Ausgabe 
15.7.1884
 
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Vorladung.

Nachdem gegen den Rekruten des Reserve Landwehrbataillons(Frankfurt a. M.) Nr. 80 Hermann Stern von Stammheim das förmliche kriegs rechtliche Verfahren wegen Fahnenflucht in contumaciam eröffnet ist, wird derselbe hierdurch aufgefordert, sich spätestens am 1. November 1884, Vormittags 10 Uhr im hiesigen Militär- gerichts local(Insanteriekaserne) einzufinden, widrigenfalls er in contumaciam für fahnenflüchtig erklärt wird, und in eine Geldstrafe von 150-3000 M. genommen wird.

Frankfurt a. M. den 30. Juni 1884.

Bekanntmachung.

Königliches Gericht der 21. Division.

Der Musketier Johann Wilhelm Geck, der 3. Compagnie, 2. Nassauischen Infanterie Regiments Nr. 88, aus Friedberg, ist durch kriegsgerichtliches Erkenntniß vom 27. Juni c., bestätigt am 2. Juli c., in contumaciam für fahnenflüchtig erklärt und in eine Geldstrafe von 300 Mark verurtheilt worden.

Mainz den 5. Juli 1884.

Königliches Gouvernements-Gericht.

Deutsches Reich.

Darmstadt. Der Hauptsteueramtscontro leur Klingelhöffer in Worms wurde zum Steuer commissär in Homberg ernannt, der Regierungs rath Dr. Hoffmann in Gießen wurde auf Nach suchen, unter Anerkennung seiner Dienste, in den Ruhestand versetzt. In Folge Aufhebung der betr. Dienststellen wurden die delegirten Kreis ärzte Geh. Medicinalrath Dr. Bode zu Bad Nauheim, Dr. Müller zu Pfeddersheim, Dr. Prinz zu Nidda, Dr. Wagner zu Osthofen, Dr. Föppl zu Höchst, unter Anerkennung ihrer Dienste, sowie der delegirte Kreisarzt Dr. Wehsarg zu Wörr stadt in den Ruhestand versetzt und dem Geh Medicinalrath Dr. Bode zu Bad-Nauheim das Ritterkreuz 1. Kl. des Philipps-Ordens und dem Kreisarzt Dr. Müller zu Pfeddersheim der Charakter als Medieinalrath verliehen.

Berlin. Der Reichsanzeiger meldet: Der Reichskanzler ersuchte die Bundesregierungen, zu erwägen, inwiefern ein Theil der Einrichtungen, welche die Cholera-Commission für den Fall des Fortschreitens der Cholera in Frankreich empfohlen, schon jetzt vorzubereiten sein möchte.

13. Juli. Die Nordd. Allg. Ztg. erklärt die Behauptung des Pariser Figaro, der deutsche Gesandte in Peking, Brandt, habe in Peking alle fremden Vertreter zu einer antifranzösischen Liga vereint und sei nach Peking gekommen, um Fournier's Bemühungen zu hintertreiben ꝛc., für durchaus unbegründet. Die Instruction wie das Verhalten Brandt's konnten nur dahin gerichtet sein, eine Verständigung zwischen Frank reich und China herbeizuführen und der Bei legung des Streites zwischen beiden Ländern förderlich zu sein. Alle gegentheiligen Behaupt ungen beruhen auf Unwissenheit und Bosheit.

Mainau, 12. Juli. Der Kaiser unter nahm gestern Abend eine Dampferfahrt nach der Konstanzer Bucht, wo er vom Verdeck aus der auf der Seestraße spielenden Regimentsmusik zuhörte. Eine dichte Volksmenge auf der See straße und die Jusassen zahlloser Gondeln, welche das Schiff umschwärmten, brachten dem Kaiser begeisterte Ovationen dar. Heute Abend wurde von dem Officiercorps der Koustanzer Garnison ein costümirtes Jagdfest arrangirt, das äußerst glänzend verlief.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 13. Juli. Das Kriegsministerium hat die Einberufung zu den Waffenübungen betreffs derjenigen Urlauber und Reservisten, welche sich in Frankreich auf⸗ halten, aus Anlaß der in Südfrankreich herrschen den Choleraepidemie für dieses Jahr sistirt.

Prag. Die Blaͤtternachricht, daß mau czechi scherseits für die Gründung czechischer Schulen in Preußisch-Schlesien agittre, wird von der Politik auf das Entschiedenste dementirt.

Holland. Haag, 12. Juli. Die erste Kammer hat die Vorlage, betr. die Auleihe von 60 Million Gulden und den zwischen Frankreich und den Niederlanden abgeschlossenen, Handels vertrag angenommen. i

Schweden. Stockholm. Die Taufe des am 17. Juni geborenen Sohnes des Kronprinzen paares wird am 18. Juli t stattfinden. Der Prinz wird Carl Wilhelm Ludwig Herzog von Söder manland genannt werden.

Frankreich. Paris. Der Municipalrath lehnte eine Vertagung der Feier am 14. Juli ab.

11. Juli. Das Journal Paris meldet: Bei der gestrigen Unterredung Ferry's mit Li Fong-Pao bot Letzterer den sofortigen Rückzug der chinesischen Truppen aus Tonkin au. China

erkenne das Recht Frankreichs, Geuugthuung zu

fordern, an, wünsche aber die Art und den Um fang derselben selbst zu bestimmen. Der fran zösische Gesandte Patenotre erhielt die französische Note, worin eine Kriegsentschädigung verlangt wird, gestern in Shanghai und übermittelte die selbe sofort nach Peking; für die Beantwort ung der Note ist eine achttägige Frist festgesetzt. Demnach sind alle Gerüchte von einem militä rischen Vorgehen Frankreichs vor Ablauf dieser Frist unbegründet.

12. Juli. Die Kammer hat den Credit von 2 Million für die von der Cholera heim gesuchten Städte einstimmig genehmigt, ebenso einen weiteren Credit von 500,000 Fres. zur Bestreitung der durch die Epidemie verursachten Kosten. Die Kammer nahm ferner Art. 1 der Zuckersteuervorlage an, welcher neue Steuern auf Zucker jeden Ursprunges, sowie auf inlän dischen Traubenzucker einführt. Sodann begrün deten Revillon und Laguerre ihren Antrag auf Amnestie für alle politischen Verbrecher. Der An trag wird mit 283 gegen 123 Stimmen abgelehnt.

Großbritannien. London. Das in Malta garnisonirende Vorkshire-Regiment(Princeß of Wales' Own) hat den Befehl erhalten, sich zur Einschiffung nach Egypten bereit zu halten.

13. Juli. Dem Observer zufolge haben sich die französischen finanziellen Beigeordneten für die Conferenz entschieden gegen Reduction der Zinsen der egyptischen Schuld ausgesprochen.

Dublin. Aus verschiedenen Theilen Irlands wird gemeldet, daß agrarische Brandstiftungen und Ausschreitungen, verübt von den eiast so gefürchtetenMondscheinbanden wieder über hand nehmen.

Italien. Rom, 1. Juli. Die liberalen wie die klerikalen Blätter besprechen lebhaft Aeußer ungen des spanischen Ministers der öffentlichen Arbeiten, Pidal, über die weltliche Herrschaft des Papstes. Popolo Romano sagt hierbei, daß der betreffende Fall in Regierungskreisen einen peinlichen Eindruck gemacht habe und der offi cielle Wortlaut der Rede erwartet werde. Nach dem Diritto hätte die Regierung bereits Recla mationen in Madrid erhoben. Einer Meld ung derAgencia Stefaui aus Madrid zufolge, beauftragte die spanische Regierung den spanischen Gesandten in Rom, Mancini, die freundschaft lichsten und herzlichsten Versicherungen zu geben und den lebhaften Wunsch auszudrücken, den durch Pidal veranlaßten Zwischenfall zur vollen Zuftie denheit Italiens zu beendigen. Behufs Erreich ung dieses finden gegenwärtig Verhandlungen zwischen dem spanischen Cabinet und dem tta lieuischen Gesandten in Madrid statt. Letzterer erhielt auch die Weisung, ein formelles Dementi betreffs der Worte Pidal's zu verlangen, daß Italien die spanische Regierung anläßlich des Passus in der spanischen Thronrede, welcher die zwischen Spanien und dem Vatikan herrschen den wohlwollenden Beziehungen betont, beglück wünscht habe.

Serbien. Belgrad. Der König von Ru mänien ließ die Absicht notificiren, den König von Serbien Mitte August in Belgrad besuchen zu wollen. Die Nachricht rief hier allgemeine Befriedigung hervor.

Rumänien. Bukarest. Der König und die Königin werden sich im Monat October nach Deutschland begeben, um der zu dieser Zeit statt findenden Feier der goldenen Hochzeit des Fürsten und der Furstin von Hohenzollern-Sigmaringen beizuwohnen.

Rußland. Petersburg, 12. Juli. Der Kaiser, die Kaiserin und die Herzogin von Edin burg sind gestern in Peterhof eingetroffen.

Aegypten. Kairo, 11. Juli. Das Bureau Reuter meldet: Nach einer Depesche Taylor's aus Assuan soll sich der Mudir von Dongola als vom Mahdi ernannten Emir proclamirt haben und auf Wadihalfa vorrücken wollen.

12. Juli. Die Saint-James-Gazette meldet: Die Regierung erhielt die Nachricht, daß Osman Digma sich des 60 Meilen von Suakin entfernten Forts Asis am rothen Meere be mächtigt habe.

Amerika. Chicago, 11. Juli. Die demo kratische Convention saß bis spät Nachts zu sammen, wo die Abstimmung stattgefunden hat, worin Cleveland 392 Stimmen, Bayard 170, andere Candidaten eine geringere Anzahl erhielten.

12. Juli. Zum demokratischen Candi daten der Vicepräsidentschaft wurde Hendrichs gewählt.

Aus Stadt und Land.

h. Friedberg, 10. Juli. Gestern tagte zu Bad⸗ Nauheim die Synode des Dekanats Friedberg für das Jahr 1884 unter dem Vorsitze des Dekans Buchhold. Eröffnet wurde dieselbe durch einen Gottesdlenst, in welchem Professor Dr. Weiffenbach von Friedberg über J. Petr. 2, 5g9 eine geistvolle, vortreffliche Predigt hielt und die apostolische Mahnung: Bauet euch zum geistlichen Hause! nach den drei Seiten hin betrachtete, daß er 1) von dem Baugrund, 2) von dem Bauziel, 3) von den Baumitteln des geistlichen Hauses redete. Nach ¼½stündiger Pause begannen die eigentlichen Ver handlungen der Synode im neuen Kurhause bei Anwesen heit von 39 Synodalen. Zunächst verlas der Vorx sützende den Bescheid Gr. Oberconsistorlums auf dle Vechandlungen und Beschlüsse der vorjährigen Dekanats synode. Hierauf erstattete in gedrängter Kürze Kirchen rath Baur Namens des Dekanatsausschusses den Rechen schaftsbericht über den kirchlichen und überhaupt religiös sittlichen Zustand der Dekanats Kirchen Gemeinden, der zu keinen weiteren Bemerkungen Anlaß gab. An diese Verlesung schloß sich die Erklärung des Dekans Buch hold, daß er aus Gesundheitsrücksichten sein Amt leider niederlegen müsse, aber hoffe, die Wahl der Synode werde auf einen würdigen und jugendlich-kräftigen Nach folger im Dekanate fallen. Zugleich stattete Redner Kirchenrath Baur öffentlich seinen Dank für dessen treue und gewissenhafte Unterstützung des leidenden Dekans ab. Kirchenrath Baur erklärte hierauf, den Rücktritt des Dekans bedauernd, daß er eine etwa auf ihn fallende Wahl zum Dekan, deren Möglichkeit und Wahrscheinlich keit anzunehmen für ihn, den seitherigen Stellver- treter des Dekans, nicht unbescheiden scheine, nicht acceptiren könne, weil seine schwachen und leidenden Augen dies unbedingt verböten. Er empfehle der Synode die Wahl eines jugendlich kräftigen, in der Nähe des Dekanats Hauptortes wohnenden Gelstlichen. Auf eine allgemein gehaltene Aufforderung des Dekans hin erklärte noch Pfarrer Kayser von Reichelsheim, daß er eine event. Wahl zum Dekan unter keiner Bedingung annehmen würde. Nachdem noch Professor Ur. Weiffenbach aus dem Schoße der Synode heraus dem scheidenden Dekan Buch hold einige herzliche Worte des tiefen Bedauerns über den Rücktritt und der aufrichtigen Verehrung und Liebe zugerufen und die Mit-Synodalen sich zum Zeichen der Zustimmung von den Sitzen erhoben hatten, wurde zu den Wahlen geschritten. Zum Dekan wurde Pfarrer Meyer von Friedberg mit 27 Stimmen erwählt; mlt gleicher Stimmenzahl wurde Prof. Dr. Weiffenbach zum geistlichen Abgeordneten für die Landes-Synode nominirt, und mit 34 Stimmen Seminar-Director Schäfer zum weltlichen Abgeordneten für die Landes Synode wiedergewählt. Als Stellvertreter wurden Kirchen rath Baur und Kaufmann Wießler von Butzbach ge wählt, beziebungsweise wiedergewählt. Den Schluß bildete die Verlesung eines wohlgelungenen Referats Professor Dr. Köstlin's über eine würdigere Ausgestaltung der kirchlichen Beerdigung. Die Synode beschloß, diesen Gegenstand in Anknüpfung an zu stellende Thesen des Referenten anf der nächstjährigen Synode eingehend zu discattren. An die Verhandlungen schloß sich ein Mittags- mahl und Zusammensein an, das mit Toasten ernst⸗ bewegten und heiteren Inhaltes gewürzt war.

5. Bad⸗Nauheim, 10. Juli. Heute constltuirte sich dahier unter dem Vorsitze des Bürgermeisters Wörner ein Lokal⸗Comité für die am 13. August dahier stattfindende 23. Wanderversammlung des Oberh. Bienenzüchtervereins. Von auswärts wurden Oberförster Strack aus Ober Rosbach, sowie die Seminarlehrer Wahl und Süß aus Friedberg in das Comité gewählt. Nach dem durch den Prästdenten des Vereins, Pfarrer Deichert aus Groß Bußeck, vorgelegten Programm wird am 12. August,