Ausgabe 
28.2.1882
 
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Stuttgart, 25. Febr. Der König ist heute in Florenz angekommen. Wichtigere Re gierungs- Angelegenheiten werden ihm nachge sendet, die sonstigen werden in königlicher Voll macht durch das Staatsministerium unter Vor sitz des Prinzen Wilhelm erledigt.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 24. Febr. Der Zollausschuß des Abgeorduetenhauses lehnte mit 12 gegen 8 Stimmen den Autrag Plener's, über den Entwurf der Finanzzölle zur Tages ordnung überzugehen, ab und nahm die Re gierungsvorlage unverändert an. Der Finanz minister führte aus, die Vorlage sei ein Com⸗ promiß mit Ungarn; die Herstellung des Gleich gewichts erfordere eine rasche und ausgiebige Vermehrung der Staatseinkünfte. Das Ab⸗ geordnetenhaus nahm trotz heftiger Opposition der Verfassungspartei das Sperrgesetz, wodurch der Kaffeezoll ab 1. März um 60 Procent er höht wird, mit 151 gegen 144 Stimmen an.

25. Febr. Das Abgeordnetenhaus nahm in seiner Abendsitzung unter Ablehnung des Minoritätsantrages auf Uebergang zur Tages ordnung in der Specialdebatte den Gesetzentwurf betr. die Erhöhung der Finanzzölle nach einem lebhaften Zwischenfalle, der durch die Erklärung der Triester Abgeordneten hervorgerufen wurde, daß sie in Erwartung der Befriedigung der Triester Wünsche für die Vorlage stimmen werden, unverändert an.

An der Börse geht das Gerücht, der österreichische Gesandte in Montenegro, Thoem mel, sei abberufen worden.

Frankreich. Marseille, 25. Febr. In Besseges durchzogen gestern und vorgestern Hunderte von Arbeitern mit einer rothen Fahne, die Marseillaise singend, verschiedene Quartiere und zwangen die Kameraden zur Arbeitseinstellung. Die Fabriken, in denen sie arbeiteten, wurden mit Steinwürfen angegriffen und von den Ruhe störern besetzt. Es wurden Truppen aus Nimes requirirt, welche mit aufgepflanztem Bayonnet durch die Quartiere patroullirten. Die Arbeits⸗ einstellung war letzten Sonntag beschlossen wor⸗ den, nachdem der Pariser Socialistenführer Fournier die Arbeiter durch Brandreden auf⸗ gewiegelt hatte.

Großbritannien. London, 23. Febr. Unterhaus. Dilke antwortet auf eine Anfrage von Schreiber: Er habe keine Juformation, daß Rußland Offiziere beurlaube, damit sie in die Herzegowina gehen können. Wolff fragt an, ob eine Störung der friedlichen Beziehungen zwischen Rußland, Deutschland und Oesterreich befürchtet wird und ob die Regierung Schritte gethan oder zu thun gedenke, um eine so ernste Talamität abzuwenden. Dilke antwortet, die Regierung befürchte eine solche Störung nicht, daher sei keine Gelegenheit für die von Wolff angeregten Schritte. Ferner theilt Dilke mit: falls die französischen Kammern die Vorlage be⸗ treffs Behandlung englischer Producte auf dem Fuße der meistbegünstigten Nation annähmen, werde der jetzige Handelsvertrag bis zum 15. Juni verlängert, andernfalls trete der Generaltarif für England am nächsten Dienstag in Kraft.

DemObserver zufolge erkennt das Cabinet die Nothwendigkeit der Motion Glad stone's, betr. die Landacte, an. Gegenwärtig finden informatorische Unterhandlungen zwischen einflußreichen Mitgliedern beider Parteien statt, behufs Abwendung eines Conflicts beider Häuser.

Serbien. Belgrad, 25. Febr. General Tichomir Nikolic ist zum Kriegsminister ernannt worden.

Rußland. Petersburg. Für die in und um Petersburg liegenden Gardetruppen und das Donische Kosaken⸗ Regiment sind mehrtägige Uebungs⸗Märsche verordnet. Sie sollen am 27. Febr beginnen und bis zum 24. März dauern.

24. Febr. DerAgence Havas zu⸗ folge ist Skobelff gestern von Paris nach Genf abgereist und beabsichtigt, morgen über München und Prag nach Petersburg weiterzureisen.

Der Stadthauptmann Tuholka zu Odessa ist an Stelle Kotschaloff's zum Director des Zolldepartements ernannt. Kotschaloff ist dem Finanzminister zur Verfügung gestellt. Zum russischen Militär-Agenten in London ist General Major Lantz ernannt.

DieNordd. Allgem. Ztg. reproducirt einen Artikel des russischen BlattesNeue Zeit über die Bedeutung der Skobeleff'fchen Rede und hebt hervor, daß der Artikel von einer Zeitung gebracht werde, die ein Organ Igna tieff's ist und daß es um so auffälliger sei, als der Artikel in seinen Umsturz-Tendenzen sich auch gegen das russische Kaiserthum richte. Wenn die Russen Attila und Tamerlan spielen wollten, sei nicht anzunehmen, daß dies unter der Führung der Dynastie geschehen solle. DieNeue Zeit nenne auch nicht den Kaiser Alexander, sondern Skobeleff ihren Attila und eine gleiche Tendenz hatte die Rede Skobeleff's für Jeden, der zwischen den Zeilen zu lesen versteht.

Amerika. Washington. Der Präsident ernannte den früheren Senator Conkling zum Richter beim obersten Gerichtshof, den früheren Senator Sargent zum Gesandten in Berlin. 25. Febr. Das Haus der Repräsentanten nahm eine Resolution an, nach welcher der Rechtsausschuß instruirt ist, die Insinuationen zu prüfen, daß gewisse Gesandte in unzulässiger Weise an Geschäften in Peru betheiligt und interessirt seien. Documente, die hierüber auf⸗ gefunden, sollen dem Staats-Departement vor behalten bleiben.

Afrika. Tunis, 26. Febr. Es cursiren Nachrichten, wonach sich wieder mehrere Stämme an der südlichen Grenze von Tunis empört hätten. Dieselben hätten mehrere andere Stämme gezwungen, sich anzuschließen, und die Stadt Hamma zerstört, weil sie sich weigerte, sich der Empörung anzuschließen.

Aus Stadt und Land.

Friedberg, 23. Febr. Der gestern und heute hier stattgehabte Pferdemarkt war von nah und fern zahlreich besucht und auch viele Pferde dem Markte zugeführt, insbesondere waren in diesem Jahre schwere Arbeits⸗ pferde mehr am Platze, als auf früheren Märkten. Im Ganzen war der Umsatz im Hinblick auf die Futter⸗ verhältnisse zufriedenstellend. Die Preise waren gegen diejenigen des Herbstmarktes unverändert. In Luxus⸗ pferden war der Handel schwach, schöne Exemplare wurden zu hohen Preisen, wie man sagt zu 1600 M.., abgesetzt. Junge Arbeitspferde zu 900.1200 M., geringere je nach Alter und Beschaffenheit billiger. Die projectirten neuen Pferdeställe werden bis zum künftigen Herbste wohl fertig gestellt sein und dann zur Hebung des Marktes noch vieles beitragen.

Kirch⸗Göns, 25. Febr. In einer, nahe der Wohn⸗ ung des Bürgermeisters Weber stehenden Scheune war gestern Nachmittag Feuer ausgebrochen. Dank der rasch auf der Brandstätte erschienenen hiesigen Feuerwehr gelang es, beguͤnstigt durch das Freistehen der Scheune, das Feuer an der weiteren Ausdehnung zu verhindern und somit den Brand ohne auswärtige Hülfe zu löschen.

e. Harheim. Am 5. Dezember v. J. kehrte der 46jährige ledige Sohn einer hier wohnenden Wittwe nach langjähriger Abwesenheit aus Amerika unverhofft zurück. Man hatte ihn längst fur todt gehalten, und das Wiedersehen mit seinen zu Haus sich befindenden 3 Ge⸗ schwistern war kein freudiges, als der verloren geglaubte Bruder sein ihm zustehendes Vermögen verlangte. Die zärtlichen Verwandten sperrten den Unglücklichen vom 5. Dezember v. J. bis zum 8. Februar d. J. in einem Kellerraum und später in einer dunkelen Kammer ein, in welch letzterer das Fenster mit Brettern cara war, und setzten ihm schlechte und mangelhafte Nahrung vor. An Schlägen hat es ihm auch nicht gefehlt und ist es ein wahres Wunder, daß die Nach barschaft Nichts gemerkt hat. Am 8. Februar gelang es dem Unglücklich en nun zu entkommen. Er ltef sofort zur Buͤrgermeisterei, machte die Anzeige, und ist bereits die Staats anwaltschaft aus Gießen hier gewesen und hat die Untersuchung ein⸗ geleitet. Der eingesperrt Gewesene ist bei einer anderen Familie in Pflege gegeben worden. Auf den Ausgang der Sache ist man natürlich hier sehr gespannt.

Mainz, 25. Febr. In einem heute Vormittag von Frankfurt kommenden Personenzuge erblickte in einem Coupé 3. Classe ein junger Weltbürger das erste Licht. Eine von der Station Bischofsheim aus telegraphisch in den hiesigen Bahnhof gerufene Amme von hier traf recht⸗ zeitig ein und leistete der jungen, sehr armen Mutter den ersten Beistand. Auch vor dem Gauthor begrüßte gestern Nachmittag ein Mädchen den ersten Tag seines Lebens. Beide Mutter wurden hier in Pflege gegeben.

Allerlei.

Cöhn, 25. Febr. Vorgestern Vormittag traf der

um 7 Uhr 50 Minuten fällige Berliner Courierzug, den

mehrfaches Mißgeschick betroffen hatte, hierselbst mit einer Verspätung von 3 Stunden 25 Minuten ein. Auf der Lüneburger Haide bet Meinersen waren die Geleise in Folge Entgleisung elnes Güterzuges gesperrt, gewesen,

so daß die Passaglere hatten umsteigen müssen. In Minden war ein Wagen erster Classe in Brand gerathen, weswegen die betreffenden Passagiere abermals umsteigen mußten. Zwischen Ahlen und Hamm hatte sich die Achse an dem Postwagen entzündet, weshalb die Postsachen umgeladen werden mußten. In Deutzerfeld endlich mußte der Zug halten, weil daselbst die verstümmelte Leiche eines Bremsers, der in Folge eines Fehltritts von einem eben vorbeigefahrenen Güͤterzuge gefallen, überfahren und getödtet worden war, auf der Straße gefunden wurde.

Berlin, 24. Febr. Den Morgenblättern zufolge entstand das Feuer im Güterschuppen des Stettiner Bahn⸗ hofs in der Nacht zum Mittwoch durch die Explosion einer Höllenmaschine, welche von einem hiesigen Agenten in einer angeblich Sammt, Federn und Pelzwaaren ent⸗ haltenden, hoch versicherten Kiste aufgegeben war. Der Attentäter ist verhaftet.

Bochum. Die Sittlichkeitsverbrechen in hiesiger Gegend dauern fort; es ist ein entsetzlich beängstigendes Gefühl, welches die Bevölkerung fortwährend in Athem hält. Unlängst wurde in der Nähe des bei der Zeche Alma gelegenen Grolmann'schen Gehöftes auf die 15jährige Hermine Becker ein unsittliches Attentat ver⸗ sucht. Laut Bekanntmachung der k. Staatsanwaltschaft ist auf die Ermittelung des Strolches eine Belohnung von 300 Mark gesetzt. Am 14. d. Mts. wurde derG. Z. zufolge ein 17jähriger Bursche aus der Sophienau, der am Samstag auf ein 16jähriges Mädchen in der Nähe des zweiten Schachtes der ZecheKonsolidation ein Attentat versucht hatte, verhaftet und mit dem Mädchen confrontirt, das ihn bestimmt als den Thäter erkannte.

Wien, 23. Febr. Die Anklage im Ringtheaterprozeß richtet sich gegen den früheren Vürgermeister Newald, Direktor Jauner, Polizeirath Landsteiner, Feuerwehrbe⸗ amte und Arbeiter. Das Delikt ist: Vergehen gegen Lebenssicherheit. 226 Zeugen sind aufgerufen. Sensation macht, daß Newald die Hauptperson der Anklage ist. Heute wurde sämmtlichen acht Angeklagten im Ringtheater⸗ prozesse die Anklageschrift zugestellt.

Newyork, 23. Febr. In mehreren Theilen des Staates Mississippi ist in Folge großer Ueberschwemm⸗ ungen Nothstand ausgebrochen. Ein Flächenraum von 150 Meilen Länge und 40 Meilen Breite steht unter Wasser; die Bevölkerung besteht größtentheils aus Negern.

Gerichtssaal.

Altenstadt. Donnerstag den 2. März, Vormittags 9 Uhr, findet eine Schöffengerichtssitzung dahier statt und kommen folgende Fälle zur Verhandlung: 1) Straf⸗ sache gegen Heinrich Dort von Höchst a. N. wegen Sach⸗ beschädignng; 2) Strafsache gegen Wilhelm Stroh von Lindheim wegen Gewerbsteuer⸗Contravention; 3) Straf⸗ sache gegen Jakob Schilling von Hainchen wegen Bettelns; 4) Strafsache gegen Kaspar Reutzel von Gelnhaar wegen Bettelns; 5) Strafsache gegen Johannes Hinkel II. von Hainchen wegen Bettelns; 6) Strafsache gegen Valentin Gonz von Hammelbach wegen Diebstahls; 7) Privatklage⸗ sache des Bauaufsehers Mettenheimer in Ensheim gegen Heinrich Eckel II. von da wegen Beleidigung.

Verloosungen. Nassauische fl. 25 Loose vom Jahre 1837. Ziehung vom 1. Februar 1882. Heimzahlung am

1. Mai 1882. Nr. 58476 fl. 15000. Nr. 97333 fl. 3000. Nr. 55565 fl. 2000. Nr. 43190 fl. 1000. Nr. 25404 51797 à fl. 400. Nr. 12791 55856 à fl. 200. Nr. 19081 49386 à fl. 100. Nr. 7576 10293 955 13297 18870 20812 49289 51455 55786 57676 59133 61865 63077 66241 70005 74940 78805 82668 85060 87615 à fl. 65. Nr. 266 1026 359 2397 995 4797 5246 7017 9459 10186 11170 15499 771 17162 18731 19626 20792 23297 352 24192 28245 31682 36763 38914 3951 40294 47677 48284 49060 509 51245 383 875 52657 54760 57423 59221 60604 66528 67338 71110 834 72855 74692 75398 610 76876 80089 330 401 419 82056 148 733 997 85568 570 91787 906 92372 952 93207 95121 742 96115 550 98199 470 100118 102016 à fl. 55. Die weiteren Nummern, für deren Aufführung uns der Raum fehlt, liegen auf unserem Bureau zur Einficht offen.

3 Ct. Stadt Hamburg Thlr. 50-Loose von Jahre 1866. Serien- und Gewinn- Ziehung vom 1. Februar 1882. Heimzahlung am 1. Marz 1882, Serien: Nr. 120 154 323 632 633 941 1072 1077 1121 1282 1475 1597 1636 1829 1883 2158 2188 2359 2411 2519 2545 2635 2924 2967 3109 3328 3359 3400 34023416 3432 3965. Gewinne: S. 1883 Nr. 22 105,000 M. S. 2967 Nr. 15 15,000 M. S. 1636 Nr. 5, S. 3109 Nr. 21, S. 3328 Nr. 8 3000 M. S. 1597 Nr. 21, S. 1883 Nr. 7 S. 3109 Nr. 25, S. 3359 Nr. 8 4 1500 M. S. 120 Nr. 20, S. 2158 Nr. 22, S. 2545 Nr. 14, S. 2635 Nr. 15, S. 3402 Nr. 10* 1200 M. S. 1475 Nr. 2 S. 1636 Nr. 18, S. 1883 Nr. 24, S. 2188 Nr. 18, S. 3432 Nr. 22 à 600 M. Auf alle übrigen in vor stehenden Serien enthaltenen und hier nicht aufgeführten Nummern entfällt der geringste Gewinn von 1 9 M.

K. k. priv. Kaiserin Elisabeth⸗Prloritäten. Verloosung der Emissionen aus den Jahren 1860, 1861 1862 am 1. Februar 1882. Gezogen wurden nachfolgende 25 Serien: 68 131 241 352 399 449 469 472 656 770 810 1035 1048 1481 1340 1420 154 1580 1628 1642 1648 1712 1797 1850 1980, deren jede enthält:

22 2

8. Stuck Obligationen mit Nr. 12 3 19 20 21 22 23

Ziehung 613 10 292 2 4270 1 118 9992 40

N. 9.