Ausgabe 
12.2.1884
 
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des§ 4 des Einkommensteuergesetzes, welche die Befreiung der Militärpersonen des Unteroffizier und Gemeinenstandes des activen Heeres von der Einkommensteuer aussprechen; ebenso den ersten Theil des§ 5, welcher die als steuer pflichtiges Einkommen anzusehenden Einkünfte aufzählt. Nummer 1 des zweiten Theils, welche die bei der Steuer-Veranlagung in Abzug zu bringenden Ausgaben aufführt, wird gleichfalls angenommen.

Der Reichsanzeiger meldet: Die Regier ung bot der Berlin-Hamburger Eisenbahn-Ge sellschaft nunmehr definitiv eine Rente von 16½ Procent nebst baarer Zuzahlung von 60 Mark pro Actie an, gegen Uebernahme des Unter nehmens ab 1. Januar 1884. Für die An nahme des Anerbietens ist bis zum 1. April Frist gesetzt. Der Vertragsentwurf ist mit den bisherigen Verstaatlichungsverträgen wesentlich übereinstimmend.

Wiesbaden. Die Kaiserin von Oesterreich kommt zu mehrwöchentlichem Aufenthalt hierher; in denVier Jahreszeiten sind 60 Zimmer für sie gemiethet.

Dresden, 8. Febr. Heute Abend erfolgte die feierliche Beisetzung der Leiche der Prinzessin Georg in der katholischen Hofkirche unter dem Trauergeläute aller Glocken und unter großer Theilnahme der Bevölkerung. Der König Prinz Georg und Prinz Friedrich August gaben der Leiche bis zur Gruft das Geleite. Die kirchliche Feier nach der Beisetzung begann mit dem salve regina und schloß mit Gebet.

München. Der Finanzausschuß beschloß mit allen gegen eine Stimme, die Forterhebung des bisherigen Malzaufschlags von 6 M. pro 1884/85 in der Kammer zu beantragen.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Pest, 8. Febr. Das Abgeordnetenhaus acceptirte mit großer Majorität das Budgetgesetz pro 1884. Das selbe stellt die Gesammtausgaben auf 329,057,839 Gulden, die Gesammteinnahmen und Einkünfte auf 311,881,180 fl. fest, das Deficit beträgt 17,176,659 fl. Der Finanzminister wird er mächtigt, das Deficit im Wege der Credit operation zu decken.

Schweiz. Aarau, 8 Febr. Der Große Rath von Aargau hat ein Decret angenommen, wonach die Garantiestädte die ihnen zugeschriebe nen zwei Dritttheile des Bundes-Darlehens übernehmen müssen. Wenn die Ortsbürgerge meinden die früheren Offerten nicht erneuern sollten, wird Zwang gegen sie angewandt. Der Canton Aargau will seinen Theil der National bahnschuld zahlen.

Frankreich. Paris, 9. Febr. Die Kam mer begann heute die Berathung des Gesetz entwurfs, betreffend das Verbot von Minifesta tionen auf öffentlichen Plätzen und Straßen. Mehrere Redner sprachen dagegen, Expolizei präfect Renault dafür.

Großbritannien. London, 7. Februar. Wie die Admiralität mittheilt, verläßt das PanzerschiffCarysfort Alexandrien, um zu dem Geschwader unter Admiral Hewett bei Suakim zu stoßen; die KriegsschiffeMonarch undHekla würden von Malta sofort mit Verstärkungen nach Suakim abgehen. Das TransportschiffPoonah geht morgen mit einer Abtheilung Marine-Infanterie von hier nach Plymouth und nimmt dort eine zweite Abtheilung an Bord, um dann den zusammen 514 Mann zählenden Truppentransport fofort nach Suakim zu bringen.

Auf den Schiffsbauplätzen von Belfast haben sämmtliche Schmiede, über 2000 an der Zahl, wegen einer Lohnherabsetzung die Arbeit eingestellt. Die in Lancashire versuchte Ver ständigung der Baumwollspinner mit ihren Ar beitgebern ist gescheitert und der Strike dauert fort.

Spanien. Madrid. Die in auswärtigen

für völlig unbegründet erklärt. In der gesammten Monarchie herrsche vollständige Ruhe u. Ordnung.

Rumänien. Bukarest, 10. Febr. In der Kammer dankte Rosetti dem Parlamente für das ihm votirte Nationalgeschenk, erklärte aber, daß er dasselbe nicht annehme. Conseil-Präsident Bratiano ersuchte die Kammer, ihr Votum auf recht zu erhalten und sagte, das Haus werde ausgebaut werden; wenn Rosetti es nicht be wohnen wolle, werde es als beständige Erinner ung an die Dankbarkeit Rumäniens gegen einen seiner besten Bürger dastehen.

Egypten. Kairo, 8. Febr. Nubar Pascha, Baring und General Wood conferirten über die Mittel zur Vertheidigung Suakims. Es ver lautet, der größere Theil der Truppen Baker Pascha's werde von Suakim zurückberufen werden, weil unter denselben Unzufriedenheit herrsche, in Folge dessen Baker Pascha das Standrecht ver künden mußte.

8. Febr. Die egyptische Regierung be schloß, bereits morgen drei in der egyptischen Armee dienende englische Offiziere nach Suakim abgehen zu lassen, um aus der Elite der Neger truppen ein 500 bis 600 Mann zählendes Bataillon zu bilden, welchem in Gemeinschaft mit den englischen Marinesoldaten die Verthei digung Suakims anvertraut wird. Baker Pascha und die noch übrigen egyptischen Truppen in Suakim werden zurückberufen.

Die Totalmacht der Auffständischen bei dem Angriff Bakers betrug 1800 Mann, wo von 600 getödtet wurden. Baker meldet über die Versuche einer Reorganisirung der Mann schaften; dieselben seien jedoch nur fähig, den Kampf hinter Verschanzungen auf kurze Zeit auszuhalten. Spione hätten berichtet, die Auf ständigen beabsichtigten, Suakim anzugreifen, welches er mit seinen Mannschaften zu ver theidigen hoffe.

Ueber Osman Digma, den Führer der aufständischen Araber, welche Baker Pascha ge schlagen haben, verlautet neuestens, daß derselbe auf eigene Rechnung den Jusurgenten spiele und in keiner Beziehung zum Mahdi stehe. Osman Digma sei, heißt es, der Nachkomme einer der alten Mamelukenfamilien, deren oligarchischer Verband jahrhundertelang Egypten beherrscht hat und erst von Mehemed Ali verdrängt und mit blutiger Energie ausgetilgt wurde; in seiner Eigenschaft als Erbe eines dieser Mameluken Beys trachte er selbst nach der Herrschaft über das Land und mache keineswegs die Geschäfte des Propheten.

9. Febr. Eine Depesche aus Suakim meldet, daß daselbst eine Meldung Tewfik Paschas, des Commandanten von Sinkat eingetroffen sei, welche Hülfe nachsucht. Derselbe berichtet, daß die Garnison in einer verzweifelten Lage sei, sie sterbe Hungers, und ein Ausfall würde ledig lich eine Niedermetzelung durch den Feind zur Folge haben. Einer Depesche aus Suakim zu folge ist es aber unmöglich, von Suakim aus Hülfe zu bringen, wegen des meuterischen Geistes der egyptischen Truppen, und weil der Feind Suakim von der Landseite einschließe.

9. Febr. General Gordon ist heute in Berber angekommen. Weitere Nachrichten sind von ihm erst bei der Ankunft in Khartum zu erwarten, da die Telegraphenverbindung unter brochen ist. Unterhalb Khartums wurden Insur gentenbanden an den Nilufern gesehen.

Afrika. Durban, 9. Februar. An Lord Derby soll heute eine Depesche abgegangen sein, welche den plötzlichen Tod Cetewayo's meldet.

Aus Stadt und Land.

Friedberg, 11. Febr. Am Samstag wurden eine größere Anzahl von an der Zuckerfabrik beschäftigten Arbeitern entlassen, da die Rüben soweit verarbeitet sind und zur Bewältigung der noch übrig bleibenden Arbeiten eine kleinere Anzahl von Arbeitern genügt. Zwei der Entlassenen, Namens Bäcker und Schneider,

beide aus Sachsen, überfielen nun gestern, am Sonntag,

Blättern verbreitete Nachricht von einem angeb⸗ als nur wenige Leute in der Fabrik waren, anscheinend

5 1 79 555 8 1 S., obne jede Veranlassung, den Zuckerkocher Heinze, einen lich bevorstehenden Militäraufstand in Spanien sebr braven und gewissenhaften Mann, und schlugen ihn wird in den der Regierung nahestehenden Kreisen halbtodt. Außer einigen abgeprallten Schlägen auf

Kopf und Schulter, bekam er einen Schlag auf das Rückgrat, der möglicherweise bedenklich werden kann. Heinze liegt in seiner Wohnung darnieder; die beiden Thäter, die von Andern angestiftet sein sollen, sitzen hinter Schloß und Riegel. Am Thatorte wurde ein Todtschläger gefunden.

p. Friedberg. Ein zweiter Vortrag des Ingenieurs Brockmann aus Offenbach über die Erzeugung des elek trischen Stromes durch mechanische Arbeit, die elektrische Beleuchtung und Kraftübertragung wird Mittwoch den 20. d. Mts. auf Veranlassung des Localgewerbvereins stattfinden; auch steht demnächst ein Vortrag des Redak teurs Heinrich Becker von Frankfurt aus dem Gebiete der Geologie und der Kunstgeschichte in Aussicht.

Pfungstadt, 9. Febr. Der von Zigeunern vor längerer Zeit in Bamberg geraubte Knabe soll nun endlich ermittelt worden sein. Wie man nämlich dem Pf. Anz. mittheilt, wurden in einem Wagen der Zigeuner, die sich bei Griesheim gelagert, von einem dortigen Jungen die Rufe:Ich will zu meinen Eltern nach Bamberg gehört. Auf polizeiliches Eingreifen wurde den braunen Gesellen ein fünfjähriger blondlockiger Knabe abgenommen. Es ist dies das seit August vorigen Jahres in Bamberg verschwundene Kind, welches das freche Zigeunervolk damals geraubt hatte und verborgen hielt. Unsere verehrlichen Leser werden sich erinnern, daß vor einiger Zeit in Seligenstadt und neuerdings in Butzbach Kinder dieselben Rufe gehört haben, doch waren die Zigeuner, ehe polizeiliche Hilfe requirirt werden konnte, auf und davon gegangen. Das befreite Knäblein verschmähte jede angebotene Nahrung, verlangte nur immer den Eltern gebracht zu werden.

Allerlei. Frankfurt, 10. Febr. Gestern Nacht zwischen

11 und 12 Uhr wurde in der Nähe des Rechneigrabens der Liquerfabrikant Fulda aus Coblenz, auf dem Wege zu seiner in der Obermain-Anlage gelegenen Wohnung begriffen, von zwei Strolchen angefallen. Sie versetzten ihm mit einem Messer einen Stich in die Brust und be raubten ihn seines 300 M. enthaltenden Portemonnaies, während der Angefallene seine Uhr mit Kette vor den Griffen der Strolche sich noch erhalten konnte. Als er um Hülfe rief, liefen die Angreifer fort, und leider ist es bis jetzt noch nicht gelungen, sie zu ergreifen oder ihre Spur zu entdecken. F. schleppte sich mühsam in seine Wohnung, wo er an der nicht sehr gefährlichen Wunde darniederliegt. Das entleerte Portemonnaie wurde später in der Nähe des Thatortes aufgefunden.

Rostock. Am 7. Februar wurde, als der Ober Staatsanwalt Blands sich im Arbeitszimmer des Landes- Archivars Dunkelmann befand, von der Straße aus durch das Fenster mehrmals auf den Erstgenannten ge schossen. Beide blieben jedoch zum Glück unverletzt. Leider ist der Thäter entkommen, während die Kugeln gefunden wurden.

New-Rork, 7. Febr. Den jüngsten Meldungen zufolge lassen die Regengüsse im Westen nach; die Ueber schwemmungen nehmen ab.

New⸗ Pork, 9. Febr. Der Ohiofluß steigt in Cineinnati noch langsam und dürfte seinen Höhepunkt am Sonntag Morgen erreichen. In mehreren Orten am Ohioflusse ist Lebensmittelmangel eingetreten; die Unterstützungscomites vertheilen Eßwaaren. In Tennessee und Cumberland und Arkansas steigen die Flüsse noch; viele Bewohner der Uferorte muͤssen ihre Häuser verlassen.

Astrachan. Am 4. Februar trieben auf einer sich vom Lande ablösenden ungeheuren Eisscholle 150 Fischer ins Meer. Irgend welche Nachrichten über das Schicksal derselben sind bis jetzt nicht eingetroffen.

Gerichtssaal.

Friedberg, 5. Febr. Schöffengerichts wurde erkannt: 1) in der Strafsache gegen Konrad Weygand von Assenheim, angeklagt wegen Körperverletzung, auf eine Gefängnißstrafe von 5 Wochen; 2) in der Strafsache gegen Johannes Gröninger XV. von Ockstadt, angeklagt wegen Körperverletzung, auf eine Gefängnißstrafe von 14 Tagen; 3) in der Straf⸗ sache gegen Tobias Holdmann von Ober- Wöllstadt, an geklagt wegen Betrugs, auf eine Gefängnißstrafe von 5 Wochen, welche Strafe durch die erlittene Detentions haft für verbüßt erklärt wurde; 4) in der Strafsache gegen Peter Richberg von Romrod, angeklagt wegen Diebstahls und Sachbeschädigung, Ruhestörung, Trunken heit, Bettelns und Landstreicherei, auf eine Gefängniß strafe von 4 Wochen und eine Haftstrafe von 12 Tagen, sowie auf Ueberweisung an die Landespolizei-Behörde; 5) in der Strafsache gegen Christoph Stelz, Karl Wirth und Heinrich Nicolai von Leidhecken, angeklagt wegen Hausfriedensbruchs und Beleidigung, auf Freisprechung.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 9. Febr. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. 0.80 0.85, Eier 1 St. 6, 2 St. große 13 Pf.

Gießen, 9. Febr. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.90- 1.00, Eier per St. 67 Pf., 2 Stück 00 Pf., Käse per Stück 58 Pf., Tauben per Paar M. 0.75 1.20, Hühner per Stück M. 0.90 1.30, Hahnen per Stück M. 0.75 1.40, Enten per Stück M. 2.00 2.20, Ochsenfleisch per Pfd. 6600 Pf., Kuh- und Rindfleisch 4856 Pf., Kalbfleisch 4550 Pf., Schweinefleisch 6000 Pf., Hammelfleisch 6070 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3.50 4.00, Zwiebeln per Centner M. 9.

Homburg v. d. H., 9. Febr. Wochenmarkt. Kar⸗ toffeln per Malter M. 3.50 4.50, per Gescheid von 8 bis

9 Pf., Eier per Stück 6, 7 und 8 Pf., Butter per Pfund

1. Qual. M. 0.90, 2. Qual. M. 0.80.

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