malige Session und die dreijährige Legislatur— periode heute geschlossen.
Norwegen. Christiania, 28. Juni. Die Wahl des neuen Storthings-Präsidenten, auf welche die all gemeinste Aufmerksamkeit gerichtet; war, ist auf den Odelsthings-Präsidenten Nielsen gefallen. Die conservativen Blätter erklären dem neuen Ministerium offen den Krieg, die der Linken jubeln.
Frankreich. Paris, 28. Juni. Der Marincminister befahl, in Toulon zwei Truppen— transportschiffe auszurüsten, um dieselben im Nothfalle nach China zu senden.
Großbritannien. London, 28. Juni. Die Conferenz trat heute hier im Auswärtigen
Amt zusammen. Die Vertreter mit ihren finanziellen Beiräthen waren auwesend und
wurden von Granville empfangen.
Spanien. Madrid, 28. Juni. Heute früh wurden in Gerona zwei Officiere, welche sich an Zorillaistischen Umtrieben betheiligt hatten, erschossen.
Italien. Rom, 28. Juni. Die Deputirten— kammer genehmigte die Verlängerung des Staats— betriebs der Oberitalienischen und Römischen Eisenbahnen bis zum Schlusse dieses Jahres.
Numänien. Bukarest, 27. Juni. Das heute hier circulirende Gerücht, das Ministerium habe seine Entlassung eingereicht, wird als bisher durchaus unbegründet bezeichnet.
Serbien. Nisch, 27. Juni. Die Skupsch⸗ tina genehmigte mit Acclamation das Gesetz betreffs des außerordentlichen Belagerungs— zustandes anläßlich der revolutionären Be— wegung im vorigen Jahre.
iu. Die Skupschtina nahm mit allen gegen zwei Stimmen das Budget pro 1884/85 an. Nachmittags wurde sodann die Skupschtina durch den König geschlossen.
Rußland. Kronstadt, 28. Juni. Heute ist die kaiserliche Pacht„Zarewna“ mit dem Kaiser und der Kaiserin an Bord, begleitet von zwei anderen kaiserlichen Bachten aus Peterhof längs Kronstadt in See gegangen. Der Zweck der Reise der beiden Majestäten, welche die Herzogin von Edinburg begleitet, ist die Be⸗ sichtigung der finischen Scheeren.
Egypten. Kairo, 26. Juni. Der Fall Berbers ist amtlich bestätigt. Die Garnison wurde am 26. Mai Morgens überrumpelt und hat sich nach hartem Kampfe ergeben, worauf ein Massacre folgte. Nur Wenige ent— kamen. Frauen und Kinder wurden geschont.
— Amtlichen Telegrammen aus Wady Halfa zufolge soll ein Beduine, der früher Lieutenant in der Armee Hicks Paschas war, berichtet haben, daß der Mahdi einen Angriff gegen Khartum unternahm, der indeß mit starkem Verlust für die Rebellen zurückgeschlagen wurde. Wann der Angriff erfolgte, ist nicht bekannt; auch fehlen weitere Einzelnheiten darüber.
Aus Stadt und Land.
r. Friedberg. Die General-Versammlung der
Pfennig-Sparkasse wurde am 24. Juni abgehalten. Zu
nächst berichtete das Vorstandsmitglied des Vorschuß
Vereins E. Ermus über das Ergebniß der Rechnung des
letzten Jahres und über die in den letzten zwei Monaten
erfolgte Aufloͤsung der Kasse in ihrer seltherigen Einrichtung. Der Kasse-Vestand belief sich am
1. Juni 1883 auf. 96 Pf.
Die in 1883/84 erfolgten Ein
28722
M.
lagen betrugen 170875 An Zinsen wurden zugeschrieben 1039 25 Demnach betrug die gesammte Einnahme. 47400 M. 6 Pf. Zurückbezahlt wurden mit Zinsen 46706„ 8 Demnach bleibt Rest. 693 M. 58 Pf. wovon bei der Sparkasse des Vorschußvereins auf Einzel— Namen als Pfennig Spar kasse-Restanten angelegt sind 158 1 57 Demnach bleibt Reste. 537 M. 1 Pf.
Der Reservefonds besteht am 30. Juni d. J. nach Ab zug der Drucke und der Herstellungskosten der Spar marken aus 473 M. 27 Pf. Zur Prüfung der vor gelegten Rechnung nebst Urkunden wurden Seminarlehrer Wahl und Instrumentenmacher Glück bestimmt. Nach Erledigung der Berichterstattung, aus welcher sich auf's Neue ergab, wie der Vorstand des Vorschuß-Vereins mit äußerster Pünktlichkeit die Geschäfte der Hauptsammel
stelle seither besorgt hatte, wurde die in dem Ober⸗
hessischen Anzeiger schon beleuchtete neue Einrichtung mit Sparkarten und Sparmarken nochmals besprochen und beschlossen, daß sie vom 1. Juli an in's Leben treten soll. Als Verkaufsstellen wurden die früheren Sammel- stellen: C. VBindernagel, Bernbeck, Oppenheim und Flaschenträger, welche sich zur Uebernahme dieser Ver— pflichtung bereit erklärt hatten, angenommen. Zugleich wurde festgesetzt, daß weitere Verkaufsstellen der Marken nur nach vorausgegangener Verständigung mit Ausschuß des Vorschuß-Vereins errichtet werden können, damit nicht durch Vermehrung der Conti zu einer neuen Ueberbürdung des genannten Vereins Veranlassung ge— geben werde. Ferner hat die Versammlung einen von Kaufmann J. Dörr ausgearbeiten Statuten-Entwurf der Pfennig-Sparkasse berathen und mit kleinen Ab änderungen angenommen. Nach den Statuten, welche gedruckt zur Vertheilung kommen, wird die Kasse von einem Curatorium geleitet, das jährlich von der General- Versammlung gewählt wird, die aus sämmtlichen Mit gliedern der Kasse besteht. Mitglied der Kasse kann jeder unbescholtene Einwohner der Stadt Friedberg werden, welcher in dem Reservefonds, aus dem die Her⸗ stellungskosten der Karten und Marken bezahlt werden, einen einmaligen Beitrag von 50 Pf. zahlt. Anmeld— ungen zur Mitgliedschaft nehmen der Vorschuß-Verein, die Verkaufsstellen der Marken und die Mitglieder des Curatorlums entgegen. Zum Schluß wurden die seit⸗ herigen Mitglieder des Curatoriums: Kreisrath Dr. Braden, Lederhändler H. Bechstein, Kaufmann Bernbeck, Pfarrer Meyer und Seminarlehrer Wahl wieder gewählt und Pfarrer Meyer der Vorsitz in demselben übertragen.
U. Friedberg. Wie unseren Lesern bereits früher mitgetheilt, sind seit dem 20. Mal d. J. auf sämmtlichen Bahnen des Vereins deutsch österreichischer Eisenbahnen kombinirbare Nundreisebillets zur Einführung gelangt, durch welche jedem Retsenden die Möglichkeit gegeben ist, sich selbst ein Rundtourbillet nach Maßgabe des bei jeder Billet⸗Expedition vorhandenen und für 25 Pfennig käuf⸗ lichen General-Verzeichnisses der Coupons für combinir bare Rundreisebillets nebst zugehöriger Uebersichtskarte zusammenzustellen. Als Central-Ausgabestelle für die aufgelegten Conpons ist für den Bezirk der Königlichen Eisenbahn-Direction zu Hannover die Verkehrs-Controle J. daselbst bezeichnet und erfolgt auch von dieser die Zu— sammenstellung der gewünschten Coupons, was indessen keineswegs ausschließt, daß zur Behändigung des Billets die Billetexpeditionen mitzuwirken haben. Wiederholt ist es nun vorgekommen, daß Bestellungen auf kombinirte Rundreisebillets, welche nicht bei den Billet Expeditionen, sondern direet bei der Central-Ausgabestelle gemacht worden waren, nicht rechtzeitig ausgeführt werden konnten, da einerseits durch nicht genaue Befolgung der dem General Verzeichniß vorgedruckten Bestimmungen oder auch in Folge unrichtiger Auswahl der Coupons häufig Rück fragen veranlaßt wurden, deren endgültige Erledigung mehrere Tage in Anspruch nahm. Wir glauben deshalb unsere Leser gerade jetzt bei dem bevorstehenden Beginn der Schul- und Gerichtsferien, wo die Nachfrage nach kombinirbaren Rundretsebillets voraussichtlich eine ge steigerte sein wird, darauf aufmerksam machen zu müssen, daß Bestellungen auf die erwähnten Billets nur dann die gewünschte pünktliche Erledigung finden können, wean solche bei den Billet Expeditionen unter Benutzung eines Bestellschein-Formulars, welches Seitens derselben un entgeltlich verabfolgt wird, rechtzeitig gemacht werden, da die Beamten der Billet Expedittonen angewiesen sind, dem Publikum bei der Zusammensetzung der beabsichtigten Rundreisen sachverständige Auskunft und Rath zu er⸗ theilen. Eine directe Bestellung bei der oben genannten Centralausgabestelle oder gar bei der Königlichen Eisen bahndirection bietet nicht die geringsten Vortheile. Nicht minder ist aber auch erforderlich, daß die Bestellungen so früh als tbunlich, mindestens 2 volle Tage vorher gemacht werden, da nicht nur die für die Zusammen setzung der Billets erforderliche, sondern auch die für die Hinsendung der Bestellung und die Uebersendung der Billets nöthige Zeit und zwar nach Maßgabe der Zug verbindungen mit Hannover und der Büreaustunden der Eisenbahndienststellen in Betracht zu nehmen ist.
5. Dortelweil. In unserer Gemeinde Zusammenlegung der Grundstücke stattfinden. Unbegreif— licher Weise sind trotz der offenbaren Vortheile, die die Gemeinde und die Grundbesitzer davon haben, einige der Letzteren gegen das Projekt. Diesen Leuten möchten wir Folgendes erzählen:„Auf der Dienstreise, welche kürzlich der preußische Staatsminister Lucius durch den Regierungsbezirk Kassel machte, um die Ausführung der in jenem Landestbeil noch neuen Zusammenlegungen und großen Forstablösungen zu controltren, ereignete sich folgende bezeichnende Episode. Der Minister besuchte die Gemarkung der im Kreis Hanau gelegenen Gemeinde Ostbeim, welche vor 4 Jahren die Durchfübrung der beschlossenen Consolidation in tumultuarischer Weise zu verhindern suchte. Da die gesetzlichen Voraussetzungen zur zwangsweisen Durchführung des Zusammenlegungs verfahrens vorlagen und über den wirthschaftlichen großen Nutzen kein Zweifel obwalten konnte, ordnete der Minister, trotz stürmischer Gegenpetitionen, die Durchführung an. Die Gemarkung, 880 Hectar groß, welche in 9400 Par— zellen zersplittert war, ist seitdem vollständig consolidirt und den 597 Grundbesitzern in 1160 neuen Plänen, welche durch bequem gelegte Wege zugänglich gemacht und durch zweckmäßiges Grabennetz entwässert sind, zu⸗ gewiesen worden. An der Flurgrenze wurde der Minister von fast der gesammten männlichen Einwohnerschaft empfangen und der Führer der Deputation, welcher ihm vor 4 Jahren in Berlin die Gegenpetition äberreicht hatte, trat hervor und dankte, daß die Consolidation
soll eine
dem
gegen ihren Willen durchgeführt sei. Sie bätten die Sache damals nicht verstanden, jetzt sähen sie die Vor⸗
theile des Verfahrens ein, welches den Werth ihrer Grundstücke in vielen Fällen verdreifacht habe“. Aehn⸗
liche erfreuliche Wahrnehmungen wurden in zahlreichen anderen Fluren gemacht.
Allerlei.
Hameln, 28. Juni. Heute Nachmittag begann hier, begünstigt vom schönsten Wetter, das Rattenfängerfest mit dem Zuge der Austreibung der Ratten. Derselbe wurde durch ein Musikeorps in der Tracht des 13. Jahrhun⸗ derts eröffnet; dem Musikcorps folgte der Rattenfänger Singulf, welchem sich über 400 Kinder in Rattencostüm anschlossen. Dem Volksfest auf dem Felsenkeller wohnten gegen 6000 Personen bei. Die Feier in der elektrisch erleuchteten, prachtvoll decorirten Festhalle wurde durch einen Prolog eröffnet, auf welchen nach der Wolf'schen Dichtung gestellte lebende Vilder folgten.
Breslau, 27. Juni. Sämmiliche in der Grube Deutschland verschütteten Bergleute wurden gerettet.
Thorn, 27. Juni. Der Weichseldamm bei Altau ist gestern Abend durchbrochen. Heute früh reichte die Ueberschwemmung bis Schmolln. Die linke Niederung ist vollständig unter Wasser. Der Schaden ist sehr erheblich. Die Gefahr für den Damm bei Czarnowo wurde durch Militär beseitigt. Der Wasserstand war hier gestern 6.40, heute 5.70. Das Wasser fällt weiter.
Toulon, 29. Juni. Seit dem 27. Mittags sind hier 14 Choleratodesfälle vorgekommen. Heute sind in Marseille 6 Fälle von Choleraerkrankungen vorgekommen.
Gerichtssaal.
Butzbach, 28. Juni. In der am 20. Juni statt⸗ gefundenen Schöffengerichtssitzung kamen folgende Sachen zur Verhandlung und Aburtheilung: 1. Konrad Streck— fuß von Hoch-Weisel und Konrad Jung von Münster erhielten wegen Körperletzung jeder eine Gefängnißstrafe von 14 Tagen und die Kosten, unter Hastverbindlichkeit als Gesammtschuldner für die dem Staate erwachsenen baaren Auslagen; 2. Konrad Möckel VII. von Ziegen— berg erhielt wegen Betrugs eine Gefängnißstrase von 3 Tagen und die Kosten; 3. Philipp Weiß von Bönstadt erhielt wegen Diebstahls eine Gefängnißstrafe von 5 Wochen und wegen Bettelns eine Haftstrafe von 14 Tagen, auch wurde die Ueberweisung an die Landespolizeibehoͤrde aus⸗ gesprochen; 4. Heinrich Christian Martin Noll von Fried⸗ berg wurde wegen Bettelns in eine Haftstrafe von 8 Tagen verurtheilt, auch die Ueberweisung an die Lan⸗
despolizelbehörde ausgesprochen; 5. der Kirchendiener Anton Fett von Langenhain wurde wegen Jagdvergehens
und wegen strafbaren Elgennutzes in eine Gefängnißstrafe von 3 Wochen und in die Kosten des Verfahrens ver⸗ urthellt; 6. die Strafsache gegen Karl Hartmann von Butzbach, wegen Diebstahls, kam, da der Angeklagte un⸗ entschuldigt ausblieb, nicht zur Verhandlung, die Vor— führung desselben wurde angeordnet und Vorführungs— befehl gegen ihn erlassen; 7. die Strafsache gegen Isaac Strauß von Hoch-Weisel, wegen Uebertretung des 8. 367 pos. 11 des R. Str. G., fand dadurch ihre Erledigung, daß der Angeklagte seinen Einspruch gegen den gegen ihn erlassenen Strafbefehl zurückzog.
Altenstadt In der Donnerstag den 3. Juli dahier stattfindenden Schöffengerichtssitzung kommen folgende Sachen zur Verhandlung: 1) Privatklagesache des Johs. Konrad Rau von Altenstadt gegen Konrad Schildger von da, wegen Beleidigung; 2) Strafsache gegen Phll. Heinrich Clarius von Höchst a. d. N., wegen Jagdpollzei⸗ übertretung; 3) Strafsache gegen Johannes Rosenberger Ehefrau von Lindheim, wegen Ruhestörung.
Repertoir-Entwurf der vereinigten Stadt-Theater in Frankfurt. Opernhaus. Dienstag den 1. Juli: Wiedereröffnung der Opernsaison. Don Juan.(Im Abonnement.) Mittwoch den 2. Jul': Abschiedsvorstellung der Münchener. Im Austragstüberl.(Außer Abonnement.) Donnerstag den 3. Juli: Tell.(Oper im Abonnement.) Freitag den 4. Juli: Boccaccio.(Außer Abonnement.) Samstag den 5. Jull: Margarethe. Margarethe: Fräul. Nicolal.(Im Abonnement.) Sonntag den 6. Juli: Lakme.(Im Abonnement.)
Literarisches.
Bei gegenwärtiger Saison wollen wir nicht unter- lassen, unsere Leser aufmerksam zu machen auf das im Verlag von W. Langgutb in Eßlingen erschlenene Schrlft⸗ chen„Der praktische Obstbaumzüchter“, herausgegeben von L. Müller, Lebrer und Pomolog. Gründliche An leitung zur Pflege und Zucht der verschtedenen Obstsorten. reis 25 Pf. Der Verfasser legt in dieser Broschüre seine reichhaltigen Erfahrungen nieder, unter steter Beobacht⸗ ung der neuesten für die Cultur der Obstbäume wichtigen, von Fachmännern als praktisch anerkannten Resultate.
Torilde von Tornau. (Forts.)— Aus den Lagunen Venedigs. Zeichnung von G. Jank.—„Behüt dich Gott! es wär zu schön gewesen“! Gemälde von M. Röbbecke.— Die Schuppen flechte, die verbreitetste Haarkrankheit. Von Dr. F. E Clasen.— Ein Stück deutscher Kunst: Goldene Henne mit sieben Küchlein.— Das Ende von Lincoln's Mörder. Von H. v. Egger.— Fahrendes Volk in klassischer Zeit. Von H. Göll.— Bilder: Verblüfft! Von J. Schurig; und der Trappist. Von D. Boissieu.— Zeichen der Zeit. — Wie weit Menschen sehen können.— Rechtsrath.— In unserer Spielecke.— Mit zwei illustr. Beilagen.
Daheim. Nr. 39 enthält.


