Ausgabe 
2.10.1883
 
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für Neubauten von Strafanstalten und 1,566,000 Mark für Aufbesserung der pragmatischen Be amtengehälter.

Baden-Baden, 29. Sept. Der Kasiser,

die Krouprinzlichen Herrschaften, Prinzessin Victoria und der Großberzog von Sachsen

Weimar sind soeben hier eingetroffen und wurden von dem Großherzoglichen Paare, dem Erb großherzog und den Spitzen der Behörden empfangen.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 28. Sept. Zu Ehren des Prinzen Alexander von Hessen fand gestern in Schönbrunn ein Galadiner statt, wozu auch Graf Taaffe, Bylandt, Kalnoky und mehrere Generale geladen waren, sowie eine Deputation des 6. Dragonerregiments, dessen Inhaber Prinz Alexander ist. Derselbe besuchte Vormittags den Grafen Kalnoky und den Fürsten Reuß. Letzterer erwiederte den Besuch. Bra⸗ tiano ist gestern Nachmittag nach Bukarest ab gereist. Der König von Serbien ist hier ein⸗ getroffen und empfing den Grafen Kalnoky sowie vorher den Prinzen Alexander von Hessen. Der König, welcher bis Montag hier verweilt, wurde sodann vom Kaiser in einstündiger Audienz empfangen.

28. Sept. Mehrere Morgenblätter feiern in Leitartikeln die Enthüllung des Germania standbildes auf dem Niederwalde.

28. Sept. Gegenüber der Meldung der Blätter, daß der Fürst von Bulgarien nach Wien abgereist, sagt das Fremdenblatt, daß in hiesigen maßgebenden politischen Kreisen Nichts davon bekannt sei; übrigens würde die Anwesen heit des Prinzen Alexander von Hessen, des Vaters des Fürsten von Bulgarien, dessen even tuelle Reise hierher genügend erklären.

Pest, 23. Sept. Einen guten Eindruck machte die Eröffnungsrede Tisza's zum Reichstag bei der liberalen Partei. Tisza wird vom Reichstag weit gehendste Vollmachten verlangen, damit nicht die willenlosen Werkzeuge, sondern die intellectuellen Urheber des antisemitischen Treibens gefaßt wer den könnten. Die Demission des Justizministers ist bevorstehend. Die croatischen Abgeordneten erscheinen im Reichstage.

30. Sept. Das Amtsblatt veröffentlicht ein kaiserliches Handschreiben, in welchem die erbetene Entlassung des Ministers für Croatien und Slavonien Bedekowitsch unter Versicherung der Anerkennung und des Dankes für geleistete Dienste genenehmigt und derselbe bis zur Er nennung eines Nachfolgers mit Fortführung der Geschäfte beauftragt wird.

Agram. Starcseviscianische Agenten durch streifen die Gegenden der dalmatinischen Grenze und hetzen dort die Bevölkerung zum Aufstand. Man verspricht ein Handgeld von 100 Gulden. Die Parole lautet: Gegen die Magyaren; jetzt ist es Zeit, das Joch abzuwerfen.

Dänemark. Kopenhagen. Die Rückreise des Kaisers von Rußland ist bis zum 11. Oct. verschoben, die Abreise des Königs von Griechen land auf unbestimmte Zeit vertagt worden.

Frankreich. Paris. Der Marineminister erhielt die Bestätigung der Nachricht, daß die schwarzen Flaggen am 15. Sept. die vor Sontay innegehabten Stellungen geräumt haben.

29. Sept. Unter dem Vorsitze Grevy's fand heute ein Ministerrath statt, dem nur Kriegsminister Thibaudin wegen Unwohlseins nicht beiwohnte. Der Marineminister berichtete über den Stand der militärischen Operationen in Tonkin, Ferry und Challemel-Lacour über den Stand der Verhandlungen mit China. Der Ministerrath beschloß, die Kammern zum 23. Oc tober einzuberufen. Gleichzeitig ging der Be fehl nach Toulon, drei Compagnien Seesoldaten von je 150 Mann für Tonkin zu formiren.

29. Sept. Der König von Spanien ist Nachmittags hier eingetroffen. Er wurde am Bahnhof von Grevy und den Ministern empfangen. Bei der Fahrt des Königs aus dem Bahnhofe machten sich einige Personen

durch Schreien und Zischen bemerkbar. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen.

30. Sept. Die meisten Blätter geben ihr Bedauern über die Kundgebungen beim Eintreffen des Königs von Spanien Ausdruck, welche viel ärger waren als die erste Nachricht erwarten ließ. Die Menge rief:Nieder mit dem Straßburger Ulauen. Dem König wurde bekanntlich das in Straßburg aarnisonirende Schleswig-Holstein'sche Ulanen-Regimeut ver⸗ liehen und hierüber war die Menge erbost. Die Zeitungen hatten aber auch vorher ihr ehrlich Theil gehetzt. Der König wohnte heute Vor⸗ mittag der Messe in der St. Clotilden-Kirche bei und wird heute Abend bei dem Präsidenten der Republik im Elysée-Palaste diniren. Die Jagd, welche heute bei Rambouillet stattfinden sollte, ist angeblich des schlechten Wetters wegen abgesagt worden.

Großbritannien. London, 28. Sept. O'Donnell wurde unter der Anschuldigung, den Kronzeugen Carey ermordet zu haben, vor die Geschworenen verwiesen. Die Wittwe Carey's hat bezeugt, daß O'Donnell nach vollbrachtem Mord ihr gegenüber zugestanden habe, daß er abgesandt worden sei, um die That auszuführen.

DieTimes spricht gelegentlich der Einweihung des Niederwald-Deukmals ihre Ge nugthuung aus; ein starkes Deutschland gewähre die beste Garantie für die Erhaltung des euro päischen Friedens. Indessen bedinge ein starkes Deutschland keineswegs ein schwaches Frankreich. Deutschlands Kraft sei jetzt so groß, daß es mit Wurde die gelegentlichen Reizungen seitens der Nachbarn ertragen könne.

Dublin, 28. Sept. Parnell befindet sich seit acht Tagen in London. Derselbe wird heute nach Leeds reisen, um der morgen stattfindenden Versammlung der internationalen Liga beizu wohnen. Ein Londoner Gerücht von einem Attentat auf Parnell ist gänzlich unbegründet. Die Orangisten griffen jedoch gestern Abend den Abgeordneten O'Connor auf dem Bahnhof Portadowu an. O'Connor entkam unversehrt. Der Grundbesitzer Crotty wurde gestern Abend in der Grafschaft Maye meuchlings erschossen.

Spanien. Madrid. Wie verlautet, hat der Ministerrath beschlossen, bei dem König nach seiner Rückkehr die Amnestirung der in Folge des Aufstandes in Badajoz nach Portugal ge flüchteten 600 Soldaten zu beantragen.

Italien. Rom. Nach einer derPolit. Corr. von hier zugehenden Meldung wird die italienische Regierung, ebenso wie Deutschland, ein Kriegsschiff in die chinesischen Gewässer ent senden und zwar ist derColombo, ein sehr starkes und erst vor Kurzem gebautes Schiff, hierfür bestimmt.

Türkei. Constantinopel, 29. Sept. Lord Dufferin ist hier angekommen.

Serbien. Belgrad, 29. Sept. Der König von Serbien wies telegraphisch aus Wien das serbische Cabinet au, die Skupschtina am Sonntag feierlich zu eröffnen und den königlichen Ukas zu verlesen, worin die Skupschtina daran er rinnert wird, daß der dermalige Wirkungskreis nur auf die Berathung und Beschlußfassung be treffs der Eisenbahn- Convention eingeschränkt werde, welche gleichzeitig vorgelegt wird. Im Weiteren versichert die Regierung, daß sie ent schlossen sei, un Falle des Widerstandes der Opposition die Skupschtina aufzulösen, in wel chem Falle sich nach der Rückkunft des Königs der Cabinetswechsel vollziehen würde. Es wird auf das Bestimmteste versichert, daß das radicale Cabinet nicht in Frage komme.

Bulgarien. Sofia, 29. Sept. Die Nachrichten der Wiener Blätter, wonach der Fürst von Bulgarien Sofia verlassen habe, sind vollkommen unbegründet.

Rußland. Petersburg. Einer Meldung der Nowosti zufolge wurde die verschärfte Sicherheits-Aufsicht auf ein Jahr verlängert

in den Gouvernements Moskau, Kiew, Podo lien, Cherson und Bessarabien, in den Kreisen: Simferopol, Eupatoria, Jalta, Theodosia, Pere

kop, in den Städten Berdinausk, Rostoff am Don, Marinpol und in den Stadthauptmann⸗ schaften Odessa, Taganrog, Kertsch, Jenikale und Sebastopol.

Die Zolleinnahmen von Anfang des Jahres bis Ende August betrugen 55,601,291 Rubel gegen 56,125,398 Rubel, die Edelmetalleinfuhr 3,272,621 Rubel gegen 4.565.324 Rubel, die Edelmetallausfuhr 25,129,374 Rubel gegen 32,848,432 Rubel im Vorjahre.

Großfürst Konstantin Nikolajewitsch ist wieder in Gnaden aufgenommen. Bekanntlich hielt man den Oheim des Zaren für das Ober haupt der Nihilisten, und zwang ihn vor zwei Jahren, das Amt des Großadmirals der Flotte an den Großfürsten Alexius abzugeben. Zwei Jahre hielt sich Konstantin hierauf dem Hofe fern. Daß es mit der Versöhnung erust gemeint ist, beweist der Umstand, daß auf Anordnung des Zaren der Namenstag des Großfürsten fortan wieder in den Kreisen der Marine ge feiert werden soll. Auch soll eine neu erbaute Fregatte den Namen Nonstantins tragen.

29. Sept. Die den Mächten bezüglich der Ereignisse in Bulgarien seiteus der hiesigen Regierung gemachten Mittheilungen laufen in der Hauptsache auf die Versicherung hinaus, daß Jonin seine Mission auf das Versöhnlichste fort setzen wird. Rußlands Haltung gegenüber den jüngsten Vorgängen in Bulgarien wird, wie aus den mitgetheilten Andeutungen des Journal de St. Petersbourg hervorgeht, eine beobachtende sein. Die russische Regierung will die Dinge sich erst weiter entwickeln lassen, und überdies Alles vermeiden, was zu Conflicten mit den an deren Großmächten führen könnte.

Amerika. Washington. General Sherman, der vom Commando der Vereinigten Staaten Armee am 1. November zurücktritt, wird General Sheridan als Nachfolger erhalten. Am 8. Febr. tritt General Sherman in die Reihe der pen sionirten Offiziere über.

Afrika. Durban, 24. Sept. Ein Bericht⸗ erstatter des Standard meldet: Ein Correspon dent, der soeben zwei Tage bei Cetewayo im Inkandhlagebüsch zugebracht hat, meldet, daß der König von seinen Wunden genesen ist, aber sich in einer sehr verzagten Stimmung befinde. Zu seiner Sicherheit schläft er am Saume eines Waldes, wo das Terrain sehr steil ist. Er hat keinimpi(Heer) bei sich und sein Anhang zählt nicht mehr als 60 Männer und Frauen. Usibepu, welcher droht, den König zu tödten, hat einen Einfall in den Ingomiwald gemacht und verhindert das Volk an der Bestellung des Feldes. Er hat in dem ganzen Himmelsstriche zwischen Pongola und dem Tugela Schrecken verbreitet. Zwei Brüder des Königs sind im Begriff, sich Oham anzuschließen.

Asien. Simla, 29. Sept. Nachrichten aus Afghanistau zufolge nimmt der Aufstand der Ghilzai's gegen den Emir zu. Es fand im nördlichen Ghilzailande ein Gefecht statt, welches mit der Niederlage von 8000 Mann der Truppen des Emirs endigte. Aus Kabul und anderen Orten werden Verstärkungen gesandt. Die indische Regierung hält die Nachricht für übertrieben.

Aus Stadt und Land.

J. Friedberg. Wir hatten schon früher Gelegen⸗ heit, in diesen Blättern unseres Landsmannes, des Archi⸗ tekten Manchots, gelegentlich der Mannheimer Ausstell⸗ ung zu erwähnen. Damals wurde sein Entwurf zur Ausstellungshalle preisgekrönt. In letzter Zeit wird sein Name in den betr. Kreisen wieder viel genannt, denn Manchot weilt zur Zeit in Stockholm, wo seine persönliche Anwesenheit behufs Berathung über die Aus⸗ führung seines preisgekrönten Planes zur E r⸗ bauung eines Nation almuseums gewünscht wor⸗ den war. Der Großherzog von Baden, von welchem Manchot vor seiner Abreise nach Schweden zur Tafel

gezogen war, hat ihm Empfehlungen mitgegeben, die ihm

Seitens der höchsten Kreise der nordischen Residenz das freundlichste Eatgegenkommen erwirkt haben. Der König von Schweden hat ihm wiederholt Audienz erthellt und sich in der liebenswürdigsten Weise mit ihm unterhalten. Wir freuen uns aufrichtig über die wohlverdiente Aner⸗

kennung, die unserem Landsmann als Frucht seines rast

losen Fleißes zu Theil wird und wünschen auch für die Zukunft seinen Arbeiten den besten Erfolg.

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