Ausgabe 
18.7.1882
 
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in Pflege gegeben werden. Friedberg den 17. Juli 1881.

l a Bekäfnrmaäach ung. i Ein 68 Jahre alter, arbeitsunfähiger Mann soll im Wege der öffentlichen Armenpflege bei einer geeigneten braven Familie en Anmeldungen wollen bei Großherzoglichem Kreisamt eingereicht werden.

Ankauf von Stutfüllen 1882.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg. J. V.: Dr. v. Gemmingen.

Der Unterzeichnete macht die Landwirthe der Provinz Oberhessen wiederholt darauf aufmerksam, daß noch bis zum 31. dieses Monats Anmeldungen für Mitbezug von Stutfüllen Norddeutscher oder Ardenner Race erfolgen können, und weißt darauf hin, daß ein solcher Mit bezug um deßwillen ein besonders vortheilhafter ist, weil die jungen Thiere durch eine sachverstaͤndige Commission des Pferdezuchtvereins ange⸗ kauft und um deßwillen verhältnißmäßig billiger zu beziehen sind, weil aus Staatsmitteln 1500 Mark zur Deckung der Unkosten zugeschossen werden. Der Präsident des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen.

Friedelhausen am 14. Juli 1882.

Ausschreiben.

Adalbert Freiherr Nordeck zur Rabenau.

Um Auskunft über den derzeitigen Aufenthaltsort der Anna Plank von Kalkheim, Amt Königstein, wird ersucht.

Friedberg den 9. Juli 1882.

Der Großherzogliche Amtsanwalt. JV Sander

Deutsches Reich.

Darmstadt. Ch. S. Larrabee wurde das Exequatur als Vicehandelsagent der Vereinigten Staaten von Amerika in Mainz ertheilt.

Militär-Dienstnachricht. Vom 1. Gr. Drag.⸗Regt. Nr. 23 wurde der Port.-Fähnrich Graf v. Castell-Rüdenhausen zum Sec.-Lieut. befördert.

Berlin, 15. Juli. In der gestrigen Sitzung des Staatsministeriums wurde die Auflösung der Berliner Stadtverordneten-Versammlung be schlossen.

15. Juli. Der preußische Gesandte beim Vatican, Baron v. Schlözer, ist heute von Rom abgereist und trifft Anfangs nächster Woche hier ein.

Mainau, 14. Juli. Der Kaiser fuhr gestern nach dem Diner mit der großherzog lichen Familie im besten Wohlsein zu Schiff nach Meersburg und kehrte am Abend hierher zurück.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Triest, 15. Juli. Nach Port Said wird in den nächsten Tagen ein österreichisches Kanonenboot abgehen.

Pest. Die Tisza-Eßlarer Geschichte ent puppt sich als eine nichtswürdige Nachahmung jener Lustmorde, die leider auch wir(im West fälischen) nahe genug haben. Die Ester Solo mossy ist von dem Schlächter in den Tempel gelockt und dort vergewaltigt worden, wobei das noch unreife Mädchen solche Verletzungen davon trug, daß der brutale Mensch sich nur sicher zu stellen glaubte, wenn er das Mädchen gänzlich beseitigte.

Frankreich. Paris, 14. Juli. Den in Alexandrien zurückgebliebenen 28 Franzoseu ge lang es, unversehrt zu entkommen.

14. Juli. Der heutigen Truppenrevue wohnten Grevy und alle Minister bei. Bei ihrer Ankunft wurden dieselben von einer großen Volksmenge mit dem Rufe: Es lebe die Repu blik! begrüßt. Die Revue verlief auf das glänzendste bei schönem Wetter. Artillerie, Chasseurs und Pompiers wurden durch Bei fallsrufe der Menge ausgezeichnet. In der Stadt herrschte ein festliches Treiben. Es fand kein Zwischenfall statt.

Aus Oran wird gemeldet, es sei Befehl ertheilt, wonach die marokkanische Grenze wieder streng bewacht werden solle.

Toulon. Gegenwärtig werden mehrere Trans portschiffe ersten Ranges seebereit gemacht, welche zum baldigen Transport von Truppen nach Egypten dienen sollen.

Großbritannien. London, 15. Juli. Der Rücktritt John Bright's, der aus dem Ministerium ausschied, weil er mit der egyptischen Politik nicht einverstanden ist, deutet darauf hin, daß das Cabinet sich zu einer energischen Politik entschlossen hat. Die Einfchiffung des nach Egypten bestimmten Armee-Corps hat begonnen.

14. Juli. Unterstaats-Secretär Dilke erklärte im Unterhaus, Arabi-Bey sei ent flohen; es sei jedoch unbekannt, wohin. Seine

Truppen sollen sich zerstreut haben. Gleulyon hat den Suez-Canal unbeschadet passirt. In Port Said liegen mehrere Dampfer, welche die Durchfahrt wagen wollen; nöthigen Falls werden die Kanonenboote sie begleiten.

Italien. Rom, 12. Juli. Die vor Syra stationirte Escadre erhielt Ordre, dampfklar zu machen, um im Nothfalle nach Egypten steuern zu können.

Türkei. Konstantinopel. Lord Dufferin ist von Carl Granville instruirt, der Conferenz zu notifiziren, daß die Flottenoperationen in Alexan drien beendet seien. Dufferin wird die Pforte ersuchen, sofort betreffs der Entsendung von türkischen Truppen nach Egypten sich schlüssig zu machen. Im Weigerungsfalle werde Dufferin der Conferenz eröffnen, daß England dazu vor bereitet sei, die Aufgabe zu übernehmen, es werde aber die Mitwirkung irgend einer anderen Macht gerne sehen.

15. Juli. Der Ministerrath beschloß, zu versuchen, ob die Lösung der egyptischen Angelegenheit ohne eine eigentliche militärische Intervention geordnet werden könne und, falls die Mächte hierauf nicht eingingen, sich zur Intervention bereit zu erklären.

15. Juli. In Folge der heute stattge fundenen Enscheidung der Conferenz überreichten die Botschafter der Mächte Nachmittags der Pforte eine identische Note, in welcher dieselbe eingeladen wird, in Egypten militärisch zu interveniren, um den status quo aufrecht zu er halten und der Anarchie ein Ende zu machen. Zu diesem Zwecke schlägt die Note der Pforte vor, mit den Vertretern der Mächte sich zu einigen, um die Bedingungen der Begrenzung der Intervention zu regeln.

Rußland. Petersburg. Wie die Nowoja Wremja erfährt, wird das Deficit des Reichs budgets von Million noch im laufenden Jahre aus den ordinären Einnahmen gedeckt werden.

Zum Gehülfen des Ministers des Innern ist der Generalmajor Orchewski, Commandeur des Gendarmeriecorps ernannt unter Belassung in seiner bisherigen Stellung.

Die Nihilisten haben einen Brief an den russischen Domänenminister Ostrowsky gerichtet, worin derselbe für den zunehmenden bäuerlichen Pauperismus verantwortlich gemacht wird.

Egypten. Alexandrien, 13. Juli. Der türkische AvisoIzzedin ist in den Hafen ein gelaufen. Der Khedive befindet sich im Palais Ramleh in einer kritischen Lage, von Soldaten umgeben, welche ihn verhindern, das Palais zu verlassen. Die Feuersbrunst breitet sich jetzt in der Richtung nach dem Hafen zu aus. Seymour hat 600 Marine-Soldaten landen lassen. Am Hafenthor stehen 180 Mann, am Arsenal 150 und am Marinathor 190 mit Geschütz zur Be wachung. Auch in der vergangenen Nacht wurden die christlichen Häuser geplündert und die Bewohner ermordet. Das Gesindel, bestehend aus entlassenen Galeerensträflingen und den beim Blutbade Arretirten, die gleichfalls freigegeben wurden, plünderte die Häuser und zündete die

Der

selben an. Seit der Landung der Marine soldaten hört man Gewehrfeuer in der Stadt, Die Verluste der Egypter müssen sehr bedeutend gewesen sein. Man schätzt dieselben auf mehr als 2000 Maun. In einem Forts wurde ein ganzes Bataillon in die Luft gesprengt. 14. Juli. Die Marine feuerte heute auf einen Theil der Küste, wo plünderndes Gesindel sich umher treibt. Der Khedive bereitet eine arabische Proclamation vor, worin aufgefordert wird, Ordnung zu halten. Der Khedive ist sammt Harem an Bord der türkischen Vacht. 500 treue Soldaten sammelten sich um ihn und folgten ihm nun. Er sagt, Arabi habe nur 4000 Mann, die nicht organisirt seien. Derwisch Pascha er klärt, wenn am Mittwoch nicht vor dem Fort Pharos ein Kriegsschiff plötzlich erschienen wäre, sei der Khedive ermordet worden. Die Feuers brunst hat das arabische Stadtviertel Marina erfaßt. Die Todten werden auf Wagen aus den brennenden Straßen herausgeholt. Ein Soldatenhaufen durchzieht mit der grünen Fahne die Straßen, im Namen des Propheten den heiligen Krieg ausrufend. Die Eingeborenen flüchten. 200 Marinesoldaten marschiren jetzt durch die Straßen und schießen vor sich her Alles nieder, was sich nicht unterwirft oder was als Meuterer erkannt wird. Admiral Seymour richtete an die Commandeure der fremdeu Flotten das Ersuchen, ihm bei der Wiederherstellung der Ordnung behülflich zu sein. Ein amerika⸗ nisches Kriegsschiff landete darauf sofort 60 Mann. Die Stadtthore werden von Marinesoldaten bewacht und Amerikaner versehen den Patrouillen dienst. Deutsche Marinetruppen beschützen das Hospital. Admiral Seymour hat die Polizei organisirt. Seymour hat erfahren, daß 9000 Mann egyptische Truppen Stellung außerhalb der Stadt eingenommen hätten, und befahl das Geschützfeuer über die Stadt hinweg auf diese Stellung zu richten. Mit Ausnahme von Arabi haben sich alle Minister im Laufe des Tags beim Vicekönig wieder eingefunden. Die meisten regulären Truppen waren während des Bom bardements desertirt. Theilweise melden sie sich jetzt wieder. 15. Juli. Schiffe aller Nationa⸗ litäten, ausgenommen österreichische und grie chische, haben heute Mannschaften gelandet. Die Maßregeln zur Herstellung der Ordnung er⸗ weisen sich als völlig wirksam. Englische Ver⸗ stärkungen werden erwartet. Der Brand dauert an einigen Stellen fort. Die Straßen sind heute ohne Escorte passirbar; die Araber, weiße Fahnen tragend, grüßen demüthig, die Kaffee⸗ häuser und Läden öffnen sich wieder. Die großen Feuersbrünste von gestern befinden sich im Ver⸗ löschen und neue sind nicht entstanden, das Ver trauen kehrt wieder. Deutsche Marinetruppen sind zum Schutze des Deutschen Consulates ge landet. Die Bevölkerung wird zur Rückkehr ermuthigt.Penelope undAlexandra sind Abends nach Port-Said abgegangen. Der Khedive hat Kherif Pascha berufen und will die anderen leitenden Paschas auch berufen und versuchen, die Ordnung in Stadt und Land wiederherzustellen.

tgeltlih!