Ausgabe 
19.10.1882
 
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Prag. Die Schritte, welche geschehen, um den durch die czechische Antrittsrede des neuen Bürgermeisters entstandenen Conflikt beizulegen, besonders die zweite Rede des Bürgermeisters, durch welche er den mit seiner ersten Rede be⸗ gangenen Fehler gut zu machen suchte, werden auf Einflüsse der Regierung zurückgeführt, die eine Zuspitzung der entstaudenen Mißstimmung zu weiteren Reibungen umsoweniger aufkommen lassen wollte, als die czechischen Blätter Miene machten, den Conflikt zu antisemitischen Hetzereien zu benutzen.

Pilsen. Wie ein hiesiges Czechenblatt meldet, werden neuestens im ganzen Rokytzaner Bezirke czechische antisemitische Plakate verbreitet, welche die Bevölkerung auffordern, jeden geschäftlichen und privaten Verkehr mit den Juden abzubrechen.

Dänemark. Kopenhagen, 14. Oct. Der König ist heute früh über Lübeck nach Gmunden zum Besuche des Herzogs von Cumberland abgereist.

17. Oet. Der Folkething nahm mit 74 gegen 10 Stimmen die Resolution gegen das Einfuhrverbot von Hornvieh aus Schweden an. Der Minister des Innern erklärte im Voraus, er könne die Resulotion in dieser Form nicht annehmen und gab abermals die Versicherung einer späteren Aufhebung des Ver bots ab, jedoch mit Uebergangsbestimmungen.

Frankreich. Macon, 17 Oct. In Mont⸗ ceau⸗les⸗mines sind mehrere Führer der dortigen neuen Bewegung verhaftet worden. Die bezüg lichen Maßregeln und die Raschheit bei der Ausführung derselben haben ihre Wirkung nicht verfehlt; man hofft, daß jeder Versuch einer neuen Ruhestörung unterbleibt.

Großbritannien. London. DieTimes erfahren, falls die egyptischen Behörden nicht gehörige Vorkehrungen treffen, um Arabi einen unparteiischen Prozeß zu sichern, dürfte die britische Regierung die Stellung Arabi's unter englischen Gewahrsam verlangen.Daily News erfährt, die Regierung der Cap-Colonie habe beschlossen, dem Parlament des Caplandes die Zurückziehung der Colonial-Behörden aus dem Basutolande anzuempfehlen.

Dublin, 16. Oct. Gestern Morgen wurde auf eine vor der Kaserne im Brabazon-Park stehende Schildwache geschossen. Der Soldat ist tödtlich verwundet und dürfte nicht wieder

aufkommen. Verhaftungen haben noch nicht stattgefunden. 17. Oct. Die irische nationale Con

ferenz, welche Parnell als Vorsitzenden wählte, ist heute zusammengetreten und hat die Bildung einer irischen nationalen Liga beschlossen.

Türkei. Constantinopel. Die Pforte hat an die Gouverneure in Albanien den Befehl er gehen lassen, die in dieser Provinz von Emir Pascha, einem Bosnier, unternommenen Werb ungen albanesischer Muselmanen für die in Egypten zu bildende Gendarmerie einzustellen. Von hier meldet man neue gegen Eugland gerichtete Intriguen von Seiten Mahmud Edim und Assym Pascha's Der Sultan soll sehr erbittert gegen den Khedive sein und Arabi's Verurtheilung zum Tode verhindern wollen. Eine Deputation aus dem Libanon überreichte der Pforte und den Botschaftern eine gegen die Verwaltung Rustem Pascha's gerichtete Be schwerdeschrift.

17. Oct. Achmed Vefik, Gouverneur von Brussa, wurde heute abgesetzt, weil er die Befehle der Pforte nicht befolgte. Die Absetz ung wird hier als ein Beweis dafür angesehen, daß der Premierminister entschlossen ist, energisch vorzugehen.

Rumänien. Bukarest. Bezüglich des ru mänischen in der Kiliafrage gethanenen Schrittes wird darauf aufmerksam gemacht, daß die ru mänische Regierung nicht ein Rundschreiben an die Cabinette erlassen habe, sondern nur ihre Vertreter die erwähnte Frage bei den verschie denen Cabinetten zur Sprache gebracht hätten.

Egypten. Kairo. Von hier wird ge meldet, daß Riaz Pascha nicht zugeben will, daß

Er drohte, in diesem Falle seine Entlassung ein zureichen. Die Minister genehmigten die Re⸗ organisationspläne Baker Pascha's.

Der britische Generalconsul Malet erhielt eine Note des Ministeriums, in welcher darauf hingewiesen wird, daß eine strenge Bestrafung der Rebellen für die Aufrechterhaltung der Ord nung nothwendig sei. Es würde gefährlich sein, den Prozeß gegen die Rebellen hinzuschleppen und man dürfe nicht ein Verfahren anwenden, welches für orientalische Länder unzulässig sei. Alexandrien, 16. Oct. In Folge von Ge⸗ rüchten über eine besondere Aufregung der Be völkerung wurden gestern Abend die Straßen von Patrouillen durchzogen; Ruhestörungen haben nicht stattgefunden.

Aus Stadt und Land.

Griesheim, 14. October. Durch den anhaltenden Regen glich unsere Gemarkung gestern einem See. Die Personenzüge, welche am Abend hier passirten, fuhren 1 Fuß hoch durchs Wasser und konnten nur mit größter Vorsicht die Strecke passiren. Es wurde die Nacht über gearbeitet, um etwaige Schäden auszubessern. Bei einem am 12. Oetober Abends durch Blitz entstandenen Feuer in Groß⸗Niedesheim sind dem dortigen Oeconomen Müller ca. 600 Haufen Frucht, 200 Centner Zwiebeln, 2 Scheunen, 3 Stallungen, 1 Schuppen und sämmtliche Oeconomiegeräthe verbrannt.

Allerlei. Bremerhafen, 15. Oct. Ein auf dem Lloyd⸗ dampferFrankfurt entstandenes Feuer ist nach ange⸗ strengten Bemühungen noch gestern Abend gelöscht worden. Der Schiffskörper ist durch das Feuer, die Ladung durch das eingedrungene Wasser stark beschädigt. Eil bei Wahn, 14. Oct. Heute Vormittag explo⸗ dirte hier auf der unserem Dorfe nahe gelegenen, einer englischen Gesellschaft gehörenden Dynamitfa brik mit einem fürchterlichen Knall eine Werkhütte, wobei drei in derselben beschäftigte Menschen zerrissen und weit weggeschleudert wurden. Einer derselben war Bater von sechs Kindern. Libau, 16. Oet. Der Stettiner Dampfer Orpheus, nach Petersburg mit Stückgütern bestimmt, ist Sonntag Nacht bei Steinsort(Curlandsküste) gestrandet. Die Mannschaft ist gerettet, der Vorderraum wurde voll Wasser von dem Bergungsdampfer angetroffen. Paris, 13. Oct. Auf der hiesigen Post wurden wieder acht eingeschriebene Briefe im Werthe von über 5000 Franes gestohlen. Ein junger Mann wurde als verdächtig verhaftet. Petersburg, 16. Oet. Heute Nacht waren hier⸗ selbst 4 Grad Kalte, ebenso in Astrachan; in Nischny⸗ Nowgorod und Kostrowa steigerte sich die Kälte bis zu 10 Grad. Die Wolga-Schifffahrt wurde frosteshalber sistirt, bei Schlüsselburg ist der alte Canal eingefroren, die Schifffahrt gänzlich eingestellt.

Gerichtssaal.

Bad⸗Nauheim. In der Donnerstag den 19. Oet. Vormittags 9 Uhr stattfindenden Schöffengerichtssitzung kommen folgende Fälle zur Aburtheilung: 1) gegen Wil⸗ helm Wagner von Griedel, wegen Widerstands, Drohung und Ruhestörung; 2) gegen Johannes Büttner von Rüddingshausen, wegen Diebstahls, Bettelns und Ruhe⸗ störung; 3) gegen Georg Mathes von Nieder Mörlen, wegen Beleidigung und Drohung; 4) gegen Heinrich Hensel 1. von Rödgen, wegen Beleidigung; 5) die Privatklagesache des Anton Rühl von Nieder Mörlen gegen den Hülfsbahnwärter Konrad Nikolai von Ober- Mörlen, wegen Beleidigung.

Reichspapiergeld.

Wie unser neues Papiergeld gefertigt wird, darüber belehrt uns am Besten ein Gang durch unsere Reichsdruckerei in dem prächtigen Neu⸗ bau, welchen der Director der Reichsdruckerei, Geheimrath Busse, nach eigenen Plänen her⸗ richten ließ und dessen in Rohbau ausgeführte, maßvoll gehaltene und vornehm durchgebildete stattliche Facade das Haus zu einem der sehens⸗ werthesten Berlins macht. Hier befindet sich die Reichsdruckerei, welche vor wenigen Jahren aus einer Verschmelzung der ehemaligen preuß⸗ ischen Staatsdruckerei mit der Decker'schen Ge⸗ heimen Hofbuchdruckerei entstanden ist und die vom Generalpostmeister ressortirt. Hier werden die sämmtlichen Postwerthzeichen Norddeutsch⸗ lauds, die gesammten Reichskassenscheine und Reichsbanknoten, sowie die Staatsschuldverschreib⸗ ungen hergestellt; hier entstehen das amtliche Postkursbuch, die Patentschriften, die Unmasse der Neudrucke der verstaatlichten Eisenbahnaktien. Ein halbes Tausend Menschen arbeitet in der Reichsdruckerei, deren Betrieb eine außerordent

Arabi durch englische Anwälte vertheidigt wird.

liche Disciplin erfordert; handelt es sich doch

um die tägliche Herstellung von Millionen von

Werthzeichen und Werthpapieren. Am intere ssantesten ist natürlich die Herstellung der Kassen⸗

scheine und Banknoten, und diese wollen wir einmal betrachten. Wir haben ein passe- partout,

wir dürfen unbehelligt durch alle Säle schreiten. Im Augenblicke findet der Druck der bekannten neuen 50-Markscheine und die Vorbereitung für Anfertigung der neuen 20, 100- und 10003 Marknoten statt, für welche sämmtlich ein mit lokalisirten Pflanzenfasern durchsetztes Papier verwendet wird, das man unter Controle der Reichsdruckerei nach einem patentirten Verfahren herstellt. Nach gegebenen Zeichnungsvorlagen die für die neuen Scheine sämmtlich von

Professor Sohn in Düsseldorf herrühren und

deren Vervielfältigung vom Kaiser mittelst Aller⸗ höchsten Erlasses vom 18. Dezember genehmigt ist werden die beiden Kupferplatten für die Vorder⸗ und Rückseite der Scheine von be währten Kupferstechern der Reichsdruckerei ge fertigt. Und wenn dann der Nupferstecher sein mühsames Werk beendet, gelangen die Platten in die Hände des Guillocheurs. Die bedeut samsten und für den Fälscher unüberwindlichen

Beigaben sind nämlich die Zierrathen, besonders

diejenigen in gewundenen Zügen(Guillochés), die gemusterten Flächen, Sterne und Rosetten, welche der Guillocheur mit einem Diamantstift und mittelst eines complicirten Räderwerks in mathematisch genauer Linie und Bogen auf die Kupferplatte zaubert. Dieser Schmuck der Kupfer⸗ platte läßt sich auch von dem allergeübtesten Kupferstecher mit der Hand nicht nachahmen und ebensowenig zum zweiten Male mit der Guillo⸗ chirmaschine. Die fertigen beiden Original⸗ platten werden nun für den Druck der Scheine selbst nicht verwendet. Hierzu dienen die Copien der Platten, welche in der galvanoplastischen Abtheilung auf mechanischem Wege vervielfältigt werden. Diese Platten gelangen in die Kupfen⸗ druckerei, werden hier mit blauer oder brauner Farbe eingerieben, mit Papier belegt und, immer zu 8 übereinander geschichtet, unter eine hydrau⸗ liche Presse geschoben, deren ganz bedeutende Kraft in wenigen Sekunden den Druck bewirkt, Die frischen Scheine, immer zu vier auf einem Bogen zusammenhängend, erblicken das Tages licht und werden in der Trockenkammer von jungen Mädchen sorgfältig an hohen Regalen aufgehängt. Dann gelangen die Bogen in die Buchbinderei zum Beschneiden. Noch fehlt den Scheinen für die Ausgabe die Nummerirung. Früher erhielten sie diese sofort nach dem Be⸗ schneiden; jetzt ist ein anderes Verfahren ein geführt. Die Scheine werden nämlich jetzt unnummerirt der Staatsschuldenverwaltung über geben und erhalten den letzten Druck der Nummer erst im Controlzimmer dieser Behörde in Gegenwart von den höheren Controlbeamten und mittelst einer überaus interessanten Maschine, welche von einem Berliner Beamten construirt und erbaut wurde. Ganz ähnlich wie der Druck der Bankactien und Kassenscheine geschieht der Druck der Postmarken, Stempelmarken, Post⸗ couverts und Postkarten. Couvertpressen, jede von einem jungen Mädchen bedient, liefern in unglaublich kurzer Zeit fertig gefalzte und gum! mirte Couverts, denen vorher das betreffende Werthzeichen aufgedruckt ist. Zu Postkarten, für welche um nur ein Beispiel anzuführen täglich etwa 40 Centner Papier bedruckt werden, wird absolut holzstofffreies Papier ver⸗ wendet. Ganz besonders interessant ist das Gummiren der Freimarken. Dasselbe geschieht bogenweise vor dem Aufdrucken des Werth⸗ stempels. Die späteren Freimarkenbogen laufen durch eigens hierfür construirte Maschinen, in denen mächtige Pinsel den Klebestoff aufstreichen, Die nassen Bogen wandern dann weiter

immer unterfreundlicher Bedienung sehr

hübscherGummimädchen auf die Trocken⸗ gerüste und gelangen von dort zur Kupfer⸗ druckerei. Wenn unsere Leser berücksichtig el,

erforderlich ist, so können

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daß täglich etwa 1 Centner Gummi-Arabicum sie sich einen Begriff