Deutsches Reich.
Darmstadt. Die Anträge der Abgg. Dittmar, Ellenberger und Genossen wegen Re— gulirung und Eindämmung der Nidder, Nidda und Usa haben im Ausschuß zweiter Kammer eine günstige Aufnahme gefunden, obgleich der Ausführung erhebliche Schwierigkeiten entgegen— stehen und bedeutende Mittel erforderlich werden. So sind z. B. die Kosten der Regulirung der Nidda von Gronau bis zur Mainmündung auf 531,600 M. veranschlagt, die der Nidder auf 223,695 M. Da eine vollständige Regulirung des letztgenannten Wasserlaufs nur im Verein mit Preußen möglich ist, seither aber eine Ver— ständigung nicht stattfinden konnte, so beantragt der Ausschuß, die desfallsigen Verhandlungen zu erneuern und eventuell auch ohne Mitwirkung Preußens in der beantragten Richtung vorzu— gehen. Ein von dem Abg. Bauer erstatteter Bericht empfiehlt mit Rücksicht auf den im Reichs— tag eingebrachten Antrag des Abg. Thilenius den von dem Abg. v. Rabenau in der zweiten Kammer eingebrachten Antrag, die Flußregulir— ung im Interesse der Landescultur und Schiff⸗ fahrt betreffend, vorerst für erledigt zu erklären. Ueber die Vorlage großherzoglichen Staatsministeriums, betreffend Gewährung einer Zinsengarantie für eine Actienunternehmung wegen Herstellung und Betrieb der Dampf Kettenschleppschifffahrt auf dem Main für die Strecke Mainz-Aschaffenburg hat Namens des Finanzausschusses der zweiten Kammer der Ab— geordnete Schröder einen sehr eingehenden Bericht erstattet. Der Ausschuß beantragt hiernach die Zinsgarantie zu übernehmen, unter der Beding— ung, daß bei einem sich ergebenden Reinertrag, welcher 5 pCt. übersteigt, die von dem Staate in Folge der Abschlüsse früherer Jahre geleisteten Zuschüsse zu ersetzen sind.
Berlin, 11. April. Prinz Friedrich Karl ist heute zurückgekehrt. Er begab sich von Groß— beeren zunächst nach Nikolskoe zur Gruft seiner Eltern und kam Nachmittags von dort nach Berlin
— 12. April. Reichstag. Fortsetzung der Debatte über§ 59 der Gewerbe-Novelle. 859
wird unverändert angenommen. Nachdem die vorliegenden Anträge mit Stimmengleichheit
abgelehnt, werden die§§ 59 a, 60 und 60 a, betreffend die Untersagung des Gewerbebetriebs, Dauer eines Wandergewerbescheins, Erlaubniß zum Hausirbetrieb oder Betrieb auf öffentlichen Plätzen mit einem Wandergewerbeschein, unver— ändert angenommen.§ 60 b, Beschränkung des Gewerbebetriebs für minderjährige Personen, wurde ebenfalls genehmigt.§ 60e(Verpflichtung des Wanderschein-Inhabers, den Wanderschein bei sich zu führen und den Schein sowie die mitgeführten Waaren auf Verlangen den Be— hörden vorzuzeigen) wird unter Ablehnung eines
Abänderungsantrags des Abg. Dr. Baumbach mit 145 gegen 142 Stimmen angenommen. Die§§ 60 d, 61, 62 und 63 werden nach
einer unerheblichen Debatte nach den Commis— sionsbeschlüssen genehmigt. Art. 10 ist damit erledigt. Es folgt die Berathung des zurück— gestellten Art. 5, die 88 42, 42a und b um⸗ fassend, welche mit 146 gegen 142 Stimmen unverändert genehmigt werden.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 1. April. Bei der heutigen Debatte über die Bauvergeb ung der boͤhmisch-mährischen Transversalbahn sagt der Handelsminister, er sehe in dem Antrage auf Ausschließung der Generalunternehmung einen Eingriff in die Executive der Regierung und er könne dafür nicht die Gesetzessanction nachsuchen. Der Antrag wird in namentlicher Abstimmung mit 156 gegen 145 Stimmen abgelehnt.
— 12. April. Das Herrenhaus erledigte end— giltig das Budget und das Finanzgesetz pro 1883.
Pest, 11. April. Der Justizausschuß des Ab— geordnetenhauses nahm den Gesetzentwurf der Eheschließung zwischen Juden und Christen mit
aus; mehrere Redner bekämpften den Ent— wurf und verlangten eine wirkliche Civilehe. Belgien. Brüssel, 12. April. Die Re— präsentantenkammer genehmigte mit 85 gegen 3 Stimmen das Auleihegesetz von 56 Million. Frankreich. Paris, 12. April. Ein deutscher Secialdemokrat, Nameus Blume, wurde aus Paris ausgewiesen. Marseille, 12. April. Es haben 15,000 Arbeiter die Arbeit eingestellt. Italien. Rom, 12. April. Senat. Man— cini dankte den Reduern, welche die intimeren Beziehungen Italiens zu Deutschland und Oester— reich billigten. Der Minister bestreitet sehr
entschieden, daß das Bündniß irgendwelche
aggressive Zwecke gegen Frankreich habe. Die Beziehungen Italiens zu Frankreich besserten sich immer mehr, doch würde Italien nicht ge— statten, daß Frankreich eine auf Eroberungen ausgehende Colonialpolitik treibe oder Besitzungen im Mittelmeere zu erwerben suche.
Türkei. Constantinopel. In Folge der Opposition des englischen Gesandten gegen Bib Doda als Gouverneur des Libanon hat die Pforte jetzt Danisch Effendi, den türkischen Generalcon— sul in Ragusa, vorgeschlagen.
— 12. April. Der Herzog von Chartres ist gestern von hier nach der Krim abgereist.
Rußland. Moskau, 12. April. Die Krönungs-Jusignien sind heute aus Petersburg hier eingetroffen.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Im nächsten Herbst feiern wir bekannt— lich die vierhundertjährige Geburtstagsfeier Luthers und es regt sich in dieser Beziehung bereits in unserer Stadt. Der evangelische Kirchenvorstand hat in seiner letzten Sitzung darüber vorläufige Beratbung gepflogen, zu welcher die Vorschläge eines Mitgliedes die Unterlage boten. Sicher ist, daß man den Tag in würdiger Weise festlich begehen wird, wie es auch bereits von Groß⸗ herzoglichem Oberconsistorium für das ganze Land an— geordnet ist. Der Vorsitzende des Kirchen-Vorstandes, Stadtpfarrer Baur, hat das Correferat über die ge— machten Vorschläge übernommen und nach weiterer Be— rathung des evangelischen Kirchenvorstandes wird der Gemeinde Vertretung, die durch Cooptatkon geeigneter Männer später verstärkt werden wird, Vorlage über das zu veranstaltende Fest gemacht werden.
Allerlei. Freiburg i. B. Am 9. April begann der Proceß wegen des Hugstetter Eisenbahnunglücks. Die erste Ver— handlung bot sofort sehr großes Interesse, indem mehrere Zeugenaussagen, namentlich von Ingenieuren und Werk— meistern konstatirten, daß die Herbeiführung der verhäng— nißvollen Entgleisung durch böswillige Hand ausge— schlossen sei. Ebenso wurde die Vermuthung, daß die Lokomotive, die Zaxige Güterzugsmaschine„Kniebis“, zur Führung des Zuges ungeeignet gewesen sein könnte, widerlegt. Hingegen wurde nachgewiesen, daß die Bremsen des außerordentlich schnell fahrenden Zuges nicht vor— schriftsmäßig bedient waren, so zwar, daß die im Zuge vorhandenen 7 Bremsen zum Theil gar nicht, zum Theil jedenfalls nur mangelhaft angezogen waren. Hamburg, 11. April. Der Reichstagsabgeordnete für Hamburg, Sandtmann, wurde heute früh ertrunken im Billeflusse gefunden. Es wird ein Selbstmord wegen finanzteller Zerrüttung angenommen. Pest, 12. April. Einem hier eingegangenen Amts- telegramm zufolge ist Spanga in Pozsoni(Preßburg) verhaft worden. Moskau, 11. April. Der im vorigen Jahre am Blumen-Boulevard erbaute Elreus Salamonskl ist vor— gestern ein Raub der Flammen geworden. Menschen sind dabei nicht verunglückt. Alle Pferde wurden gerettet.
Handel und Verkehr.
St. Friedberg, 10. April. Auf dem beutigen Viehmarkt waren 1604 Stück Schweine aufgetrieben. Das Geschäft war ein sehr lebhaftes, aber die Preise sind etwas zurückgegangen. Nächster Markt am 23. Mai.
Theater. (Eingesandt.) „Die Tochter Belials“ erzielte am letzten Mittwoch einen großen Erfolg, der in erster Linie der vortrefflichen Darstellung zuzuschreiben ist. In der That waren auch sämmtliche Künstler so recht am Platze und verstanden es, ihre Rollen in so wirkungsvoller Weise auszuführen, daß Allen ohne Ausnahme das gleiche Lob gebührt. Zweifellos werden„Die zärtlichen Verwandten“ von Benedix den gleichen Erfolg haben, die Vortrefflich— keit dieses Lustspiels ist ja bekannt. Für nächsten Sonn— ag wird uns„Die Grille“ angekündigt, das von vielen Seiten gewünschte und erwartete Stück der Charlotte Birch- Pfeifer.„Die Grille“, eines der wirk
weitere
6 gegen 5 Stimmen an als Grundlage für die Spezialdebatte. Der Justizminister sprach sich
ungsvollsten Stücke der Verfasserin, übt noch heute die
gegen die Aufhebung der Kirchengerichtsbarkeit,— sie bleibt ewig neu. In allen Stücken der Birch⸗
Pfeiffer herrscht eine frohe Naturwahrheit und Einfach⸗ heit, die einzelnen Figuren sind scharf charakterisirt, der Aufbau der Handlung erhält den Zuschauer in wachsender Spannung, bis sich zum Schluß der tragische Confliet in befriedigender Weise löst. Wünschen wir unseren„Hanauern“ ein aus verkauftes Haus zum Sonntag.
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