Ausgabe 
7.10.1884
 
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Erwägung zu ziehen. Diese Abänderung läßt jede Verfassungsrevision während der Regent schaft zu, ausgenommen hinsichtlich des Artikels der Thronfolgeordnung. Im Laufe der nächsten Woche erfolgt die Auflösung der Kammern. Der Entwurf der ziemlich ausgedehnten Verfassungs revision ist gegenwärtig dem Staatsrathe zuge gangen.

Belgien. Brüssel, 3 Oct. Detre, Re dacteur desNationals, frauzösischer Unterthau, wurde ausgewiesen und ist heute Abend nach Rosendaal(Holland) abgereist.

Frankreich. Paris. DieTimes bringt ein noch unbestätigtes Telegramm aus Tientsin, wonach Frankreich die Mediation Amerikas wünsche. Der amerikanische Gesandte sei des halb in Tientsin eingetroffen. Frankreich halte die Forderungen seines Ultimatums vom 19. Aug. aufrecht. DieAgence Havas bemerkt zu diesem Telegramm, die Vereinigten Staaten könnten immerhin ihre guten Dienste behufs der Besei tigung der obwaltenden Differenzen leihen, Frank reich habe aber keine Mediation nachgesucht.

DasJournal officiel veröffentlicht ein Decret, welches die Kammern auf den 14 Oct. einberust.

DieAgence Havas dementirt das von einem hiesigen Journal erwähnte Gerücht, Wad dington solle in London durch Tricou ersetzt werden, und bemerkt, es sei überhaupt nicht die Rede, Waddington von London abzuberufen.

Eine Depesche Courbet's an den Ma⸗ rineminister aus Kelung vom 3. d. sagt: Wir haben am 1. October die Operationen gegen Kelung mit der Besetzung des Hügels St. Ele ment begonnen, die nach einem ziemlich heißen Gefechte erfolgte. In der Nacht zum 2. räum⸗ ten die Chinesen 2 Werke westlich des Hügels St. Element, wir besetzten dieselben ohne Schwert streich und suchen uns darin zu verschanzen und werden am 4. October die Operationen gegen ein östlich gelegenes Schanzwerk beginnen. DieAgence Havas meldet aus Hanoi: Die KauonenbooteMousqueton,Massue und Hache, welche vor dem Marsche der Truppen das Thal Lochnan recognoscirten, wurden von regulären chinesischen Truppen angegriffen, wo bei ein Officier getödtet und 30 Mann ver wundet wurden; Verstärkungen sind angekommen. Ein Theil der Truppen mit dem General Negrier wird Hanoi wieder verlassen.

Großbritannien. London. Ein Tele gramm derTimes aus Alexandrien vom 2. d. meldet:Wolseley erhielt auf telegraphischem Wege Befehl, vor Ende October nach London zurückzukehren und das Commando der Nileppe⸗ dition an Stephenson abzutreten. DieTimes bezeichnet diese Meldung als authentisch. Ein Telegramm vonReuter's Bureau aus Kairo dementirt officiell diese Meldung.

Rumänien. Bukarest, 5. Oct. Heute wird in den zu einer außerordentlichen Session

einberufenen Kammern das Auflösungsdeeret verlesen werden. Die Wahlcollegien werden

zum 6. November einberufen. Die neuen Kammern treten am 15. November zusammen

Egypften. Kairo, 3. Oct.Reuter's Bureau meldet: Der Khedive empfing ein Tele gramm, wonach Berber zurückerobert sei, doch sei es den Rebellen gelungen, den Kriegsschatz fortzubringen.

J. Oct. Die Staatsschuldencasse citirte heute Nubar Pascha und andere Verwaltungs beamte, darunter zwei uenglische, zum 20. Nov. vor Gericht

5. Oct. Die egyptische Regierung ist außer Stande, einen Vorschuß von Lst. 100,000, den sie zwei Banken schuldet, Nubar Pascha beantwortete am 4. Protestnote der Mächte mit der Erklärung, daß die Suspendirung des Tilgungsfonds mit Rück sicht auf die Lage des Staatsschatzes absolut

kleine

zurückzuzahlen. beispielloser Hefligkeit.

wirkung und wird, wie es heißt, den englischen Inhabern egyptischer Schuldobligationen über sein Verhalten demnächst Rechenschaft geben.

Amerika. Washington. Der amerikanische Gesandte besuchte jüugst die amerikanischen Consulate in China und hatte, wie bestimmt versichert wird, in Tientsin eine Unterredung mit Li Hung-Cbang; er war aber nicht instruirt, irgend ein Gesuch Frankreichs um Mediation zu übermitteln. Der Gesandte hatte vorher mehrere Couferenzen mit Li-Hung-Chang, um zu ermitteln, ob China geneigt sei, Schritte zu thun zur Beilegung der Differenzen mit Frank reich. Der jüngste Besuch galt demselben Zwecke, allein weder Frankreich noch China suchten die Mediation Amerikas nach.

Allerlei.

st. Frankfurt. Die erste Aufführung von Richard Wagner'sTristan und Isolde im Opernhause ist nun definitiv für den 15. October angesetzt worden Durch die Mitwirkung hervorragender auswärtiger Kräfte in einzelnen Hauptpartieen und gleichzeitig durch die beste Besetzung von Seite der Frankfurter Oper, dürfte für diese Vorstellung ein Ensemble von besonderer Bedeutung geschaffen werden. Wie bisher feststeht, wird Frau Vogl aus München die Isolde, Frau Angelina Luger von der Frankfurter Oper die Brangäne und Kammersänger Vogl aus München den Tristan singen. Außerdem sind die Sänger Baumann und Grtenauer(von der Frankfurter Oper) in bedeutenden Partieen beschäftigt. Intendant Claar hat für eine reiche Inseenirung Sorge getragen, wie man sie an den Frankfurter Bühnen gewöhnt ist. Kapellmeister Deßoff leitet den musikalischen Theil. Ober- regisseur Schwemer führt die Regie.

Insbruck. Bei der Skartirung der Gemeindeaeten von Ried im Oberinnihal wurde jüngst nachstehendes Schriftstück aufgefunden:Abschrift. Königlich bayerisches Armeccorps. Tagesbefehl. Der Andrä Hofer, sogenannter Sandwirth und Haupträdelsführer in Tyrol, der so oft sein gegebenes Wort brach und nicht aufhörte, das Volk durch falsche Eingebungen zu verführen, wurde so eben mit einem seiner Mitschuldigen durch die Truppen Sr. Majestät des Kaisers der Franzosen, Königs von Italien, welche Südtyrol besetzt halten, aufgefangen. Im Haupfquartier Insbruck; den 31. Jänner 1810. Der Divisionsgeneral Commandirender des königlich bayerischen Armeecorps, Unterzeichneter Reichsgraf von Erlon. Für gleichlautende Abschrift der Adjutant, Chef des Generalstabes, Boyer. Als Erledigung hat der damalige Gemeindevorsteher die Worte dazu geschrieben: Au Weh!

Hünfeld, 5. Oct. Der gestrige Frankfurter Abend zug ist bei der Einfahrt in den hiesigen Vahnhof in Folge eines Achsenbruches entgleist, wobei mehrere leichte Verletzungen von Passagieren vorkamen.

Wien, 3. Oet. Der berühmte Maler Hans Makart ist heute Abend gestorben. Nachdem er schon längere Zeit sehr nervös war und nicht arbeiten durfte, ging es ihm in der letzten Zeit wieder besser, bis er vor einigen Tagen an einer Gehirnhautentzündung, verbunden mit einer Lungenaffectton erkrankte. Seit vorgestern trat eine heftige Verschlimmerung seines Befindens ohne Wiederkehr des Bewußtseins ein.

Parts, 4. Oct. Nach dem Pariser sanitären Wochen bericht starven in der letzten Woche 806 Personen, 116 weniger als in der vorigen Woche. Die Sterblichkeits ziffer ist niedriger, als seit langer Zeit. An sporadischer Cholera starben nur 3, im Departement Ostpyrenäen gestern 3 Personen an der Cholera.

Kopenhagen, 3. Oet. Heute Nachmittag brach im hiesigen Schlosse Christiansburg Feuer aus. Das Schloß wurde vollständig zerstört. Die Gemäldesamm lung und mehrere Kostbarkeiten sind gerettet. Das Feuer dauert fort, das Wetter ist still, die Stadt ist nicht bedroht. 4. Oet. Der Brand des Schlosses wurde in der Nacht bewältigt. Große Kunstschätze, darunter Werke Thorwaldsens, und das Archiv des Reichstags sind ver

nichtet. Der Schaden wird auf mehrere Million ge schätzt. Die Schloßkirche und das Thorwaldsen Museum, obwohl stark bedroht, blieben unversehrt. Der König

und der Kronprinz verweilten bis um Mitternacht auf der Brandstätte.

Kopenhagen. Ein von Island angekommener Dampfer überbringt Verichte über den letzten fürchter lichen Orkan, der die Insel am 11. September heim gesucht. Der Sturm soll die Natur eines Cyelon ge habt und große Verheerung angerichtet haben. Neunzehn Schiffe, zumeist norwegische Handelsfahrzeuge, sind unter gegangen und 32 wurden stark beschädigt, während 60 Fischerboote, verknüpft mit großem Verlust an Menschenleben, gänzlich scheiterten. Nach der Schilder⸗ ung der Einwohner von Island war der Sturm von Auf dem Lande war die Ver

d. die heerung weniger groß, aber das soeben eingeheimste Heu wurde zerstreut.

Madrid, 4. Oet. 5 Choleratodesfälle vor. Petersburg, 4. Oct. Nach einer Meldung aus

In ganz Spanien kamen gestern

Saratow ist daselbst eine große Anzahl Häuser in dem

nothwendig gewesen sei. Bei dem von der Arbeiterviertel an dem Wolgaufer durch einen mächtigen

Staatsschuldencasse gegen die egyptische Regierung Vers 18 3. augestrengten Processe verweigerte das englische! beschädigt. e 5 3 5 Müuglied der Staatsschuldencasse seine Mit- gekommen.

Verloosungen. Lübecker 50 Thaler⸗Loose von 1863. Bei ter am 1. d. Mts. stattgefundenen Verloosung wurden

243 323 527 550 1259 1361 1414 1749 1823 1864 2256 2366 2505

solgende Serien gezogen: 13 116 209 742 794 855 916 999 1031 1216 1477 1625 1626 1687 1742 1748 1920 2025 2064 2077 2109 2233 2582 2604 2703 2704 2780 2797 2887 2928 2960 2971 3004 3065 3104 3142 3317 3339 3353 3417 3143 und 3491. Die Prämien-Ziehung erfolgt am 1. April 1885

Oesterreichische 250 fl.⸗Loose von 1854. Bei der am 1. d. M. stattgefundenen Verloosung fielen auf folgende Nummern höhere Gewinne: 40,000 fl. auf Nr. 29 der Serie 1875; 5000 fl. auf Nr. 29 der Serie 2520. Die Zahlung ersolgt am 31. Dezember

Eingesandt.

Im Hinblick auf die kommende Reichstagswahl ist es an der Zeit, die verschiedenen Wahl⸗Comité's auf zufordein(mögen im Uebrigen die darin vertretenen Ansichten noch so weit auseinander gehen) sich rechtzeitig über einen wichtigen Punkt zu verständigen, der alle Wähler in demselben Grade interessirt. Zur Wahrung des Wahlgeheimnisses(das Gesetz schreibt geheime Wahl vor) ist es unbedingt nothwendig, daß die Stimm- zettel der verschiedenen Candidaten in Qualität und Farbe des Papiers, in Format und Druckschrift ganz genau übereinstimmen. Die bisherige Praxis (dies wird allgemein bestätigt werden können) hat dem keineswegs entsprochen; in Ermangelung einheitlicher Wahleouverts, welche der Staat bei Wahlen zu stellen hätte, müssen die Parteien durch ihre Vorstände dafür Sorge tragen, daß auf die Geheimhaltung der Stimm abgabe selbst strengstens gesehen und das hierzu Nöthige vorbereitet wird. Ist der Stimmzettel des einen Candi⸗ daten starkes weißes Papier, der des andern ein dünneres, bläulichweißes, so ist allein dieser Umstand schon aus⸗ reichend, um dem den Stimmzettel abnehmenden Mitglied der Wahlcommission zu verrathen, wie der Wähler ge stimmt hat. Da ist von geheimer Wahl keine Rede mehr; es ist sicher, daß dieser ordnungswidrige Zustand schon viele Wähler abgehalten hat, überhaupt von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Das politische Anstands gefühl verpönt jede auf Lüge und Enistellung beruhende Wahlagitation; es sollte nicht minder auf die Partei Vorstände einen moralischen Zwang ausüben, damit die äußere Einheitlichkeit und vollständige Uebereinstimmung der Stimmzettel der coneurrirenden Candidaten durch geführt und in so weit eine Voraussetzung des Gesetzes, das geheime Wahl verlangt, thatsächlich von Allen er füllt wird. Wir hoffen, daß das Gesagte von den in dem 2. Oberhess. Wahlkeis bestehenden Wahl-Comités berücksichtigt werden wird.

Friedberg, 2. Oet. 1884. Ein Wähler.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 4. Oct. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.10 1.20, Eier 1 Stück 7 Pf.

Gießen, 4. Oct. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 1.10 1.12, Eier 1 Stück 67 Pf., Käse per Stück 4-9 Pf., Tauben per Paar M. 0.50 bis M. 0.60, Hühner per Stück M. 0 90- 1.20, Hahnen per Stück M. 0.50 0.80, Enten per Stück M. 1.30- 1.60, Gänse per Pfd. 5060 Pf., Welsche M. 0.000.00, Ochsenfleisch per Pfd. 6870 Pf., Kuh⸗ und Rind⸗ fleisch 56 60 Pf., Schweinefleisch 54-60 Pf., Hammel⸗ fleisch 60 70 Pf., Kalbfleisch 5660 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4.00, Zwiebeln per Ctr. M. 4.50, Weißkraut per Stück 59 Pf.

Homburg, 4. Oct. Marktpreise. Kartoffeln per Malter M. 3.504, per Gescheid 89 Pf. Eier per Stück 6, 7 und 8 Pf., Butter per Pfd. J. Qual. M. 1.20, 2. Qual. M. 1.10.

Frankfurt, 3. Oct. Heu- und Strohmarkt. Die Anfuhr belief sich auf 65 Wagen und wurde bezahlt je nach Qual. per Ctr. für Heu M. 2.303. 10, für Stroh M. 1.80 2.20. Buttermarkt. Für Butter wurde im Engrosbandel bezahlt per Ctr. M. 105 110, im Klein-

verkauf je nach Güte der Waare per Pfd. M. 1.25 1.40. Literarisches. Daheim Nr. enthält: Verrechnet. Roman von

Walter Scott. Mit Porträt. Von Brigittchen und Mutter Brigltte. Die hansische Flan⸗

L. Veinhord. Th. H. Pantenius 2 Bilder von P. A. Wille jun.

derfahrt. l. Von Hamburg nach Amsterdam. Von St. Wätzold. Sonst, jetzt und künftig. Nach den Erin⸗ nerungen eines alten Hundes geschildert von Packan.

Mit 4 Illustr. Am Familientisch: Gerichtliche Ob⸗ duktion. Mit Bild. Ein amerikanischer Schlafdoktor. Bischof Graf Roß. Rechts rath. In der Spielecke. Mit] illustr. Beilage.

Repertoir⸗Entwurf der vereinigten Stadt-⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus. Dienstag den 7.: Carmen. Mittwoch den 8.: Geschlossen. Donnerstag den 9.: Mignon. Freitag den 10.: Geschlossen. Samstag den 11.: Martha. Sonntag den 12.: Tell(Oper). Schauspielhaus. Dienstag den 7.: Spielt nicht mit Hierauf: So sein se!

dem Feuer

Mittwoch den 8.: Nanon(Operette).