Bekanntmachung.
Betreffend: Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Militärdienst im Frühjahr 1884.
Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Früh⸗ jahr 1884 stattfindenden rubricirten Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulassung bei
Meidung des Ausschlusses von dieser Prüfung
spätestens bis zum 1. Februar 1884 bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission einzureichen. Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Speziellen das Folgende bemerkt: 1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum
Hessen seinen dauernden Aufenthaltsort hat.
2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17.
Lebensjahre erfolgen.
3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird.
4. Dem Gesuch sind folgende Papiere beizufügen: a. Geburts— zeugniß; b. Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit und Fähigkeit, den Freiwilligen wahrend einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen; c. ein Unbescholtenheitszeugniß, welches von der Polizei— Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist; d. einen
selbstgeschriebenen Lebenslauf.
Zu pos. b. wird noch besonders darauf hingewiesen, daß in dem Einwilligungs-Attest die Erklärung des Vaters oder Vormundes, daß er in der Lage sei, den Freiwilligen während des einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen darf und daß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein muß.
5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen(Französisch, Englisch, Lateinisch oder Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will.
6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung ein—⸗ gereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholten— heitszeugniß beizulegen.
Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungsordnung(Anlage 2 zur Ersatzordnung— I. Theil der Wehrordnung vom 28. September 1875— Regierungs- Blatt Nr. 55 von 1875) Aufschluß.
Bezüglich des Prüfungs-Termins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt eventuell weitere Bekanntmachung; auf spezielle Ladung kann nicht gerechnet werden.
Darmstadt den 15. Dezember 1883.
Großherzogliche Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige.
Der Vorsitzende: Gros.
Deutsches Reich.
Friedberg. Die Hess. Volksbl. bringen folgende überraschende Notiz: In gut unter— richteten Kreisen wird versichert, daß bei der dies— jährigen Reichstagswahl Bürgermeister Küchler in Worms, früher Kreisassessor in Friedberg, von den vereinigten Conservativen und Frei— Conservativen für den Wahlkreis Friedberg— Büdingen aufgestellt werden soll.
Darmstadt. Das Regierungsblatt 1884, Nr. 1 und 2 enthält: Verordnung, die Vorbe— reitung zum Staatsdienst im Medicinalfach betr., Bekanntmachung, die Bestimmungen über die Führung des Musterregisters nach dem Reichs— gesetze über das Urheberecht an Mustern und Modellen betr.
— Der Districtseinnehmer Rendant Dieffen— bach in Pfeddersheim, wurde auf Nachsuchen, unter Anerkennung seiner Dienste in den Ruhe— stand versetzt.
— Militärdienst-Nachrichten. Justizrath Deiglmayr, Garnisonsauditeur in Mainz, wurde die nachgesuchte Entlassung ertheilt; Gerichts— Accessist Koch zum Garnisonsauditeur in Dieden— hofen ernannt.
Berlin, 11. Jan. Graf Herbert v. Bismarck ist zur deutschen Botschaft in Petersburg ver— setzt worden und begibt sich anfangs der nächsten Woche dorthin.
— 11. Jan. Im Abgeordnetenhause wird die Generaldiscussion über die Jagdordnung fortgesetzt und die Vorlage an eine Commission von 21 Mitgliedern verwieseu. Das Gesetz über den Austausch von Gebietstheilen zwischen Preu— ßen und Württemberg wird debattelos in erster und zweiter Lesung angenommen und das Gesetz über den Zinsfuß der Consols an die Budget— commission verwiesen.— 12. Jan. Das Ab⸗ geordnetenhaus erledigte in dritter Lesung den Gesetzentwurf über den weiteren Erwerb von Privatbahnen, geht sodann zur weiteren Etats— berathung über und genehmigte den Etat der Bauverwaltung nach den Anträgen der Budget— Commission.
Dresden, 11. Jan. Wie schon die zweite Kammer ließ heute die erste Kammer einstimmig die Petitionen gegen den Offizier-Consumverein auf sich beruhen.
München, 11. Jan. Kammer. Bei Be⸗ rathung des Antrags Soden auf Vorlegung eines Gesetzentwurfs betreffs einer staatlichen Mobi— liarbrandversicherung hob Abg. v. Soden die billigere Verwaltung und das gerechtere Ver— fahren hervor und wies auf die Wahrscheinlich— keit des Reichsversicherungszwanges bei dem Nichtvorgehen der Einzelstaaten hin. Der An— trag wird bei namentlicher Abstimmung mit 115 gegen 41 Stimmen angenommen.
Ausland. Oesterreich-Ungarn. Wien. lich der gegenwärtig in Paris schwebenden Han—
Hinsicht⸗
delsvertragsverhandlungen meldet die Presse, daß die österreichische Regierung eine Note an das französische Cabinet gerichtet habe, worin der Abschluß eines Meistbegünstigungsvertrags auf unbestimmte Zeit mit einjähriger oder halbjäh— riger Kündigung vorgeschlagen wird. OGleich— zeitig sollen die Verhandlungen über den Tarif— vertrag weiter geführt werden. Das gegen— wärtige Provisorium läuft im Februar ab.
— 12. Jan. Einem offiziellen Bulletin zu— folge ist die Kronprinzessin Stephanie an Vari— cellen leichter Art erkrankt. Das Befinden der Kronprinzessin gibt zu keinerlei Besorgnissen Anlaß.
Pest, 12. Jan. Das ungarische Oberhaus verwarf mit Hilfe der österreichischen Indigenen mit 200 gegen 191 Stimmen abermals die Gesetzesvorlage betreffs der Ehe zwischen Christen und Juden.
Agram, 11. Jan. Der Landtag genehmigte mit 69 gegen 25 Stimmen die Jndemnitätsvorlage.
Frankreich. Paris, 11. Jan. La Paix, das Organ Grevy's, erklärt von Neuem die verbreiteten Gerüchte von einem ungünstigen Gesundheitszustand Grevy's für unrichtig.
— 11. Jan. Der Senat wählte Humbert, Peyrat und Teisserenc de Bort zu Vicepräsidenten.
— Reuter's Bureau meldet aus Hayphong vom 7. d. Mts.: Es verlautet, Courbet wolle ohne Verstärkungen abzuwarten auf Bacninh vorrücken.
Großbritannien. London, 12. Jan. Wie verlautet, ist gestern auch in's Schloß von Windsor ein Drohbrief gelangt. Infolge dessen wurden militärische Vorkehrungen zum Schutze des Schlosses gegen etwaige fenische Anschläge getroffen.
Spanien. Madrid, 10. Jan. In der Kammer erklärte der Minister des Innern, das Cabinet wünsche die Reform der Verfassung, aber nicht die Ernennung einer constituirenden Versammlung. Der Militärdienst solle nächstens für alle Spanier obligatorisch werden. Die Re— gierung sei für die Anwendung des allgemeinen Stimmrechts, wodurch sich die Zahl der Wähler auf 3½ Million stellen würde.
— 11. Jan. In der Kammer forderte heute der Arbeitsminister die Opposition dringend auf, das allgemeine Stimmrecht und die Reform der Verfassung nicht zu bekämpfen, damit eine Ver— söhnung der einzelnen Fractionen der liberalen und monarchischen Partei erreicht werde.
Italien Rom 1 Jan Der hier za Besuch weilende Mukthar Pascha, der dem König Humbert einen türkischen Orden überbracht hatte, besuchte gestern und heute das vaticanische Mu— seum und empfing und erwiederte den Besuch des Cardinals Hassun. Am Sonntag findet zu seinen Ehren ein Hofdiner und am Montag ein Diner in der türkischen Botschaft statt.
Bulgarien. Sofia, 13. Jan. Die Mi⸗ nister Stoiloff und Maschevitsch haben ihre Entlassung gegeben. Wie es heißt, wären
Dr. Pomenoff für das Portefeuille der Justiz und Sarasoff für das der Finanzen designirt. Rußland. Petersburg, 12. Jan. Die kaiserliche Familie ist heute in das hiesige Anitschkoff-Palais übergesiedelt.
— Sämmtliche Angestellte im Palais zu Gatschina sind unter die schärfste Controle ge— stellt worden. Anläßlich der jüngsten Ermord— ung des Polizei-Chefs Sudejkin entfaltet die Petersburger Polizei eine fieberhafte Thätigkeit. Trotzdem ist es ihr noch nicht gelungen, Dega— jeff's Spur aufzufinden.
— Gelegentlich der jüngsten Verhaftungen von Studenten in Moskau wurde durch saisirte Documente das Bestehen eines förmlichen Bundes unter den Studenten der dortigen Universität mit revolutionären Tendenzen constatirt.
Egypten. Kairo. Ein Schreiben Sherif Pascha's an den Khedive legt die Gründe für die Demission des vorigen Cabinets dar. Sher f führt aus, daß Baring in einer Unterredung erklärt habe, wenn England einen Rath ertheile, so müßten die Minister ihn ausführen lassen. Dieser Zustand der Dinge würde die Verantwortlichkeit der Minister illusorisch machen. Deshalb glaubte das Cabinet demissioniren zu müssen.
— 12. Jan. Einer Meldung der Agence Havas zufolge ist der Befehl ertheilt worden, Khartum von den egyptischen Truppen zu räumen; die Kanonen sollen vernagelt und die Pulver- vorräthe in's Wasser geworfen werden. Wie verlautet, sind alle Anstrengungen auf die Ver— theidigung von Massauah und Suakim gerichtet. Eingeborene Truppen unter Zebehr Pascha schifften sich heute in Suez nach Suakim ein, um die Garnisonen von Tokkar und Sincat zu unterstützen. Sobald diese Operation beendigt ist, sollen sämmtliche Streitkräfte der Expedition Baker Paschas nach Kairo zurückkehren.
Asien. Hongkong, 11. Jan. Die Times meldet, daß in Folge eines Gesuches der Be— völkerung Hainan's um Schutz gegen den fran— zösischen Angriff 2000 Mann chinesischer Truppen nach Hainan gesandt seien.
Aus Stadt und Land.
n. Friedberg. Sicherem Vernehmen nach wird der auf den 14. Dezember v. J. vom Volksbildungs⸗ verein angekündigte Vortrag des Seminarlehrers Dr. Heid über Erziehung zur Arbeit, der damals wegen Verhinderung des Vortragenden verschoben werden mußte, nun nächsten Freitag stattfinden.
h. Groß⸗Karben. Diejenigen Oekonomen, welche an hiesige Station Milch zum Versandt nach Frankfurt bringen, sind verpflichtet, beim Einladen der Milch in die Eisenbahnwagen zu helfen, resp. eine Person zu diesem Geschäfte zu stellen. Eine Eingabe der Milchver—⸗ sender von Kloppenheim, Okarben, Petterweil und Groß— Karben an das königl. Eisenbahn Betriebsamt um Ent⸗ bindung von dieser lästigen Pflicht konnte rücksichtlich einer präeisen Beförderung der Personenzüge nicht genehmigt werden; indessen wurde die Genehmigung in Aussicht gestellt, wenn die Milch mit Güterzügen zum Versandt käme. Die vielen Unzuträglichkeiten, welche durch das Einstellen der Milchkannen durch die Arbeitsleute der Versender entstehen, dürften diese veranlassen, den Ver⸗
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