Ausgabe 
19.7.1884
 
Einzelbild herunterladen

Gordon's in Khartum abermals zur Sprache. In Beantwortung einer Anfrage theilt der Un terstaatssecretär für auswärtige Angelegenheiten, Lord Fitzmaurice, mit, es sei in Wady Halfa die Meldung eingetroffen, daß General Gordon in Khartum beständig Ausfälle mache.

Afrika. Durban. Es verlautet in Pieter maritzburg, daß die Boeren das Reservatgebiet betreten haben und John Dunn, sowie Hlubi anzugreifen beabsichtigen.

Aus Stadt und Land.

m. Friedberg. Das Misstonsfest, welches am 16. d. Mts. dahier abgehalten wurde, war in erfteu⸗ licher Weise von vielen Gästen von Auswärts und unter zahlreicher Betheiligung von Seiten der hiesigen Gemeinde ein stark besuchtes. Nach vorausgegangener Liturgie, bei welcher unter der Leitung des Seminarlehrers Schmidt der hiesige Musikverein die eingereihten Chöre ausgezeichnet, wie viele Gäste rühmten, vorgetragen hatte, predigte Superintendent Dr. Sell über das Wort Christt:Der Acker ist die Welt. Wir haben eine so geistesfreie und geistesfrische Missionspredigt, von der ernstesten l christlichen Gesinnung getragen, noch nie gehört. Der Prediger hat die hohe Bedeutung der Mission für unsere gesammte Culturentwickelung, die früher oft verkannt, jetzt aber ausnahmslos von allen Parteien, insbesondere von den bedeutendsten Sprachforschern und Staatsmännern aner kannt wird, in das hellste Licht gestellt, als er von dem Missionsfeld, der Missionsarbeit und dem Missionsziel sprach. Nach ihm setzte Missionär Bergfeldt, anknüpfend an Johs. 3, 16 auseinander, wie uns ein altes Recht und eine heilige Pflicht zur Heidenbekehrung ermuntert, indem er zugleich auf die reichen Erfolge dieser Arbeit hinwies. Bei dem einfachen Mittagessen am Schlusse des Gottesdienstes hat Kirchenrath Baur für die große Bethetligung an unserem Feste aus der Nähe und Ferne und für den Fahnenschmuck der Stadt den Dank des Kirchenvorstandes ausgesprochen. Im Nachmittagsgottes dienst hat Superintendent Dr. Habicht sehr entsprechend über Marc. 1, 1520 geredet und die Mission als ein Netz im Völkermeer bezeichnet, das aus den Seilen der Vaterliebe Gottes besteht, von Predigern und Missionären ausgeworfen wird, und an welchem nicht nur die Christen, die unter den Heiden wohnen, sondern auch die in der Heimath mitziehen sollen. Nach einer von dem Semi naristenchor vorgetragenen Psalmstelle erzählte Missio när Thumm, der längere Zeit im Süd-Mahratta-Distrikt unter den Hindus gearbeitet hatte, an Tim. 2, 5 an knüpfend, wie es die Helden einen schweren Kampf kostet, wenn sie von der Wahrheit des Christenthums überzeugt sind, die alten Banden, mit welchen sie an das Heiden thum geknüpft sind, zu zerreißen und mit aller Entschie denheit die neue Wahrheit des Evangeliums zu bekennen. Zwischen den beiden Gottesdiensten und nach dem Nach mittagsgottes dienst wurden die Freunde der Mission, welche aus den entfernteren Orten herbeigekommen waren, in den freundlich geschmückten Räumen des Spitals auf Veranstaltung des Seminarlehrers Wahl mit Kaffee und Kuchen bewirthet. Um 5 Uhr versammelten sich abermals die Missionsgäste in dem Steinhäußer'schen Felsenkeller zu einer Vereinigung im Freien. Auch hier hat der Seminaristenchor durch seinen schönen Gesang die Ver sammlung erfreut. Die trefflich geleitete Dilettanten Kapelle hat Musikstücke vorgetragen und außerdem haben Pfarrer Walz und Metropolitan Strobel kurze Ansprachen gehalten, in welchen sie insbesondere die hohen Verdienste rühmten, welche sich die Frauen um dieses Werk erwor ben haben. Es entwickelte sich hier ein beiteres christ liches Volksfest, an welchem aus allen Ständen und Partheien die Gäste freudig Antheil genommen und gern bezeugt haben, wie die großen christlichen Bestrebungen die volle Theilnahme aller evangelisch Gesinnten verdienen. Alle Theilnehmer an dieser zweiten Versammlung waren von herzlichstem Danke gegen unsere Dilettantenkapelle erfüllt, welche das Fest am frühen Morgen durch die Choralmusik vom Thurme der Burgkirche eröffnet und

zur Verherrlichung der Nachfeier ihr Bestes beigetragen hat. Diesem Dank gab Seminarlehrer Wahl zuletzt noch den entsprechenden Ausdruck

Darmstadt, 16. Juli. Ein schreckliches Gewitter, verbunden mit einem schauderhaften Wirbelsturme, hat heute Nachmittag in unserer Gegend ungeheuren Schaden angerichtet; eine Scheuer wurde umgerissen, Bäume ent⸗ wurzelt, hohe Schornsteine umgeworfen, sogar ein Kind mehrere Fuß hoch mit in die Luft genommen u. s. w.

Allerlei.

Augsburg, 16. Juli. Die berühmte Maschinen⸗ fabrik von Riedinger steht seit 9 Uhr heute Abend in Flammen.

Barmen. Ueber den Blitzschlag, welcher von den Zuschauern des Krembser'schen Wettrennens 20 nieder⸗ gestreckt und davon 4 getödtet hat, werden folgende Ein⸗ zelnheiten gemeldet: Es war um Uhr, als ein ent⸗ setzlich schmetternder und dröhnender Schlag alle noch Anwesenden erzittern machte: der Blitz war in einen zur Linken von der Tribüne außerhalb der Cickus umzäunung stehenden Menschenknäuel geschlagen und hatte 20 Personen zu Boden gestreckt, welche sämmtlich theils leichter, theils sehr schwer verletzt wurden. Einige der Beschädigten wurden von Freunden und Bekannten gleich in die naheliegenden Gebäude oder nach Hause fortgeschafft, eine Frau, ein Mann und ein Knabe in einer Droschke weggebracht. Zwölf Personen lagen da gegen leblos auf dem Boden. Sie wurden sofort unter die Tribüne gelegt und Belebungsversuche an ihnen vor genommen. Es gelang denn auch, acht der Betäubten und Gelähmten wieder ins Leben zurückzurufen, dagegen waren vier todt. Den Todten waren die Haare ver sengt; an den Füßen hatten sie offene Brandwunden; dagegen waren die Stiefel unverletzt. Einem Trompeter des Musikeorps, welches von der Unglücksstelle mindestens 100 Schritte entfernt stand, wurde durch den verhängniß vollen Blitzstrahl die Trompete platt geschlagen.

Bromberg, 17. Juli. Divisions- Commandeur General v. Radecke wurde heute früh, als derselbe den militärtschen Uebungen im Scheibenschießen beiwohnte, durch eine Gewehrkugel am linken Oberschenkel verletzt.

Leipzig. Die Anmeldungen der auswärtigen Schützen zum achten deutschen Schützenfeste laufen ebenso wie die Ehrengaben in bedeutender Anzahl ein. Zur Aus⸗ schmückung der Stadt sind umfassende Vorbereitungen getroffen. Der am 20. Juli stattfindende Festzug wird glänzend ausgestattet werden. Die Bauten auf dem Festplatz sind sämmtlich vollendet.

Wien. In der Anarchtstenaffaire gestand Kammerer über das Straßburger Attentat: Die Aufforderung zum anarchistischen Raubmord ging von Nummer eins des Rebell aus, welche 1883 in München, erschien. Stell macher verschrieb Kammerer aus Bern für den 21. October nach Basel, wohin noch ein dritter Unbekannter kam. Am 22. in Straßburg angelangt, rieth Stellmacher, den Apotheker zu berauben, und nebst dem Geld sich auch Medieamente und Gift zu verschaffen. Zur Verwischung der Spuren wurde eine Droschke nächst dem Bahnhofe um 11 Uhr Nachts gemiethet und außerhalb der Stadt gefahren. Die auf dem Wege versuchte Narkotisirung des Kutschers mißlang, daher wurde Reißaus genommen. Bei der Festung hielt der Soldat, welcher erschlagen wurde, sie an. Um Mitternacht wurde der Apotheker Lienhardt ermordet. Frau Lienhardt und das Dienst mädchen agnoseirten in Wien Stellmacher als das In dividum, das am Attentatstag in der Apotheke bettelte. Bei Eisert führten die Raubmörder Bomben mit.

Paris, 16. Juli. Von gestern früh bis zum Abend sind in Toulon 7 und in Marseille 30 Personen an der Cholera gestorben, von gestern Abend bis heute Vormit tag 10 Uhr sind in Toulon 22 Cholera Todesfälle vor⸗ gekommen, darunter die Frau des Admirals Fisquet, in Marseille sind von gestern Abend bis heute Vormit tag 10 Uhr 20 Personen an der Cholera gestorben. Aus Paris kommt die wichtige Kunde, Dr. Koch hätte sich, bevor er Lyon verließ, dahin geäußert, daß die Epidemie auf den jetzigen Herd beschränkt werden könne, wenn die Regierung eine zlemlich bedeutende Zahl von Aerzten an

Ort und Stelle schicke, welche sorgfältig jeden Fall prüfen und persönlich darüber wachen müßten, daß immer und ohne Einschränkung alle von den Kranken und Todten berrührenden Kleidungsstücke verbrannt würden. Damit stimmt vollkommen der stationäre Charakter der Epidemie in der letzten Zeit überein. 17. Juli. Von gestern Abend bis heute früh 10 Uhr sind in Toulon 14 und in Marseille 21 Personen an der Cholera gestorben.

London, 16. Juli. Bei einem Unfall, der den Schnellzug Nachmittags bei Bulhouse auf der Manchester⸗ Sheffield Bahn betraf, wurden 5 Passagiere getödtet und viele verletzt.

Petersburg. Die sibirische Pest grassirt im Gou⸗ vernement Pleskoff und hat bereits 20 Opfer gefordert. Die von den Behörden ergriffenen Vorsichtsmaßregeln zur Unterdrückung der Seuche werden als unzulänglich bezeichnet.

Gerichtssaal.

Friedberg, 15. Juli. In der Sitzung Gr. Schöffen⸗ gerichts vom heutigen wurde erkannt: 1) in der Privat- klagesache des Thomas Hütter von Dornassenheim gegen Wilhelm Jung von da, wegen Beleidigung, auf Frei⸗ sprechung des letzteren, unter Verurtheilung des ersteren in alle entstandenen Kosten; 2) in der Strafsache gegen Georg Köhler Ehefrau zu Ossenheim, wegen Beleidigung des Lehrers Nagel von da im Dienst, auf eine Geldstrafe von 10 Mark; 3) die weiter auf der Tagesordnung gestanden habenden Privatklagesachen: a. des Reinhard Klöß III. Frau von Weckesheim gegen Heinrich Leuk von da; b. des Reinhard Klöß III. und Frau gegen Friedrich Leuk daselbst, sowie 6. der Friedrich Leuk gegen Reinhard Klöß III. in Weckesheim, sämmtlich wegen Beleidigung, kamen nicht zur Verhandlung, da sie vorher durch Ver gleich ihre Erledigung gefunden hatten.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 16. Juli. Wochenmarkt. Birnen en gros zu M. 1214, Aprikosen zu M. 2030 per Centner. Hiesige Kartoffeln werden bereits zu M. 5.50 per Malter angeboten, gelbe rheinische kosten M. 10 12. Zwiebeln per Ctr. M. 14 16. Brockelbohnen per Pfund 20 Pf., gelbe 20 Pf., kleine Salatbohnen 25 Pf., Erbsen 15 Pf., ausgekernte per Liter 40 Pf. Kopfsalat ist theurer geworden und wird für das schöne Haupt 10 Pf. verlangt. In den übrigen Gemüse- und Obst⸗ sorten gegen den letzten Markt keine erwähnenswerthe Veränderung.

Frankfurt, 15. Juli. Heu- und Strohmarkt. Die Anfuhr belief sich auf 50 Wagen und wurde bezahlt je nach Qual. per Ctr. für Heu M. 2.50 2.80, für Stroh M. 2.402.70. Buttermarkt. Für Butter wurde im Engroshandel bezahlt per Ctr. M. 75, gering⸗ werthige M. 65, im Kleinverkauf je nach Güte der Waare per Pfd. M. 1 1.20.

Volksbad. Wasserwärme am 16. Juli Mittags 17 Reaumur. Walter.

Kirchliche Anzeigen für Friedberg. Evangelische Gemeinde. 6. Sonntag nach Trinitatis. Pfarramtswoche Herr Pfarrer Pr. Köstlin. Gottesdienst in der Stadtkirche: Vormittags 10 Uhr: Herr Candidat Simon. Nachmittags Uhr: Herr Kirchenrath Baur. Gottesdienst in der Burgkirche: Vormittags 9 Uhr: Herr Pfarrer Meyer. Nachmittags Uhr: Herr Pfarrer Dr. Diegel. Katechismuslehre.

Katholische Gemeinde. 7. Sonntag nach Pfingsten. Samstag 5 Uhr: Beicht. Sonntag 6 Uhr: Beicht. 347 Uhr: Austheilung der heil Communion. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2 Uhr: Christenlehre und Andacht.

Immobiliar-Versteigerung.

Dienstag den 22. Juli l. J., Vormittags 11 Uhr, sollen in biesigem Rathhaus auf freiwillgen Antrag des Carl Fritz II. dabier die nachbeschriebenen Immobilien öffentlich meistbietend versteigert werden:

Gemarkung Friedberg.

Flur. Nr. Klftr.

II. 592. 136%0j0. Scheuer in der Stadt,

II. 590. 22910. Grabgarten daselbst.

Bemerkt wird, daß die Scheuer erst vor mehreren Jahren erbaut worden ist, sich zu Lageräumen eignet, aber auch zu Wohnungsräumen eingerichtet werden kann.

Friedberg den 18. Juli 1884. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. 2697 Steinhäußer.

Chocolade Wagner,

Mainz,

Ph. Dan. Kümmich.

Corsesten

von den gewöhnlichsten bis zu den feinsten billigst bet 2693 Geschwister Schloß.

empfohlen von 1675

Holzversteigerung.

Montag den 21. Juli l. J., Vormittags Uhr anfangend, sollen in dem Nieder-Mörler Gemeindewald, Schlag Nr. 11, dem Forsthaus gegenüber, nachverzeichnete Holzsortimente versteigert werden:

275 Schäleichen-Baumstützen, 4 Raummeter Schäleichen-Scheiter,

124,5 1 1 Knüppel,

36 Späne,

12930 Schäleichen Wellen.

Die Zusammenkunft ist am Forsthaus Winterstein.

Zahlungstermin gegen Burgschaft Ende Dezember 1884.

Nieder-Mörlen am 17. Juli 1884. Großherzogliche Bürgermeisterei Nieder-Mörlen.

Kremer.

Kalk

hat jederzeit vorräthig

2675

Ziegelei am Bahnhof

zu Bad⸗Naubeim.

Bohnen schneidmaschinen

Jean Huber.

empfiehlt

Arbeits-Vergebung. Dienstag den 22. d. Mts., Vormittags um 10 Uhr,

sollen nachstehend verzeichnete Arbeiten auf dem Gemeinde zimmer zu Beienheim öffentlich vergeben werden:

Brechen von Chaussirsteinen, veranschlagt zu 54 M., Anfahren von Chaussirsteinen 113 Zerschlagen von Chaussirsteinen 1 Grabenarbeit 8 Friedberg den 18. Juli 1884. Zörb II., 2690 Bezirks bauaufseher.

Obligations-Verloosung.

Bei der hier erfolgten Verloosung der Partial-Obli⸗ gationen sind die Nummern 75 und 78 à 342 M. 86 Pf. rückzahlbar geworden, was den Inhabern derselben mit dem Anfügen mitgetheilt wird, daß der Betrag bis zum 1. November 1884 bei hiesiger Gemeindekasse in Empfang zu nehmen ist, da eine weitere Verzinsung von jenem Tage an nicht mehr stattfindet.

Ober⸗Erlenbach am 15. Juli 1884.

Großherzogliche Bürgermeisterei Ober-Erlenbach. 2679 Veith.

Ein freundliches Logis

hat zu vermiethen Louise Klees, Vorstadt.

R

3 e