Betreffend: Maßregeln gegen das Bettler- und Vagantenthum.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Die von Ihnen dahier abgeholten, an den Ortsausgängen anzuschlagenden Plakate sind entweder auf mit Schutzleisten gegen die Witterung gehörig versehenen Holztafeln zu befestigen, oder in besonderen, mit Drahtgittern überzogenen Schutzkaͤsten anzubringen. Es empfiehlt sich, die—
selben so hoch anzuschlagen, daß sie nicht leicht abgerissen werden können.
Friedberg am 25. Mai 1883.
Die Anweisungskarten wollen Sie zur thunlichsten Verhütung von
Nachahmungen unterschreiben und mit dem Bürgermeistereisiegel versehen, bevor Sie dieselben in Gebrauch nehmen. 5 J. V. d. K.: Dr. von Gemmingen, Kreis-Assessor.
Betreffend: Ortsbaupläne
Friedberg den 26. Mai 1883.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche mit Erledigung unserer Verfügung vom 11. April 1883 noch im Rückstande sind, werden an baldige
Einsendung der bezüglichen Berichte erinnert.
J. V. d. K.:
Dr. v. Gemmingen, Kreis-Assessor.
Großherzogliches Ministerium des Junern und der Justiz hat durch Verfügung vom 10. Mai 1883 dem landwirthschaftlichen Bezirks— verein Büdingen die Erlaubniß ertheilt, bei dem am 29. August dieses Jahres in Büdingen abzuhaltenden landwirthschaftlichen Feste des
landwirthschaftlichen Provinzialvereins eine Verloosung von Vieh, landwirthschaftlichen Maschinen und Geräthen zu veranstalten.
Es dürfen
10,000 Loose à 50 Pfennig ausgegeben und müssen 60% des Erlöses zum Ankauf von Gewinngegenständen verwendet werden.
Die Aufenthaltsorte des Johannes Maas, Steinbruchunternehmer aus Heldenbergen und der Margaretha Ruhl aus Gelnhaar sind
unbekannt und zu ermitteln.
Deutsches Reich.
Darmstadt. Der Rechnungsrath Bader wurde auf Nachsuchen unter Anerkennung seiner Dienste in den Ruhestand versetzt.
— 25. Mai. Zweite Kammer. Als erster Gegenstand der Tagesordnung kam zur Berath— ung und zur Erledigung die Vorlage Großh. Staats-Ministeriums, betr. Gewährung einer Zinsengarantie für eine Actien-Unternehmung wegen Herstellung und Betriebs der Dampf— Kettenschleppschifffahrt auf dem Main für die Strecke Mainz-Aschaffenburg. Mit einem, einem Antrag des Abg. Metz entsprechenden Zusatz wurde den Ausschuß-Anträgen entsprechend der Großh. Regierung die Ermächtigung zur Zinsen— garantie mit allen gegen 2 Stimmen auf die Dauer von 10 Jahren ertheilt. Die Kammer trat sodann in die Generaldebatte über die Vor— lage Großh. Ministeriums der Finanzen, den Gesetzentwurf die Eisenbahnen von localem Inte— resse und die Straßenbahnen betreffend, ein. Ein Antrag des Abg. Dittmar auf Zurückverweisung des Art. 3 des Gesetzes an den Ausschuß, wurde angenommen. Artikel 1 und 2 des Gesetzes waren den Ausschußanträgen gemäß einstimmig angenommen worden.— 26. Mai. Man trat heute zunächst in die Berathung des Art. 5 ein, wonach die Gemeinden, wenn der Staat den Bau und Betrieb einer Secundärbahn über— nimmt, gehalten sein sollen, das Gelände kosten— frei zu stellen, auch noch einen Geldbeitrag zu den Baukosten zu leisten. Ellenberger beantragte hier eine Bestimmung, wonach diese Beiträge den Interessenten dann zurückerstattet werden sollen, wenn die Bahn einen Nettoertrag von 4 pCt. abwirft. Ministerialrath Fink erklärte, da die Regierung diesen Antrag umsoweniger beanstande als voraussichtlich die allerwenigsten Secundärbahnen eine Rente über 4 PCt. ab— werfen würden. Nach kurzer Debatte, an der sich Maurer, Wasserburg und Tecklenburg be— theiligten, wurde der Ellenberger'sche Antrag mit großer Mehrheit gebilligt, ebenso Art. 6 der u. A. bestimmt, daß au dem Anlage-Kapital des Bahnunternehmens die Gemeinden, Kreis— oder Provinzialverbände sich mit einem Anlage— kapital von einem Sechstheil betheiligen sollen. Art. 7 sieht als Maximalbeihilfe für Bahn— strecken mit eigenem Bahnkörper bei Normal— spur 20,000 M., für schmalspurige Bahnen 15,000 M. pro Kilometer, unter Benutzung öffentlicher Straßen und Wege aber nur 18,000 resp. 13,000 M. vor. Der Autrag des Aus— schusses, diese Beihülfe für Bahnen mit eigenem Bahnkorper auf 15,000 resp. 12,000 M., sonst aber auf 13,000 und 10,000 M. herabzumin— dern, fand fast ohne Debatte mit 24 gegen 20 Stimmen Annahme.
Berlin, 25. Mai. Die Unfallcommission hielt heute Abend Sitzung. Die Resolution Hertling wurde zurückgezogen. Die Commission verzichtet auf die Fortsetzung der blos summarischen
der Vorlage ein, mit§ 1 beginnend, indem sie sich vorbehält, über wichtige Paragraphen zu
berathen und zu beschließen.§ wird unverändert angenommen, ebenso§ 2 und 3, letzterer ohne Discussion;§ 4 wird unverändert angenommen.
— 25. Mai. Der Reichsanzeiger meldet: Ein Erlaß des Kaisers an den Kultusminister und an den evangelischen Oberkirchenrath vom 21. Mai ordnet die feierliche Begehung des 400jährigen Geburtstages Dr. Martin Luther's durch ein am 10. und 11. November in den evangelischen Kirchen und Schulen stattfindendes Kirchenfest an. Am 9. November findet feier— liches Einläuten des Festes mit den Kirchen— glocken und Choralblasen, am 10. November öffentliche Schulfeierlichkeiten und vorbereitende Gottesdienste und am 11. November kirchlicher Hauptgottesdienst statt, wobei als Hauptlied „Eine feste Burg ist unser Gott“ zu wählen und in dem Dankgebet der Gesichtspunkt her— vorzuheben ist, daß es sich nicht um den Lob— preis eines Menschen, sondern um den Lobpreis Gottes für die in der Reformation dem deut— schen Volke zu Theil gewordene göttliche Guade handelt.
— 25. Mai. Der Post zufolge sind die Verhandlungen mit Spanien in ein neues Stadium getreten. Spanien erklärte sich bereit, den Han— delsvertrag abzuschließen, falls die Gültigkeit desselben für die außerhalb der gemeinschaft— lichen Zollgrenze liegenden Reichstheile ausge— schlossen würden. Spanien gehe davon aus, daß sein Handel und seine Industrie gerade unter der Einfuhr aus den Hansastädten zu leiden habe. Mai. Nach der Norddeutschen All— gemeinen Zeitung beruhte das Verhalten der Reichs-Regierung gegenüber der Interpellation Joh annsen auf ausdrücklicher Verabredung mit dem Minister v. Puttkamer, welcher der Mein— ung war, daß, wenn die am 7. März im Land— tage erörterte Frage allenfalls auch vor das Forum des Reichstages gezogen werden könne, doch die Ertheilnng oder Versagung der Natura— lisation im einzelnen Falle lediglich preußische Verwaltungssache sei.
— 26. Mai. Gestern hat hier die Aus— wechselung der Ratificationen des Handelsver— trags und des Consularvertrags mit Serbien stattgefunden.
— 26. Mai. Die Kaiserin trifft Montag Abend von Baden-Baden hier wieder ein. Die Kronprinzessin ist gestern früh von Paris ab— gereist.
L Ueber den Juhalt der letzten Jakobini— schen Note verlautet, daß dieselbe auf die vor— letzte Note vom April zurückverweist, welche, der speziellen Aufforderung des preußischen Ge— landten nachkommend, die Wünsche der Curie bezüglich der bischöflichen Jurisdiction, sowie der Priesterausbildung eingehend spezificirt habe, aber trotzdem, daß die Aufforderung dazu von
— 26.
worden sei. Berathung und tritt in die regelrechte Discussion
Preußen ausgegangen, gar keiner Beantwortung,
geschweige denn einer Berücksichtigung gewürdigt ö So lange aber eine solche Berück— sichtigung ausbleibe, werde der Vatican schwerlich
ganz neue Anträge der preußischen Regierung
anders behandeln können.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Von hier meldet man, daß über die Zusammenkunft der Monarchen und Munister der Tripelallianz— mächte in den hiesigen maßgebenden Kreisen absolut nichts bekannt ist, wenn auch die Zu— sammenkunft der Kaiser von Oesterreich und Deutschland in Gastein oder Isch! wahrscheinlich sei, so doch keinesfalls die mit dem König von J'alien.
Pest 26. Mai. Ladislaw Szoegyenyi, Vater des Sectiouschef im auswärtigen Amte, ist zum Präsidenten und Graf Cziraky zum Vicepräsidenten des Oberhauses ernannt worden.— Abgeordneten— haus. Juterpellatiou Iranyi über die Verpflicht— ungen der Arbeitgeber gegen die Arbeiter bezüglich der Arbeitszeit und über den Züist and der Arbeiter— wohnungen. Der Handelsminister erklärt, er werde die Gewerbebehörden auweisen, die gesetz— lichen Bestimmungen betreffs der Arbeitszeit und Arbeiterwohnungen streng einhalten zu lassen; eventuell werde er eine Novelle über die Verbesser— ungen der Lage der Arbeiter einbringen. Er sei ge— willt, die Arbeiterkassen, Unterstützungsvereine und andere humanitäre Einrichtungen zu unterstützen.
Schweden. Stockholm. Wegen der Ab— stimmung des Reichstages über die Heeresorga— nisation demissionirte das ganze Ministerium.
Holland. Haag, 26. Mai. Augesichts der Lage in Atchin sind Truppenverstärkungen dorthin dirigirt worden.
Frankreich. Paris, 26. Mai. Nachrichten des Marineministers aus Tonkin zufolge ist der Commandant Rivière bei dem Versuche, aus dem Fort Hanoi, wo er seit mehreren Monaten eingeschlossen war, gegen den zahlreich über— legenen Feind einen Ausfall zu machen, getödtet worden. Der Bataillonschef de Villers wurde schwer verwundet. General Bonnet, gegenwärtig in Saigon, erhielt Befehl Rivière zu euntsetzen.
— 26. Mai. Der Marineminister zeigte der Deputirtenkammer an, daß der Transport- dampfer„Toulon“ den Befehl erhalten habe, nach Tonkin abzugehen. General Bonnet wird den Oberbefehl über die Expedition übernehmen. Von Cochinchina werden gleichfalls Verstärk— ungen geschickt.
— 26. Mai. Einer Depesche der Times zufolge stehe unmittelbar der Abbruch der diplo— matischen Beziehungen zwischen Frankreich und China in Folge der Tonkinfrage bevor. Der französische Gesandte in Peking würde nächstens seine Pässe erhalten, der Gesandte Chinas die seinigen fordern.
Großbritannien. London. Die Agrar- verbrechen in Irland sind jetzt so gering an Zahl, daß man wohl von einer Wiederkehr der normalen Verhältnisse sprechen kann. Im April d. J zählte man nur einen Gewaltact gegen die Person(Durchprügelung eines Ge— richtsboten), 17 Vergehen gegen fremdes Eigen— thum und 53 Drohungen, zumeist durch ano— nyme Briefe.— In Cork wurden gestern zwei schwarze, mit Eisenbänden versicherte Kisten, die mit dem Dampfer„Fastnet“ aus New-Pork


