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Constabler und die beschäftigungslosen Arbeiter zu den Waffen rufen.
— 3. Febr. Der frühere napoleonische Minister Rouher war seit einigen Tagen heftig erkrankt, seit gestern Nachmittag in einem Starr— krampfe und ist heute Vormittag gestorben.
Großbritannien. London, 1. Februar. Gladstone ist heute zum Besuch der Königin nach Osborne gereist.
— 1. Febr. In Hochschottland wurde eine Verschwörung entdeckt, welche angeblich die Sprengung des Staatsgebäudes und die Her— stellung der Republik bezweckt. Sechs Ver— schworene wurden verhaftet.
— Mehrere englische Handelskammern haben Resolutionen angenommen, in welchen die Re— gierung aufgefordert wird, zum Schutze gegen die Rinderpest die im Juli v. J. von dem Unterhause beschlossene Resolution bezüglich einer Beschräuk— ung der Vieheinfuhr zur Ausführung zu bringen.
Spanien. Madrid, 1. Febr. Der König vollzog heute die Einweihung des neuen litera— rischen Athenäums. Ministerpräsident Canovas hielt die Eröffnungsrede, in welcher er die politische Situation als eine durchaus befriedi— gende bezeichnete.
Portugal. Lissabon, 30. Jan. Die Ab— geordnetenkammer nahm mit 101 gegen 5 Stim— men einen Eutwurf an, welcher die Regierung zur Abänderung gewisser Artikel der Verfassung ermächtigt.
Italien. Rom, 1. Febr. Das Corrections— tribunal verurtheilte acht Anhänger der Inter— nationale zu Freiheitsstrafen von drei Monaten bis vier Jahren.
Türkei. Constantinopel. Wie von hier gemeldet wird, stehen Emissäre des Mahdi in beständigem Verkehr mit der Pforte. Dieselben spötteln über die Gerüchte, daß der Mahdi sich mit Gordon Pascha friedlich vergleichen werde.
Bulgarien. Sofia, 2. Febr. Der Ar— menier Iskender, früher Director des Journals „Bulgarien“, und die russischen Unterthanen Golowine und Popoff erhielten den Befehl, das Fürstenthum unverzüglich zu verlassen.
Rußland. Petersburg, 1. Febr. Die Londoner Blättermeldung aus Charkow von der Ermordung eines Gensdarmerie-Offiziers und von der Entdeckung gefährlicher Verschwörungen ist vollständig aus der Luft gegriffen; es ist nur eine geheime Druckerei entdeckt worden.
— 3. Febr. Der Kaiser besuchte am letzten Freitag den Chef seines militärischen Hofstaates, Generaladjutanten v. Richter, welcher in Folge einer durch einen Fall aus dem Schlitten in der Nacht zum 30. Januar erhaltenen Verletzung der linken Seite, krank darnieder liegt.
— Ferdinand Lesseps soll von der russischen Regierung eingeladen worden sein, den neuen Kanal, der Petersburg zum Seehafen machen soll, auszubauen.
Egypten. Kairo, 1. Febr. In der aus den namhaftesten Notablen bestehenden Com— mission zur Herbeiführung der Verpachtung der Domänen übernahm Riaz Pascha auf Wunsch der Notablen den Vorsitz. Die Ländereien sollen in kleinen Parzellen verpachtet und das Pacht⸗ geld so bemessen werden, daß es zur Deckung der Coupons der Domänen-Anleihe und der Grundsteuer ausreicht. Nubar Pascha ist mit Ausarbeitung eines ähnlichen Entwurfs betreffs der Verwaltung beschäftigt.
— Daily News melden aus Suakim vom 31. Januar: Die Lage in Sinkat ist verzweifelt; die Mundvorräthe sind gänzlich erschöpft. Die Bevölkerung ist auf den Genuß von Hunde— und Pferdefleisch angewiesen. Wenn der Ent— satz unmöglich ist, wollen die Einwohner ver— suchen, nach Suakim sich durchzuschlagen
— 3. Febr. General Gordon ist heute in Korosko angekommen, hat sofort den Marsch durch die Wüste angetreten und hofft in fünf Tagen in Berber einzutreffen. Baker Pascha machte eine gewaltsame Recognoscirung. Der Feind floh südwärts, verfolgt von der egyptischen Cavalerie, welche mehrere Hunderte tödtete.
Amerika. Washington, 2. Febr. Im Senat wurde eine Bill eingebracht, betr. Ver— hinderung und Bestrafung der Nachbildung von Banknoten und anderer Werthpapiere auswär— tiger Staaten.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Au letzten Freitag waren es 40 Jahre, daß Seminarlehrer Wahl am hiesigen Schullehrerseminar angestellt wurde. Dieser Jubiläumstag ist in aller Stille herangekommen,(Wahl selbst hatte Niemanden Etwas davon gesagt), trotzdem sind zahlreiche Glückwünsche von Collegen, Schülern und Freunden des Jubilars einge— laufen. Deputationen des„Liederkranzes“ und des „Militär- und Veteranenvereins“, deren Ehrenmitglied resp. Ehrenpräsident der Jubilar ist, überreichten ein schönes und werthvolles Geschenk mit einer ehrenden, die Verdienste Wahl's um ihre Vereine anerkennenden, herzlichen Ansprache. Wir sind überzeugt, daß, wenn allgemein bekannt geworden, welche Bedeutung der Tag für Seminarlehrer Wahl hatte, es für eine größere Anzahl von Freunden und Bekannten in Nah und Fern eine willkommene Veranlassung gewesen wäre, dem ver— dienten Manne ihre herzlichen Gratulationen darzu⸗ bringen, denn was Wahl vielen ehemaligen und jetzigen Schuͤlern, Freunden und Vereinen war und ist, braucht hier wohl nicht erst weitläufig erörtert und namhaft gemacht zu werden, es ist dies ja allgemein bekannt. In Friedberg ist Wahl jetzt 47 Jahre, da er auch Lehrer an der ehemaligen Hanstein'schen Vorbereitungsschule war. Die Lehrer unseres engeren Vaterlandes sind größtentheils seine Schüler gewesen. Möge es dem ver— ehrten Jubilar nach lange vergönnt sein, so freudig, frisch und treu, wie bisher, in seinem Berufe, im Ver— einsleben und zum Besten für das Gemeinwohl zu wirken und zu schaffen.
h. Friedberg. Unsere Suppenküche für Arme, die doch zweifellos segensreich und wohlthätig wirkt, ist in Gefahr, eingestellt werden zu müssen, da es an Mitteln zur Unterhaltung fehlt. Anerkanntermaßen ist die Natural— verpflegung das beste Unterstützungsmittel für Noth— leidende. Es würden die Herzen Vieler gerührt werden, wohlzuthun und mitzutheilen, wenn man sich überzeugen wollte, wie dankbar täglich 50— 70 arme Menschen eine kräftige Mittagssuppe, die ihnen so nöthig ist, hinnehmen. Wir bitten herzlich um Unterstützung dieser wohlthätigen Einrichtung. Gaben werden in der Suppenküche im Hospital täglich von 11— 12 Uhr, oder durch Pfarrer Meyer gerne und dankbar entgegen genommen; auch ist die Expedition des Anzeigers dazu gerne bereit.
ch. Friedberg. Die„Kaisergrube“ auf dem Winter— stein, welche mehrere Jahre außer Betrieb war, ist am 1. Februar an eine neue Gesellschaft übergegangen und ist der Betrieb unter der Leitung des seithertgen Berg— verwalters Schwarz wieder aufgenommen worden.
J. Friedberg. Man hat hier bezüglich des Post— verkehrs allgemein einen Wunsch, den die höhere Post— behörde wohl für begründet erachten und Abhülfe schaffen wird. Die zwei Briefträger nämlich reichen hier nicht mehr hin, Alles, was zu ihrer Thätigkeit gehört, rechtzeitig wie es die Empfänger wünschen müssen, zu besorgen. Während an anderen Postämtern die Zahl der Brief— träger längst verdoppelt wurde, ist sie bel uns seit einem Vierteljahrhundert und länger stabil geblieben, trotzdem sich die Arbeit durch neue Posteinrichtungen nicht ver— doppelt, sondern verzehnfacht hat. Wir wollen auf's Einzelne hier nicht eingehen. Zweckmäßig wäre, wenn für die Geldsachen, also für Einkassirung der Wechsel und Auszahlung der Post-Anweisungen ein besonderer Mann, neben den zwei Briefträgern, angestellt würde. Wir sind überzeugt, daß es nur dieser Anregung bedarf, um den Vorstand des hiesigen Postamtes zu veranlassen, höheren Ortes die Anstellung eines weiteren Briefträgers zu befürworten.
r. Bad⸗Nauheim. Die Generalversammlung der hies. Pfennigsparkasse findet nächsten Mittwoch, Abends 8 Uhr, im Fritz'schen Saale dahier statt. Bei dieser Gelegenheit wird ein Vortrag über das Leben und die volks wirthschaftliche Bedeutung Schulze-Delitzsch's ge⸗ halten werden. Wir machen hierauf mit dem Bemerken aufmerksam, daß der Eintritt für Jedermann unent— geltlich ist.
Allerlei.
Staßfurt, 31. Jan. In vergangener Nacht gegen 12 Uhr hatten wir eine furchtbare, in solcher Stärke kaum bisher verspürte Erderschütterung, durch welche viele Einwohner aus dem Schlaf geweckt wurden. Berlin, 2. Febr. Der Director der Seewarte, Neumayer, hielt heute in der geographischen Gesellschaft einen Vortrag über die Dämme cungserscheinungen des letzten Vierteljahres und legte die Untersuchungen dar, welche dieselben mit dem Ausbruch der Krater und Vul— kane auf Alaska im Zusammenhang bringen. Derselbe behielt sich ein definitives Urtheil über die Untersuchungen vor und theilte ferner mit, daß die Royal Society in London das gesammte wissenschaftliche und nautische Material über die Frage zusammenstellen werde. Die deutsche Seewarte wird ihr Material nach London ein— senden.
Wien, 1. Februar. Die bekannte Josephine Gallmeyer ist heute Todesqualen und in stetem Delirium gestorben.
Paris, 1. Febr. Durch eine heftige Feuers brunst wurde gestern die Cité Joly in der Nähe des Pöresla— Chaife zerstört. Gegen hundert Familien sind obdachlos und mehrere Kinder werden vermißt. 5
Schauspielerin Morgen nach furchtbaren
Konstantinopel, 2. Februar.
Verviers, 3. Febr. Die englische Pest vom 2. früh, die planmäßig hier um 8 Uhr 21 Min. Abends einzutreffen hat, ist ausgeblieben. Der Grund ist Un— wetter im Canal.
Gerichtssaal.
Butzbach. In der am 1. Febr. stattgehabten außerordentlichen Schöffengerichtssitzung wurde 1) Karl Buckhardt aus Rabertshausen wegen Landstreicherei zu 3 Wochen Haft und wegen unerlaubter Rückkehr in das Großherzogthum Hessen zu 14 Tagen Haft verurtheilt; 2) Ludwig Suppes von Kirchgöns, angeklagt den Polizei— diener Zörb von da beleidigt und sich thätlich an ihm vergriffen zu haben, zu einer Gesammtstrafe von 5 Wochen Gefängniß und in die Kosten des Verfahrens verurtheilt, Dem Beleidigten wurde auch die Befugniß zugesprochen, den entscheidenden Theil des Urtheils binnen 14 Tagen nach erlangter Rechtskraft auf Kosten des Angeklagten einmal in den„Wetterauer Boten“ einrücken zu lassen. Der Mitangeklagte Heinrich Jung von Kirchgöns wurde von Strafe und Kosten freigesprochen.
Altenstadt. In der Donnerstag den 7. Februar daher stattfindenden Schöffengerichtssizung kommen nur zwei Sachen zur Verhandlung und zwar: 1) Strafsache gegen Johannes Hartmann Will Ehefrau von Rodenbach, wegen Beleidigung; 2) Strafsache gegen Johs. Wurz Wittwe von Langen Bergheim, wegen Ruhestörung.
Handel und Verkehr.
Ariedbberg, 2. Febr. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.70— 0.90, Eier 1 St. 6, 2 St. gr. 00 Pf.
Gießen, 2. Febr. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.80 1.00, Eier per St. 6— 7 Pf., 2 Stück 00 Pf., Käse per Stück 5—9 Pf., Tauben per Paar M. 0.80— 1.00, Hühner per Stück M. 0.90— 2.00, Hahnen per Stück M. 0.70 1.50, Enten per Stück M. 2.00— 2.20, Ochsenfleisch per Pfd. 66— 70 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 50 60 Pf., Kalbfleisch 46 50 Pf., Schweinefleisch 6000 Pf., Hammelfleisch 60—70 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3.50 4.00, Zwiebeln per Centner M. 9.—00., Weißkraut per Hundert M. 5.8.
Homburg v. d. H., 2. Februar. Wochenmarkt. Kartoffeln per Malter M. 3.50— 4, per Gescheid von 7 bis 8 Pf., Eier per Stück 6, 7 und 8 Pf., Butter per Pfund 1. Qual. M. 0.90, 2. Qual. M. 0.80.
Frankfurt, 1. Februar. Heu- und Strohmarkt. Die Zufuhr belief sich auf 60 Wagen und wurde be— zahlt je nach Qual. per Ctr. für Heu M. 33.60, für Stroh M. 3— 3.40.— Buttermarkt. Im Engroshandel wurde für Butter bezahlt per Ctr. M. 80, im Klein— verkauf je nach Gute der Waare per Pfd. M. 1— 1.10.
Frankfurt, 2. Febr. Wochenmarkt. Preise der Gemüse: Ital. Blumenkohl im Korb per Ctr. M. 35, per Stück 30— 40 Pf., Weißkraut 1015 Pf., Roth⸗ kraut 8— 20 Pf., Wirsing 6—8 Pf., Kohlrabi 3—4 Pf., Erdkohlrabi 58 Pf., Zwiebeln per Etr. M. 9 10., per Gescheid 3035 Pf., Kartoffeln per Malter(200 Pfd.) M. 3.50— 4.50, per Gescheid 9 und 10 Pf., Mäuschen rothe per Malter M. 9., per Gescheld 20 Pf., gelbe per Malter M. 11., per Gescheid 25 Pf., Aepfel per Ctr. M. 6—12., Birnen M. 7—18., Eier per Hundert deutsche M. 5.20— 5.50, italienische M. 9.20— 9.50. Gefluͤgel: 1 junger Hahn 70 Pf. bis M. 1.10, Huhn M. 11.65, Taube 4060 Pf., Ente M. 2.50— 3.50.
Repertoir-Entwurf der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus. Dienstag den 5. Der Rattenfänger von Hameln. Mittwoch den 6. Gastspiel des Herrn Bötel. badour Manrleo: Herr Bötel. Außer Abonn. Donnerstag den 7. Neu einstudirt: Die Braut von Messina. Freitag den 8. Zweites und letztes Gastspiel des Herrn Bötel. Martha. Lyonel: Herr Bötel. Samstag den 9. Siegfried. Sonntag den 10. Oberon Schausplelhaus. Freund Fritz. Vorher: Liebesplänkelei. Mittwoch den 6. Der Probepfeil. Donnerstag den 7. Geschlossen. Freitag den 8. Der Probepfeil. Samstag den 9. Roderich Heller. Sonntag den 10. Nathan der Weise.
Trou⸗
Dienstag den 5.
Wfennig⸗Sparkasse.
Sammelstellen. Einlagen. Betrag. M. Pf.
Bestand am 1. Juni 1883 fammt Zinnen 28722 96 Uebertrag vom 26. Jan. 1884] 29013 13842 80 1. C. Bindernagel. 5 75 51 50 2. W. Bernbeck 166 113 45 3. E. Oppenheimer 2 160 126— 4. H. Flaschenträger.. 69 44 80 5. H. Flaschenträger.. 88 611 50 29571 2006 01 Uebertrag am 1. Juni 1883 Einleger 1053.
Uebertrag vom 26. Jan. 1884 neue Einleger 192. Gesammt-Einleger 7275.
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Friedberg den 2.
Februar 1884.
„ DPuupt⸗Sammelstelle: Vorschuß⸗ und Credit⸗Verein, e. G.
Der französische Messagersedampfer„Donnai“ bohrte vorgestern Nachts den britischen Dampfer„Grecian“ bei Metelin in Grund. Die Bemannung des„Grecians“ wurde gerettet.
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