Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat durch Verfügung vom 23. Mai dieses Jahres dem Verein für Vogel⸗
und Geflügelzucht(älterer Verein) in Darmstadt die Erlaubniß zur Abhaltung einer im, November dieses Jahres in Verbindung mit einem Vogel- und Geflügelmarkt vorzunehmenden Verloosung von Zuchtgeflügel und andern, die Vogel- und Geflügelzucht fördernden Gegenständen unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 10,000 Loose à 25 Pfennig zur Ausgabe gelangen und mindestens 65% des Bruttoerlöses der Loose zum Ankauf von Gewinugegenständen verwendet werden. Der Vertrieb der Loose im Großherzogthum ist gestattet.
Be kan nut m a ch un g.
Es wird hierdurch zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß vom 4. kommenden Monats ab die diesjährigen Schießübungen der Stammmann⸗
schaft des hiesigen Landwehr-Bataillons auf der Seewiese dahier beginnen.
Die Uebungen werden stets in den Morgenstunden von 6 bis 9 Uhr
abgehalten werden und wird Stunde und Dauer des Schießens durch eine auf der Schießmauer aufgehißte, roth⸗weiße Flagge signalisirt werden. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien der zunächst gelegenen Orte wollen Vorstehendes noch besonders durch die Schelle bekannt machen lassen. a Großherzogliches Kreisamt Friedberg.
Friedberg den 28. Mai 1883.
O
J.
Stedbrief.
V. d. K.: Fey, Regierungs-Accessist.
Schmidt, Joseph, von Stettfeld in Baiern, Metzgergeselle, ist wegen Hausfriedensbruchs auf Grund richterlichen Haftbefehls in das
Gefängniß zu Vilbel einzuliefern. Friedberg den 28. Mai 1883.
Der Großherzogliche Amtsanwalt. J. V.: Dieffenbach.
Aus Stadt und Land.
2. Bad-Nauheim, 30. Mai. Zwar etwas ver— spätet“), jedoch manchem Leser auch so nicht unwillkommen, sei kurz berichtet von einem Vortrage, den am 20. Mai Pfarrer Deggau aus Darmstadt im alten Schulhause dahler vor einer sehr zahlreichen Versammlung gehalten hat. Der Vortrag behandelte die neuesten Ausgrabungen in Babylon und Ninive, soweit der Inhalt der dabei zu Tag geförderten und entzifferten Keilinschriften geeignet ist, ein Licht auf die biblische Urgeschichte fallen zu lassen. Mit großer Sachkennkniß und Anschaulichkeit entwickelte der Vortragende die älteste Religion der Bewohner des Euphratgbeietes, zeigte das fast unglaublich erscheinende hohe Alter der dortigen Cultur, deren verschiedene Schichten aus den schriftlichen Denkmälern ersichtlich werden und be— leuchtete sodann die zum Theil überraschenden Parallelen aus dem ersten Buch Moses, wobei die hohen Vorzüge des letzteren ins Licht traten.— Nächsten Sonntag wird Pfarrer Deggau die Güte haben um 4 Uhr Nachmittags in der Wilhelmskirche eine Art Fortsetzung seines Vortrags zu geben, indem er die altegyptischen literarischen Monu— mente zum Gegenstande nehmen und diesen die parallel— laufenden biblischen Berichte gegenüberstellen wird. Man sieht diesem Vortrage mit Interesse entegen. Der Ein— tritt ist frei.
r. Bad Nauheim, 28. Mai. Am gestrigen Nach— mittage fand die Einweihung des neuen Turnplatzes des hies. Turnvereins statt. Unsere Bürgerschaft gab dem Verein ihre regen Sympathien durch einen erfreulich starken Besuch zu erkennen. Um drei Uhr wurde zunächst die Fahne von dem Verein abgeholt und schloß sich demselben unterwegs der unterdessen mit eigner Musik angekommene Friedberger Turnverein an, welcher in großer Zahl er— schlenen war. Nach Ankunft auf dem Turnplatze wurde das gemeinschaftliche Lied:„Ein Ruf ist erklungen“, ge— sungen und begrüßte hierauf der Vorsitzende des Ver— eins, Lehrer Wagner, sämmtliche Anwesenden und er— klärte den Turnplatz für eröffnet. Hierauf fand, nach— dem die Musik den Choral:„Nun danket alle Gott“, so wie die Gesangsabtheilung ein Chorlied vorgetragen hatte, das Schauturnen statt. Einen würdigen und freudig stimmenden Abschluß des Festes bildete das gesellige Zu sammensein auf dem Hartmann'schen Felsenkeller und trug hierzu hauptsächlich die Friedberger Musik-Kapelle, sowie die Nauheimer Gesangsabtheilung ihr möglichstes bel. Toaste wurden hierbei ausgebracht auf den Ge meinderath und unseren wackeren Bürgermeister Schutt, auf den Präsidenten des Vereins, Lehrer Wagner, auf die Musikkapelle u. s. w. In später Stunde trennte man sich mit dem Bewußtsein, die Einweihung des Turn— platzes in recht würdiger Weise vollzogen zu haben. Den Friedberger Gästen wurde das Ehrengeleit von dem ganzen Verein bis vor die Stadt gegeben.
i. Rendel. Verflossenen Sonntag den 27. d. M. fand unter Bethetligung der ganzen Gemeinde die Ein— weihung der neuen Fahne des Gesangvereins Liederkranz statt. Fremde Vereine waren zu der Feier nicht einge— laden. Das Fest verlief jedoch in der schönsten und würdigsten Welse. Um 2½ Uhr bewegte sich der am Vereinslocal(Lenhards Saal) aufgestellte Festzug nach dem Rathhause, woselbst die Festjungfrauen, der Fahnen träger ze. ze. versammelt waren. Nachdem dieselben, in ihrer Mitte die Fahne tragend, sich dem Zuge ange schlossen, bewegte sich derselbe an die auf dem freien Platze am Brunnen errichtete Tribüne. Nach Gesang des Liedes:„Herbe, herbei, Du trauter Sängerkreis“ wurde die Fahne enthüllt und mit einer schönen würdigen Ansprache Seitens einer Festdame(Fräulein Ernstine Pro— pheter) überreicht, worauf der Fahnenträger im Namen des Vereins dankte. Der Männergesangverein trug so— dann das Festlied:„Auf Brüder auf, beginnt das Lled der Weihe“ vor. Hierauf hielt der Dirigent des Lieder— kranz, Lehrer Will, die Festrede, welche mit einem Hoch auf die Eintracht des Liederkranzes, die der anderen Ver— eine der Gemeinde, sowie auf die Eintracht und Vater— landsliebe des gesammten deutschen Volkes schloß, in welches Hoch die Versammlung begeisternd elnstimmte. Den Schluß dieses Theils der Feier bildete der Gesang des Liedes:„Auf Brüder hebt die Fahne“, vorgetragen
*) Wir hätten dem Artikel auch bei früherer Ein— sendung die Aufnahme nicht verweigert.
Die Redaection.
vom Liederkranz. Nun ging der Festzug durch die ein— zelnen Straßen des Dorfs zum Festlocal(Lenhards Gartenwirthschaft). Hier wechselten Ansprachen, Ge— sangs-Vorträge und Harmoniemusik mit einander ab. Toaste wurden ausgebracht auf den Kaiser, den Groß— herzog, die Vereine, die Festjungfrauen und die außer— ordentlichen Mitglieder. Auch am Abend war man noch fröhlich beisammen und erst in früher Morgenstunde trennten sich die meisten Festtheilnehmer mit dem Ge danken, ein recht schönes und erhebendes Fest gefeiert zu haben.
Allerlei.
Kassel, 30. Mai. Heute Nachmittag fiel in der Nähe von Witzenhausen ein verheerender Hagelschsag.
Staßfurt. Eine furchtbare Erderschütterung fand in der Nacht vom 28. zum 29. Mai in Folge des Nieder— ganges eines Flötzes im Bergwerke statt. Viele Gebäude erhielten Risse. Die Kirche ist schrecklich zerrissen. In Leopoldshall ist ein Portierhaus eingestürzt.
New⸗Nork, 31. Mal. Als gestern Nachmittag sich eine große Menschenmenge auf der neuen Brücke zwischen Brooklyn und New⸗Nork befand, entstand auf den Ruf: „die Brücke fällt“, eine Panik, wobei zwölf Personen getödtet und 26 verwundet wurden.
Gerichtssaal.
Gießen. Als Geschworene für das am 25. Juni Vormittags 9 Uhr, beginnende zweite Quartal des Schwurgerichts der Provinz Oberhessen wurden bestimmt: 1) J. Weber IV. zu Langgöns. 2) J. Keßler VI. zu Großlinden. 3) H. W. Grieb zu Holzheim. 4) Fr. Hinkel 11. zu Vilbel. 5) Gg. Sack zu Gießen. 6) L. C. G. Fauerbach zu Nieder-Wöllstadt. 7) Bürgerm. H. Weitzel II. zu Kailchen. 8) C. Schlüter zu Gießen. 9) H. Wittlich zu Wendel. 10) J. Diener zu Ockstadt. 11) Ed. Bauer II. zu Freienseen. 12) Em. Frank zu Niederohmen. 13) C. Nispel II. zu Gedern. 14) Gg. Reitz II. zu Inhelden. 15) Chr. Lang zu Angersbach. 16) J. C. Moscherosch zu Ossenheim. 17) Fr. Uhl zu Nidda. 18) R. Mickel zu Ober-Mockstadt. 19) H. Schudt von der Görbelheimer— mühle. 20) G. Kost VII. zu Petterweil. 21) L Lein J. zu Bleidenrod. 22) H. Wagner III. zu Großlinden. 23) Fr. Keil zu Melbach. 24) L. Rappolt zu Friedberg. 25) L. W. Vogt zu Reichelsheim. 26) Chr. Dörr IV. Grünberg. 27) Fr. Stegmayer zu Gießen. 28) F. Brodreich zu Hungen. 29) Dr. J. B. Jett zu Gießen. 30) J. Herget II. zu Wohnbach.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 30. Mal. Gemüse kosteten: Hiesiger Blumenkohl per Stück 50 Pf. bis 1 M., Rothkraut 30 bis 50 Pf., Kohlrabi 10 Pf., Erdkohlrabi 5—8 Pf., Spinat per Pfund 25 Pf., Römisch Kohl 25 Pf., Suppen⸗ spargeln 20 Pf., Gemüsespargeln 40 Pf., frische Erbsen 30 Pf. en gros, 35 Pf. en detail, Schwarzwurzeln 50 Pf
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frische breite Schneidbohnen per Hundert M. 3, Caxotten“
per Pack 20 Pf., Gurken per Stück 15-30 Pf., Rettig 5—10 Pf., Häuptersalat 3—6 Pf., Radieschen per Pack 1½—2 Pf., Zwiebeln per Centner M. e Geicheid 25—30 Pf.— Kirschen, italienische sowohl, wie die ersten deutschen(Bergsträßer) per Pfund 60 Pf., Rartoffeln per Ctr. M. 4.40, Wetterauer M. 3.50, per Gescheld 17— 20 Pf., neue Kartoffeln per Ctr. M. 18, per Pfd. 18—25 Pf., Malteser 28 Pf.— Butter en gros- Preis: per Ctr. M. 105, per Pfd. M. 1.20— 1.30.— Eler per Hundert M. 4.50, 25 Stück M. 1.20, per Stück 5 Pf., ausgesuchte größere Sorte bis M. 5.50 per Hundert. Fleischpreise unverändert. Wildpret und Geflügel: Sommergans M. 4—6, Ente M. 2.50 3.50, Hahn M. 1.70— 2.50, Huhn M. 1.703, Taube 50 bis 60 Pf., Poularde M. 2.503, Rehkeule M. 6-8, Ziemer M. 1015.— Heumarkt: Zufuhr an 80 Wagen, 10 übrig. Preise von Heu per Ctr. M. 3 8.60, Stroh M. 1.80 2.30.
Frankfurt, 31. Mai. Viehmarkt. Der heutige Markt war betrieben mit nahezu 90 Stück Ochsen und ca. 15 Kühen und Rindern und wurde der ganze Stand bis auf etwa 10 Stück Ochsen zu den Preisen des Vor— marktes geräumt. Am gestrigen Kälbermarkt waren nur 160 Stück zum Verkauf gestellt, die bei zähem Handel, da die Handelsleute zu hoch eingekauft hatten, an den Mann kamen; bezahlt wurden für 1. Qual. 60 Pf
per Pfd. Schlachtgewicht, für 2. Qual. 50 Pf.
Kunstnotiz. .(Eingesandt.)
Das gegenwärtig hier aufgestellte Théatre-Central Francais hat unsere durch die großen Plakate etwas hoch gespannte Erwartung noch übertroffen und wissen wir uns nicht zu erinnern, daß eine so vorzügliche Gesell— schaft dieser Branche unsere Stadt früher besucht hätte. Wir dürfen behaupten, daß die Künstler auch in größeren Etablissements Aufsehen erregen würden; besonders er— wähnenswerth, wenn auch für die Nerven der Zuschauer etwas anstrengend, ist das Messerwerfen des Afrikaners, welcher einer Dame mit ungeheurer Sicherheit die Messer zwischen die Finger, neben den Kopf ꝛc. ꝛc. wirft, eben— so ausgezeichnet sind die beiden Trapezarbeiter in ihren Staunen erregenden Leistungen. Die Costüme sind durch- weg elegant und war bis jetzt jeden Abend ein ab⸗ wechselndes Programm, wir können jedem Liebhaber derartiger Sehens würdigkeiten nur rathen, das Théatre zu besuchen. Was die weiteren Leistungen anbetrifft, so verweisen wir auf unseren heutigen Inseratentheil.
Verloosung⸗ Karlsruhe, 31. Matt. Serienziehug der Badischen 35 fl. Loose. Ser.⸗Nr. 80 221 255 308 309 356 371 411 682 782 1355 1366 1976 2044 2159 2737 2759 2981 3392 3555 3644 3652 3878 3999 4073 4346 4435 4891 5190 5191 5199 5370 5689 5994 6034 6293 6413 6580 6903 7569.
Literarisches.
Daheim. Nr. 34 enthält: Zwei Vettern.(Schluß.) — Das kranke Füllen. Bild von G. Koch.— Prak- tische Wohlthätigkeit in London. VII. Die Trinkkrank⸗ heit und ihre Aerzte.— Das Kloster Tre Fontane. Eine Versuchsstation im Kampfe gegen das Sumpffieber. Von Th. Trede.— Das Herz von Rußland. Mit 2 Illustr. und 3 Porträts.— Zwei unbeständige Brüder. Eine Erinnerung aus dem Missionsleben von Dr. A. Schreiber.— Am Familientische: Im wunderschönen Monat Mai!— Beweis, daß Dr. Martin Luther nie existirt hat. Von Dr. K. Schirmer.— Haus wirthschaftliche Fortschritte. Mit Illustr.— Mit zwei illustr. Beilagen
Geld⸗ Cours. Frankfurt am 31. Mai 1883.
20 ⸗-Frankenstücke 8 16. 22— 26 do. in/?!: Englische Sovereignss. 20. 40 45 Russische Imperlales 16. 7503. Ducaten„ mmm d „ al e Dollars in Gold p; 20
Kirchliche Anzeigen für Friedberg. Ebangelische Gemeinde. 2. Sonntag nach Trinitatis. Pfarramtswoche: Herr Pfarrer Baur. Gottesdienst in der Stadtkirche: Vormittags 10½ Uhr: Herr Candidat Fischer. Nachmittags 1½ Uhr: Herr Pfarrer Baur. Gottesdienst in der Burglirche: Vormittags 9 Uhr: Herr Reiseprediger Deggau— Nachmittags 1¼ Uhr: Herr Pfarrer Weiffen bach— Katechismuslehre.
satholische Gemeinde. Samstag 5 Uhr: Beicht. Sonntag 7 Uhr: Austheilung der heil. Communkon— 10 Uhr: Hochamt. 2 Uhr: Christenlehre und Andacht.
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