haltsort erbeten hatte, und ist in Sofia einge troffen. Er unterhält dort lebhaften Verkehr mit dem Redacteur der Sosnanje und mit dem Bürgermeister von Sofia, welch' Letzterer bis zur Befreiung Bulgariens in Serbien gelebt hatte, stets Beziehungen zu den serbischen Ra— dicalen unterhielt und Anstrengungen macht, eine Partei ähnlicher Tendenz und Organisation in Bulgarien zu bilden. Die Regierung in Sofia hat Pasic den Befebl ertheilen lassen, sich sofort nach Widdin zurückzubegeben.
Bulgarien. Sofia, 7. Dec. Die Ver⸗ treter der liberalen Provinzialbureaux haben dem Fürsten ihre Aufwartung gemacht und ihre Ergebenheit gegen den Fürsten und ihr Ver— trauen zur Regierung versichert.
Egypten. Kairo. Aus Aden eingegangene Nachrichten melden, daß am 5. d. M. 5 Com- pagnien egyptischer Truppen bei einer nach Suakim zu ausgeführten Recognoscirung von den Aufständischen angegriffen und nach heftigem Kampfe vollständig vernichtet wurden. Das Ge— schütz, welches die egyptischen Truppen mit sich führten, fiel in die Hände der Aufständischen.
— Baker Pascha wird sich am 15. Dez., bis wohin man mit den Einrichtungen für den Transport fertig zu sein hofft, nach Suakim einschiffen. Weitere Nachrichten von dem Aus— bruche einer Insurrection in Sennaar sind hier bisher nicht eingelaufen.
Khartum, 7. Dec. Einer Depesche der Times zufolge, telegraphirte der Mudir von Sennaar, eine erheblichere Anzahl Einwohner habe, den Aufreizungen der Derwische folgend, sich für den Mahdi erklärt; ein Theil derselben sei mit Re— mingtongewehren bewaffnet.
— Nach einem Telegramm der„Times“ von hier entbehrt der Bericht des österreichischen Consuls, wornach nur ein Theil der Armee von Hicks Pascha durch den Mahdi vernichtet sein sollte, jeder Begründung. Der Bericht wurde von den Militärbehörden geprüft und verworfen. Dasselbe Telegramm theilt mit, daß der in einer Moschee bei El Obeid untergebrachte ver— wundete Offizier, ein Deutscher, der Major von Seckendorff, ist.
China. Hongkong. Die japanesische Re— gierung hat die ihr von China betreffs Ab— schlusses einer Offensiv- und Defensiv-Allianz für die Eventualität eines französisch-chinesischen Kriegs gemachten Eröffnungen nicht angenommen, wohl aber versprochen, daß sie den französischen Kriegsschiffen die Einnahme von Proviant und Kohlen in japanesischen Häfen nicht gestatten werde.
Aus Stadt und Land.
hb. Friedberg, 9. Dec. Heute früh ½9 Uhr ver— starb der Buchhändler und frühere Bürgermeister Sertba. Einsender schrelbt dies mit großem inneren Schmerze und schwer ist diese Todeskunde auf das Herz der Be— wohner Friedbergs gefallen, und auch fernere Krelse werden sie mit inniger, wehmuthsvoller Theilnahme ver— nehmen. Sertba besaß die Achtung und Liebe Aller, die ihn kannten und mit ihm in Berührung kamen. Seine Familie, andere größere Lebenskreise, zahlreiche Freunde und Viele, denen er ein Wohlthäter war, haben durch den Heimgang Seriba's einen großen, beklagenswerthen Verlust erlitten. An den Geschicken Friedberg's hat er seit langer Zeit als Mitglied des Stadtvorstandes, später als Buͤrgermeister, als Mitglied des Kreisausschusses, der Kretsschuleommission, als Landtagsabgeordneter und durch rege Betheiligung an den Bestrebungen der Ver— eine lebhaften, hervorragenden und erfolgreichen Antheil genommen. Und über die Grenzen unserer Stadt, unseres Kreises und Landes hinaus erstreckte sich seine Wirksam— keit, denn von jeher nahm er Antheil am politischen Leben unseres großen Vaterlandes und war nicht blos persönlich, sondern auch schriftstellerisch für das thätig, was er für's Gemeinwohl für ersprießlich hielt. All sein Wirken und Schaffen war ein Ausfluß seiner hohen, geistigen Begabung, seines vielseitigen Wissens und seines guten Herzens. Die Grundzüge seines Cvarakters waren Woblwollen, Milde und Gerechtigkeit, gepaart mit Ent— schiedenheit. Kein Unterschied irgend welcher Art unter den Menschen konnte ibn bestimmen nicht nach gleichem Maaß zu messen. Er dachte und handelte objectiv und hatte in Folge seiner hohen Bildung ein Verständniß für jegliche Verschiedenartigkeit und Eigenthümlichkeit unter den Menschen und ihren Verhältnissen. Nur die Gemeinheit und niedriger Sinn waren ihm ein Greuel. Ein volles Verständniß hatte er auch für berechtigte Freuden und war gerne unter den Fröhlichen. Wir wollten ihm mit dem Gesagten hier und zwar tieftraurig, aber ebenso herzlich ein Wort des Abschiedes nachrufen,
ein ausführlicher Nekrolog wird gewiß nachfolgen und das vielseitige und reiche, nun abgeschlossene Leben ge— bührend darstellen. Unsere Liebe hat ihn auf dem Wege nach dem ewigen Jenseits begleitet, das treue Gedächtniß an seine Liebe soll uns als köstliches Kleinod verbleiben. Die Erde sei ihm leicht!
v. Bönstadt. Am 7. d. M. fand unter starker Be⸗ theiligung die hiesige Beigeordnetenwahl statt. Obwohl schon lange vorher von Seiten der Gegner eifrig gegen den seitherigen Beigeordneten Hofmann agitirt wurde, so ging derselbe doch am Wahltag mit großer Majorität als Sieger aus der Urne hervor, gewiß ein Beweis, daß Hofmann sich durch sein humanes und stets rechtliches Auftreten in der Gemeinde viele Freunde erworben hat.
e. Heldenbergen, 7. Dezbr. Bei der gestrigen Beigeordnetenwahl erhielt Andreas Schäfer 1. 133, sein Gegencandidat 59 Stimmen.
J. Darmstadt. Wie wir erfahren, ist auf den 6. Januar im großen Saale des Darmstädter Hofes eine Landes versammlung der deutschen Fortschrittspartei in Hessen hierher einberufen, zu welcher Vertrauens- männer aus allen Theilen des Landes erwartet werden und an welcher sich mehrere hervorragende Mitglieder der deutschen Fortschrittspartei bethetligen werden.
Darmstadt, 8. Dez. Heute Nachmittag fand die Einweihung des Alice-Hospitals auf der Mathildenhöhe in Anwesenheit des Großh. Hofes und von Vertretern der hessischen Zweigvereine des„Allce-Frauenvereins für Krankenpflege“ statt.
Altdorf(Odenwald), 2. Dezbr. Der vormalige Wirth Süß in Breitenbrunn, dessen Anwesen im Zwangs— wege verkauft und von einem gewissen Brand aus Engel— thal erstanden wurde, hat gestern Abend den Letzteren aus Rache hierfür durch einen Stich in die Herzgegend um's Leben gebracht. Süß ist flüchtig.
Allerlei.
Frankfurt, 8. Dez. Eine schwarze That wurde hier vollführt. Ein junger, hübscher Schornsteinfeger hatte in einem Hause auf der Zeil seinem Geschäfte ob zultegen, wobei es geschah, daß die hübsche Rammerjungfer von dem herabfallenden Ruß beschmutzt wurde. Der galante Schornsteinfeger erbot sich, den Ruß vom Kopfe der Zofe abzublasen und ersuchte sie, damit ihr der Staub nicht in die Augen komme, diese zu schließen. Dies geschah und die Prozedur der Abblasung begann. So dicht vor dem reizenden Gesicht des Mädchens ver— mochte aber der junge Mann seinem Drange nicht zu widerstehen, rasch drückte er einen herzhaften Kuß auf die schwellenden Lippen und machte sich aus dem Staube. Da gab's natürlich große Entrüstung, eben so große Heiterkeit aber auf Seite der hinzukommenden übrigen Dienstboten, denn am Munde der Kammerjungfer waren die Spuren der schwarzen That deutlich sichtbar. Die Folge der letzteren ist eine von der Geküßten angestellte Beleidigungsklage, die demnächst das Schöffengericht be— schäftigen wird.
Haigerloch(Hohenzollern), 4. Dez. Mit Relais— Pferden zu fahren, war früher nur den Reichen möglich, jetzt können es selbst die Zigeuner. Meldet da kürzlich der Polizeidiener eines nahen Dorfes seinem Bürger— meister, daß in der Nähe Zigeunerwagen angekommen seien, aber ohne Pferde, da diese sofort nach Ankunft ausgespannt und weggeritten worden seien. Und nun stellte es sich heraus, daß fragliche Zigeuner, deren Pferd krepirt war, schon seit etlichen Tagen von den Gemeinden, die sie mit ihrer Gegenwart beehrten, mit Pferden versorgt und so an's nächste Dorf geschafft worden waren. So mußte auch unser Bürgermeister, um das Gesindel los zu werden, Pferde bewilligen, und weiter ging's in die Ferne.
Dresden, 7. Dezbr. Die Sächfisch-Böhmische Dampfschiffahrts⸗Gesellschaft hat heute wegen Treibeises in der Elbe die Fabrten eingestellt.
Brüssel, 7. Dez. Das Feuer im Parlamentsge⸗ bäude wurde gestern Abend gegen 10 Uhr bewältigt, der Saal der Repräsentantenkammer mit den zugehörigen Nebenräumen ist zerstört. Mehrere Feuerwehrleute wurden verwundet und einige Soldaten, angeblich von einstür— zenden Mauern getödtet.
Nizza, 8. Dec. Der belgische Ingenieur Wennen— maekers wurde gestern verhaftet unter dem Verdacht die Epyplosionsschachteln an Lesseps und Couvreux gesandt zu haben. Die Polizei soll bei ihm Dynamit-Patronen gefunden haben.
Alexandrien, 8. Dec. Gestern kamen hier sieben Cholerafälle vor, darunter ein Todesfall.
Newyork, 8. Dee. In Folge der Stürme in den letzten Tagen kamen an den Küsten von Neu-England, Neu⸗ Schottland und Newfoundland zahlreiche Schiff— brüche vor; die umgekommenen Fischereifahrzeuge wer— den auf 180 geschätzt.
Maienfeld(Graubünden). In Nr. 279 des „Neuen Müblhauser Tageblatt“ findet sich folgende Notiz von hier:„Einem Bürger zu Maienfeld wurde in einer Nacht ein reicher Segen bescheert: im Hause zwei Knäb— lein, im Stalle zwei Kälber, drei Lämmer und dreizehn Ferkel.“
Gerichtssaal.
Bad- Nauheim. In der Donnerstag den 29. Nov. stattgehabten Schöffengerichtssiung wurde in folgenden Fällen erkannt: 1) in der Strafsache gegen Christian Stamm von Bad⸗Nauheim, wegen Körperverletzung und Mißhandlung, wurde der Angeklagte in eine Gefängniß—
2) in der Strafsache gegen Hermann Debener von Wetter, wegen Körperverletzung, wurde der Angeklagte in 1 und
½% Monat Gefängniß und in die Kosten verurtheilt; 3) in der Strafsache gegen Ludwig Müller von Schwal⸗
heim, wegen Diebstahls, wurde der Angeklagte in eine Gefängnißstrafe von 3 Wochen und in die Kosten ver⸗ urtheilt; 4) in der Strafsache gegen Joseph Mathes von Nieder⸗Mörlen, wegen Diebstals, wurde der Ange— klagte in eine Gefängnißstrafe von 5 Tagen und in die Kosten verurtheilt; 5) in der Privatklagesache des Joh. Heinrich Viehl von Ober-Florstadt gegen Konrad Meyer von Bad Nauheim, wegen Beleidigung, wurde die Haupt— verhandlung, weil ein Zeuge nicht erschienen war, vertagt. Bad⸗Nauheim. In der Donnerstag den 13. Dez. dahier stattfindenden Schöffengerichts-Sitzung kommen folgende Fälle zur Aburtheilung: 1) die Strafsache gegen Peter Scheibel von Nieder-Mörlen, wegen Sach— beschädigung; 2) die Strafsache gegen Andreas Zink von Schwalheim, wegen Hausfriedensbruchs und Mißhand— lung; 3) die Strafsache gegen Konrad Schultheiß III. Wittwe von Steinfurth, wegen Störung der Sontagsfeter. Butzbach, 8. Dee. Das gestrige Schöffengericht verhandelte und erkannte 1) gegen Konrad Schäfer von Ostheim, wegen Beschädigung eines Obstbaumes, auf 5 M. Strafe, event. 1 Tag Haft; 2) gegen Philipp Hildebrandt von Gleßen, wegen eines Hemdendiebstahls in Pohlgöns, auf 2 Monate Gefängniß, die jedoch durch Anrechnung der Untersuchungshaft am 22. Dee. er. als verbüßt zu betrachten sind; 3) gegen Konrad Weisel II. von Fauerbach v. d. H., wegen öffentlicher Beleidigung des s. Z. im Dienste befindlichen Nachtwächters Konrad Wolfheimer III. von da, auf 3 Wochen Gefängniß; Wolfheimer wurde auch das Recht zugesprochen, den entscheidenden Theil des Urthetls innerhalb 14 Tagen nach erlangter Rechtskraft einmal auf Kosten des Ver— urtheilten im„Wetterauer Boten“ bekannt machen zu dürfen; 4) die Sache, betreffend Adam Volk von Butzbach, angeklagt wegen Sonntagsstörnng kam nicht zur Ver— handlung, da Angeklagter seinen Einspruch gegen den Strafbefehl zurückgezogen hatte. Die folgenden beiden Beleidigungsklagen wurden durch Vergleich erledigt.
Repertoir⸗Entwurf der vereinigten Stadt-Theater in Frankfurt. Opernhaus.
Dienstag den 11. Gastspiel des K. Kammersängers Herrn Vogl. Siegfried. Siegfried: Herr Vogl.
Mittwoch den 12. geschlossen.
Donnerstag den 13. Carmen. als Gast.
Freitag den 14. Zum ersten Male: Der Struwelpeter und der König Nußknacker. Weihnachts⸗Zaubermärchen mit Gesang und Tanz in fünf Bildern und einem Vorspiel von L. Raupp. Musik von G. v. Rößler mit theilweiser freier Benutzung der Dr. Hoffmann— schen Kinderschriften.
Samstag den 16. Neu einstudirt: Teufels Antheil.
Sonntag den 16. Gastspiel des K. Kammersängers Herrn Vogl. Götterdämmerung. Siegfried: Herr Vogl.
Schausplielhaus.
Dienstag den 11. Graf Königsmark.
Mittwoch den 12. Der Bettelstudent.
Donnerstag den 13. geschlossen.
Freitag den 14. Figaros Hochzeit.
Samstag den 15. Krtsen.
Sonntag den 16. Maria Stuart.
Aufruf.
Um den Nothständen der ärmeren Klassen der hiesigen Einwohnerschaft in wirksamer Wetse begegnen zu können, beabsichtigen wir in dem hiesigen Bürger-Hospital vom 18. Dezember 1883 an für die Wintermonate eine Volks küche in das Leben zu rufen. In derselben sollen gegen Vorzeigung von Marken, welche bei den Pflegern der Armen-Commission zu beziehen sind, die Armen per Person 1 Liter Suppe erhalten. Diejenigen Personen dagegen, welche diese Suppe gegen Bezahlung genießen wollen haben für den Liter 10 Pf. zu vergüten. Da zur Deck— ung der Unkosten noch die nöthigen Mittel fehlen, so werden wir es dankbar begrüßen, wenn uns zur Förder— ung des Unternehmens theils Lebensmittel in Natur, theils Geldgeschenke gegeben werden. Wir bitten, die Lebensmittel, welche man uns freundlichst zuwenden will, im Bürgerhospitale abzuliefern. Geldbeiträge nehmen die Unterzeichneten gerne entgegen.
Friedberg den 8. Dezember 1883.
Für die Armen-Commission: Meyer. Steinhäußer.
Bitte.
Zu der diesjährigen Christbescheerung für die hiesige Kleinkinderschulle wird um gütige Beisteuer an Geld und sonstigen Gaben gebeten. Zum Empfang erklart sich jede der Unterzeichneten gern bereit.
Käthchen Baur. Hilda Dieffen bach— Minna Diegel Johannette Klipstein- Christiane Schmidt.
Zu Geschenken geeignet empfihst:
Petroleum-Lampen, Porzellan- und Glaswaaren, lackirte Blechwaaren, verzinnte und blau emaillirte Kochgeschirre,
Carmen: Fräul. Schoder
strafe von einem Monat und in die Kosten verurtheilt; Kohlenkasten, Bratpfannen, Ratonkuchen⸗Formen, Kaffee-
brenner, Kaffeemühlen, Brittania-Löffel ꝛc. ꝛc. 4398
Assenheim. Carl Bauer.
Christiane Werner,
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