Deutsches Reich.
Berlin. Die kronprinzliche Familie, welche zur Zeit in Bozen in Tyrol weilt, wird vor der Rückkehr nach Berlin erst noch einen kurzen Aufenthalt in Wiesbaden nehmen. Prinz Heinrich dagegen wird bereits am 11. October in Kiel eintreffen, um die Vorlesungen in der Marine— Academie zu besuchen, welche am nächsten Tage dort ihren Anfang nehmen.
— 8. Oct. Der Hierherkunft des Kanzlers wird für den 14. October entgegen gesehen. Fürst Bismarck beabsichtigt, sich an der Fertig— stellung der socialpolitischen Gesetzentwürfe, be— treffend die Ausdehnung des Unfallversicherungs— gesetzes auf die bisher noch nicht einbezogenen Gewerbe, zu betheiligen.— Graf Herbert Bis— marck ist gestern Abend von Paris abgereist, nachdem er im Laufe des Tages Besuche mit Jules Ferry ausgetauscht und seine Karte beim Präsidenten Grevy abgegeben hatte.— Mit der Reise des Grafen Muͤnster nach Friedrichsruhe gelten wohl mit Recht die letzten Gerüchte über dessen Abgang von London als beseitigt
— Die„Nordd. Allg. Ztg.“ dementirt ent— schieden, daß eine Vorlage wegen Uebertragung der Eisenbahnen auf das Reich zu erwarten sei.
Braunschweig, 8. Oct. Nach aus Si— byllenort eingetroffenen Nachrichten ist Herzog Wilhelm erkrankt. Der„Braunschw. Anzeiger“ meldet über das Befinden des Herzogs, daß die rheumatischen und neuralgischen Schmerzen, an welchen der Herzog schon längere Zeit leide, nicht ohne Rückwirkung auf das Allgemeinbefin— den geblieben seien. Der Herzog bedürfe augen— blicklich der Ruhe und Schonung und habe der— selbe deßhalb auch seine Rückkehr nach Braun— schweig noch verschoben.
Homburg, 6. Oct. Der Landgraf von Hessen, dessen Hierherkunft in dieser Woche er— wartet wurde, ist aufs neue erkrankt und deß— halb wurde die bereits hier eingetroffene Diener— schaft zurückberufen. Seine Abreise ist auf un— bestimmte Zeit verschoben.
Stuttgart. Der König wird, wie man hört, wegen seines noch immer leidenden Ge— sundheitszustandes genöthigt sein, während der Wintermonate wieder ein südliches Klima auf— zusuchen. Es soll wieder ein Punkt an der Ri— viera und zwar an der französischen, voraus— sichtlich Nizza, in Aussicht genommen sein.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Prag, 9. Oct. Der im Landtage vertheilte Antrag der Zucker— Commission beantragt Erleichterung in der Ein— richtung der Rübensteuer, directe oder indirecte Unterstützung der Zuckerfabriken seitens der Re— gierung während der Krise durch Beleihung der Waare, oder durch Ausgabe von Warrants. Die vom Abgeordnetenhause angeregte Enquete solle unverzüglich einberufen werden, um über die Sanirung der Zuckerindustrie zu berathen. Die Regierung solle womöglich Vereinbarungen mit Deutschland bezüglich einer Regelung der Besteuerung der Zuckerindustrie treffen.
Frankreich. Paris, 8. Oet. Die Budget- Commission berieth heute eingehend über ver— schiedene Mittel zur Herstellung des Gleichge—
wichts des Budgets, namentlich über Einschräuk—
ung der Amortisirung oder Emittirung einer Anleihe. Sie beschloß schließlich nicht die Ini
tiative zu ergreifen, sondern die Regierung auf— zufordern, rathsam erscheinende Vorschläge zu machen. Die Ergebnisse der indirecten Steuern pro September ergaben gegen den Voranschlag 5 Million Minus; in den ersten 9 Monaten dieses Jahres gegen den Voranschlag ein Ge— sammtminus von 47 Million.
— Ein Telegramm aus Hanoi vom 8. d. meldet: 600 Franzosen mit Artillerie, unterstützt von 3 Kanonenbooten, schlugen die Chinesen am Lochnan nach sechsstündigem Kampfe vollständig.
— Ein Telegramm der„Agence Havas“ meldet aus Shanghai: Das Bombardement von Tamsin begann am 2. d. und dauerte noch am 6. d. fort. Sämmtliche Forts sind zerstört, die Häuser der europäischen Einwohner sind von den Kugeln arg mitgenommen, die Einwohner selbst haben nicht gelitten. Die Chinesen haben sich stark verschanzt. General Negrier stieß am 8. October bei Kep auf 6000 Mann chinesischer regulärer Truppen, welche ein von Verschanz— ungen umgebenes Centralschanzwerk besetzt hiel— ten. Die Chinesen begannen den Angriff und suchten die Franzosen zu umringen. Das Ge— fecht dauerte von früh 9 Uhr bis Nachmittags 2 Uhr und endete mit der Flucht der Chinesen.
Großbritannien. London, 9. October. Die„Times“ erfährt, daß in dem gestrigen Cabinetsrathe beschlossen worden sei, sofort Maßregeln zu ergreifen, um den Eingriffen der Boeren in das Beschuanalaud ein Ende zu machen. Eine präcise Form für die zu thuenden Schritte sei noch nicht festgestellt.
Italien. Rom. In einigen hiesigen Blättern wird colportirt, daß Frankreich in Savoyen Fortificationen errichten und speciell Nizza befestigen lasse. Der Meldung wird in— dessen in sonst gut unterrichteten Kreisen der Charakter einer tendenziösen Ausstreuung bei— gemessen.
Egypten. Kairo. Das Gerücht von der Ermordung des Consuls Herbin beruht nur auf einer Vermuthung, welche darauf zurückzuführen ist, daß General Gordon gemeldet, er beabsich— tige die Consuln von England, Oesterreich und Frankreich mit Stewart nach Berber zu senden— Ueber Stewarl's Schicksal liegen keine weiteren Nachrichten vor.
Aus Stadt und Land.
w. Bad- Nauheim. Die Traubencur dahier hat nun ihren, wenn auch noch kleinen Anfang genommen, und werden wir von competenter Seite versichert, daß die Johannisbergtrauben in keinerlei Beziehung gegen die Rheintrauben zurückstehen.
g. Ziegenberg, 9. Oet. Der hiesige Förster Som— merlad hatte heute Morgen das Glück, einen Zwölfender im Gewicht von ca. 250 Pfund zu erlegen, dem schon lange von vielen Jägern nachgestellt wurde, der aber bis jetzt noch keinem zum Schusse kam.
n. Bodenrod. Den Bemühungen unseres Bürger
meisters Wissig und Försters Saltenberger ist es zu ver— 5
danken, daß nicht nur unsere Waldwege in gutem, auch
bei schlechter Witterung gangbarem Zustande sich befinden,
sondern daß dieselben auch an geeigneten Plätzen mit Vänken zum Ausruhen versehen wurden. Dürfen wir nun noch einen Wunsch aussprechen, so wäre es der, daß an geeigneten Stellen auch Wegweiser angebracht wur— den. Unser Ort eignet sich überhaupt in Folge seiner romantischen Lage und gesunden Luft als Zielpunkt von Ausflügen. Touristen wird die Notiz willkommen sein, daß man bei Gastwirth Wissig Gelegenheit zum Loglren und vorzügliche Verpflegung gegen billige Berechnung findet.
Allerlei.
st. Frankfurt. Für die unter Mitwirkung des Vogl'schen Ehepaares aus München stattfindenden Auf führungen von„Tristan und Isolde“ im Opernhause ist nun der 15. und 17. October festgesetzt worden. Der Beschluß, nur diese beiden Vorstellungen von„Tristan und Isolde“ stattfinden zu lassen, soll aufrecht erbalten bleiben. Vormerkungen auf Plätze werden schon jetzt an der Kasse des Opernhauses entgegengenommen.
Wien. Hadji Loja, der bekannte bosnische In— surgentenführer, hat seine mehrjährige Strafhaft nunmehr verbüßt und ist am 7. Oetober, von zwei Soldaten be— gleitet, von Wien nach Triest abgegangen. Er plauderte viel mit seinen Begleitern und wurde von auf dem Perron anwesenden Passagieren des Zuges, die sich um ihn schaarten, reichlich mit Cigarren und Geldstücken beschenkt. Von Triest geht Hadji Loja mit einem Lloyd— dampfer nach Suez, wo er der türkischen Behörde über— geben wird.
Olmütz, 9 Oct. Gestern Nachmittag fand im Emma Schachte des Bergwerkes in Polnisch Ostrau eine Explesion schlagender Wetter statt; es wurden etwa 20 Bergarbeiter getödet, die Zahl der Verletzten ist noch nicht festgestellt.
Nom, 9. Oet. Vorgestern wüthete in Catania ein heftiger Cyklon, welcher alle Telegraphendrähte zerstörte und viele Häuser zum Einstürzen brachte. Bisjetzt sind 27 Todte und 350 Verwundete aus den Trümmern her— vorgezogen. Der Schaden an Eigenthum wird auf 2 Millton geschätzt.
Verloosung.
Frankfurt, 8. Oet. Pferdemarkt-Lotterie. Der 1. Preis, ein Vierspänner, fiel auf 16742. 2. Prels, ein zweispänniger Mylord mit Pferden und Geschirr, Nr. 19786. 3. Preis, ein zweispänniges Coupé mit Pferden und Geschirr, Nr. 13265. 4. Preis, ein zwei⸗ spänniger Omnibus mit Pferden und Geschirr, Nr. 26272. 5. Preis, ein Coup mit Pferd und Geschirr, Nr. 22632. 6. Preis, ein einspänniges Mylord mit Pferd und Ge— schirr, Nr. 146. 7. Preis, ein einspänniges Mallphaston mit Pferd und Geschirr, Nr. 28060. 9. Preis, eln ein⸗ spänniger Sandläufer mit Pferd und Geschirr, Nr. 4469. 10. Preis, ein zweispänniger Schlitten mit Pferden und Geschirr, Nr. 8546. Pferde gewannen folgende Nrn.: 20340, 28189, 29988, 31372, 6613, 22118, 23387, 4989, 26157, 35530, 34662, 8591, 21502, 12986, 21582, 7043, 6273, 13660, 12360, 2870, 30212, 10545, 21749, 882, 21114, 32873, 17750, 8849, 4158, 25755, 10295, 24394, 5749, 26912, 33582, 1740, 21090, 33009, 14445, 25483, 27327.
Kirchliche Anzeigen für Friedberg Evangelische Gemeinde.
18. Sonntag nach Trinitatis. Pfarramtswoche Herr Pfarrer Meyer. Gottesdienst in der Stadtkirche:
Vormittags 10½ Uhr: Herr Pfarrer Meyer. 5 Nachmittags 1½ Uhr: Herr Pfarrer Münch von Ober—
Rosbach. Gottesdienst in der Burgkirche: Vormittags 9 Uhr: Herr Kirchenrath Baur.
statholische Gemeinde. 19. Sonntag nach Pfingsten. Samstag 5 Uhr: Beicht. Sonntag 6 Uhr: Beicht. 3/47 Uhr: Austheilung der heil. Communkon. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2 Uhr: Christenlehre und Andacht.
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