes, welche seither nach Nieder-Wöllstadt eingepfarrt waren, sind auf ihr Ansuchen, mit Genehmigung des Großherzogs und unter der verfassungsmäßigen Zustimm⸗ ung der Landessynode, nunmehr dem evangelischen Pfarr⸗ amte zu Burg Gräfenrode zur Pastortrung überwiesen worden. Am verflossenen Sonntage wurde die in dankens⸗ werther Munificenz seitens des Grafen zu Leiningen— Westerburg zur Abhaltung des Gottes dienstes zur Ver— fügung gestellte, auch im Innern und Aeußeren zu diesem Zwecke würdig und schön hergerichtete Gräfliche Gruft⸗ kapelle von Superintendent Dr. Habicht, im Auftrage Gr. Ober-Consistorlums, eingeweiht. Dekan Kalbhenn, der neue Seelsorger, hielt die Festpredigt.
Allerlei.
Düsseldorf, 17. Dee. Gestern Mittag gegen 1 Uhr entgleisten die Maschine und der Tender des Berliner Expreßzuges auf der Köln-Mindener Strecke in der Nähe der Pionierstraße. Die Maschine zerstörte dabel mehrere Weichen und ein Bahnwärterhäuschen. Die Personenwagen blieben glücklicherweise im Geleise, so daß von den Passagieren Niemand verletzt wurde.
[Von dem Zugpersonal hat sich der Maschinist leicht am
Arme verletzt. Die Ursache der Entgleisung soll ein Bandagenbruch an der Locomottve fein.
Posen, 15. Dec. Ueber einen neuen Eisenbahn— Unfall wird Verliner Blättern telegraphirt: Gestern Abend sttleßen zwei Güterzüge bei Statton Amsee auf der Strecke Posen-Thorn aufefnander. Die Unfallstelle ist auf längere Zeit nicht passirbar. Zwei Fahrbeamte sind schwer, einige andere leicht verwundet. Auf der Unfallstelle müssen die Passagiere umsteigen.
Mährisch-Ostrau, 17. Dec. Gestern Nachmittag haben in dem Salm'schen Siebener Schacht bet Polnisch— Ostrau schlagende Wetter stattgefunden. Drei Bergleute wurden getödtet und mehrere verwundet, von welchen elnige gestorben sind.
Gerichts saal.
Butzbach. In der am 12. dahier stattgehabten Schöffengerichts-Verhandlung kamen folgende Anklage sachen zur Aburtbeilung: 1) Johann Gg. Haumann von Rockenberg, angeklagt wegen Beleidigung des Gendarmen Weil von Rockenberg, wurde in eine Geldstrafe von 40 M., sowie in die Kosten verurtheilt, dem Beleidigten auch das Recht zugesprochen, den entscheidenden Theil des Urtheils binnen 14 Tagen nach eilangter Rechtskraft desselben einmal auf Kosten des Angeklagten in den „Wetterauer Boten“ einrücken lassen zu dürfen; 2) Marga— rethe Kuhl von Trais-Münzenberg, angeklagt wegen Dieb— stahls, erhielt eine Gesammtgefängnißstrafe von 12 Tagen und die Kosten; 3) Martin Sames, Philipp Tag und Gilbert Gorr III., sämmtlich von Trais-Münzenberg, angeklagt wegen Uebertretung der Straßenpolizetiordnung, wurden: Martin Sames wegen Versäumniß des Termins in eine Geldstrafe von 3 M. event. 1 Tag Haft ver⸗ urtheilt, Tag und Gorr dagegen der angeklagten Ueber— tretung für nichtschuldig befunden und deshalb von Strafe uud Kosten freigesprochen; 1) Konr. Diehl XI. von Hoch Weisel, angeklagt wegen Beleidigung des Flur⸗ schützen Becker von da, erhielt eine Geldstrafe von 10 M. event. 3 Tage Haft und die Kosten.
Gießen. Schwurgerichtsverbandlung am 16. l. Mts. gegen. Konrad Gunther von Lieblos und Kaspar Wagner von Mittel-Gründau, wegen Verbrechens gegen die Sittlich— keit. Die Geschworenen erkannten belde Angeklagten für schuldig und wurden demgemäß Konrad Günther in eine Gefängnißstrafe von 10 Monat und Kaspar Wagner in eine desgleichen von 9 Monat verurtheilt.— Schwur⸗
gerichtsverhandlung am 17. l. Mts. gegen Georg Friedrich Strack von Gießen, wegen betrüglichen und einfachen
Vankerutts. Die Geschworenen verneinten die ihnen vorgelegte Schuldfrage bezüglich des betrüglichen Banke— rutts, erkannten den Angeklagten jet och des einfachen Bankerutts für schuldig und wurde derselbe demgemäß wegen des ersteren Verbrechens freigesprochen, bezüglich der letzteren Beschuldigung aber in eine Gefängnißstrafe von 5 Monaten, abzüglich 1 Monat Untersuchungshaft verurtheilt.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 17. Dee. Auf dem beutigen Markt kostete per Ctr. Heu M. 2.60- 3.20, Stroh M. 22.50, Eier das Hundert M. 5.90— 9.60, Butter 1. Qual. M. 1, 2. Qual. M. 1.10, Kartoffeln per Ctr. M. 2— 2.50, Kohlrabi per Stück 3 Pf., Erbsen 100 Kg. M. 22-30, Rothkraut per St. 15—35 Pf., Huhn M. 1—2, 1 Ente M. 2 2.70, 1 Taube 40—60 Pf., Hahn M. 1.90—2, Gans M. 6—10, Welsche M. 5—8.
Bekanntmachung.
n Niederdorfelden wird am 15. December eine Posthülfstelle errichtet, deren Verwaltung dem Herrn Bürgermeister Steul übertragen worden ist.
Darmstadt, den 9. December 1884. Der Kaiserliche Ober-Postdirector: Hagemann.
Am Sonntag den 21. December werden die Annahmeschalter wie an den Wochentagen offen gehalten. Friedberg, den 18. December 1884. Katserliches Postamt. Wü st.
Einladung zur Lösung von Neujahrsgratulations⸗
Entbindungskarten.
Für diejenigen Personen, welche von den Glück⸗ wünschen zum neuen Jahr enthoben sein möchten, wer⸗ den in diesem Jahre, wie es schon seit mehreren Jahren an anderen Orten geschehen ist, sogenannte Neujahrs⸗ gratulations⸗Entbindungskarten gegen Entrichtung eines Geldbeitrags ausgegeben. Wer eine solche Karte erwirbt, von dem wird angenommen, daß er auf diese Weise seine Glückwünsche darbringt und ebenso seinerseits auf Be⸗ suche und Kartenzusendungen verzichtet. Die Karten können bei den beiden hiesigen Buchhändlern und Stift⸗ ungsrechner Heidt bis zum 28. Dezember gegen Bezahl— ung von 1 M. für das Stück in Empfang genommen werden. Die Namen der Abnehmer werden vor dem 1. Januar 1885 veröffentlicht. Bei den nach dem 28. Dezember gelösten Karten ist diese Veröffentlichung nicht mehr möglich. Der Erlös aus der Kasse wird für die Volksküche verwendet. Zur zahlreichen Betheiligung erlauben wir uns ganz ergebenst einzuladen.
Friedberg den 16. Dezember 1884.
Für die Armen-Commission: Meyer.
Für unsere Armen-Anstalten haben wir folgende Gaben erhalten, deren Empfang wir mit dem Ausdruck unseres freundlichsten Dankes öffentlich bescheinigen. A. Für das Bürger⸗Hospital: Kaufmann Häberle 5 M., Ungenannt 30 M. B. Für die Volksküche: Oberlebrer Bitsch 5 M., Kaufmann Häberle 10 M., Geschwister Dieffenbach 3 M., Professor Dr. Köstlin 10 M., Bürger⸗ meister Steinhäußer 3 M., aus einem Sühneversuch 5 M., Schulinspecetor Schmidt 5 M., Frau Major Römheld 5. M. und eine Mahne Gemüse, Kaufmann Fertsch ½ Centner Reis und ½ Centner Gerste, Director Matthias 3 M., Domänerath Stolz 5 M., Frau Crecelius 2 M., Spengler Heldt's Wittwe 2 M., Schlosser Rumpf 1 M. 50 Pf., Kappenmacher Kalbfleisch 2 M., Ungenannt 1 Korb Kartoffeln, Joseph Leineweber 1 Mahne mit Kartoffeln und Gemüse, Christoph Trumpfheller 10 Pfund Mehl, Georg Hanstein 0 Pfund Nierenfett, Ungenannt 1 Korb Kartoffeln, Ungenannt 1 Korb Gemüse, Unge— nannt 10 M., durch Frau Hof⸗Uhrmacher Hanau 1 M., Frau Medleinalrath Möller 2 M.
Für die Armen⸗Commission: Meyer.
Die Christbescheerung der Friedberger Kleinkinder-Schule findet Sonntag den 21. Dezember, Punkt 4 Uhr Nachmittags im Rathhaussaale statt. Als Beitrag zu den Kosten werden von Erwachsenen 20 Pf., von Kindern 10 Pf. Eintrittsgeld erhoben.
Kirchliche Anzeigen für Friedberg. Evangelische Gemeinde. 4. Advent. Pfarramtswoche Herr Pfarrer Meyer. Gottesdienst in der Stadtkircht: Nachmittags 1½, Uhr: Herr Candidat Euler. Gottesdienst in der Burgkirche: Vormittags 9½,ʒ Uhr: Herr Pfarrer Dr. Köstlin. Abends 5 Uhr: Herr Pfarrer Ur. Weiffenbach. Am zweiten Weihnachtstage Abendmahl in der Burg⸗
kirche, Beichte daselbst nach dem Vormittagsgottesdienste des ersten Festtages.
statholische Gemeinde. Samstag 5 Uhr: Beicht. Sonntag 6 Uhr: Beicht. 3/7 Uhr: Austheilung der heil. Communion. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2 Uhr: Christenlehre und Andacht.


