Nyiregyhaza, 22. Juni. Bei Beginn der heuti⸗ gen Verhandlung machte die Vertheidizung den Präsi⸗ denten darauf aufmerksam, daß Jemand aus dem Publi⸗ kum den Angeklagten, der sich erheben wollte, mit Gewalt zum Niedersetzen gezwungen habe. Im Wiederholungs- falle müsse die Vertheidigung die Räumung des Saales beantragen oder selbst den Saal verlassen. Der Präsi⸗ dent richtete hierauf eine Vermahnung an die Zuhörer.
Sodann wurden die Zeuginnen vernommen, welche an
dem fraglichen Sonnabend-Mittag Hilferufe von der Gegend der Synagoge her vernommen haben wollten. Die erste Zeugin habe eine Kinderstimme gehört, welche sie hinauszurufen schien; sie habe weiter nicht darauf geachtet. Die im Verhörprotokoll enthaltenen Aussagen, wonach die Zeugin sich über die lange Dauer des Gottes⸗ dienstes gewundert und später sich der Scharf bei ihr erkundigt habe, ob man Nufe aus der Synagoge ver— nommen habe, werden von der Zeugin entschieden in Abrede gestellt; sie habe den Ruf auch nicht Mittags, sondern Abends gehört, sie habe weder die Esther noch deren Mutter gekannt. Ihr 15jähriger Sohn sagt aus, seine Mutter habe ihm gesagt, sie wisse nicht, woher der Ruf komme und was derselbe bedeute. Die nächste Zeugin hat um die Mittagsstunde in der Nähe der Syna⸗ goge leises Weinen gehört, weiß jedoch nicht, ob die Laute aus der Synagoge gekommen seien. Weitere Zeugen sagen aus, Esther habe nach 1 Uhr noch mit der Schwester gesprochen, ihre Dienstherrin habe sie noch Nachmittags ins Dorf geschickt. Das Dienstmädchen des Abgeordneten Onody sagt aus, sie habe einen Schächter, welcher nach der Angabe Moritz Scharf's das Blut aufgegangen, schon um 11 Uhr Vormittags bei ihrem früheren Dienstherrn gesehen, wo derselbe bis Nachmittags verweilte. Der Staatsanwalt ersuchte den Präsidenten, das Publikum in den Schranken zu halten, da er sonst andere Maß— regeln beantragen würde. Das Gerücht von der ver— suchten Entführung Moritz Scharf's ist bis jetzt that— sächlich nicht begründet; dasselbe soll dadurch entstanden sein, daß zwei christliche Journalisten aus Pest in später Abendstunde sich zu dem Lehrer Scharf's begaben, sich aber alsbald wieder entfernten, da sie denselben nicht zu Hause antrafen.— 23. Juni. Zu Beginn der heutigen Sitzung erklärte der Vertheidiger Eötvös neuerdings, daß er sich durch das Publiknm nicht terrorisiren lassen werde und knüpfte daran Bemerkungen über die Proto— colle. Der Präsident erwiederte, daß er die Proto— colle eontrolire. Hierauf wurde die Vernehmung der Zeugen fortgesetzt. Der erste Zeuge ist ein jüdischer Schankwirth; derselbe sagte aus, daß die Juden die Synagoge wie üblich um 11 Uhr verlassen hätten. Es wurden ferner 14 Israeliten über die Tagesordnung der Eszlarer Juden an jenem Sonnabend vernommen. Dieselben sagten abweichend von dem Untersuchungs— protokoll aus. Während der Verhandlung lief eine Meld— ung des Untersuchungs Richters Bary an den Staats- anwalt ein, daß er im Auftrage des Präsidenten nach Eszlar gereist sei, um eine Nachuntersuchung anzustellen bezüglich einer Frau, welche die Kleider Esther's für die Dadaer Leiche geliefert habe. Staatsanwalt und Vertthet diger protestirten energisch gegen diese Verfügung des Prä— sidenten. Der Gerichtshof beschloß Bary zurückzuberufen.
New⸗Nork, 24. Juni. Nachrichten aus Vera-⸗Cruz zufolge richtet das gelbe Fieber unter der dortigen Be— völkerung, sowohl unter den Europäern wie Amerikanern schreckliche Verheerungen an; während der verflossenen beiden Monate sollen gegen 1000 Personen gestorben sein.
Gerichtssaal.
Butz bach, 23. Juni. In der heutigen Sitzung des Schöffengerichts wurden in folgenden Sachen erkannt: 1. Jacob Nauheimer von Rockenberg, angeklagt der Be— leidigung des Bürgermeisters Landvogt von da, wurde zu 3 Wochen Gefängniß und zur Tragung der Kosten verurtheilt, dem Beleidigten auch die Befugniß zuge— sprochen, das Urtheil auf Kosten des Nauheimer im Wetterauer Boten veröffentlichen zu dürfen. Die Gegen— klage Nauheimers wurde abgewiesen. 2. Johannes Birken— stock und Philipp Michel von Hoch Weisel, angeklagt wegen Beleidigung und Widerstands gegen die Staats— gewalt, wurde Ersterer in eine Gesammtstrafe von 14 Wochen und 1 Tag, sowie die Hälfte der Kosten verur— theilt, auch dem Beleidigten die Befugniß zugesprochen, das Urtheil auf Kosten des Angeklagten im Wetterauer Voten veröffentlichen zu dürfen. Gegen Michel mußte das Verfahren eingestellt werden, da derselbe ausgewan— dert ist. 3. Heinrich Groß von Rockenberg, angeklagt wegen Pfandveräußerung, erhielt 6 Tage Gefängniß und Tragung der Kosten. 4. Jacob Wagner von Griedel, angeklagt wegen Hausfriedensbruchs, erhielt 7 M. Strafe, eventuell 2 Tage Haft und Tragung der Kosten.
Verloosung
i Ans bach⸗Gunzenhausen 7 fl-Loose vom Jahre 1857. Ziehung am 15. Juni. Auszahlung am 15. December 1883. Hauptpreise: Serie 1136 Nr. 13 12,000 fl. Serie 4957 Nr. 9 2000 fl. Serie 985 Nr. 39 500 fl. Serie 2261 Nr. 1, Serie 2921 Nr. 29, Serie 3800 Nr. 14, Serie 3988 Nr. 50, Serie 4347 Nr. 37 je 100 fl. Serie 260 Nr. 29, Serie 965 Nr. 17, Serie 2385 Nr. 22, 49, Serie 2650 Nr. 33, Serle 2717 Nr. 7, Serie 2864 Nr. 20, 41, 45, Serie 3409 Nr. 35 je 50 fl. Serie 177 Nr. 47, Serle 965 Nr. 29, Serie 1211 Nr. 14, 40, Serie 2261 Nr. 19, Serie 2380 Nr. 24, Serie 2717 Nr. 27, Serie 2891 Nr. 5, 39, Serie 2921 Nr. 35, Serie 2929 Nr. 35, Serie 3409 Nr. 14, Serie 3800 Nr. 10, Serie 3953 Nr. 39, Serie 3988 Nr. 19, Serie 4151 Nr. 21, Serie 4655 Nr. 42, Serie 4723 Nr. 24, Serie 4957 Nr. 4 je 30 fl.
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8 Handel und Verkehr.
Friedberg, 25. Juni. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0 90—1.10, Eier 1 St. 6, 2 St. 00 Pf.
Gießen, 23. Juni. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfd. M. 0.90 1.00, Eier per Stuck 5—6 Pf., Käse per Stück 4—8 Pf., Tauben per Paar M. 0.65 0.80, Hühner per Stück M. 0.75 1.20, Hahnen per Stück M. 0.90— 1.50, Enten per Stück M. 1.70— 1.90, Ochsen⸗ fleisch per Pfd. 70 Pf., Kuh- urd Rindfleisch 56 60 Pf., Kalbfleisch 45 50 Pf., Schweinefleisch 60-64 Pf., Hammelfleisch 60- 70 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 8 bis M. 9, Kirschen per Pfd. 20 Pf.
Gießen. Auf unserem am 19. und 26. d. M. ab⸗ gehaltenen Markte waren 1378 Stück Rindvieh und 1056 Stück Sweine aufgetrieben. Gut genährtes, zum Schlachten geeignetes Vieh war begehrt und ging zu Preisen ab, wie am vorigen Markte, Arbeitsvieh aber war weniger gesucht und billig. Grund dafür scheint Futtermangel zu sein.— Der nächste Markt findet am 10. Juli d. J. statt.
Frankfurt, 22. Juni. Der heutige Kälbermarkt, welcher mit ca. 300 Stück betrieben war, folgte der Tendenz des gestrigen Großviehmarktes und war sehr flau. 1. Qual. wurde zu 55 Pf. per Pfd. Schlachtge⸗ wicht, 2. Qual. zu 45 Pf. und die 3. Qual. zu 40 Pf. und noch darunter abgegeben.
Frankfurt, 23. Juni. Wochenmarkt. Gemüse: Blumenkohl per Stück 20 Pf. bis M. 1, Spargeln per Pfund 25—40 Pf., Erbsen per Pfd. 30 Pf., gekernte per Liter 80 Pf., die ersten Feldbohnen per Pfd. M. 1, italienische Bohnen 40 Pf. en gros, 50 Pf. en detail, Zuckerschoten per Pfd. 35 Pf., Kohlrabi per Stück 3— 4 Pf., Spinat per Mahlzeit 30 Pf., Carotten per Pack 810 Pf., Häuptersalat per Stück 25 Pf., Romain 25 Pf., Radieschen per Pack 2—3 Pf., Zwiebeln per Ctr.(neue) rothe M. 11, weiße M. 8, per Pfd. rothe 14 Pf., weiße 10 Pf.— Kartoffeln per Ctr. M. 4.50, per Gescheid 18 Pf., neue per Pfd. 14 16 Pf.— Obst: Kirschen 9—12 Pf., schwarze 18—20 Pf., Sauerkirschen 20 Pf., Johannistrauben 50 Pf., Heidelbeeren per Liter 35 Pf., Erdbeeren per Pfd. 60 Pf., Walderdbeeren per Liter 60 Pf. — Butter en gros per Ctr. M. 90, en detail per Pfd. M. 1.15— 1.25, Eier per Hundert M. 4.50, 25 Stück M. 1.20, per Stück 5 Pf., ausgesuchte größere Sorte bis M. 5.50 per Hundert, frische Landeier 2 Stück 11 Pf. — Preise von Fleisch, Wildpret und Geflügel unverändert. — Heu- und Strohmarkt. Es kostete je nach Qual. per Centner: Heu M. 2.8)—3.90, Stroh M. 2.15—3. Zufuhr ca. 40 Wagen.
Mainz, 22. Juni. Marktpreise. Kartoffeln per 100 Kilo M. 10—12, Heu per Ctr. M. 3.25 3.75, Stroh per Ctr. M. 2— 2.25, Butter ½ K. M. 0.90—1., Butter in Parthien 70— 75 Pf., Eier/ Hundert M. 1.15 bis M. 1.20, Handkäse 4—7 Pf., Blumenkohl 40—50 Pf., Zwiebel ½ Kilo 3—4 Pf., 1 Ente M. 22.25, 1 Hahn M. 1.75—2, 1 Huhn M. 1.25— 1.75.—(Fruchtmarkt). Waizen hiesiger und fremder M. 1719.50, Ungarischer M. 21—21.50, Amerikanischer M. 28.25— 23.50, Roggen hiesiger M. 15.25— 15.75, Französischer M. 1616.25, Hafer M. 12— 14, Rüböl effektiv ohne Faß M. 36 36.25, per Okt. mit Faß M. 3232.75.— Viehmarkt vom 15. bis 21. Juni. Zugetrieben waren: 10 Farren M. 54, 120 Ochsen 1. Qual. M. 71, 2. Qual. M. 68, 271 Kühe 1. Qual. M. 66, 2. Qual. M. 50 60, 252 Kälber M. 60, 549 Schweine M. 50—58 per 50 Kilo.
Repertoir⸗Entwurf der vereinigten Stadt-Theater in Frankfurt.
Opernhaus.
Sonntag den 1. Juli 1883 Wiedereröffnung: Tannhäuser
und der Sängerkrieg auf Wartburg. Schauspielhaus.
Dienstag den 26. Die Geier-Wally.
Mittwoch den 27. Gastspiel des Herrn Junkermann. Neu einstudirt: Onkel Bräsig. Bräsig: Herr Junker— mann.
Donnerstag den 28. Außer Abonn.: Gastspiel des Hrn. Junkermann. Zum ersten Male: Ut de Franzosentid. Genrebild aus der gleichnamigen Erzählung von Fritz Reuter in 1 Akt. Müller Voß: Herr Junkermann. Hierauf: Zum ersten Male: Du drögst de Pann weg. Schwank in 1 Akt nach Fritz Reuter's gleichnamigem Gedicht. Krischan Hank: Herr Junkermann. Zum Schluß: Zum ersten Male: Jochen Päsel, wat büst vörn Esel. Schwank in 1 Aufzug, nach dem gleich— namigen Gedicht von Fritz Reuter. Jochen Päsel:
Herr Junkermann. Zum Anhang: So sein se!
Freitag den 29. Gastspiel des Hrn. Junkermann. Zum ersten Male wiederholt: Ut de Franzosentid Hierauf: Du drögst de Pann weg. Zum Schluß: Jochen 4 wat büst du vörn Esel. Zum Anhang: So ein se!
Samstag den 30. Die Journalisten.
Sonntag den 1. Juli Letzte Vorstellung vor den Schau— spielferien. Letztes Gastspiel des Herrn Junkermann. Onkel Bräsig.
Wieder⸗Eröffnung der Schauspiel-Saison: Sonntag
den 29. Juli 1883.
Literarisches.
Dabeim. Nr. 38 enthält: Die Prinzessin.(Forts.) — Der russische Hamlet. Von Th. H. Pantenius.— Erinnerungen eines bayerischen Staats-Anwalts. III. (Schluß.) Mit drei Illustr.— Neues vom alten Bern⸗ stein.— Am Familientische: Zu unseren Bildern: Heim kehrende Fischerinnen von Hirth du Frenes und: Im egyptischen Saale des Neuen Museums zu Berlin. Zwei
2. Mützen aus verschiedenen Jahrtausenden von
— Eine Generalvisitation in Pommern.— Gesundheits⸗ rath. Mit zwei illustr. Beilagen.
Volksbad. Wasserwärme der Usa am 25. Juni Mittags: 160 Reaumur. Walter. Geld⸗ Cours.
Frankfurt, am 23. Juni 1883. 20⸗Frankenstückftne 15. 222
do. in ½ 16. 20—24 Englische Sovereings. e 20. 41—46 Russische Imperi ales. 16. 76-80
Ducaten. 9. 66—70 „ al mates S 9. 68 G. u. f. Dollars ip Golv?. 4. 19—22
Pfennig ⸗Sparkasse.
Sammelstrlleu. Einlagen. Betrag. N..
Bestand am 1. Juni 1883 sammt Zinsn 28722 96 Uebertrag vom 16. Juni 1883 1889 1268 30 1. C. Bindernagel 67 47 30 2. W. Bernue!k 17 119— 3. E. Oppenheimer 155 116 60 4. H. Flaschenträger 79 52 95 5. H. Flaschenträger 128 84 05 2795[30477 16
Uebertrag am 1. Juni 1883 Einleger 1053. Uebertrag vom 9. Juni neue Einleger 33. Neue Einleger Gesammt⸗Einleger Ju Friedberg den 23. Juni 1883.
Haupt⸗Sammelstelle: Vorschuß⸗ und Credit⸗Verein, e. G.
Bekanntmachung
Die Wahl eines Mitgliedes des Vorstandes der israel. Religions⸗Gemeinde zu Friedberg betr. Die Abstimmung zur Wahl eines Mitgliedes des Vorstandes der israel. Reli gions-Gemeinde zu Friedber an Stelle des austretenden Herrn Ellas Meyer soll— Maßgabe der Wahl-Ordnung vom 14. Junk 1872 Freitag den 29. l. Mts., Vormittags von 9 bis 12 Uhr und Nachmittags von 2 bis 4 Uhr, in dem Rathhause zu Friedberg stattfinden. Alle Diejenigen, welche zur Theilnahme an dieser Wahl berechtigt und in die von dem Vorstande unterm 30. v. Mts. aufgestellte Liste aufgenommen sind, werden hiermit eingeladen, sich zur Ausübung ihres Wahlrechts um die vorbemerkte Zeit in dem Wahllocale einzufinden. Die in dieser Liste als Steuerrestanten bezeichneten Per⸗ sonen können jedoch zur Wahl nur dann zugelassen werden, wenn sie durch Vorlage ihrer quittirten Steuer⸗ zettel nachweisen, daß sie das letzte fällig gewesene Ziel der israel. Gemeindesteuer bezahlt haben.
Bemerkt wird noch, daß Gemäß§. 8 der Wahl— Ordnung nur solche Stimmzettel angenommen werden können, welche von den vorbereiteten Stimmzetteln ge⸗ zogen und im Wahllocale geschrieben worden sind.
Außerhalb des Locals geschriebene Stimmzettel werden nicht berücksichtigt.
Friedberg den 23. Juni 1883.
Der Wahl-Commissär:
Mahr, 2318 5 Kreisamtsgehülfe. 1 Submission. 2314 Die Lieferung von Braunkohlen für das Jahr
1883/84, etwa 20,000 Stück Preßklötze und 6000 Stück Formklötze von dem Großherzoglichen Braukohlenberg— werk„Ludwigshoffnung“ bei Melbach, soll auf dem Sub. missionswege vergeben werden. Offerten mit der Preis angabe für je 100 Stück sind vor dem 30. Juni l. 9. bei uns einzureichen.
Friedberg am 23. Juni 1883. Großherzogliche Direction des Schullehrer-Seminars.
Schäfer. Mobilien-Verstei obiltien-Versteigerung.
Mittwoch den 27. Juni d. J., Vormittags 9 Uhr anfangend, soll in der Wohnung der Frau Decan Fran dahier, Mainzerthor Nr. 7, das zu deren Hinterlassen⸗ schaft gehörige Mobiliar, Haus- und Küchengräthe, Betten und Weißzeug öffentlich meistbietend versteig er werden.
Friedberg den 22. Juni 1883.
Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. J. B. d.
2315 Neuß, dienstältester Gerichtsmann.
Nussico Ansatz,
sowie Spiritus und Kornbranntwein billigst bei
2303 dernbecl.
Koch.— Die Unveränderlichkeit der Menschentypen.
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