Ausgabe 
28.6.1883
 
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Theils der nördlichen Grenze Deutschlands be

betrieben wurden, und daß Geheimacten des Kriegsministeriums, die sich auf den Schutz eines

ziehen, dabei in Frage sind.

Kiel. Der Chef der Admiralität, General lieutenant v. Caprivi, trifft am 27. Juni hier ein, um dem gefechtsmäßigen Schießen der Ma trosen-Artillerie-Abtheilung beizuwohnen. Das Uebungsgeschwader geht Montag von hier nach der Nordsee.

Ems, 26. Juni. Die Großherzogin von Mecklenburg ist heute aus Coblenz eingetroffen; sie wurde vom Kaiser am Bahnhof empfangen und zumRussischen Hof geleitet.

Neuwied, 25. Juni. Die Königin von Rumänien, der Fürst und die Fürstin zu Wied reisten heute zum Besuch des Kaisers nach Ems und kehrten am Abend wieder hierher zurück.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien. Die Wiener Abendpost dementirt die Meldung der Gazeta narodowa, daß Arnim Adler Schriftstücke Kras zewski's dem Preßbureau zum Kauf angeboten habe.

Frankreich. Paris. Entgegen der Reuter' schen Meldung vom 22. Juni berichtet Daily News, Marquis Tseng dementire durchaus das Gerücht von einer Einigung zwischen Frankreich und China betreffs Tonkins. Dasselbe Blatt constatirt, daß chinesische Truppen an mehreren Punkten der Provinzen Jünnan, Kuangsi und Kuangtang zusammengezogen werden.

Marquis Tseng soll seine Rückkehr aus London nach Paris von dem Rücktritte des Ministers Challemel Lacour abhängig gemacht haben.

Großbritannien. London. Die Regier ung erklärte sich bereit, Vertreter des Trans vaalgebietes, zwecks Revision der Convention mit England, zu empfangen. Demgemäß wird keine Special-Commission nach dem Transvaalland abgesandt.

Dublin, 26. Juni. In Outragh machten gestern Abend streitende Soldaten zweier Regi menter von den Gewehren Gebrauch und schossen aufeinander. Fünf Soldaten wurden getödtet und mehrere verwundet. Weitere Thätlichkeiten wur den durch das Einschreiten der Officiere verhiu dert, welche drohten, auf die Meuterer schießen zu lassen.

Türkei. Constantinopel, 25. Juni. Der ehemalige Gouverneur des Libanon, Rustem Pascha, ist hier eingetroffen.

Aus Stadt und Land.

f. Friedberg, 27. Juni. Seitens des unter dem Präsidium des Gemeinderaths Koob dahier stehenden GesangvereinsLiederkranz wurde gestern Abend dem Großh. Kreisrath Dr. Braden aus Anlaß dessen heutigen Geburtsfestes ein Ständchen gebracht. Nachdem der ge nannte Verein unter der bewährten Leitung seines Diri genten, Seminarlehrers Schmidt, einige Lieder in sehr schoͤner, exaeter Weise zum Vortrag gebracht hatte, hielt Seminarlehrer Wahl eine Ansprache an den Gefeierten und hob hervor, wie derselbe nun nahezu 7 Jahre im Kreise thätig sei, wie der ganze Kreis und insbesondere auch die Stadt Friedberg ihm Dank und Anerkennung für die während dieser Zeit bewiesene umsichtige Thätig⸗ keit und tüchtige Verwaltung er erinnere nur an seine Bemühungen um die jetzt ins Leben tretende Zuckerfabrik darkbringe, feierte ihn sodann noch als Beschützer und Förderer idealer Bestrebungen und sprach den Wunsch aus, daß ihn Gluck und Segen auf seinem Lebens- und Berufswege auch ferner begleiten möge. Diesen in be kannter beredter Weise zum Ausdruck gebrachten Worten schloß Redner ein Hoch auf Kreisrath Jr. Braden an, in welches die sehr zahlreich versammelten Anwesenden auf's Lebhafteste einstimmten. Kreisrath Dr. Braden dankte bewegt für die ihm in Liedern und Rede dar gebrachten Gesinnungen, betonte, wie er sich bei seinem Bestreben wesentlich durch das ihm bewiesene Entgegen kommen gefördert sehe und brachte sodann ein allseltig Widerhall findendes Hoch auf die Stadt und den Kreis Friedberg aus. Den in der Rede Wabl's geäußerten Wünschen schließen wir uns aus vollem Herzen an und hoffen und wünschen, daß der Gefeierte noch recht viele Beweise der Anerkennung und Achtung aus Stadt und Kreis erhalten moge.

Friedberg. Wir wollen nicht verfehlen, auch an dieser Stelle darauf aufmerksam zu machen, daß am 28. d. Mts. wieder Retourbillete mit Stägiger Gültig keit zum Besuche der Hygiene-Ausstellung in Berlin auf allen Stationen der Main-Weser-Bahn ausgegeben

werden. Der Besuch der Ausstellung ist hierdurch sehr

Friedberg. Bei der jetzigen heißen Witterung dürfte es nicht überflüssig erscheinen, wenn wir daran erinnern, daß den an der Kette liegenden Hofhunden und nament lich den Zughunden täglich mehrmals reines frisches Wasser zu reichen ist, um sie vor der so gefährlichen Wuthkrankheit zu schützen. Der treue Wächter des Hau ses und der sich zu Gunsten seines Herrn abmühende Zughund verdienen es wohl, daß man ihnen neben dem erforderlichen Futter auch öfter Gelegenheit bietet, mit kühlem Wasser ihren brennenden Durst zu löschen. Be sonders empfiehlt es sich, die Zughunde beim Ausruhen im Schatten lagern zu lassen, damit sie nicht übermäßig vom Sonnenbrande geplagt werden.

w. Assenheim, 26. Juni. Unter Betheiligung sämmt licher Bundesvereine und des hiesigen Krieger-Vereins, sowle ber ganzen Gemeinde Assenheim und vieler anderer Festtheilnehmer fand am verflossenen Sonntage den 24. Juni dahier das 2. Sängerfest des Wetterauer Sängerbundes statt. Der Himmel machte am Festtage ein freundliches Gesicht und verlief das Fest in der würdigsten und an⸗ genehmsten Wetse. Die ganze Stadt prangte im schön sten Festschmucke, kein Haus war ohne Bäume, Fahnen und Kränze, auch waren verschiedene Triumphbogen an gebracht. Von 11 bis ½1 Uhr fand am Rathhause der Empfang der Vereine statt. Lehrer Gundermann, der Dirigent des Local-Vereins, hieß dieselben mit kurzen Worten herzlich willkommen. Kurz nach 1 Uhr war Probe der Chorlieder im 1. Schulhofe. Der Festzug bewegte sich nach 2 Uhr durch die Straßen der Stadt nach dem Festplatze. Hier angekommen, wurden die Sänger von Seiten des Großh. Bürgermeisters Best und des Lehrers Berntheusel im Namen der Stadt und des Comités willkommen geheißen. Die beiden Willkommen endeten mit einem Hoch auf den Sängerbund. Hierauf ging man zum Gesang der beiden Chorlieder über. Die selben wurden unter Leitung des Lehrers Will von Rendel und Hof von Echzell recht exact und schwungvoll vorge tragen. Lehrer Hof hlelt dann die Festrede, welche mit einem Hoch auf das Aufblühen und Gedeihen des Sänger bundes endigte. Von den folgenden Reden bezw. Toasten sind noch anzuführen: der des Lehrers Will zu Rendel auf den deutschen Kaiser, der des Lehrers Volk auf den Großherzog, der des Landtags-Abgeordneten Weith auf den Grafen zu Solms-Rödelheim, den Stadtvorstand, das Festeomité und die Stadt Assenheim, der des Lehrers Schmidt auf die Festjungfrauen u. s. w. Hierbei sei bemerkt, daß an den Großherzog ein Begrüßungs-Tele gramm abgesandt wurde. Noch am Nachmittag wurde das Telegramm auf die freundlichste Welse beantwortet. Nachdem dieser mehr allgemeine Theil des Festes be endet war, ging man zum Vortrage der Speelalchöre über. Es wurde im Ganzen ganz gut gesungen. Gegen 8 Uhr verließen die meisten Vereine den Festort und konnten dieselben leider dem Feuerwerke nicht mehr an wohnen. Zum Schlusse sei noch bemerkt, daß das Fest als ein gelungenes bezeichnet werden muß, welches allen Festtheilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben wird.

Nidda. Hier ist eine arme Frau mit 5 Kindern niedergekommen. Eins davon, ein Junge, wiegt 14 Pfund; die Kinder sind sämmtlich frisch und gesund. Eine wohl habende Familie hat für die Fünflinge eine Wiege an⸗ fertigen lassen, groß genug, um alle zugleich zu bergen. Auch erhält die sosegensreich getroffene Familie sonsttge Unterstützungen.

Allerlei.

Lemberg, 25. Juni. In Folge anhaltender Regen güsse in Galizien wird aus verschiedenen Orten Ueber schwemmungsgefahr signallsirt.

Nyiregyhaza, 25. Juni. Bei Beginn der heu tigen Verhandlung gab der Präsident die Erklärung ab, daß er vom Vicegespan verständigt sei, es seien Zeugen bei diesem erschlenen, welche zwet Personen nennen woll ten, die für die sog. Dadaer Leiche die Kleider Esther's gellefert hätten. Er habe den Untersuchungsrichter nach Tisza⸗Eßlar zur Vernehmung der Zeugen entsendet. Die verdächtigen Personen würden pollzetlich bewacht. Der Staatsanwalt verlangt die Vorladung der Zeugen unter poltzeilicher Bewachung. Der Vertheidiger Eötvös er klärte, die polizeiliche Bewachung sei nicht nur unnöthig, sondern ungesetzlich. Die Angelegenheit gehöre ausschließ lich vor das Gericht, keine Verwaltungsbehörde, selbst der König nicht dürfe die verfassungsmäßige Garantie der per sönlichen Freiheit antasten, das Gesetz kenne keinen Unter schied zwischen Juden und Christen. Der Präsident erklärte in Bezug auf die polizeiliche Bewachung der belden Per sonen, welche für die Dadaer Leiche Esther's Kleider geliefert haben sollen, er fühle sich nicht berufen, das Vorgehen der Verwaltungsbehörden zum Gegenstand seiner Untersuch ungen zu machen und theilte im hoheren Auftrage mit, daß die Aussage des Moriz Scharf über den Erlaß des Ministers des Innern, durch welchen diesem Versorgung für die Zu kunft zugesichert wurde, auf Unwahrheit beruhe. Hierauf wird der Zeuge Hermann Rosenberg vernommen, bei dem Esther's Schwester diente. Derselbe will, als er mit der Dienstmagd vom Kaufmann heimkehrte, Esther gegen 1 Uhr getroffen haben. Die heutigen Zeugenaussagen wiesen das Alibi zweier Schächter nach, nachdem das Alibi eines dritten schon am Sonnabend nachgewiesen. Esther's Mutter sagte aus, die Juden hätten ihr nicht Tausende versprochen, damit sie ein fremdes Kind als eigenes anerkenne, sondern hätten ihr zweihundert Gulden versprochen, wenn sie ihnen die Heimkehr Esther's an zeige. Die Gerichts- und Polizeiorgane, vor welchen Moriz Scharf zuerst aussagte, bestreiten, denselben durch Gewalt zur Aussage gepreßt zu haben. Der Gerichts canzlist, welcher dem Untersuchungsrichter beigegeben war,

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und ihm gesagt, sein Vater habe bereits gestanden, worauf Moriz Alles erzählt habe. Sein Vater rief dazwischen: Der hat meinen Sohn abgerichtet. 26. Juni. Vor Beginn der heutigen Verhandlung theilte der Präsident

aufzuheben, da dieselben vorgeladen werden. Hierauf soll die Vernehmung des Kanzlisten Peczely fortgesetzt werden, dem Moritz Scharf zuerst seine Kenntniß von dem angeblichen Morde zugestanden hat. Vorher bean tragte der Vertheidiger Friedmann, es solle verfügt werden, daß der Sicherheitscommissär Reezy, Peezely und Moritz Scharf während der Dauer der Vernehmung nicht verkehren könnten, ferner daß Bary, dessen Vor⸗ gehen bei dem Verhöre Moritzen's festgestellt werden soll, der Verhandlung nicht beiwohne. erklärt, es dürfe jeder anständige Mensch, ausgenommen solche, welche als Zeugen erscheinen, der Verhandlung belwohnen. Staatsanwalt: Er habe bereits beantragt, daß Bary darüber vernommen werde, ob er Moriz versprochen habe, daß seinem Vater kein Leid geschehen werde. Nach halbstündiger Berathung beschließt der Gerichtshof, von der Vernehmung des Untersuchungs⸗ richters als ungewöhnlich und unmotivirbar abzusehen. Staatsanwalt und Vertheidiger werden die Nichtigkeits beschwerde dagegen anmelden. Der Vertheidiger Eötvös fragte hierauf Peezely, ob er jener Peczely sei, welcher wegen grausamen Mordes zu 15 Jahr Zuchthaus ver urtheilt worden sei und davon 12 auch abgebüßt habe. Als Zeuge die Antwort verweigert, übergibt der Staats anwalt dem Präsidenten die Auskunft der Illavaer Strafanstalt. Im welteren Verlaufe der heutigen Ver handlungen gelang es Eötvös, den Zeugen Peezely zum Geständniß zu bringen, daß er auch solche Protokolle über seine Vernehmung unterschrieben habe, bei deren Anfertigung er nicht zugegen. Ferner gestand Peezely ein, daß der ihm anvertraut gewesene Knabe einige Zeit, während er bei Reezy war, sich im Dienstboten zimmer befand. Mehrere inzwischen entlassene Dienst boten Reczy's hätten ausgesagt, daß Moritz Scharf von Reezy georfeigt und auf dessen Befehl von Nanduren gepeitscht worden sei. Reezy leugnet und erklärt, der Zeuge sei bestochen. Eötvös bemerkt, daß das betreffende Protokoll die Unterschrift Moritz Scharf trägt mit dem Zusatze: das habe ich ohne Zwang ausgesagt, während andere Protokolle eine ähnliche Clausel nicht enthalten. Hieraus sei zu schließen, daß die Clausel nothwendig war. Morgen soll der Debrecziner Sicherheitscommissär Barcza vernommen werden, der Kenntniß davon haben will, wie Moritz Scharf zu judenfeindlichen Aus sagen abgerlchtet wurde. Der Wiener Presse wird von hier geschrieben: Nachrichten aus Pest lassen es als glaub würdig erscheinen, daß schon in den nächsten Tagen ka aller Stille eine königliche Kommission hier eintrifft, welche dle Führung des Prozesses zu überwachen haben wird. Von dem Untersuchungsrichter Bary wird er zählt, daß er, sowie die Aussage eines Zeugen ent kräftigend ausfällt, den Portier Hentel und gegen wärtigen Pflegervater des kleinen Moritz Scharf in das Zeugenzimmer sendet, um den nächsten Zeugen zu prä pariren, damit derselbe den Fehler seines Vorgängers gut macht. Hentel, der aus selner Gesinnung kein Hehl macht, findet dann Mittags im Hotel Brenner Onody und Verhovay, mit denen er den ferneren Plan bespricht Ein Graf, welcher für Moritz Scharf monatlich 40 fl. sendet, hat sich über das Verhalten des Knaben während der Verhandlung sehr lobend ausgesprochen und hat der Knabe zahlreiche Geschenke erhalten. Wie man erfährt, besteht die Absicht, den Knaben, der übrigens darauf besteht, in Nylregyhaza getauft zu werden, sofort nach Schluß der Verhandlung von hier wegzubringen, da man fürchtet, daß, wenn Moritz einmal älter geworden, von Gewissensbissen geplagt, Dinge sagen könnte, die auch anderen Leuten als seinem Vater unangenehm wer den wurden. Es liegt sehr viel daran, diesen Knaben zu erhalten und ihn sobald wie möglich den blsherlgen Einflüssen zu entziehen. Wohin Scharf gebracht werden soll, ist ein Geheimniß.

London, 25. Juni. Auf dem Canal hat ein Zusam⸗ menstoß zwischen den SchiffenWaitrara undHurunui stattgefunden, welche beide sich auf dem Wege nach Neu Seeland befanden.Waitrara kenterte, wobei 25 Per sonen ertrunken sind.

Rom, 25. Juni. In dem Theater zu Dervio(Pro vinz Como) brach gestern Abend während der Vorstell ung Feuer aus, wobei 47 Personen um's Leben kamen und 10 verwundet wurden.

Petersburg, 25. Juni. Eine Feuersbrunst ver nichtete heute die an der Newamündung belegene Säge⸗ mühle nebst Holzlager, die meisten Privathäuser auf der Lootse Insel, ferner auf der Gutejewa-Insel die von der Krone verpachtete Dampfkornmühle, sowie die Fabrik chemischer Producte, eine Knochenmühle, ein VBaumwoll⸗ lager mit 3000 Ballen; der Schaden wird auf andert halb Million Rubel geschätzt. Das abgebrannte Eigen- thum war für ein Million Rubel versichert.

Kairo, 24. Juni. Die Regierung erhielt von einem Arzt in Damiette telegraphisch die Nachricht, daß ein bösartiges typhöses Fieber während der letzten Tage da⸗ selbst gewütet hat und von 20 Erkrankungen 6 tödlich verliefen. Die Sanitäts-Commission begab sich nach Damiette. Einer Meldung von Reuter's Bureau zufolge ist die Epidemie während der Messe ausgebrochen und sollen bis jetzt 19 Personen gestorben sein. 26. Jun. Reuters Bureau meldet aus Damiette, daß die Santktäts Commission die Epidemie für die asiatische Cholera er

erleichtert. Näheres ist auf jeder Station zu erfahren.

gibt zu, er habe dem Jungen mit ewigem Kerker gedroht

kläre, und daß die Zahl der Erkrankungsfälle zunehme.

mit, er habe den Vicegespan angewiesen, die Bewachung der wegen Bekleidung der Dadaer Leiche Verdächtigen

Der Präsident

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