Cballemel beantwortet eine diesbezügliche An— frage Broglie's und sagte: Wir sind nicht in erklärtem Kriegszustande mit Annam, wir denken bis jetzt an keine Blokade, welche übrigens auch ohne förmliche Kriegserklärung zu verhängen ist. Und wir werden die Blokade sicher eröffnen, wenn irgend eine Macht Waffen oder Munition
an Annam liefert. Tuduc erklärte uns nicht den Krieg, versichert vielmehr, er werde den Vertrag mit uns respectiren.— Die Kammer
nahm den Schluß der Generaldiscussion über die Conventionen mit den Eisenbahngesellschaften mit 206 gegen 166 Stimmen an und sprach sich sodann auf Verlangen des Arbeitsministers für die Dringlichkeit mit 250 gegen 122 Stim⸗ men aus.
— 21. Juli. Gestern Abend hat in Roabaix in Folge von Placaten, worin das Volk gegen die besitzenden Classen aufgereizt wird, ein neuer Auflauf stattgefunden. Die Gendarmerie zer— streute die Zusammenrottungen. 5
— Lesseps forderte den Jugenieur für die Canalarbeiten in Suez auf, mit Plänen für den projectirten zweiten Canal sofort hierher zu kommen, damit baldigst mit der Ausgrab— ung des zweiten Cauals vorgegangen werden könne. Der Suez⸗Canal-Gesellschaft seien jetzt die finanziellen Mittel zur Ausführung des Canals gesichert, sei es durch das von der englischen Regierung gemachte Auerbieten sei es durch andere zur Verfügung gestellte Mittel. Gutem Vernehmen nach hat die englische Re— gierung die Zulassung von fünf englischen Ad— ministratoren in den Verwaltungsrath der Suez— Canal-⸗Gesellschaft verlangt, anstatt drei, wie ursprünglich bestimmt war.
Großbritannien. London, 20. Juli. Im Unterhause theilte heute Unterstaatssecretär Fitzmaurice mit, Doctor Hunter sei nach Egypten gegangen, und werde dort von Doctor Mackie und dem englischen Mitgliede des egyptischen Gesundheitsrathes unterstützt. Der Vertreter Englands sei angewiesen, einen Druck auszuüben, um der egyptischen Regierung begreiflich zu machen, daß Gesundheitsreglements weit wichtiger zur Unterdrückung der Cholera seien, als Cordons— Lazareths- und Quarantäue-Maßregeln. Im weiteren Verlauf der Sitzung nahm das Unter— haus den Antrag der Regierung an, daß der Sergeant-at-arms der Vorladung Bradlaughs folge.
— 20. Juli. Gestern fand wegen der Frage des zweiten Suez-Canals ein Ministerrath statt. In demselben wurde die sofortige Entsendung von Rivers und Wilson nach Paris beschlossen, um zu versuchen, ob eine Aenderung des mit Lesseps geschlossenen Uebereinkommens sich er— zielen läßt.
— 21. Juli. Wie verlautet, wird das Truppenschiff„Himalaya“ nach Zanzibar mit Verstärkungen für das ostindische Geschwader abgehen, welchem die englischen Schiffe„Hoche“ und„Tamatave“ angehören.
Spanien. Madrid, 19. Juli. Wie der „Liberal“ meldet, kündigte König Alfons in einem heute unter seinem Vorsitz abgehaltenen Ministerrathe seine Absicht an, am 1. Sept. sich nach Deutschland zu begeben, vorausgesetzt, daß die Truppenmanöver in diesem Lande zu der bereits anberaumten Frist stattfinden.
— 21. Juli. Der Senat genehmigte den deutsch-spanischen Handels- und Schifffahrtsver— trag. Der Vertrag gelangt heute an den Congreß
Italien. Rom, 21. Juli. Das Gerücht vom Auftreten der Cholera in Genua wird amtlich dementirt und bemerkt, daß die Gesund— heitsverhältnisse in ganz Italien ausnahmslos höchst befriedigend sind.
Türkei. Konstantinopel, 20. Juli. russische Botschafter v. Nelidoff überreichte gestern dem Sultan sein Beglaubigungsschreiben.
Serbien. Belgrad, 20. Juli. Die große
Do Der
Der„Deutschen
Rußland. Petersburg. Zeitung“ zufolge wäre ein in's Ausland gereistes Mitglied der Juden-Commission von dem Präsi⸗ denten derselben, Pahlen, beauftragt, sich über die Frage der bürgerlichen Rechtsstellung der Juden in Deutschland, Frankreich und England genau zu informiren und hierüber eine Denk— schrift auszuarbeiten, die auch die historische Seite der Frage berühren soll.
Aus Stadt und Land.
h. Friedberg. Der schon einmal öffentlich ange— kündigte Ausflug des Taunuseclubs„Wetterau“ in den Nauheimer Hochwald soll bei günstigem Wetter zuver lässig am Sonntag, den 29. d. M., Nachmittags 3 Uhr, stattfinden. Es ist dafür gesorgt, daß derselbe ein recht freudiger und schöner werden wird; denn es ist für Leib und Geist gesorgt. Schon der Aufenthalt unter den mächtigen Eichen, den Symbolen deutscher Kraft, Festig⸗ keit und Treue, wird eine behagliche und gemüthliche Stimmung erzeugen, Gesang, Musik und Wort werden aber ebenfalls ihre Einwirkung auf ein fröhliches, natur⸗ wüchsiges Zusammensein nicht verfehlen. Die Gesang vereine Friedberg's und Nauheim's haben ihre Mitwirk⸗ ung zugesagt, ebenso unsere leistungsfähige Feuerwehr⸗ musik. Geladen sind auch auswärtige Clubs. Wir werden auch geeignete Lieder gemeinschaftlich singen. Die Wirthschaft wird ebenfalls allen Ansprüchen ge— nügen. So komme denn herbet, wer volksthümlichen Sinn bethätigen will, und helfe uns ein recht deutsches Waldfest feiern nach Art unserer Vorfahren, die solchen Aufenthalt und solche Versammlungen noch über Alles liebten. Daß der schöne Zweck der Höhen- und Thal⸗ clubs(der Naturvereine) Förderung verdient, darüber hat unser deutsches Vaterland entschieden, denn überall in demselben entstehen, wachsen und gedeihen solche Ver⸗ eine. Schreiber dieses hat sich davon überzeugt, wie wacker namentlich unsere Nachbarvereine für die Ver⸗ einssache thätig sind und wir wollen ebenfalls hierin nicht zurückbleiben.
B. Altenstadt.(Warum so spät? Die Red.) Vom herrlichsten Wetter bezünstigt verlief das 1. Bezirks: kriegerfest des Nidder-Nidda-Bezirks, sowie die damit verbundene Kriegerdenkmal-Enthüllungsfeier des festgeben⸗ den Vereins Altenstadt am 8. Juli. Die von allen Seiten einrückenden Vereine wurden in herzlicher Weise begrüßt und von den Festjungfrauen mit kleinen Festschlelfen de— corirt. Der Vorstand des Bezirksverbandes hielt seine ausgeschriebene Sitzung ab, zu welcher Vertreter von 18 Vereinen erschienen waren. Der Vorstand beschloß u. A. den Bezirk für die Folge Nidder-Nidda-Bezirk zu nennen. Beim Feste waren erschienen resp. vertreten die Kriegervereine Altenstadt, Assenheim, Bingenheim, Bleichen— bach, Bönstadt, Büdingen, Dauernheim, Dortelweil, Düdelsheim, Echzell, Friedberg I., Friedberg II., Geis⸗ Nidda, Hanau, Heldenbergen, Höchst a. d. N., Leidhecken, Lindheim, Nidda, Nieder-Florstadt, Nieder-Mockstadt, Oberau, Offenbach, Ortenberg und Umgegend, Reichels— heim, Stammheim, Stockheim, Vonhausen und die Ge— sangvereine Altenstadt, Bönstadt, Höchst a. d. N., Stamm: heim und Vonhausen. Der Bezirksverband trat voll— zählig mit 13 Vereinen um ¼1 Uhr an und rückte mit den ebenfalls eingerückten, aber noch nicht dem Bezirks⸗ verbande angehörigen Vereinen Dauernheim und Lindheim mit klingendem Spiel in den Festzug ein. Nach Ankunft des Festzugs am Denkmale bewillkommte der Präsident des Altenstädter Kriegervereins, Bezirkskassier Wagner, die Kameraden und Festgäste auf das Herzlichste, worauf der Schriftführer des Landeskriegerverbandes, Dr. Vogt von Butzbach, eine von der zahlreichen Versammlung mit der größten Ruhe und Spannung angehörte kernige und ergreifende Wetherede hielt, die mit brausenden Hochs auf den Kaiser und den Großherzog schloß. Nach der Enthüllung des Denkmals erneuerten die anwesenden Kameraden bei gesenkten Fahnen mit entblößten Häuptern an den Stufen des Denkmals den Schwur der Treue zu Kaiser und Reich, Fürst und Vaterland. Nachdem Dr. Vogt dem Bezirksverbande noch die ihm übertragenen Grüße des Prinzen Heinrich, an welchen ein Telegramm inzwischen abgegangen war, übermittelt hatte, erfolgte die Einseg— nung des Denkmals durch den Geistlichen, unter sachge— mäßer ernster Rede, die trotz der Hitze von der großen Menschenmenge ebenfalls in größter Ruhe angehört wurde. Nach Bekränzung des Denkmals durch die Festjung— frauen ꝛc. und Gesang des Chorals:„Nun danket alle Gott“, setzte sich der Zug nach dem Festplatze in Beweg— ung, wo auf einer schönen Wiesenfläche in großen ge— deckten Zelten die Vereine ihre reservirten Plätze ein— nahmen und in der fröhlichsten Stimmung die Nachmit— tagsstunden verbrachten. Bezirksvorsteher Hebbel begrüßte hier die Bezirksvereine in herzgewinnender Rede und der Ehrenpräsident des Friedberger Veteranen- und Militär— Vereins, Seminarlehrer Wahl, fesselte durch eine zün— dende, patriotische Rede die Zuhörer. Noch weitere Reden folgten, bis um 3 Uhr die Signale den Bezicksver— band zum Antreten riefen, der, wenn auch nicht ganz in voller Stärke, in zwei Gliedern Stellung nahm. Die Front wurde von Major v. Arnim, Dr. Vogt und einem alten Veteranen aus den Freiheitskriegen, Dauernheim
Skupschtina wird im October einberufen werden. Griechenland. Athen, 20. Juli. Der
Marineminister und der Justizminister haben
Eutlassungsgesuche eingereicht.
aus Nieder-Florstadt, abgegangen. Nach erfolgtem Marsche in Seetionen schloß der Bezirksberband den Kreis, Dr. Vogt sprach bierauf noch einige Worte, worauf auf Vorschlag des Bezirkskissiers Wagner die im Kreise stehenden drei Herren, welche die Parade abgenommen,
Geehrten dankend annahmen.
unter präsentirtem Gewehr der verstärkten Gewehrsection durch stürmische Hochrufe bestätigt wurden, was die also Abends traf ein Tele— gramm des Prinzen Heinrich ein, das jubelnd begrüßt wurde. Die Vereine verließen mit Befriedigung über das gelungene Fest den Festplatz und werden dem Fest⸗ tage eine bleibende Erinnerung bewahren. Unter den Kameraden des Bezirksverbandes aber beginnt bereits neben dem herzlichen, kameradschaftlichen Einvernehmen das Gefühl der engeren Zusammengehörigkeit sich Bahn zu brechen und werden die nächsten Bezirkstage und Be⸗ zirksfeste das Band der treuen Kameradschaft immer mehr befestigen und die Stellung der Vereine so ver— bessern, daß ihnen allerseits die gebührende Achtung ge— zollt und auch das Wohlwollen Derjenigen nicht versagt werden wird, die bis jetzt die edlen Bestrebungen der Kriegervereine noch nicht beachten.
Mainz. Nachdem nunmehr das officielle Programm der feierlichen Enthüllung des Natlonaldenkmals auf dem Niederwald am 28. September d. J. festgestellt ist und in Ems die Genehmigung des Kaisers erhalten hat, haben sich nunmehr auch in verschiedenen Städten Comité's gebildet, um der Feier einen nationalen Ausdruck zu ver⸗ leihen. Vor allem ist es wieder Mainz, welches auch dieses Mal, gerade wie dies bei der Feier der Grund⸗ steinlegung am 16. September 1877 der Fall gewesen, einen großen Antheil an dem Arrangement der Festlich⸗ keiten nimmt. Das dortige Comits hat beschlossen, eine festlich geschmückte Flotte vor Rüdesheim zu senden. Dieselbe wird sich während der Festlichkeit auf dem Niederwald, angesichts des Denkmals, im Rhein vor Anker legen und im Augenblick der Enthüllung mit Böllerschüssen den erhebenden Aet begrüßen. Bei der Rückkunft des Kaisers nach Rüdesheim wird derselbe durch eine Deputation die Huldigung der Mainzer Bürgerschaft entgegennehmen, wobei ihm durch die Damen ein Blumen— strauß überreicht werden wird. Nach diesem Aet werden die Schiffe anf dem Rheine eine feierliche Auffahrt in Scene setzen und bei Beginn der Dämmerung den Heim⸗ weg antreten, bei welchem die festlich beleuchteten Villen im Rheingau die Flotille nach ihrer Rückfahrt mit Böller— schüssen begrüßen wird. Um die Flotille so zahlreich wie möglich zu machen, wird sich das Mainzer Comits mit den Nachbarstädten in's Benehmen setzen, um sie zu veranlassen sich ebenfalls mit einem oder mehreren Schiffen an der Fahrt zu betheiligen.
Alzey. Amtsanwalt Liessem hier hat die landes- herrliche Bestätigung als Bürgermeister unserer Stadt erhalten.
Allerlei.
Hanau. Zwei hiesige Einwohner sind unter der Ve⸗ schuldiguug, aus einer Nachlassenschaft für ca. 16,000 M. Werthpapiere entwendet zu haben, in Untersuchungshaft genommen worden.
Eppstein. Aus guter Quelle wird berichtet, daß in dem benachbarten Vockenhausen vor Kurzem einem Blenenzüchter im Verlauf von zwei Tagen seine sämmt⸗ lichen Bienenvölker erepirt sind, weil er sie mit aus Amerika importirtem Honig gefüttert und— vergiftet hat. Dieses Fabrikat scheint sonach aus schädlichen Be— standtheilen bergestellt zu sein, worauf wir die Bienen⸗ züchter und Honig-Consumenten auf diesem Wege auf— merksam machen.
Berlin. Ein Aufruf zur Errichtung eines Luther— denkmals in Berlin wird soeben veröffentlicht. Derselbe ist von hervorragenden Männern aller Stände und Par— teien unterzeichnet.
Paris. Die Agence Havas erklärt das von einigen Zeitungen gemeldete Gerücht von einem Ausbruch der Cholera auf den Balearen für unbegründet.
Petersburg,. 20. Juli. Die Meldung von dem Ausbruch der Pest im Gouvernement Moskau ist unwahr.
Petersburg, 20. Juli. Heute Vormittag fand in der hiesigen Pulverfabrik eine Explosion statt, bei welcher 9 Personen todt blieben und 2 schwer verletzt wurden. Die Anreibekammer ist gänzlich zerstört.
Nyiregyhaza, 19. Juli. Gestern wurde der Augen⸗ schein in Tisza-Eßlar eingenommen und ergab derselbe, daß es unmöglich ist, daß Moritz Scharf das, was er ungibt, gesehen haben kann. Mehrere Zeugen sagen heute aus, der Sicherheitscommissär Vay habe die Inquistten torqutrt, was dieser leugnet mit dem Bemerken, die Zeugen seien von Juden bestochen. In Folge dessen entstand ein heftiger Auftritt zwischen dem Commissar und den Vertheidigern. Der Staatsanwalt Szelffert verlangt die Vorladung des Abgeordneten Onody, um denselben darüber zu vernehmen, ob er in Eszlar noch vor der Sektion der Leiche das Gerücht gebört babe, daß die Dadaer Leiche die einer Prostituirten sei. Nach Schluß der Sitzung forderte Onody den Staatsanwalt; letzterer lehnte die Forderung vorläufig unter Berufung auf die Ergebnisse der Verhandlung ab.— 20. Juli. In der heutigen Sitzung sprach sich der Präsident auf's Entschiedenste gegen das gestrige beleidigende Auftreten des Abgeordneten Onody gegen den Staatsanwalt aus, welches er als unqualifieirbar bezeichnete. Er erklärte, solche Ausschreitungen ahnden zu wollen. Der Staats-
und überreichte einen Strafantrag gegen Onody. Dem— zufolge wird gegen letzteren das gerichtliche Verfahren eingeleitet. Die heute vernommenen Zeugen Andreas Hata— lowsky und Julie Vamosi, welche früher ausgesagt, sie hätten Esther Solymossi noch am Nachmittag des 1. April 1882 gesehen, wiederrufen heute ihre Aussagen; deshalb wird gegen beide ein Meineids-Prozeß angestrengt.— 21. Juli. Der Staatsanwalt überreicht eine an ihn
(zu Ehrenmitgliedern des Bezirksverbandes ernannt und
gelangte Zuschrift des Obergespans, in welcher dieser
anwalt dankte dem Präsidenten für seine Auslassungen


