mittelst Schatz-Anweisungen aufzubringen sind. Die Summe soll verwandt werden zum Bau von 70 Torpedobooten einschließlich der dazu gehörigen Armirung, Herstellung einer unter— seeischen Torpedobatterie an der Ostseeküste, An— lage einer elektrischen Beleuchtung der Werften in Kiel und Wilhelmshaven und Vervollstän— digung der Kriegsbekleidung.
— Die Rückkunft des Prinzen Heinrich von seiner Weltumsegelung in Kiel ist zum 9. März zu erwarten und wird der Kronprinz denselben dort empfangen.
— Die Eröffnung des Reichstages findet am 6. März im Weißen Saale des königlichen Schlosses nach vorherigem Gottesdienste statt.
— 1. März. Die Jagdordnungscommission des preußischen Abgeordnetenhauses hat gestern die zweite Lesung ihrer Beschlüsse begonnen.— In der Steuercommission sprach bei der Spezial— berathung des§ 21 des Einkommensteuergesetzes sich die Mehrzahl der Redner für Einführung der Voreinschätzung durch eine besondere Ge— meindecommission aus. Der 2. Absatz des Para— graphen(Anzeigepflicht der Arbeitgeber bezüglich der Besoldung und des Lohnes der Arbeiter) wurde mit 17 gegen 6 Stimmen gestrichen. Ferner zog Meyer seinen Antrag, betr. die Heranziehung der Erträge aus den vermietheten und verpachteten Grundstücken ꝛc. zur Kapitalrentensteuer, zurück, behielt sich jedoch vor, den Antrag in zweiter Lesung in anderer Fassung wieder aufzunehmen.
Kiel. S. M. S.„Prinz Adalbert“, 12 Geschütze, Comm. Cap. z. S. Mensing I., ist am 26. v. M. in Kapstadt eingetroffen und be— absichtigt am 4. März die Heimreise fortzusetzen.
Dresden. Auch die erste Kammer beschloß auf Antrag Schreck die Regierung um Vorlage
eines Gesetzes zu ersuchen, wonach Personen,
welche in die Lage versetzt sind, die Abgaben nicht zahlen zu können, einem Schank- und Tanz— stätten⸗Verbot unterworfen werden können.
Hamburg, 29. Febr. Die Bürgerschaft genehmigte definitiv die Senatsanträge, betr. die Ratification der mit Preußen abgeschlossenen Verträge wegen Uebergangs der im hamburgischen Gebiete belegenen Bahnstrecken in das Eigen— thum oder den Betrieb der preußischen Regierung.
Straßburg. Der Landes-Ausschuß ge— nehmigte den Antrag der Commission, die Pe— tition für den Bau des Kanals Straßburg— Ludwigshafen der Regierung mit dem Ersuchen um Aufstellung eines eingehenden Bauprojectes zu überweisen. Für die Aufstellung des Bau— projectes sollen 125,000 M. als Kostenbetrag in den Etat eingestellt werden.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Eine dem Abgeordnetenhause zugegangene Regierungsvor— lage betreffs des Baues der Eisenbahn Mostar— Metkovich ermächtigt die Regierung zum Bau dieser Bahn, welche schmalspurig angelegt wer— den soll. Aus den Activen der bestandenen Cen— tralfinanzen soll an Bosnien und die Herzegowina ein Darlehen in der Höhe der wirklichen Bau— kosten bis zum Maximalbetrage von 1,700,000 fl. erfolgen.
— 1. März. Ein Polizeicommuniqus meldet: Die Polizeidirection erhielt in letzter Zeit Kennt— niß davon, daß der 1882 aus Florisdorf in Folge eingeleiteter Untersuchung flüchtig ge— wordene Anarchist Anton Kammerer, ein 225 jähriger Buchbinder-Gehilfe aus Oesterreich— Schlesien, der sich in der Schweiz aufhalte, in Wien und Umgebung gesehen wurde. Es ge— lang, denselben am 28. v. M. im 8. Bezirk zu verhaften, wobei Kammerer, sich heftig wehrend, zwei Sicherheitswachmänner und einen Polizei— agenten mit Revolverschüssen und zwar einen Wachmann schwer verwundete. Im Besitze des Verhafteten wurde außer einem Revolver auch eine zugespitzte Feile und in seiner Wohnung eine über zwei Kilo schwere Dynamitsprengbüchse mit Zündschnur vorgefunden. Die verwundeten Wachleute sind Familienväter. Weitere Recher— chen über die verbrecherische Thätigkeit des Ver—
hafteten sind im Zuge.
Radikalen Armin Prager.
Die Abendblätter ent— halten ein Pester Telegramm über die Verhaft— ung des Redacteurs des Arbeiterorgans, der Bei Durchsuchung von dessen Wohnung wurden vom Raube in der
Eisert'schen Wechselstube herrührende Werth— papiere vorgefunden. — 2. März. Nach den hiesigen Morgen—
zeitungen zugegangenen Telegrammen sind bei dem verhafteten Socialisten Prager zahlreiche Papiere sehr compromittirenden Inhalts, aber keinerlei Provenienzen von dem Eisert'schen Raub— morde mit Beschlag belegt worden. Im Ofen aufgefundene verkohlte Reste verbrannter Papiere lassen vermuthen, daß Prager die gravirendsten Sachen vor seiner Verhaftung vernichtet habe—
— Das Fremdenblatt versichert auf das Bestimmteste, daß die russisch-deutsche Annäher— ung in Wien sehr warm begrüßt wird, und daß das deutsch-österreichische Bündniß fortdauernd als die unverrückbare Grundlage der auswär— tigen Politik Oesterreichs angesehen wird. Oester— reich lege auch fernerhin den höchsten Werth auf den Anschluß Italiens an das Bündniß; auch Frankreich dürfte die großen Vortheile erkennen, welche ihm die Annäherung Rußlands an die Centralmächte bietet.
Norwegen. Christiania, J. März. Nach erregter Debatte versagte das Odelsthing mit allen Stimmen gegen 37 dem Abgeordneten Roll das Wort zur Begründung der Erklärung der 31 Vertreter der Rechten, betreffend die unveränderte Rechtsstellung der beiden Staats— mächte, die durch das Reichsgerichtsurtheil nicht tangirt werde.
— 2. März. Das Urtheil gegen den Staats— minister Selmer ist auf Befehl des Königs dem Justizdepartement zur weiteren Behandlung der Angelegenheit übermittelt worden.
Frankreich. Paris, 1. März. Die Kam— mer verhandelte über den Gesetzentwurf, betr. den Primärunterricht. Bei Artikel 17, der da— rauf abzielt, die Primärschulen als Laienschulen zu gestalten, beantragte die Regierung einen neuen Aufschub für diese Maßregeln. Der An— trag wurde mit 239 gegen 224 Stimmen ab— gelehnt.
— 2. März. Nach einer dem Marine— ministerium zugegangenen Depesche aus Hanoi vom 1. d. M. erfolgte die Besetzung von sieben an dem Zusammenfluß Dessong-Caio und des Stromschnellen-Canals belegenen Pagoden am 21. v. M. durch ein Bataillon der Fremden— legion und eine Batterie ohne Widerstand. Die Pagoden wurden in der Nacht vom 25. v. M. zweimal vom Feinde angegriffen, diese aber zu— rückgeschlagen.
Großbritannien. London. Im Unter— haus brachte Gladstone die Wahlreformbill ein, die ein gleichmäßiges Wahlrecht für Stadt und Land der gesammten vereinigten Königreiche ein— führt und die Zahl der Wähler um circa zwei Million vermehrt.
— 29. Febr. Die britische Regierung be— schloß, an die amerikanische eine in höflichen Worten abgefaßte Depesche zu richten, betr. die Action amerikanischer Bürger, welche Dynamit— complote behufs Zerstörung von Personen und Eigenthum in England organisiren und ausführen.
— 1. März. Gestern wurde im Gepäck— raume des Bahnhofes zu Ludgate Hill ebenfalls ein ledernes Felleisen entdeckt, worin eine Höllen— maschine sich befand.
Italien. Rom, 29. Febr. Der Minister des Auswärtigen legte der Kammer einen Gesetz— entwurf, betr. die Einstellung der Consularge— richtsbarkeit in Tunis, sowie das darauf bezüg— liche Grünbuch vor. Beide Vorlagen sollen nach einer Woche zur Vertheilung gelangen.
— 1. März. Im Sengat brachte der Unter— richtsminister den von der Kammer votirten Entwurf, betr. die Reorganisation des höheren Unterrichts ein. Dies gilt als Bestätigung, daß eine Ministerkrisis dieserhalb nicht existirt.
Spanien. Madrid. Betreffs von aus— wärtigen Blättern gebrachter Mittheilungen über
Acte religiöser Intoleranz, die in Spanien vor— gekommen seien, wird von den Organen der Regierung hervorgehoben, daß jede angemessene Reclamation hierüber Gehör bei der Regierung finden würde, da dieselbe fest entschlossen ist, die Cultusfreiheit zu respectiren.
Türkei. Constantinopel. Es heißt, daß der Sultan nunmehr geneigt ist, der Palästina— Canalgesellschaft einen Firman zum Baue eines Schifffahrts-Canals zur Verbindung des Mittel— ländischen und Rothen Meeres(vom Tiberischen Meer nach der Bucht von Akkabat, durch das Jordanthal) zu gewährleisten.
Rußland. Petersburg. Die Meldung vom bevorstehenden Rücktritte des Generals Totleben vom Posten des Generalgouverneurs in Wilna wird aus Warschau bestätigt. Es heißt, Ge— neral Totleben werde sich mit Rücksicht auf seine erschütterte Gesundheit völlig ins Privatleben zurückziehen.
Egypten. Kairo, 1. März. Einer Depesche des Daily Telegraph aus Suakim vom Heutigen zufolge, haben gestern den ganzen Tag über Gefechte stattgefunden; der Feind wurde auf allen Punkten geschlagen. General Graham hatte unter Parlamentärflagge eine Botschaft an Osman Digma gesandt, welche die Zerstreuung der Rebellen empfiehlt, auf die versöhnliche Natur der Mission des Generals Gordon hin— weist und gleichzeitig erklärt, daß im anderen Falle die englischen Truppen gegen ihn vor— rücken würden.
Amerika. Washington, 28. Febr. Das Haus der Repräsentanten nahm den Antrag auf Ueberweisung des Schreibens des deutschen liberalen Centralvereins bezüglich der Lasker— Affaire an den auswärtigen Ausschuß au, nach— dem Kasson sich für das Abwarten der officiellen Information ausgesprochen hatte.
— 1. März. Das Repräsentautenhaus nahm die Bill, betr. die Verhinderung und Be— kämpfung der Viehseuche an.— Die Abnahme der Staatsschuld im Februar wird auf 2½ Mill. Dollars geschätzt.
Aus Stadt und Land.
? Vilbel. Unsere Stadt wird sich nun, dem Bei— spiele anderer Städte folgend, auch an dem Spatzen— vertilgungskrieg betheiltgen und wird nach einem Be— schlusse des Gemeinderathes 5 Pfennig für einen Sperling bezahlt. Wenn nun Jemand das Glück hat, immer 18 Sperlinge mit einem Schuße zu tödten, wie dieses jüngst ein Oekonom in einem benachbarten Orte in Folge einer Wette that, so könnte hierdurch immer— hin ein nicht unbedeutender Nebenverdienst erzielt werden.
n. Hungen. Donnerstag den 6. März, Nachmittags 2 Uhr, soll zu Hungen im Solmser Hofe eine Ver— sammlung der Zeichner von Rübenagetien für keine bei Trais⸗Horloff(Hungen) oder Echzell zu errichtende Zuckerfabrik stattfinden, in welcher über den Stand des Unternehmens Auskunft ertheilt und wegen Verkaufs der diesjährig anzubauenden Rüben verhandelt werden soll. Sämmtliche Zeichner, sowie sonstige Interessenten sind zu dieser Versammlung ein— geladen.
Gießen. Auf der Landes-Universität studirten im Wintersemester 1883/84 497, davon 397 Hessen und 100 Nichthessen. Evangelische Theologie studirten 71(darunter 18 Neu-Immattriculirte), Rechts wissenschaft 62(17), Mediein 86(20), Thierheilkunde 31(11), Zahnhell— kunde 5(3), Cameralwissenschaft 28(6), Forstwissen⸗ schaft 44(9), Mathematik 30(5), Classische Philolo⸗ gie 35(9), Neuere Philologie 26(1), Phtlosophie und Naturwissenschaften 37(10), Geschichte 7(1), Phar- macte 20(5), Chemie 15(5). Unter den 120 Neu⸗ Immatriculirten waren: mit Gymnasial- Maturität 79, mit Realschul⸗Maturtität 19, mit der Reife für ihr Fach (Pharmaceuten, Thierärzte ꝛc.) 21, ohne Maturität 1.
Alsfeld, 1. März. Der Mühlenbesitzer Couls zwischen Ober⸗Glarn und Ohmes, besaß eine blühende 16jährige Tochter. Als er gestern von einem Ausgange in seine Wohnung zurückkam, fiel ihm der ungewöhnlich langsame und unregelmäßige Gang des Mühlchens auf. Er eilte in die Mühle und bemerkt Blut am Kammrade. Erschrocken tritt er näher und findet hler, daß sein Kind. vom Kammrade vollständig zerrissen worden ist.
Offenbach. Der Mainthalsängerbund, bestehend aus ca. 1200 activen Sängern der Städte Darmstadt, Offenbach, Hanau, Aschaffenburg, Friedberg und Auer— bach, welcher im Jahre 1858, am 25. Stiftungstage des Gesangvereins„Polyhymnia“ in Offenbach gegründet wurde, und der die Pflege und Veredelung deutschen Liedes und Gesanges auf seine Fahne geschrieben, gedenkt, wie bekannt, im Laufe dieses Sommers sein 9. Sängerfest in den Mauern unserer Stadt zu feiern. 22 Jahre sind verflossen, seitdem in unserer Stadt ein Fest des Main⸗ thal⸗Sängerbundes abgehalten wurde und seine Aufführ⸗
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