— Die officiösen Journale dementiren die Nachricht von einer in Manilla entdeckten Ver⸗ schwörung. Es sei kein Grund zu Besorgnissen vorhanden, daß die Ruhe auf den Philippinen gestört werde.
Serbien. Belgrad. Exminister Garaschanin wurde zum Gesandten in Wien ernannt.
Rußland. Petersburg. Das Journal de St. Petersbourg dementirt die Meldung des Gaulois über eine gegen das Leben des Kaisers gerichtete, kürzlich entdeckte Verschwörung und Verhaftung mehrerer Beamten.
Warschau. Der Czas bezeichnet die in letzter Zeit wiederholt aufgetauchte Nachricht, daß die russische Regierung mit einzelnen der neuernannten polnischen Bischöfe in Conflict ge⸗ rathen sei und zwei derselben bereits mit Aus⸗ weisung bedroht habe, als eine unbegründete.
Egypten. Kairo, 28. Nov. Baker Pascha forderte die türkischen Officiere auf, ihn nach dem Sudan zu begleiten; die Mehrzahl derselben willigte ein.
Lokal⸗Gewerbe⸗Verein Friedberg.
Am 24. November fand eine Abendversammlung des Lokalgewerbvereins Friedberg statt, deren Besuch der Tagesordnung nach wohl eine bessere hätte sein können.
Nachdem die erschienenen Mitglieder die aufliegenden technischen Zeitschriften und Musterbücher eingesehen, worunter besonders ein sehr schön ausgestattetes Muster⸗ buch über Terrakotta-Ornamente ꝛc. ꝛc. der Firma Villeroy& Boch zu Merzig a. d. Saar besondere Be— achtung fand, hielt der an die erweiterte Handwerker schule berufene erste Lehrer, Architekt Diesener, einen Vortrag über das Wirken der Gewerbvereine und die von denselben in's Leben gerufenen Unterrichtsanstalten, welcher eine aufmerksame und dankbare Zuhörerschaft fand.
Mit Zustimmung des Vortragenden ist man in der Lage, diesen auch für weitere Kreise interessanten Vor— trag zum Abdruck zu bringen:
Vortrag, gehalten im Lokalgewerbeverein zu Friedberg am 17. November 1883 von H. Diesener, Architekt.
Heute zum erstenmal an dieser Stelle will ich Ihnen, meine Herren, meine Ansichten über das Wirken der Gewerbevereine überhaupt, über die Zwecke und Ziele derselben und speziell auch über die Einrichtung Ihrer Unterrichts-Institute, sowie über die Erfolge, welche ich von denselben für den gesammten Handwerkerstand Fried— berg's und Umgegend erhoffe, auseinandersetzen. Zu— nächst möchte ich Ste aber bitten, etwas Nachsicht zu üben, weil ich mit den hiesigen Verhältnissen noch nicht so vertraut bin, als es nach längerem Aufenthalte der Fall sein wird, obgleich ich mich bemüht habe, meine Kenntnisse nach dieser Richtung hin, so viel als irgend möglich zu erweitern.
Es ist Ihnen nicht unbekannt, daß in neuerer Zeit Bestrebungen aufgetaucht sind, welche das Gedeihen des Handwerkerstandes darin suchen, für denselben Insti⸗ tutlonen wieder einzuführen, welche einer vergangenen Zeit angehören. Ich will jedoch keineswegs die Be⸗ hauptung aufstellen, daß Alles, was früher einmal zweck— mäßig und gut gewesen ist, für die heutige Zeit un— brauchbar sel; aber bevor man zu alten Institutionen zurückgreift, soll man wohl prüfen, ob diejenigen Ein⸗ richtungen, welche man zur Zeit besitzt, den heutigen
besserungen und Umformungen diesem Zwecke entsprechen⸗ der einzurichten sind; vor Allem aber soll man sich genau überzeugen, ob und beziehungsweisen Rückgang des Handwerks nicht in anderen Ursachen zu finden ist.
Wohin, meine Herren, sollte es wohl führen, wenn man ernstlich versuchen wollte, dem Handwerkerstande vollständig diejenigen Einrichtungen wieder zu geben, welche wohl zu einer Zeit gerechtfertigt waren, als man die Macht des Dampfes noch gar nicht und Maschinen nur in sehr primitiver Form oder fast so gut wie gar nicht kannte. Würde ein solcher Versuch ge— lingen— was ich jedoch für unmöglich halte—, so: meine feste Ueberzeugung die, daß der Handwerkerstand dadurch nicht nur nicht gehoben, sondern vielmehr seinem Untergange entgegengeführt werden würde.
Sle wissen Alle, meine Herren, daß der Handwerker in der heutigen Zeit des Dampfes und der Elektrieität — denn diese letztere wird in nächster Zeit unfehlbar einen ungeheuren Einfluß auf Maschinen u. s. w. aus⸗ üben— genöthigt ist, wenn er von dem Fabrikbetriebe nicht vollständig überflügelt werden will, in gewisser Beziehung auch Fabrikant und Kaufmann zu sein. Ist er dies nicht, will er durchaus starr und fest alle Vor⸗ thelle, welche ihm Maschinen, neue Erfindungen u. s. w. darbteten, von der Hand weisen, dann geht die Zeit, der er nicht zu folgen im Stande ist, einfach über ihn hinweg. Jeder Handwerker, mag er ein Gewerbe be— treiben, welches er wolle, wird sich eingestehen müssen, daß er schon genöthigt gewesen ist, in seinem Geschäft und Geschäftsbetriebe Veränderungen, beztehungsweise Verbesserungen vorzunehmen, um das Geschäft auf der Höhe der Zeit zu halten, d. h. um den Anforderungen seiner Kunden gerecht werden zu können.
Wenn es nun Leute gibt, welche behaupten, dem Handwerkerstande könne nur der mittelalterliche Zucht— zwang wieder emporhelfen, so will es mir fast scheinen, als wenn diese Leute den Handwerker durch eine solche Redensart entweder zu irgend einem Zwecke gewinnen wollen, oder ich bin versucht zu glauben, sie hätten ein Interesse an dem vollständigen Untergange des Handwerker— standes. Die mittelalterliche Zunft hatte zu jener Zeit ihre volle Berechtigung, weil sie aus einem inneren Be— dürfnisse hervorgegangen war. Einer der größten Fehler würde es aber sein, wenn man eine solche Institution in eine Zeit verpflanzen wollte, welche ein inneres Ve— dürfniß dafür nicht im Geringsten gezeigt hat und in der sie demnach auch keine Lebensfähigkeit erlangen könnte.(Fortsetzung folgt.)
Verloosung
Ansbach-Gunzenhausen 7 fl.⸗Loose vom Jahre 1857. Ziehung am 15. Nov. 1883. Gezogene Serien: Nr. 217 283 449 707 852 859 920 1082 1110 1159 1245 1299 1314 1377 1421 1451 1467 1534 1554 1580 1714 1821 1990 2280 2342 2414 2468 2536 2609 2618 2619 2707 2723 2729 2812 2851 2875 3099 3104 3117 3204 3205 3299 3403 3493 3565 3718 3793 3806 4236 4248 4705. Die Prämien⸗ ziehung findet am 1. Dezember statt.
1 2— Pfennig ⸗Sparkassen. Der Rechnungsführer des Pfennig-Sparkassen-Ver⸗
eins in Siegen, G. Klein, hat auf Anregung des Gruben— Directors Knopp daselbst anläßlich dessen Referats: „Ueber die bisher angewendeten geschäftlichen und tech—
Verhältnissen nicht besser entsprechen oder durch Ver⸗
der Grund für den Stillstand
nischen Mittel zur Beförderung des Volkssparens“ für den am 4. October d. J. in Dresden stattgehabten 2. deutschen Sparkassentag eine„tabellarische Zusam⸗ menstellung der Betriebsergebnisse und Cin⸗
richtungen einiger Pfennigsparkassen Deutsch⸗ lands“ angefertigt und neuerdings veröffentlicht. Ob⸗ wobl das Material noch sehr mangelhaft ist, der Ver⸗
fasser auch nur kurze Zeit auf seine Arbeit verwenden konnte, ist der Versuch, zu einer Statistik des Pfennig⸗ Sparkassenwesens zu gelangen, doch immerhin ein dan⸗ kenswerther und geeignet, ein Bild zu geben von der Einrichtung und Entwickelung dieser Volksspar-Anstalten und durch Zablen zu zeigen, was damit erreicht werden kann. Seitens des Vorschuß- und Creditvereins in Frled⸗ berg und des Pfarrers Göhrs in Geinsheim sind be— reits auf die Pfennigsparkassen des Großherzogthums Hessen“) bezuͤgliche statistische Arbeiten vorausgegangen,
stJ die bei der vorliegenden Tabelle benützt sind. Die letztere
führt 131 Pfennigsparkassen auf, denen ein Bevölkerungs⸗ gebiet von 2,729,622 Einwohnern zugerechnet ist. Die wirklichen rechnungsmäßigen und bereits zinstragenden Einlagen betragen für ein Jahr 742,279 Mark. Die Beträge sind fast sämmtlich bei Sparkassen oder Vor⸗ schußvereinen angelegt, fast durchweg zu 4 Prozent. Bei den größeren und neueren Pfennigsparkassen ist meistens das Sparmarken- und Sparkartensystem eing eführt, bei den älteren das Quittungsbücher-System, letzteres ist namentlich auch bei der Mehrzahl der hessifchen Pfennig⸗ sparkassen nach dem Vorgange Darmstadts gebräuchlich. Die Unkosten wurden meistens durch freiwillige Beiträge, durch Spar-, Gemeinde- oder Kirchenkassen, nur in ganz vereinzelten Fällen aus den Zinsüberschüssen der Pfennig⸗ sparkassen selbst aufgebracht. G. Klein hat eine Fort⸗ führung seiner statistischen Arbeiten in Aussicht gestellt, die gewiß seitens der Vereine jede Förderung verdienen, da sie dazu beitragen werden, der freien Vereinsthätig⸗ keit in einer dem Volkswohl dienlichsten Richtung zum Antrieb zu gereichen, dem schönen Grundgedanken zu immer weiterer Verbreitung zu verhelfen und den dahin zielenden Unternehmungen immer mehr freiwillige Mit, arbeiter zuzuführen.
*) In dem diese Anstalten bis jetzt die größte Ver— breitung gewonnen haben.
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scatholische Gemeinde. Samstag 4 Uhr: Beicht.
Sonntag 6- 5⁰47 Uhr: Beicht. 7 Uhr: Austheilung der heil. Communton. 10„ Hochamt mit Predigt.
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