Ausgabe 
1.3.1883
 
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langt die Auslieferung des der Theilnahme am

Dubliner Morde beschuldigten Sheridan. Die Frage, ob Sheridan an England ausgeliefert werden muß, wird von einem Unionscommissär erörtert werden. Wenn die Eutscheidung bejahend ausfällt, wird die Regierung die nöthige Voll macht ausstellen.

John W. Foster ist zum Gesandten in Madrid ernannt worden.

Asien. Rangoon. Die Bewegung in Indien gegen das von der Regierung vorgelegte Gesetz, welches das eingeborene Element zur Rechtsprech ung über Europäer mit heranziehen will, nimmt zu In Madras, Ober-Assam und Calcutta haben Entrüstungsmeetings stattgefunden.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. In neuerer Zeit werden in der Um gegend von verschiedenen Agenten zahlreiche Mädchen zur Auswanderung nach London veranlaßt, indem denselben die Erlangung bestimmter guter Stellen in sichere Aus sicht gestellt wird. Durch die stattgehabten Ermittelungen ist jedoch festgestellt worden, daß mit diesen Stellenver mittelungen es sich so verhält, daß die betreffenden Mäd chen, ungeachtet der Zusicherung sofortiger Plaelrung in bestimmten guten Stellen regelmäßig genöthigt sind, zu nächst längere Zeit in den Londoner Agenturen(Her bergen) zuzubringen und dort abzuwarten, bis eine oder die andere einer nachfragenden Herrschaft etwa convenirt. Dle Mädchen haben in den betreffenden Agenturen für Kost und Logis zu bezahlen, und zwar mindestens 3 M. pro Tag, gerathen auf solche Weise, wenn sie nicht das Glück haben, bald einen geeigneten Dlenst zu erhalten, in Schulden, müssen ihre Effeeten in Versatz geben und sehen sich schließlich dem Elend, meistentheils aber der Schande preisgegeben, wenn sie aus der Heimath keine Unterstützung zur Rückkehr erlangen können. Es kann daher vor dem Eingehen solcher Engagements nach dem Auslande, namentlich nach London, nur dringend ge⸗ warnt werden.

h. Friedberg, 26. Febr. Gestern war der Central ausschuß des Mainthal⸗Sängerbundes zu einer Sitzung in Hanau versammelt; den Vorsitz führte der Bundes präsident, Seminarlehrer Wahl von hler. Es wurde u. A. beschlossen, die Gründe, welche die dem Bunde angebörenden Gesangvereine Offenbachs wegen Ablehnung des s. Zt. für 1883 übernommenen Sängertags vor brachten und welche hauptsächlich in der durch die letzten Wassercalamitäten hervorgerufenen zeitigen allgemeinen Unlust zur Abhaltung von Festlichkeiten gipfeln, als stichhaltig anzuerkennen und nach§ 6 f. des Verbands statuts den Sängertag in diesem Jahre überhaupt aus fallen zu lassen. Die Offenbacher Gesangvereine behalten sich vor, den nächsten Sängertag, also im Sommer 1884, für ihre Stadt zu übernehmen. Die alljährlich statt habende Bundesversammlung, zu der jeder Verein Ver treter entsendet, ist für den 24. Juni ebenfalls nach Hanau anberaumt worden. Der Mainthal⸗Sängerbund zählt zur Zeit 711 Mitglieder.

Friedberg. Das große Herbstmanöver des 11. Armee Corps(Kalser⸗Manöver) soll, wie nunmehr von Hanau aus als bestimmt mitgetheilt wird, in der Gegend von Windecken und Hanau, also auf den alten Schlachtfeldern von Hanau und Bergen abgehalten werden.

g. Ober⸗Florstadt, 27. Februar. Vor einigen Tagen schnitt sich ein hiesiger Mann beim Rasiren leicht am Kinn, heute wurde derselbe in Folge von einge tretener Blutvergiftung begraben. Nach Ansicht des Arztes ist die Blutvergiftung durch die zur Fabrikatlon der verwendeten Seife gebrauchten schlechten Substanzen eingetreten.

b. Butzbach, 26. Febr. Der bier und in der Um gegend sehr beliebte und bekannte Buchbinder Berg ging vorgestern nach Rockenberg, um einige Geschäfte zu er ledigen. Auf dem Rückwege hierher kam derselbe während der Dunkelheit bei der Rainmühle in die Wetter und ertrank, da Hülfe nicht in der Nähe war.

Allerlei.

Biebrich, 26. Febr. Heute fand in der Kalle'schen Anflinfarbenfabrik ein höchst beklagenswerther Unglücks⸗ fall statt, welchem leider zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Dr. Hercher, ein erfahrener, strebsamer Chemiker, wollte eine Versuchsfabrikation in's Werk setzen, welche ihn schon seit Monaten im Laboratorlum beschäftigt hatte. Bei der Inbetriebsetzung etwickelte sich ganz uner⸗ wartet plötzlich eine große Menge von Schwefelwasser stoff ein giftiges Gas, wodurch Dr. Hercher und der dabei beschäftigte Arbelter Emil Kleber das Be wußtsein verloren und sofort den Erstickungstod fanden.

Jena. An der Blutvergiftungsgeschichte ist nur richtig, daß bei einer Anzahl Studenten Kopfrose aufge treten, welche sich aber nicht nur auf studentische Kreise beschränkt und nicht unmittelbare Folge von Mensur wunden, sondern von Uebertragung der Bakterien sei; an Blutvergiftung hat keiner krank gelegen, sämmtlliche Erkrankte bis auf zwei sind genesen und wohlauf; einer von diesen zweien, welche gestorben sind, hat im Fieberwahn Strychnin genommen und beim zweiten ist der Tod durch Herzschwäche herbeigeführt. So schrumpft nun eine sen sationelle Kunde auf eine minder bedeutende Affaire

zusammen. Der schwedische Dampfer

Stockbolm.

Expreß, welcher am 14. Februar auf der Fahrt nach

Hangs in

Finnland mit 50 Passagieren den Hafen von Stockholm verließ, ist spurlos verschwunden und von ihm trotz aller angestellten Nachforschungen keine Kunde mehr zu erlangen gewesen. Man hegt in Stockholm noch schwache Hoff nung, daß der Dampfer irgendwo im Treibeis festltege. Da aber die Fahrt zwischen Stockholm und Hangs nur sechszehn Stunden in Anspruch nimmt und der Bott nische Meerbusen eisfrei ist, so wächst die Besorgniß von Tag zu Tag. Unter den Passagieren befinden sich auch einige Deutsche.

Mailand, 24. Febr. Beil Alessandria hat in ver gangener Nacht auf der Eisenbahn ein schwerer Zusammen stoß durch verfehlte Weichenstellung stattgefunden; viele Personen sind verwundet worden.

New⸗- Pork. Die hier eintreffenden Dampfer be richten von Eisbergen, welche sie auf der Fahrt ange troffen haben.

Cincinnati, 24. Febr. Der Strom ist hier bereits eine Metle breit. 6000 Familien sind obdachlos. Noch größer ist die Noth in der Nachbarschaft Lawrenceburg an der Mündung der Miami. Der Boden steht dort 4 Fuß unter Wasser; jede Verbindung von hier aus ist durch gewaltige, schwimmende Holzmassen unterbrochen. Die Höhe des Wasserstandes von 1832 ist bereits um 3 Zoll überschritten.

Gerichtssaal.

Bad⸗ Nauheim. In der Donnerstag den 15. Febr. stattgehabten Schöffengerichtssitzung wurde in folgenden Fällen erkannt: 1) gegen Adam Sauter von Affolder bach, wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, eine Gefängnißstrafe von 14 Tagen und wegen Ruhestörung eine Haftstrafe von 1 Tag, sowie Tragung der Kosten; 2) gegen G. H. Freundlieb von Friedberg, wegen unter lassener Reparatur von Baugebrechen, wurde der Ein spruch desselben verworfen und der Angeklagte in eine Geldstrafe von 3 Mark und in die Kosten verurtheilt: 3) gegen Heinrich Hartmann 11. von Bad-Nauheim, wegen Vergehens wider die Sittlichkeit, eine Gefängniß⸗ strafe von 3 Tagen und Tragung der Kosten; 4) Herm. Eckarius von Mühlfeld, z. Z. in Offenbach, angeklagt wegen Körperverletzung, wurde freigesprochen; 5) in der Sache gegen Jost Sohn von Lohra, wegen Betrugs, wurde, da der Angeklagte nicht erschlen, die Hauptver⸗ handlung vertagt; 6) die Sache gegen Johanu Peter Reitz 1. von Steinfurth, wegen Beleidigung, wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft und des Vertheidigers des Angeklagten vertagt; 7) Christian und Jos. Mathes von Nieder Mörlen, angeklagt wegen Beleidigung, wurden in Folge Zurücknahme des Strafantrags freigesprochen; 8) die Verhandlung gegen Heinrich Steuernagel v. und Cons. von Bad⸗Nauhelm, wegen Beleidigung bezw. Mißhandlung, wurde in Folge Ausbleibens des einen Angeklagten ausgesetzt.

Gießen. Geschworenenliste für die am 28. März beginnenden Assisenverhandlungen: 1) L. Wießler von Butzbach. 2) J. G. Steffan von Weckesheim. 3) W. Spruck von Gießen. 4) W. Reiber daselbst. 5) Prof. Pflug daselbst. 6) A. Möller daselbst. 7) H. Waltz von Vilbel. 8) Th. Weisel von Butzbach. 9) W. Löber VI. von Gießen. 10) W. Hammel von Altenstadt. 11) H. Kaspar von Altenburg. 12) Bürgermeister Fuchs von Lollar. 13) H. A. Stock von Aulendiebach. 14) L. Loth von Kirschgarten. 15) P. Kuntz von Ober⸗Rosbach. 16) F. Berg von Nieder-Gemünden. 17) H. Schmidt VI. von Londorf. 18) J. Chr. Retter von Gießen. 19) G. Menz von Eifa. 20) H. J. Vogt von Gleßen. 21) H. Bingel II. von Gambach. 22) G. Dörr 1. von Rix⸗ feld. 23) F. Pröscher von Schotten. 24) H. Römer 11. von Wieseck. 25) J. Steuernagel 11. von Rainrod. 26) H. Roth von Langsdorf. 27) F. Sehrt von Rup pertenrod. 28) K. Wächtershäuser von Ober-Eschbach. 29) H. Hühn von Lohrbach. 30) Frhr. von Riedesel in Altenburg.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 28. Febr Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.001.15, Eier 1 St. 6 Pf., 2 St. 11 Pf.

Friedberg, 27. Febr. Fruchtbericht. Walzen M. 19½ Korn M. 15½, Gerste M. 14 16, Hafer M. 1213. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.

Grünberg, 24. Februar. Fruchtpreise. Welzen M. 19.26, Korn M. 15.00, Gerste M. 14.00, Hafer M. 12.44, Ecrbsen M. 22.00, Lein M. 00.00, Samen M. 00.00, Kartoffeln M. 7.50.

Gießen, 27. Febr. Wochenmarkt. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfd. M. 1.10 1.15, Eier 2 St. 911 Pf., Käse pr. St. 59 Pf., Tauben das Paar M. 1.10 1.20, Hühner pr. St. M. 1.50 1.70, Hahnen per St. M. 1.70 2.00, Enten per St. M. 2.00 bis 2.20, Ochsenfleisch per Pfd. 6670 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 5660 Pf., Kalbfleisch 54 56 Pf., Schweine⸗ fleisch 62 64 Pf., Hammelfleisch 6670 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 7.509.00, Zwiebeln per Ctr. M. 5 7.

Frankfurt, 26. Febr. Frankfurter Produktenbörse. (Offizielle Notrungen.) Wetzen still, eff. hiesiger und Wetterauer M. 20., fremder M. 20 23.50, per diesen Monat M. 20., ggen still, effeetiv hiesiger M. 14, fremder M. 1600.00, per diesen Monat M. 14., Gerste still, effeetiv hiesige und Wetterauer M. 1718., fremde M. 18 20., Hafer still, effeetiv hiesiger M. 12.50, fremder M. 12 13.25, per diesen Monat M. 12.25. Rüböl still, effeetiv ohne Faß hiesiges in Parthien von 50 Ctr. M. 41. Branntwein eff. ohne Faß M. 46. Mehl Nr. 1 M. 38, Nr. 2 M. 36, Nr. 3 M. 31, Nr. 4 M. 27, Nr. 5 M. 24. Roggenmehl/(Berl. Marke) 715 22.50 23, J.(Berl. Marke) M. 20.50 21, II. do.

. 18-19.

Frankfurt, 26. Febr. Viehmarkt. Es waren zugetrieben ca. 280 Ochsen, i. Qual. per Ctr. Schlacht- gewicht M. 70, 2. Qual. M. 65 66. Für Kühe und Rinder wurden bezahlt 1. Qual. M. 62, 2. Qual. M. 50. Zugetrieben waren etwa 250 Stück. Für die vorhan⸗ denen 18 Bullen wurden je nach der Waare M. 45 bis 52 gemacht. In Kälbern blieb das Geschäft ungeachtet des nicht hohen Antriebs etwa 250 Stück mochten am Platze gestanden haben gedrückt und konnte für Primawaare über M. 5560 nicht erreicht werden, ge⸗ ringe Sorte wurde von M. 4550 gehandelt. Von Hämmeln waren nur Prima Wollhämmel, 150 zuge⸗ bracht, die bei lagsamem Geschäft nicht unter M. 70 abgelassen wurden.

Mainz, 27. Febr. Das Getreide-Geschäft verlief vorige Woche in ruhiger aber fester Haltung bei wenig veränderten Preisen. Wir notiren: Waizen M. 17.50 bis 23.50, Korn M. 15.25 15.50, Gerste, pfälzische, M. 13.50 13.75, fränkische M. 13.50 14.50, Hafer M. 12.25 14.50. Hülsenfrüchte wurden bezahlt: Bohnen M. 26.50- 32.50, Erbsen M. 2732, Linsen M. 28.60 bis 34.00.

Einer Bekanntmachung der Oberpostdirection zufolge, gehören zu denjenigen Ländern, deren Postverwaltungen zur Zeit keine Ersatzpflicht übernehmen: Die Vereinigten Staaten von Nordamerika, die Argentinische Republik Brasilten, Canada, Ecuador, Guatemala, Honduras, (Republik), Liberia, Mexiko, Paraguay, Peru, Salva dor, San Domingo, Uruguay und Venezuela. Die Postverwaltungen von Costa Rica und Nicaragua haben bisher eine hierauf bezügliche Erklärung nicht abgegeben.

Brodpreise vom 1. bis 16. März. Nach eigener Angabe der Bäcker.

Für Friedberg, Bad-Nauheim und Butzbach

unverändert.

Fleisch⸗ ꝛc. Preise vom 1. bis 16. März. Nach eigener Angabe der Metzger. Für Friedberg, Bad-Nauheim und Butzbach

unverändert.

Alice-⸗Frauenverein für Krankenpflege zu Friedberg.

Durch Beschluß des unterfertigten Comités ist die Vergütung für Dienstleistungen der Vereinspflegerin mit Wirkung vom 1. März l. J. an, wie folgt festgesetzt worden und zwar für:

1. Vereinsmitglieder mit dem Wohnorte Friedberg für eine Tag⸗ oder Nachtpflege je 1 Mark ohne Verköstigung der Pflegerin;

2. Nichtmitglieder mit demselben Wohnorte je 1 Mark 50 Pf. ohne Verköstigung;

3. Vereinsmitglieder außerhalb Friedbergs je 1 Mark mit Verköstigung der Pflegerin und Ersatz der Reisekosten für die Hin- und Rückfahrt;

4. Nichtmitglieder außerhalb Friedbergs je 1 Mark 50 Pf., Verköstigung und Ersatz der Reisekosten;

5. Geringer Bemittelte erhalten auf Nachsuchen Ermäßigung;

6. Unbemittelte werden unentgeltlich verpflegt.

Bei längerer Krankheitsdauer kann auch den unter Ord.⸗Nr. 14 aufgeführten Personen auf Anstehen das Pfleggeld ermäßigt werden.

Gesuche sind an die Präsidentin des Vereins, Frau Dr. Trapp, oder deren Stellvertreterin, Fräulein Hilda Dieffenbach, zu richten.

Seitens der Herren Aerzte kann directe Requtsition der Pflegerin erfolgen.

Friedberg am 26. Februar 1883.

Das Comité des Alice-Frauen vereins für Krankenpflege zu Friedberg.

Jeraelitischer Gottesdienst in Friedberg. Sabbathfeier vom 3. März 1883. Beginn:

Freitag Abends 5 Uhr 10 Min. Samstag Morgens 8 Uhr 15 Min. Samstag Nachmittags 3 Uhr 30 Min. Sabbathausgang 6 Uhr 35 Min. Wochengottesdienst von Sonntag den 4. März an Morgens Uhr, Nachmittags Uhr. Freitag den 9. und Samstag den 10. März 1883: Neumond ⸗Weadar.

Oeffentliche Aufforderung.

Ansprüche an das in der Gemarkung Kaichen gelegene, dem Karl Stoll und Ehefrau, geb. Treß, zugeschriebene Grundstück, Flur 11. Nr. 122(Acker), sind sogewiß binnen 4 Wochen dahier anzumelden, gegenfalls dem Antrage auf Löschung der Vormerkungbeschränkt bei diesem Stück stattgegeben werden wird.

Friedberg, 19. Februar 1883.

Großherzogliches Amtsgericht Friedberg. Sellheim.

718 Weber. Sch 1 ler welche in Gießen das Gymnasium S u oder die Realschule besuchen sollen, finden daselbst in der Familie eines akademisch gebildeten Mannes liebevolle Aufnahme und sorgfältige Pflege. Regelmäßige Beaufsichtigung der bäuslichen Schularbeiten mit Nachhülfe, wo erforderlich. Am Haus großer Garten mit Turngeräthen.

Nähere Auskunft ertheilt Herr Bürgermeister C. Striba in Friedberg. 749

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