Ausgabe 
20.3.1883
 
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Persien. Teheran. Die letzten Nach⸗ richten von hier melden die Reiseroute des Schah von Persien für seine nächste Tour in Europa, die er im Monat April beginnen will. Der Schah geht direct nach Petersburg, bleibt jedoch nicht bis zu den Krönungsfestlichkeiten dort, sondern verläßt Petersburg noch vor der Ab reise des Czaren nach Moskau. Er begibt sich von dort nach Berlin, sodann nach Amsterdam zur Ausstellung, hierauf nach Brüssel, Paris, London und schließlich nach Wien, wo er die internationale electrische Ausstellung besichtigen wird. Nachdem er noch dem König von Italien einen Besuch abgestattet, kehrt er über Athen und Konstantinopel nach Hause zurück.

Amerika. New⸗Pork. Ein englisch-deutsches Syndicat hat in Mexiko eine Million Acres Land zu Ansiedelungen für deutsche Auswanderer gekauft und verhandelt über den Ankauf weiterer neun Million Acres.

Aus Stadt und Land.

r. Friedberg. Wie überall, so weit die deutsche Zunge klingt, wurde auch in unserer Stadt der Geburts⸗ tag des Kaisers in festlicher Weise begangen. Die alt⸗ ehrwürdige Stadt hatte ein Festgewand durch Fahnen schmuck angelegt, und ein frischer, heiterer Tag harmonirte aufs schönste mit der allgemeinen Stimmung zur fest lichen Begehung desselben. Am Nachmittage vereinigte ein solennes Festmahl im Hötel Trapp die Einwohner unserer Stadt. In zündenden Worten wurde dabei von Major Römheld den Versammelten das Bild unseres Heldenkaisers vor Augen geführt, und mit Begeisterung stimmten alle in das ihm dargebrachte Hoch ein. Den jenigen, welche am Nachmittage an der Festfeier noch nicht theilnehmen konnten, wurde durch die Einladung zum gemeinsamen Banket, welche der Veteranen- und Militärverein an alle Einwohner hatte ergehen lassen, noch am Abend die Möglichkeit gegeben, ihrer Festfreude Ausdruck zu verleihen. Es war eine Festversammlung im wahren Sinne des Wortes, getragen auf den Flügeln der Begeisterung, in gehobener Stimmung in der Er innerung an die großen Thaten unseres Volkes in Waffen. Unter dem Vorsitz des Ehrenpräsidenten des Vereins, Seminarlehrers Wahl, folgten Musik- und Gesangsvor träge in schönster Abwechslung. Das erste Hoch wurde von dem Ehren⸗Präsidenten in begeisterten und begeisternden Worten dem Kaiser dargebracht, dem Begründer deutscher Macht, Freiheit und Einheit, dem siegreichen Heerführer, dem ruhmreichen Regenten. Das zweite Hoch, von Kreis rath Dr. Braden, galt dem Landesfürsten, der noch als Prinz ruhmreich die Truppen des engeren Vaterlandes ge führt, der sich als Fürst schnell die Liebe des Volkes er worben und der seine Hingabe an die große deutsche Sache immer auf's schönste bewiesen. Prof. Dr. Diegel toastete sodann auf den Sohn unseres Kaisers, den ritterlichen Kronprinzen, von dem Alle hoffen, daß er ebenso glück lich in fester Hand das Seepter halten möge, wie sein Vater. Auch den erlauchten Damen des Kaiserhauses, den leuchtenden Vorbildern guter Sitte, barmherziger Milde und Freigebigkeit wurde von Rechtsanwalt Brentano in beredten Worten gedacht. Die weiteren Reden und Toaste galten dem deutschen Vaterlande, dem unver gleichlichen Heere, dem Fürsten Bismarck und dem Schlachtendenker Moltke, und endlich der Zukunft unseres Kaiserhauses zum Wohl des Volkes und zu des Vater landes Größe und Ehre. Nach diesen patriotischen Toasten wurde auch noch Denjenigen, welche sich um das Gelingen des schönen Abends besonders verdient ge macht hatten, die gebührende Anerkennung gezollt, so dem Gesang⸗Verein Liederkranz, dem Veteranen- und Militär Verein, den Festrednern, der Musik, dem Ehren präsidenten ꝛc. ꝛc. Erst zu später Nachtstunde trennten sich die Festtheilnehmer, die den sinnig und schön deco rirten Festsaal bis zum letzten Platze besetzt hatten.

a. Dortelweil. Unterm 21. Febr. d. J. wurde dem evangel. Pfarrer Schnabel zu Gundernhausen die hiesige evangel. Pfarrstelle übertragen. Diese Thatsache wurde in unserer Gemeinde um so freudiger begrüßt, als hierdurch einem dieserhalb an maßgebender Stelle petitionär vorgebrachten Wunsche entsprochen wurde.

Allerlei.

Pfaffen wies bach, 12. März. Heute wurde hier der Gärtner Ernst begraben. Derselbe ist am verflossenen Samstag Abend, als er von einem benachbarten Gute, wo er beschäftigt war, nach Hause gehen wollte, im Schnee stecken geblieben und erfroren. Man fand ihn am Morgen in einem mit Schnee gefüllten Graben, auf recht stehend und die Arme zum Himmel emporgehoben. Der Verunglückte ist 32 Jahre alt und Vater von drei Kindern.

K arlsruhe, 16. März. Auf der Schwarzwaldbahn haben große Schneefälle stattgefunden, der Schnee liegt 23 Meter hoch. Der Babnverkehr zwischen Triberg und Sommerau war einige Tage eingestellt.

München, 17. März. In der vergangenen Nacht wurde die Tageskasse des Hofmarschallamts in der königlichen Residenz erbrochen und sind daraus mehrere Tausend Mark entwendet worden.

Berlin, 17. März. Ein Gerücht will wissen, der Mörder des Briefträgers Cassäth set verhaftet, sein Name soll Graff sein.

Paris, 16. März. Die Regierung soll den Plan zu einer Weltausstellung in Paris für 1885 gefaßt haben.

Venedig. Der Munieipal-Rath beschloß die An⸗ bringung einer Gedenktafel am Vendram-Pinalast zu Ehren Richard Wagners.

Serajewo. Von hier wird gemeldet, daß es seit 3 Tagen fortwährend schneit. Der Schnee ist auf den Dächern in ungeheuren Massen angesammelt, mehrere Häuser sind eingestürzt, viele Leute obdachlos, die Com⸗ munication in den Straßen ist mit den größten Sch wierig ketten verbunden.

Newyork, 17. März. Die Stadt Forest-City in Californien ist durch eine Feuersbrunst vollständig zerstört worden.

Gerichtssaal.

Bad⸗Nauheim. In der Donnerstag den 8. März l. J. stattgefundenen Schöffengerichts-Sitzung wurde in folgenden Fällen erkannt: 1) gegen Jost Sohn von Lohra, wegen Betrugs, auf eine Gefängnißstrafe von 14 Tagen und die Kosten; 2) gegen Ludwig Langsdorf von Bad⸗Nauheim, wegen Ruhestörung, auf eine Geld strafe von 3 M. und ½ der Kosten, gegen Leonhard Steuernagel 11. von Bornheim, wegen Beleidigung, auf eine Geldstrafe von 10 M. und wegen Ruhestörung auf eine solche von 3 M. und die Hälfte der Kosten; 3) die Verhandlung gegen Valentin Sprengel und Moses Rosen⸗ thal von Bad⸗Nauheim, wegen Drohung, Sachbeschä digung und Körperverletzung, mußte, weil ein Zeuge nicht geladen war, vertagt werden; 4) Peter Reitz von Stein- furth, angeklagt wegen Beleidigung, wurde von Strafe und Kosten freigesprochen; 5) die Verhandlung gegen Christian Schäfer Eheleute von Dorheim, wegen Be leidigung, wurde auf Antrag des Anwalts der Beklag ten vertagt und weitere Zeugenvernehmung angeordnet; 6) die Privatklage gegen Lorenz Schneider von Ober Mörlen, wegen Beleidigung, wurde zurückgewiesen, weil der Kläger Mangels Proceßfähigkeit zur Erhebung der Anklage nicht befugt erscheint.

Butzbach, 17. März. Das gestrige Schöffengericht erkannte in folgenden Sachen: 1) Herz Meyer von Gam⸗ bach, angeklagt der Störung der Sonntags ruhe, wurde freigesprochen; 2) Joh. Birkenstock und Phil. Michel von Hochweisel, angeklagt des Hausfriedensbruchs, Wider stads, der Beleidigung und Körperverletzung, erhielt der Erstere eine Gesammtgefängnißstrafe von 1 Monat drei Wochen und eine Haftstrafe von 1 Tag, dagegen der Phil. Michel, als der Hauptbelastete, eine Gefängniß⸗ strafe von 3 Monat 14 Tag, sowie eine Haftstrafe von 1 Tag zuerkannt. Die Kosten fallen unter solidarischer Haftbarkeit den Verurtheilten zur Last. Dem beleidig⸗ ten Schindel wurde ferner das Recht zugesprochen, hin⸗ sichtlich der öffentlichen Beleidigung den entscheidenden Theil des Urtheils innerhalb 14 Tagen nach erlangter Rechtskraft auf Kosten des Michel einmal imWetterauer Boten veröffentlichen zu dürfen. 3) Georg Jacobi, Joh. Jacobi und Ant. Guckelsberger, sämmtlich von Oppershofen, angeklagt des Hausfriedensbruchs, der Sachbeschädigung und Beleidigung, erhielten Georg Jacobi und Guckelsberger wegen des 1. und 3. Reats je 1 Woche Gefängniß, 5 M. Strafe eventuell 2 Tage Haft und Tragung der Kosten des Verfahrens unter solidarischer Haftbarkeit. Der angeklagten Sachbeschädigung wurde Joh. Jacobi für schuldig erkannt und dafür in eine Extrastrafe von 10 M. event. 3 Tage Haft genommen. 4) Der Reservist Jac. Heinr. Schmidt von Gambach, die Landwehrmänner Phil. Etz von Rockenberg, Joh. Phil. Vogt von Michelbach, Johs. Häuser von Nieder weisel, Löb Kaufmann von Gambach, Joh. Georg Landvogt von Rockenberg, Johs. Schmidt von Maibach und des Ersatzreservisten 1. Kl. Phil. Heinr. Haub von Nieder weisel erhielten wegen unerlanbten Auswanderns in con tumaciam je 50 M. Strafe event. 14 Tage Haft.

Teer. (Eingesandt.)

Friedberg. In noch höherem Maße als die in der vorigen Nummer unseres Blattes erwähnten Stücke, sind die uns in Aussicht gestellten Novitäten dazu ange than, unser Interesse in Anspruch zu nehmen, um so mehr, als diese Novitäten sämmtlich ihre Feuerprobe bestanden haben und nicht zu den Produkten zweifel⸗ haften Werthes gehören, die jetzt in Menge auftauchen, um nach schwachem Erfolge bald wieder vom Repertoire zu verschwinden und in den Theater- Bibliotheken ewig dauerndem Schlaf übergeben zu werden; die uns ange⸗ zeigten Novitäten sind sämmlich noch heute sogenannte Kassenstücke, haben die bestacereditirten Autoren zu Ver⸗ fassern und erwerben sich heute ebenso wie bei ihrer ersten Aufführung rauschenden Beifall. Zu ihnen gehörtDer Compagnon von Adolph L' Arronge. Ein neues Stück von dem Verfasser der weltberühmten Stücke Mein Leopold,Hasemann's Töchter,Dr. Klaus hat eine besondere Empfehlung nicht nöthig. Ebenso interessant dürfte die Aufführung vonUnsere Frauen sein, dessen Autoren die beiden Verfasser vonKrieg im Frieden, die auch bei diesem Stück in Compagnie ge⸗ arbeitet haben, Moser und Schönthan sind.Unsere Frauen gewiß ein vielsprechender, aber wenig ver⸗ rathender Titel wenn aber dashstarke Geschlecht sich darüber freuen wollte, daßUnsere Frauen zum Sujet eines Stückes genommen worden sind, so wollen wir gleich hinzufügen, daß auch ein Stück auf dem Repertoire steht, welches den Titel führt:O! Diese Männer! Dieser wir möchten sagen, etwas schmerzliche Aus⸗ ruf läßt uns schon tiefer blicken und wir glauben beinahe, daß es den Männern in diesem Stück etwas übel ergehen wird, sowohl denen, die an der süßen

Bürde des Ehejochs schwer zu tragen haben, wie denen,

die Amors heil'ge Göttermacht mit dem Pfeil der

Schmerzen noch nicht gerührt, und die unbekümmert un die Leiden und Freuden des Ehestandes noch imJung⸗

gesellenverein mitrathen und mittathen! Für die Er⸗

öffnungsvorstellung ist das effectvolle LustspielReif⸗

Reiflingen in Aussicht genommen.

Repertoir⸗Entwurf der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus.

Dienstag den 20. Die Nachtwandlerin. Hierauf: Das

Versprechen hinterm Heerd. Mittwoch d. 21, Nachmittags Uhr. Außer Abonn. Ermäßigte Eintrittspreise. Donnerstag d. 22. Euryanthe. Freitag d. 23. Geschlossen. Samstag d. 24. Rigoletto. Sonntag d. 25. Die Hugenotten. Montag d. 26. Undine. Außer Abonn.

Dienstag, d. 27. Neu einstudirt: Fiesko(von Schiller)

Schauspielhaus. Dienstag d. 20. Der lustige Krieg. Mittwoch d. 21.

Aschenbrödel, J

Zur Vorfeier des Geburtstages Seiner 8

Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm I. Neu einstudirt: Das Testament des großen Kurfürsten.

Donnerstag d. 22. Freitag d. 23. Samstag d. 24. Sonntag d. 25. Montag d. 26.

Für die Ueberschwemmten in Hessen

Geschlossen. Geschlossen. Die Valentine.

Dora.

gingen noch ein durch Gemeinderath E. Hirsch von Jakob f

Ritzel in Buffalo 5 M. Die Expedition.

Pfennig ⸗Sparkasse.

Sammelstrllen. Einlagen. Betrag. M. f

Bestand am 1. Juni 1882 sammt Zinsen 16388 01 Uebertrag vom 10. März 1883 23532 15765 78 1. C. Bindernagel 75 50 05 2, W. Berne 190 123 10 3. Ph Bilan 136 96 4. H. Flaschenträger 8 86 55 95 5. H. Flaschenträger 125 84 50 2d 32507 21

Uebertrag am 1. Juni 1882 Einleger 978.

Uebertrag vom 10. März neue Einleger 250.

Neue Eiülßgenr;,

Gesammt⸗Einleger 1233. Friedberg den 17. März 1883.

Haupt⸗Sammelstelle: Vorschuß⸗ und Credit⸗Verein, e. G.

Bekanntmachung.

1078 Die mit dem Stempel der früheren Königlichen Direction der Westphälischen, bezw. Main-Weser-Bahn versehenen Frachtbrief-Formulare werden nur noch bis zum 1. Juli d. J. zur Verwendung zugelassen. Cassel den 12. März 1883. Königl. Eisenbahn-Betriebs⸗Amt. (Main⸗Weser⸗Bahn.)

Bekanntmachung.

1106 Die vom 1. April 1883 bis dahin 1884 ent⸗ stehenden kleineren Reparaturarbeiten, als: Maurer-, Steinhauer⸗, Zimmer⸗, Dachdecker-, Spengler-, Glaser⸗, Schreiner-, Schlosser⸗, Weißbinder-, Seiler⸗, mechanische und Pflasterarbeit, sollen auf dem Submissionswege ver⸗ geben werden.

Der Tarif resp. Kostenüberschlag und die Sub missionsbedingungen liegen auf dem Bureau der unter⸗ zeichneten Behörde vom 20. d. Mts. zur Einsicht der Interessenten 8 Tage lang offen. Lusttragende Ueber⸗ nehmer haben ihre Abgebote in Proeenten schriftlich und

verstegelt längstens bis zum 28. März, Vormittags

10 Uhr, einzureichen, wo solche in Gegenwart der Ex scheinenden eröffnet werden sollen.

Am selbigen Tage, Vormittags 11 Uhr, sollen die für den gleichen Zeitraum vorkommenden Arbeiten, als:

die zufällig entstehenden allgemeinen Fuhren,

das Kehren und Reinigen der Straßen, Plätze und

Sinkgruben de.,

das Fortfahren des Staßenkehrichts,

das Aufsetzen der Steine und Messen des Sandes,

das Ausputzen der Oefen an die Wenigstnehmenden versteigert und in Akkord ge⸗ gegeben werden.

Die hierzu gehörigen Bedingungen liegen ebenfalls 8 Tage lang zur Einsicht der Interessenten auf unserem Bureau offen.

Friedberg den 17. März 1883.

Großherzogliche Bürgermeisterei Friedberg. JV.

Stein häuß er, Beigeordneter.

Unterzeichnete offerirt

Oberndörfer gelbe und rothe 18821 Ernte.

1016 Gräfliche Hofgärtnerei Assenheim.

Das Testament des großen Kurfürsten. 1 4

Dickwurz⸗Samen, 1

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